Sadie1'835 Beiträge · seit 201512. Apr. 2020 · #21
Hallo Fidel, sehr schöner Game Drive mit Bootsfahrt! ich habe eine Frage: Was sind deine Gründe dafür dass du nicht auf der näheren Seite des Parks nahe der Fälle übernachtet hast? Wegen der Fähre und dem Preis der Lodges? Möchte gerne dein reasoning erfahren. L G Katrin
fidelThemenstarter925 Beiträge · seit 201613. Apr. 2020 · #22
Hallo Katrin, der Grund ist primär der Preis gewesen. Es gibt zwar auch auf der Südseite ein paar günstigere Lodges, aber wir wollten uns die Fähre zu den Gamedrive-Gebieten (die sich alle auf der Nordseite befinden) ersparen. Auch auf dem Weg vom Gate bis zu den "eigentlichen" Game Drive Gebieten haben wir immer sehr viele schöne Sichtungen gehabt, die Fahrzeit von der Heritage Lodge bis nach Paraa ist nicht soo lang. Wobei auch die Heritage Lodge zwar außerhalb des Parks lag, aber ohne jegliche Zäune o.ä., so dass wir mehrfach Elefanten in der Nähe der Lodge sehen konnten. Im Nordteil selbst gibt es nur die Paraa und die Pakuba Lodge sowie ganz im Osten (und damit noch deutlich abgelegener als die Lodges außerhalb im Norden) noch eine Lodge. Rückblickend würde ich wohl eher in den sauren Apfel beißen und in der Pakuba Lodge (mit gemischten Reviews) absteigen, dafür aber nicht immer hin und her fahren müssen. Das war das erste Mal, dass wir irgendwo "außerhalb" übernachtet haben, aber bisher seitdem auch das letzte Mal 🙂 Aber irgendwo muss man halt sparen anfangen bei so einer teuren Reise, und die Pakuba Lodge kostet das 2-3fache der Heritage Safari Lodge und man zahlt, je nach Zeitpunkt der Ab- und Anreise ggf. einen weiteren Tag Eintritt.
Sobald die Brücke über den Nil fertig ist, bieten sich natürlich die Lodges am Südufer des Nils eher an (oder eine der schönen Campsites mitten im Game Drive Gebiet).
Diese Nacht war erholsamer als die letzte. Wir durften unsere Hütte umziehen und in die deutlich größere und angenehmer gestaltete Hütte neben meinen Eltern ziehen. Auch der Wecker tat an diesem Morgen seinen Dienst und so standen wir nach einem weiteren leckeren Frühstück (das Frühstück ist generell eines der Highlights in Uganda) diesmal mehr oder weniger pünktlich mit Sonnenaufgang am Gate (so wie es nach Plan sein sollte).
Im Tümpel auf der Zufahrt sahen wir bereits wieder im ersten Morgenlicht einen Graureiher sowie einen Schreiseeadler.
Auch innerhalb des Parks zeigten sich rasch verschiedenste Tiere. Eine Warzenschweinmutterr hatte nichts dagegen einzuwenden, dass wir sie bei der Nachwuchsversorgung beobachteten.
Kurz konnten wir einen Blick auf unseren – neben Mangusten – erstes Landraