THEMA: Uganda - von Affen und Vögeln
06 Apr 2020 14:48 #585531
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Liebe FoMis,

da es auch weiterhin so aussieht, als ob die meisten von uns in näherer Zukunft (was auch immer man sich unter diesem Begriff vorstellen mag) nicht nach Afrika kommen werden und auf der Festplatte noch Bilder von weiteren Reisen schlummern, möchte ich wie bereits angekündigt meine Reiseberichte nun weiter fortsetzen. Vielleicht beschert es dem ein oder anderen ein paar vergnügliche Minuten, schöne Erinnerungen oder Ideen für neue Ziele. Da ich selbst massiv von den Berichten anderer profitiert habe, ist es nun an der Zeit, selbst tätig zu werden.

Für uns ging es im Februar / März 2018 für gute zwei Wochen nach Uganda. Bereits vor unserer letzten Tour, bei der wir circa ein Jahr auf den nächsten (Nichtnord-)Afrikaurlaub warten mussten, war uns klar: so lange wie dieses Mal, halten wir es ohne Afrika nicht aus..

Da für den vorherigen Urlaub auch bereits seit Monaten nahezu alles fertig geplant war und die Planung von Reisen viel Spaß und Freude bereitet, wurden bereits im Herbst 2017 Pläne für einen weiteren Afrikaurlaub geschmiedet. Wir dachten dabei an einen vielleicht etwas kürzeren Urlaub im Frühjahr, so dass man noch Zeit/Budget für einen weiteren Urlaub im weiteren Verlauf des Jahres hat. Wir wollten auf jeden Fall etwas anderes als staubig und trocken und lieber etwas Grün erleben. Zudem sollte auch noch etwas Spannung und Exoktik verbleiben, weshalb wir etwa Südafrika ausschlossen. Das übrige südliche Afrika schien uns für einen "kurzen" Urlaub nur bedingt geeignet, vor allem in der Regenzeit. In Ostafrika könnte man sich hingegen noch in die Zeit vor Beginn der großen Regenzeit "quetschen" und hätte grundsätzlich schon mehr "Grün", nicht so viel Trockenheit durch die vorangegangene kleine Regenzeit und vielleicht etwas Grün durch die gerade beginnende große Regenzeit.

Uganda selbst hatte ich lange einzig und allein mit Gorillatrekking in Verbindung gebracht. Als ich das erste Mal davon las, mutete es etwas seltsam an, extra in ein Land zu fahren und so viel Geld auszugeben, nur um eine einzige Stunde Gorillas sehen zu können. Je mehr wir jedoch über das Land lasen, desto deutlicher wurde, dass Uganda auch jenseits des Gorillatrekkings je Menge zu bieten hat, was auch ohne Gorillas eine Reise rechtfertigen würde. Da es zudem für Selbstfahrer – neben Ruanda – das vermutlich am leichtesten zu bereisende Land in Ostafrika darstellen dürfte, war ein weiterer Pluspunkt.

Nach längerem Hin und Her beschlossen wir zudem, zum ersten Mal nicht als Camper sondern in festen Unterkünften zu nächtigen. Hierfür sprach aus unserer Sicht: das Angebot an vernünftigen Fahrzeugen mit Campingausstattung ist begrenzt und im Vergleich zu Fahrzeugen ohne Campingausstattung relativ teuer, jedenfalls wenn man mehr als "nur" Zelt, Kühlbox, Tisch und Stuhl haben möchte. Die Bilder, die wir bis dahin von Campsites in Uganda gesehen haben, sprachen (anders als etwa in Namibia) auch nicht dafür, dass man hier unbedingt campen muss. Hinzu kam, dass wir durchaus mit einigem Regen rechneten – und da nicht auf ein Zelt unbekannter Qualität vertrauen wollten. Es gibt einige Unterkünfte mit vertretbaren Preisen (wir haben am Ende im Schnitt ca. 80€ pro Nacht gezahlt, z.T. mit Halbpension, z.T. nur mit Frühstück). Zuletzt waren wir uns nicht sicher, wie und ob wir uns für mehrere Wochen vor Ort gut oder ohne großen Aufwand selbst versorgen können. Im Ergebnis sprach somit mehr für feste Unterkünfte als für Zelten. Heute würde ich das etwas anders sehen und stehe einer Campingtour aufgeschlossen gegenüber bzw. sehe ihre Vorteile – das ist aber alles auch immer einfacher, wenn man schon einmal im Lande war.

So wurde schließlich eine Route gebastelt, die wohl eine für Uganda typische Ersttäterroute darstellen dürfte. Viele bleiben kürzer (und haben überall weniger Zeit), manche gar nicht einmal eine Woche in diesem Land (pure Verschwendung), manche länger. Kidepo und alles östlich von Kampala musste leider wegfallen. Das Ziel war, möglichst viel Zeit an den interessanten Orten zu verbringen, zugleich aber auch bei unbekannten und unkalkulierbaren Straßenverhältnissen keine Monsteretappen zu haben.

Nach Einholen einiger Angebote (die Auswahl war nicht riesig) entschieden wir uns, aufgrund der guten Erfahrungen im Forum, der guten Kommunikation und fairen Preise für Douglas/Alpha Rent-a-Car. Aufgrund der guten Kommunikation und da wir die Permits für unsere geplanten Trekkings ohnehin über Douglas organisieren ließen, ließen wir schließlich auch die Unterkünfte durch ihn buchen, was hervorragend klappte und uns viele Einzelüberweisungen nach Uganda ersparte.

Am Ende stand folgende Route:



01 22.02. Entebbe Airport Guesthouse
02 23.02. Entebbe Airport Guesthouse
03 24.02. Murchison Falls NP Heritage Safari Lodge
04 25.02. Murchison Falls NP Heritage Safari Lodge
05 26.02. Murchison Falls NP Heritage Safari Lodge
06 27.02. Murchison Falls NP Budongo Eco Lodge
07 28.02. Hoima Kontiki
08 01.03. Kibale NP Kibale Forest Camp
09 02.03. Kibale NP Kibale Forest Camp – Chimp Habituation Experience
10 03.03. Queen Elizabeth NP Queen Elizabeth Bush Lodge
11 04.03. Queen Elizabeth NP Queen Elizabeth Bush Lodge
12. 05.03. Queen Elizabeth NP Queen Elizabeth Bush Lodge
13 06.03. Bwindi NP Buhoma Community Rest Camp
14 07.03. Bwindi NP Buhoma Community Rest Camp – Gorilla Trekking
15 08.03. Bunyoni Overland Resort
16 09.03. Lake Mburo NP Eagles Nest
17 10.03. Rückflug

Als wir von unserer Tour durch Südafrika und Namibia zurückkamen, fragte meine Mutter ganz unwissend, wo es denn als nächstes hinginge und dass sie ja schon auch mal Lust auf Afrika und wilde Tiere und so hätten. Da wir uns gut verstehen, boten wir ihnen schließlich an, sie mitzunehmen, sofern es kurzfristig noch Gorilla Permits und Verfügbarkeiten zu unseren gebuchten Terminen sowie ein größeres Fahrzeug verfügbar gäbe. Nachdem das alles der Fall war, wurde eine weitere Tranche nach Uganda überwiesen und wir harrten nun zu viert der Dinge, die uns in Uganda etwarten würden – schließlich war es auch für uns das erste Mal "richtiges Afrika" :-)

Wie und ob es uns gefallen hat, werdet ihr hoffentlich in Bälde lesen können – vorab wie gehabt ein kleiner Vorgeschmack als Teaser.









Der Bericht ist "gesonnt", so dass er wie gehabt durch Klicken auf die Sonne rechts oben ohne Kommentare gelesen werden kann. Wie immer freue ich mich über jedwede Rückmeldung oder Rückfragen!

Viele Grüße
fidel
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07 Apr 2020 09:10 #585623
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Tag 01 22.02. Entebbe Airport Guesthouse

Los gehts.
Die Wartezeit ist irgendwann vorrüber, alle Vorbereitunghandlungen abgeschlossen, alle tatsächlich oder vermeintlich benötigten Ausrüstungsgegenstände wie Gamaschen und Gartenhandschuhe erworben und verstaut, Dollar erworben und eingepackt, alle Impfungen erledigt.

Wir fliegen mit Brussel Airlines über... *Trommelwirbel* ..Brüssel und einen Zwischenstop und Kigali. Hinwärts tagsüber, zurück über Nacht. Preisleistungsverhältnis stimmt im Großen und Ganzen. Abflugzeit ab München 07:05 Uhr. Auf dem Papier beim Buchen hört sich so eine Uhrzeit immer in Ordnung an. Erst kurz vorher realisiert man, wann man Aufstehen muss, um zum Flughafen zu kommen und die geforderte Zeit vorher da zu sein.. Leider passiert uns das immer wieder..

Glücklicherweise werden wir alle von meiner Schwester zu nächtlicher Stunde eingesammelt und am Flughafen abgeladen. An viel Details der Anreise kann ich mich zugegebenermaßen nicht mehr erinnern, was für ein weder besonders negatives noch besonders positives Erlebnis spricht.

Irgendwann zieht sich so ein Tagflug dann doch, vor allem wenn man so früh aufgestanden ist. Schließlich sind wir über Entebbe – müssen aber vorher ja noch die Passagiere für Kigali abliefern. Es geht also einmal über den Viktoriasee und wir sehen kurz die Hügel Kigalis im nächtlichen Licht der Laternen. Dann dauert es gefühlt viel zu lange, bis es endlich wieder "zurück" nach Entebbe geht. Doch schließlich sind wir auch dort angelangt und eilen zur Immigration. Wir haben im Vorfeld ein E-Visa beantragt, was (abgesehen von der Schwierigkeit, Passfotos in angeforderter Größe und Zugleich noch erkennbarer Qualität zu produzieren) problemlos funktionierte.

Dort gibt es für Touristen zwei Schalter, davor eine große Mischung aus Schlange und Traube. Wir reihen uns ein und warten und warten. Dabei ist es in der Halle unglaublich stickig und schwül, vor allem wenn man aus dem winterlichen Deutschland kommt. Es scheint echt nichts voranzugehen. Als nur noch ca. 10-15 Personen vor uns sind, hat der Beamte Feierabend und schließt seinen Counter..

Letztlich zählen wir zu den letzten, die durch die Immigration hinter sich brachten. Draußen wartete bereits unser Abholer vom Airport Guesthouse. Neben uns sollten noch ein paar Stuttgarter mitkommen. Mittlerweile war es Mitternacht. Wir versuchten noch, an einem ATM Bargeld zu erhalten – dieser spukte jedoch maximal den enormen Betrag von umgerechnet 2,5 € aus. Fängt ja gut an hier :-)

Schließlich waren alle da und sämtliche Gepäckstücke verstaut und es ging die letzten paar Minuten zur Unterkunft. Das Guesthouse verfügt über schöne, die rund um einen schönen Garten angelegt sind – für den wir nun jedoch keine Augen haben. Unsere Sorge, ob unsere Buchungen auch tatsächlich geklappt haben (und wir nicht nur mit einem Phantom gemailt haben bzw. ihm Geld geschickt haben) löst sich auf :)

Wir müssen noch unsere Wunschzeit und Wunschessen für das Frühstück mitteilen (ab jetzt ein alltägliches abendliches Ritual) und dürfen dann endlich ins Bett. Es ist weiterhin ungewohnt warm, man hört immer wieder ungewohnte Geräusche und Hunde bellen, doch irgendwann überkommt uns der Schlaf. Ein paar Stunden später werden wir jedoch unsanft aus dem Schlaf gerissen – ein gewaltiger Regenschauer trommelt auf das Dach. Es hört sich an, als würde es aus Kübel gießen. Ein Blick aus dem Fenster zeigt: es gießt. So hört sich also ein tropischer Regenschauer an. Wenn das jetzt täglich so weiter geht, na das kann ja heiter werden..
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07 Apr 2020 14:01 #585643
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Tag 02 23.02. Entebbe Airport Guesthouse

Irgendwann lässt der Regen etwas nach und wir können noch etwas schlafen – jedoch nicht allzu lange – dann klingelt der Wecker.
Nachdem sich einer der Top-Spots für Schuhschnabelsichtungen gleich in der Nähe von Entebbe im Mabamba Swamp befindet und wir diesen Vogel unbedingt einmal live sehen wollten, mussten wir die Shoebill-Tour irgendwo in unseren Tourplan unterbringen. Den ersten Tag gemütlich mit einer Bootstour zu beginnen hörte sich da eigentlich nach einem guten Plan an. Nicht komplett bedacht wurde dabei, dass wir möglichst früh los mussten, um die besten Sichtungschancen zu haben und andererseits am Abend zuvor erst spät ankommen würden.. Viel andere Möglichkeiten gab es jedoch nicht, die Chancen in Ziwa oder im Murchison Falls NP stehen weitaus schlechter.

Es regnet nicht mehr, ist aber zugezogen und eher frisch. Zum ersten Mal denke ich daran, wie es wäre, auf einem kleinen Boot durch solch einen Regenschauer wie in der Nacht erlebt überrascht zu werden und habe Sorge, ob unsere Tour bei Regen überhaupt stattfinden kann (oder wir umsonst aufgestanden sind?).

Nach dem Frühstück erscheint jedoch vom Mabamba Shoebill Tours geschickter Abholer und verkündet, dass es nicht mehr regnen werde. Wir haben vorab eine Tour bei Mabamba Shoebill Tours zu einem verhältnismäßig hohen Preis gebucht. Die Tour wird von einer lokalen Community-Vereinigung organisiert, die so immer wieder wechselnden Fahrern und Fischern die Möglichkeit eines Zuverdienstes bietet.

Wir fahren die wenigen Meter von der Unterkunft zum Viktoriasee, halten dabei jedoch noch kurz an um Geld abzuheben (um unsere Tour überhaupt bezahlten zu können) sowie Kekse und Wasser zu kaufen.
Der Plan sieht vor, von Entebbe mit einem Boot über eine Bucht des Viktoriasees zum Sumpf zu fahren und dort in ein kleineres Boot mit dem Guide einzusteigen.

Am Ufer herrscht geschäftigtes Treiben, es scheinen viele Leute hier was zu tun zu haben. Bereits hier am Ufer, mitten in der Stadt stehen diverse Reiher und Wasservögel am Strand stehen. Nach einiger Wartezeit ist unser Boot gefunden, etwas Wasser herausgeschöpft und wir hineingebeten. Das Boot macht einen mäßig vertauenswürdigen Eindruck, es bleibt uns aber wenig übrig, als es auszuprobieren.



Schließlich geht es direkt hinaus auf den See. Noch vor etwas mehr als 2-3 Jahren (vom damaligen Zeitpunkt aus gehesen) hätte ich mir nie vorstellen können, einmal tatsächlich den Viktoriasee MITTEN in Afrika zu sehen oder ihn gar zu befahren. Sobald wir die Küste verlassen, wird der Wind stärker und die Wellen höher. Wir schaukeln nun ganz schön und es spritzt gewaltig. Na das kann ja noch heiter werden.. ;) Auch künftige Bootsfahrten - so viel sei verraten - werden hier weiterhin sehr von den Elementen geprägt sein.

Hinter uns wird Entebbe immer kleiner, das gegenüberliegende Ufer kommt nicht wirklich näher. Über uns fliegen Schwalben, ein Black Kite und schließlich, nach Angaben unseres Bootsführers, ein Shoebill und hoher Höhe – außer einem Vogel in großer Höhe sah man jedoch nichts.



Nach 30-60 Minuten kam schließlich am gegenüberliegenden Ufer ein Schilfgürtel in Sicht, voller Vögel mit tropischem Wald im Hintergrund.



Nun fuhren wir langsam am Schilf entlang uns sahen innerhalb von Minuten eine unglaubliche Vielzahl verschiedenster Vögel. Leider flogen viele sofort auf, wenn wir uns näherten, einige blieben jedoch lang genug sitzen für ein Bild. Das Licht war nicht optimal, aber die Zahl an Vögeln wahnsinnig beeindruckend.


Weißbrustkormoran


Riedschabe


Purpurreiher

Immer wieder sahen wir Malachiteisvögel vor uns als leuchtende bunte Bälle wegfliegen. Dieses ungleiche Paar hielt wenigstens so lange still, dass ein Nachweisfoto möglich war.



Ingesamt war das Boot und/oder der Fahrer nicht wirklich optimal für die Fotografie von Vögeln, weil es zu groß, ungelenk und laut war. Irgendwann kamen wir zu einer kleinen Einbuchtung, an der ein paar Boote lagen, wir stiegen um und begrüßten unseren Guide sowie einen Poler, der uns durch die engen Wasserstraßen des Sumpfes bringen sollte.

Auch hier sahen wir einige Vögel, jedoch bei weitem nicht so viele wie am Rande des Sumpfes. Die Bewegung des Bootes macht den perfekten Fokus leider nicht immmer einfach..


Blaustirnblatthühnchen


Malachiteisvogel


Witwenpfeifgans

Spektakulär erscheint uns die Farbgebung des Purpurhuhns, eine Erstsichtung für uns.



Der Guide oder Tracker macht sich immer wieder groß, um für uns nach einem Schuhschnabel zu suchen. Das Problem bei Schuhschnäbeln ist, dass sie primär nur morgens in die leichter einsehbaren Ecken des Sumpfes kommen, um dort zu fressen. Sobald sie satt sind, verkriechen sie sich im dichten Papyrus, wo man keine Chance hätte, sie jemals zu finden. Wir fürchten schon, dass wir zu spät gestartet sind und alle Schuhschnäbel weg sind.

Schließlich kommen wir jedoch an eine Stelle des Sumpfes, wo sich gegenwärtig ein Schuhschnabel verstecken soll. Es ist auch bereits ein anderes Boot vor Ort, was dafür spricht, dass da was ist. Uns wird minutenlang erklärt, in welche Richtung wir schauen sollen. Irgendwie ist da auch ein grauer Fleck, aber viel mehr sieht man nicht. Unser Bootsführer findet dann doch noch eine Position, aus der wir im Stehen mehr sehen können. Da ist er. Was für ein bizarres Geschöpf.




Leider ist er weiterhin recht weit weg, aber wir können ihn gut beobachten wie er nahezu regungslos dasteht und auf seine Beute lauert. Das Fotografieren mit Tele im Stehen in einem kleinen kanuartigen Boot ist leider auch eine Herausforderung für sich. Ich hatte mir da von den Bildern etwas mehr versprochen, aber hey, immerhin überhaupt gesehen :D





Die Landschaft um uns herum ist wunderschön.



Irgendwann hat der Schuhschnabel dann genug und fliegt davon. Wir machen uns auf den Rückweg zum Rand des Sumpfs und schließlich wieder über den See.

Zurück im Airport Guesthouse sind wir gegen Mittag, wo uns bereits Andrew (?), ein Mitarbeiter von Alpha Rent-a-car mit unserem Auto erwartet. Eigentlich hatten wir hierfür erst 15.00 Uhr ausgemacht, um noch was Essen zu können, aber so gab es nun bereits die Übergabe von Vouchers, Tracking Permits, Autoschlüsseln und Dollar. Wir haben einen Hilux Surf, der zwar schon ein paar Macken hat, ansonsten aber ganz gut in Schuss wirkt. Die Reifen sind nicht mehr die neuesten, haben aber zumindest noch etwas Profil. Der Reservereifen eher weniger. Naja, zu hohe Ansprüche darf man wohl nicht stellen bei 65 $ am Tag, freien Kilometern und außerhalb der Nationalparks "Vollkasko". Aus Berichten im Internet schlau, teste ich sämtliche Griffe und Fenster soowi alles was geht. Prompt mag ein Fenster nicht aufgehen. Die Abdeckung wir abgebaut, ein wenig an den Kabeln rumgespielt und dann geht es wieder. Nun kennen wir also auch diesen Trick. Insgesamt werden die Fenster noch manchmal zicken, aber irgendwann gingen sie immer. Generell scheinen Autos in Uganda aufgrund des allgegenwärtigen Staubs ein großes Problem bei Fenstern etc. Zu haben. Meist handelt es sich um Importe aus Japan, dort sind die Anforderungen halt nunmal andere.

Wir werden noch gebrieft, welcher Polizist was darf und was wir auf keinen Fall tun sollten und schließlich allein gelassen. Da wir nun ein Auto zur Verfügung haben, wollen wir sogleich einmal Versuchen, ein paar Einkäufe für die nächsten Tage in Form von Snacks, Wasser und co. zu holen. Wir fahren daher in Richtung einer neuen Mall, da uns verschiedentliche Schilder dort einen Shoprite versprechen. Dort angekommen finden wir zwar die Mall, nicht aber den Shoprite. Der soll erst in ein paar Monaten eröffnen..
Wir finden dann Google Maps jedoch beim Rumkurven in Entebbe noch einen weiteren kleinen Laden (Supermarkt wäre etwas zu übertrieben), bei dem wir uns vorerst mit dem nötigsten eindecken.

Danach geht es zurück zum Airport Guesthouse. Der Verkehr in Entebbe ist zwar recht dicht und von verschiedensten Verkehrsteilnehmern geprägt, aber relativ langsam, so dass wir ganz gut zurecht kommen.

Im Garten wird schließlich entspannt. Nachdem ich Andrew (?) gefragt hatte, wie wir am besten auf die Straße Richtung Ziwa kommen und er uns empfahl, so schnell wie möglich auf den Western Bypass zu gelangen, klemme ich mich hinter T4A und bastele eine Route, die uns unter größtmöglicher Vermeidung von Kampala möglichst rasch auf den Northern Bypass bringen soll.



Es gibt einiges an attraktiven Vögeln im Garten, zum größten Teil jedoch weiter oben in den Bäumen, für eine genauere Verfolgung mit Kamera sind wir etwas zu KO. Zum Abendessen wird gegrillt.



Das Essen wird im Garten eingenommen, sehr nett und lecker. Wir unterhalten uns noch kurz mit den Stuttgartern, einer Gruppe Freunde in unserem Alter (insgesamt ~ 8-10), die zum Teil bereits zum zweiten Mal in Uganda sind und eine geführte Tour machen und die wir auf unserer Tour noch ein paar Mal treffen sollten. Morgen früh wollen sie direkt in den Kidepo, haben also eine lange Fahrt vor sich. Wir auch, schließlich müssen wir bis zum Murchison Falls NP und erst einmal durch Kampala kommen..
Letzte Änderung: 18 Mai 2020 12:57 von fidel.
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09 Apr 2020 11:59 #585816
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Tag 03 24.02. Murchison Falls NP Heritage Safari Lodge
Gefahrene KM: 427





Noch bevor unser Wecker klingelt, machen sich die Stuttgarter bereits im Dunklen auf den Weg. Leider ist das nicht zu überhören, da alle Zimmer zum Garten und Parkplatz hin ausgerichtet sind. Wir kommen deshalb in das Vergnügen, schon früher als geplant wach zu werden..

Nach dem Frühstück machen auch wir uns gegen 08:00 Uhr auf den Weg Richtung Murchison Falls NP. Wir haben überhaupt keine Ahnung, wie lange wir brauchen werden, da es hierzu keinerlei verlässliche Zahlen gibt – es hängt schlicht sehr stark davon ab, wie schnell man durch Kampala kommt. Wir folgen der Verbindungsstraße Entebee – Kampala einige Kilometer nach Norden. Der Verkehr ist zwar dicht, aber fließt. Der neue Highway, der die beiden Städte verbindet, ist zum damaligen Zeitpunkt zwar schon fertiggestellt, aber noch nicht eröffnet.

Mein Plan war, irgendwann Richtung Westen abzubiegen und Kampala über kleinere Straßen zu umfahren, die Route hatte ich gestern Nachmittag gebastelt und aufs Navi geladen. Daher geht es nun irgendwann nach links ab auf eine Lehmpiste zwischen Häusern durch. Die Straße lässt sich gut fahren, ab und an müssen wir abbiegen. Es geht meistens durch Siedlungen, zum Teil auch durch Wald- und Sumpf, aber man kommt gut voran. Die Route ähnelt ein wenig dem Verlauf des neuen Highways (sofern jemand den Track benötigt, ich hatte ihn hier im Uganda-Forum irgendwann mal gepostet). Irgendwann kommen wir wieder auf eine größere Straße mit Verkehr, jedoch ist nun der Northern Bypass nicht mehr weit. Rechts von uns liegt Kampala, soweit man sehen kann sind sämtliche Straßen verstopft.

Auch auf dem Northern Bypass ist der Verkehr zäh, es geht jedoch voran und nach nicht einmal 1,5 Stunden ab Abfahrt sind wir an Kampala vorbei und auf der Fernstraße Richtung Gulu. Die Häuser werden weniger, der Verkehr auch. Aufgrund der vielfältigen Eindrücke links und rechts der Straße wird einem auch nicht so schnell langweilig. Sämtliches Leben spielt sich hier an und auf der Straße ab. Immer wieder kommen wir an Verkaufsständen vorbei, die alles mögliche verkaufen. Aufpassen muss man jedoch auf Busse und LKW, welche immer wieder waghalsig überholen oder auf der falschen Spur fahren, vor allem die Busse dabei mit absurder Geschwindigkeit.

Wir kommen gut voran, so dass wir gegen 12:00 Uhr an der Abzweigung zum Ziwa Rhino Sanctuary stehen. Wir wollten unseren Besuch dort davon abhängig machen, wie gut wir vorankommen. Da erst erst 12:00 Uhr ist und wir "nur" noch ca. 200Km auf Teer vor uns haben, beschließen wir, den Rhinos einen Besuch abzustatten.

Das Sanctuary ist der seit 2005 laufende Versuch, die in Uganda ausgerotteten NH (ursprünglich Northern W. R., nunmehr Southern W.R.) wieder in Uganda zu vermehren und eines Tages aussiedlen zu können. Dabei handelt es sich um ein Joint Venture aus UWA (der ugandischen Nationalparkverwaltung) und privaten Organistationen. Die NH leben auf einem großen, mit Elektrozaun gesicherten Gehege und werden rund um die Uhr von Ranger bewacht.

Es geht einige Kilomter zum Headquater, wo uns ein Guide zugewiesen wird, mit dem wir nochmals ein paar Kilomter auf einem kleineren Feldweg fahren. Schließlich wird das Fahrzeug neben der Straße geparkt und es geht zu Fuß weiter. Es ist verdammt heiß und stickig, deutlich über 30° C. Naturgemäß ist das nicht die beste Zeit, um NH zu suchen, wenn man aber nicht vor Ort übernachtet (was sicher die vorzuziehende Variante wäre), bleibt einem aber nichts anderes übrig, als Mittags nach NH zu suchen.



Es geht über ausgetrockente Sumpfwiesen und bereits nach wenigen Minuten sehen wir in einiger Entfernung zwei NH unter einem Baum liegen.





Wir können relativ nah rangehen, zu Fuß ein durchaus spannendes Erlebnis.





Unter verschiedenen Bäumen und Büschen entdecken wir schließlich noch weitere NH. Ingesamt sehen wir am Ende 17 verschiedene NH, was zum damaligen Zeitpunkt mehr als 3/4 der ugandischen NH-Population entspricht..


Übersichtstafel, noch ohne den letzten Nachwuchs

Wir haben sogar das Glück, ein Auge auf den zum damaligen Zeitpunkt jüngsten Nachwuchs zu werfen, der zu diesem Zeitpunkt ca. eine Woche alt war. Leider versteckte er sich recht gut, so dass es nur ein Beweisfoto gibt.



Es ist schön, dass es die Einrichtung gibt und sie macht einen sehr vernünftigen und durchdachten Eindruck und die Zahl wächst nach und nach. Ob es jemals dazu kommen wird, dass die NH wieder ausgewildert werden können, erscheint mir aufgrund der vielfältigen Mensch-Tier-Konflikte in Uganda eher fraglich. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Zurück am Headquarter sind wir aufgrund der Hitze ziemlich platt und genehmigen uns daher ein kühles Getränk und eine Kleinigkeit im schattigen Café/Imbiss. Leider zieht sich das alles etwas, so dass wir erst nach 15:00 Uhr auf die letzte Etappe des Tages starten können. Zunächst geht es wie gehabt gut weiter. Bei Kuruma überqueren wir den Nil (fantastisch, einen Fluss so viele Tausend Kilometer weiter südlich als man ihn bisher aus Ägypten kann, wiederzutreffen). Die Gegenden hier sind einsamer und leerer, es gibt nur noch vereinzelt Dörfer und Orte. Landschaftlich sehr attraktiv, oft waldig. Leider wird die Straße immer schlechter und besteht bald aus mehr Schlaglöchern als Teer. Optimal, wenn man am Ende eines langen Fahrtages irgendwann endlich ankommen möchte. Die vermeintlich kurze Strecke nördlich des Parks entlang zieht sich so doch noch einmal gewaltig.

Die Sonne sinkt immer tiefer, nach Berechnungen des Navis sollten wir exakt mit Sonnenuntergang ankommen. Kurz vor Pakwach haben wir dann doch noch einen großen "Aaah"-Moment: etwas unterhalb der Straße stolziert ein prächtiger Elefantenbulle durch die Wiese. Wunderbar majestisch anzusehen. Meine Eltern sind (als Safari-Ersttäter) sehr angetan. Fotos gibt es hiervon leider keine – der Wunsch, doch endlich einmal anzukommen, war größer als die Lust auf Fotos. Nach kurzer Zeit fuhren wir daher weiter, um schließlich kurz nach Sonnenuntergang, aber noch im Hellen, in der Heritage Safari Lodge anzukommen.

Die Lodge liegt sehr schön oberhalb des Nils und besteht aus lauter kleineren Rondells, die zwar realtiv einfach gehalten sind, aber ihren Zweck voll und ganz erfüllen. Meine Eltern erhalten ein größer erscheindes Haus näher an der Boma, unseres ist etwas weiter weg und leider recht beengt. Im Inneren stehen ganze vier Betten samt Moskitonetzen, so dass wir kaum Platz für unsere Taschen und zum Stehen haben.

Das Abendessen ist weder als besonders gut noch besonders schlecht in Erinnerung geblieben, es ist aber nett in der offenen Boma beim Bier zu sitzen und der Natur zu lauschen.

Da die Frage, ob man von Entebbe in einem Rutsch in den Murchison Falls NP fahren sollte und kann, immer wieder auftaucht, vielleicht noch ein paar kurze Worte dazu. So wie wir es gemacht haben, fand ich es schon grenzwertig, jedenfalls was Anstrengung etc. Angeht. Man hätte natürlich 1-2 Stunden früher in Entebbe starten können oder man kann das Rhino Sanctuary weglassen. Mag auch sein, dass man über den neuen Highway nochmals 30-60 Minuten einsparen kann. Wenn man selber fährt, würde ich sagen, dass man auf jeden Fall versuchen sollte, die Nacht im Ziwa Rhino Sanctuary zu verbringen, um alles zu entzerren oder darauf verzichten sollte.

Viele Grüße
fidel
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Tag 04 25.02. Murchison Falls NP Heritage Safari Lodge Teil 1
Gefahrene KM: 114





Leider war die Nacht, wieder einmal, nur mäßig erholsam. Zunächst wummerten entweder vom Dorf auf der gegenüberliegenden Flussseite oder von einer kleinen Privatpartie unten am Fluss die halbe Nacht hindurch Bässe, die selbst mit Ohrstöpseln nur schwer zu ertragen waren. Dazu war es verdammt heiß und stickig. Irgendwann fängt es an zu regnen, kurz darauf wird es im Bett ziemlich nass. Es tropft beständig von der Decke, ein guter Teil der Matratze ist schon nass. Zur Seite scheiben können wir das Bett aufgrund der Enge nur wenig, aber es hilft etwas. Andere Betten im Zimmer hat es noch schlimmer getroffen. So wird die Zahl möglicher Schlafpositionen für die nächsten Stunden etwas eingeengt..

Wir hatten am gestrigen Abend ausgemacht, wann und was wir zum Frühstück haben wollten und hatten dabei vor, so zeitig fertig zu sein, dass wir mit Gateöffnung am Parkeingang sind, welcher ca. 5-10 Minuten mit dem Auto von der Lodge entfernt ist. Für meine Eltern sollte es die erste richtige Safari-Erfahrung werden. Wir hatten sie schon im Vorhinein darauf vorbereitet, dass das bedeutete, zu unchristlicher Zeit aufzustehen um dann stundenlang im Auto rumzukurven. Vor allem mein Vater war über die Aussicht, nunmehr jeden Tag sehr früh aufstehen zu müssen, nicht wirklich froh, fügte sich aber den Sachzwängen.

Irgendwann wache ich auf und wundere mich, weshalb der Wecker noch nicht geklingelt hatte – zack, wir hatten unseren ersten Safaristart verschlafen. Irgendetwas war beim Stellen des Weckers schief gelaufen. Wir hatten unseren Frühstückszeitpunkt zum Glück nur um ca. 30 Minuten verpasst (während meine Eltern natürlich brav aufgestanden waren). Sie konnten uns nicht wecken, weil sie nicht mehr sicher waren, welche der vielen gleichaussehenden Hütten die unsrige ist..

Wir bekamen zum Glück dennoch leckere Pancakes und beklagten uns über den Regen in unserer Hütte. Wir erhielten die befriedigende Antwort, dass man schauen werde, uns für die nächsten Nächte in einem anderen Bungalow einzuquartieren. Es sei der erste Regen dieser Regenzeit und man hätte die Dächer renoviert, aber noch nicht ihre Regendichte prüfen können. Zwar war es, im Verhältnis zu anderen Gegenden, hier in der Tat relativ trocken und es waren auch bei anderen Hütten Baumaßnahmen zu sehen, so ganz glaubwürdig erschien uns die Erläuterung aber nicht :P

Schließlich ging es dann jedoch endlich los in Richtung Park – schließlich waren wir dafür da und aufgestanden. Hierfür mussten wir die Zufahrt zur Hauptstraße zurückfahren und nach einigen hundert Metern auf der gegenüber liegenden Seite wieder verlassen. Die Zufahrt war nicht wirklich einfach zu erkennen, es führten mehrere Spuren von der Straße weg, die zum Teil in einen größeren See führten – anscheinend hatte es hier zum Teil schon gut geregnet. Bereits hier auf der Zufahrt (von insgesamt < 1km) sahen wir jede Menge Tiere.

Eine Herde Uganda-Kobs (unsere erste Bekanntschaft mit diesen hier sehr häufig vorkommenden Tieren) lief in einiger Entfernung über getrocknete Sumpflächen.





Am Boden neben dem Weg saß ein Senegal Coucals / Spornkuckucks, auf einem Palmstumpf erfreuten wir uns an am Anblick eines Abyssinian Ground Hornbills / Sudanhornrabens – so viele neue Tiere in den ersten Minuten :)





An einem Tümpel standen diverse Wasservögel, u.a. ein Saddle Billed Stork / Sattelstorch.



Auf einem Baum darüber war ein Fish Eagle / Schreiseeadler mit dem zerlegen von nicht identifizierbarer Beute beschäftigt.



Schließlich kamen wir zum Gate, registrierten uns und zahlten den Eintritt für die nächsten Tage bar in Dollar. Kartenzählung wäre möglich gewesen, aber wir wollten wenigstens einen Teil unseres Dollarvermögens endlich loswerden. Da wir noch nicht genau wussten, wann wir von der Budongo Eco Lodge aus am letzten Tag aus dem Park fahren würden, wurde uns zugesichert, dass wir beim Verlassen des Parks einfach nachzahlen könnten (so war es schließlich auch).

Die Straße (damals noch nicht so breit wie heute – die heutige Schneise ist einfach grauenhaft für die Ästhetik..) führte durch eher waldigere Gegend, zum Teil auch über offenere Flächen. Überall waren kleinere und größere Palmsträucher – bzw. Bäume zu sehen (man verzeihe mir eine gewisse Ungenauigkeit bei Pflanzen – man kann sich nicht für alles gleichermaßen interessieren :) ).

Als erstes sahen wir ein Jackson Hartebeest. Die genaue Abgrenzung zwischen den verschiedenen Hartebeest, Topi, Kongoni etc. Arten scheint eine Wissenschaft für sich zu sein und die deutsche Übersetzung nicht immer exakt. Nach Rückfrage bei einem Guide müsste es sich hier jedoch ausschließlich um Jackson Hartebeest handeln.





Kurz darauf sehen wir erneut ein paar Kobs..



.. ein Warzenschwein mit prächtiger Frisur..



und an einer Pfütze einen Temnick's Stint (?) / Temnikstrandläufer.



Ein Marabu zeigt sein Instagram-Gesicht.


Irgendwann sehen wir rund um einen Baum verschiedene kleinere Tiere wuseln. Beim näherer Betrachtung stellen sie sich als Red Colobus / Uganda/Rote-Stummelaffen heraus, die leider etwas Kamerascheu sind – aber es sind einige Jungtiere dabei.





Für uns die erste neue Affenart bzw. nach Chacma Baboons und Vervet Monkeys die dritte überhaupt. Sie werden uns in der nächsten Zeit noch häufiger begegnen.

In einem traumhaften, lichten Wald treffen wir auf eine kleine Elefantenherde. Wie wir erst später auf den Bildern sehen, trägt ein Jungtier eine Schlinge, vermutlich von Wilderen, mit sich herum, die sicher schmerzhaft sein dürfe und ihn auch leicht beim Gehen behindert.







Als Nachhut kommt noch eine Mutter mit kleinem Nachwuchs – wunderbar anzusehen, leider aufgrund der Böschung, einiger Entfernung und Sträuchern nicht optimal zu fotografieren.



Kurz darauf sehen wir einen Wattled Lapwing / Senegalkiebitz.



sowie einen Defassa-Wasserbock. Im Gegensatz zu ihren südlichen Verwandten fehlt ihnen leider die attraktive Zielscheibe am Hintern.



Die Landschaft ist wunderschön, irgendwann kommen auch Nil und Lake Albert in Sicht.





Wir sind bisher erst eine gute Stunde im Park, haben aber schon unglaublich viel Tiere gesehen – damit hatten wir ehrlich gesagt nicht wirklich gerechnet gehabt. Auch meine Eltern konnten es kaum glauben, dass wirklich alle paar Meter irgend ein neues Tier darauf wartet, fotografiert zu werden. Es ist anfangs etwas schwierig, Erwartungshaltungen an Safari richtig zu transportieren :-)
Letzte Änderung: 18 Mai 2020 12:58 von fidel.
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11 Apr 2020 16:09 #586007
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Tag 04 25.02. Murchison Falls NP Heritage Safari Lodge Teil 2

Wir fahren nun einen Loop Richtung Nil und Lake Albert, welcher uns Richtung Delta bringen soll. Wir sehen unsere ersten Oribis (und haben anfangs etwas Probleme, sie von Kobs zu unterscheiden).





Ferner noch mehr Wasserböcke, diesmal mit Nachwuchs..



.. Perlhühner..



und weitere Ground Hornbills.



Dann ist es Zeit für den Auftritt einer weiteren Afrika-Ikone, diesmal in Gestalt einer Rothschild-Giraffe. Diese Giraffenunterart ist stark gefährdet, der Murchison Falls NP ist einer der besten Plätze, um sie noch beobachten zu können.








Weitere Oribis posieren für uns – sie sind sehr hübsch anzusehen und immer wieder fazsinierend, wie viele verschiedene Antilopenarten der afrikanische Kontinent so beherbergt..



Als wir uns dem Ufer des Albert Nils nähern (welcher nördlich aus dem Lake Albert "entspringt", während der Viktioria Nile vom Viktoriassee zum Lake Albert führt und dort in einem Delta mündet – auf dem Sat-Bild einen Post vorher gut zu erkennen), sehen wir, dass die offenbar fruchtbaren Grasflächen an seinen Ufern von einer Vielzahl von Tieren begrast werden. Wir sehen Wasserböcke, Büffel, Warzenschweine und allerhand Vögel, die die Herden begleiten.



Als wir näher ans Ufer kommen, sehen wir ein paar Hippos im Wasser (damit ist eines der "Must-Sees" für meine Eltern abgehakt ;-) ).



Außerdem sehen wir jede Menge Vögel wie Ibisse, White-Faced Whistling Ducks, Squaco Heron, Spur-winged Geese und einen profanen, aber immer wieder schön anzusehenden Graureiher. Alle anderen befanden sich leider etwas zu weit entfernt für vorzeigbare Fotos, insbesondere in Kombination mit nunmehr vorherschendem Hitzeflimmern.



Der Weg vom Delta weg entlang des Viktoria Niles führt etwas weiter versetzt durch etwas dichteren Wald, auch hier gibt es jedoch offenere Flächen und wir sehen neben weiteren Giraffen, einem Buschbock und noch mehr Büffeln erneut eine kleine Elefantenherde.





Da es nunmehr langsam Mittag wurde, beschlossen wir, zur Para Lodge zu fahren um für den Nachmittag eine Bootstour zu den Falls zu buchen und mal einen Blick auf die Preise für ein mögliches Mittagsessen zu werfen. Wir buchen zunächst eine Tour und begeben uns dann auf die Terasse der Lodge, wo wir ein fair bepreistes Mittagsmenu bei toller Aussicht auf den Nil und die am gegenüberliegenden Ufer liegenden Büffel sowie immer wieder kehrenden Elefanten haben. Die Lodge ist riesig und entspricht so in etwa allen Klischees, die man so als normalerweise Nicht-Lodgehopper von einer Lodge hat. Ob wir uns hier wohl fühlen würden, bezweifle ich. Da ist uns die Heritage Lodge trotz ihrer Problemchen doch lieber (auch wenn die Lage der Paraa Lodge natürlich unschlagbar ist).

Auf dem Weg zum Bootsanleger sehen wir schließlich noch kurz eine Warzenschweinfamilie



Dann geht es mit einer Handvoll weiteren Gästen auf das relativ große, zweistöckige Boot. Nahezu zeitgleich mit uns legt auch die Tour des UWA-Boots ab, welches eine ähnliche Bauweise hat und die Tour nahezu identisch fährt – gefühlt fuhr unser Bootsführer besser und mehr zu Sichtungen hin als der Bootsführer des UWA-Boots.

Während wir auf das Ablegen warten, sehen wir bereits einen ersten Elefanten in der Nähe der Anlegestelle am Wasser stehen.



Dann geht es flussaufwärts, immer am Ufer entlang. Wir sehen trotz großer Hitze am frühen Nachmittag jede Menge Tiere und Vögel, die sich alle im und am Wasser aufhalten. Das Boot ist glücklicherweise so dünn besucht, dass wir uns bequem zwischen Seiten und Decks des Boots für die jeweils beste Fotoposition bewegen können. Eine Gruppe Amis bestätigt leider den Ruf, der ihnen nacheilt, ansonsten sind alle anderen Gäste sehr angenehm.





Es ist nicht immer einfach, von so einem großen Boot aus eine gute Fotoposition zu erwischen, aber der Bootsführer gibt sich ehrlicherweise große Mühe, uns dass so gut es geht zu ermöglichen. Der Guide an Deck wirkt sehr kompetent und ist zudem super nett, einzig die Ausprache mancher Tiere (inbesondere der "wiva bats") führte bei uns zunächst zu etwas Rätselraten und schließlich zu jahrelangen schönen Erinnerungen bei jedem neuen Weaver Bird.







Immer wieder verstecken sich mächtige Krokodile im Gebüsch.



Selbstverständlich gibt es auch Hippos in rauen Mengen und in allen Größen.





Sehr freuen wir uns auch über diverse Bee-Eater, die unsere Bee-Eater-Sichtungsliste vergrößern wie den Red-Throated Bee-Eater..



.. und später das nördliche Pendant zu den Carmine Bee-Eater des südlichen Afrikas. Für Krokodil-Fans ist die Ecke sicher eine der besten Afrikas.





Auf Inseln im Fluss zeigen sich immer wieder Hippos.





Dazu sehen wir nahezu sämtliche vertretene Reiher- und Kingfisherarten.



Leider hat es langsam zugezogen und ein starker Sturm kam auf. In der Ferne sah man hohe Gewitterwolken auftürmen, irgendwann donnerte es auch in der Ferne. Wir erreichten schließlich das "Ziel" der Tour, die Murchison Falls. Leider sah man (wie wir vorher wussten) nicht wirklich viel, was man sah, war jedoch durchaus beeindruckend. Das Boot tat sich sichtlich schwer, in der starken Strömung und dem Sturm zu navigieren.




Das Ufer war hier wesentlich steiler und nochmals dichter bewachsen. Ein Schreiseeadler saß genau auf Augenhöhe.



Am gegenüberliegenden Ufer lagen jede Menge Krokodile. Ich weiß nicht ob wir es dort hörten oder ich es irgendwo anders gelesen hatte und ob es stimmt, aber es scheint als ob die Krokodile dort so zahlreich und riesig rumlungerten, weil sie sich vom steten Strom von Fischen, der benommen oder ausgenockt unten in der Strömung landete, ernähren.



Manche mussten erst noch etwas wachsen.



Zurück ging es nun mit etwas höherer Geschwindigkeit, jedoch nicht ohne weitere Sichtungen wie Jackson Hartebeests



oder unsere ersten Black-and-white Colobus Affen, die sich jedoch sehr weit enfernt befanden und gerade so erkennbar waren..



Am Ufer war nun auch eine Gruppe Anubis-Paviane



Schließlich erreichten wir wieder den Anleger. Auch wenn es sich um ein großes Boots handelt, hat sich die Fahrt voll und ganz gelohnt; allein die unglaubliche Vielzahl an Tieren und Vögeln, die man hier zu Gesicht bekommt ist fantastisch, der Blick auf die Fälle ist da nur das I-Tüpfelchen. Klar ist ein kleineres Boot sicher besser (seine Vor- und Nachteile werden wir in ein paar Tagen kennenlernen), aber auch wesentlich teurer.

Das Gewitter hatte sich nunmehr glücklicherweise verzogen, und so ging es im besten Abendlicht zurück zum Parkgate, natürlich nicht ohne weitere Sichtungen.










Zurück am Gate müssen fahren wir noch über den Nil nach Pakwach, um zu tanken. So langsam kommt uns der Verdacht auf, dass etwas mit dem Fahrzeug nicht stimmen kann. Entweder stimmt die Anzeige nicht, oder wir verbrauchen im Schnitt 15-18 Liter auf 100km. Bereits auf unsrer Fahrt zum Murchison Falls NP mussten wir einmal tanken, nun neigt sich die Nadel erneut bedrohlich. Wie viel in den Tank passt, konnte uns bei der Übergabe nicht gesagt werden, wir hatten jedoch immer voll machen lassen. Noch waren wir uns aber nicht zu 100% sicher, ob das normal ist oder nicht. In Pakwach ging das Tanken ohne Probleme von statten, einzig die Belagerung durch Verkäufer war etwas anstrengend – das hat man aber nahezu überall in Uganda, wo regelmäßiger Fahrzeuge anhalten (aber lang nicht so nervig wie etwa in Ägypten oder auch manchmal in Namibia).

Als wir wieder aus dem Ort rausfuhren, waren einige Bewohner gerade beim Abendspaziergang. Ein Elefant bewegte sich außerhalb des Reserves in der Nähe der Straße und auch die Bewohner zückten ihre Handys für ein Bild und beobachteten ihren wilden Nachbarn. Meines Wissens sind die Konflikte zwischen Bewohnern und Tieren hier nicht so ausgeprägt wie im Queen Elizabeth NP, da die Gegend um den Park hier wesentlich dünner besiedelt ist. Die Gefahr durch den Mensch für die Tierwelt kommt hier aus anderer Richtung..

Zurück in der Lodge gab es erneut ein leckeres Abendessen, als Alternative zum allgegenwärtigen Nile Special wurde diesmal ein Tusker ausprobiert – geschmacklich leider nicht dasselbe :)
Letzte Änderung: 18 Mai 2020 13:01 von fidel.
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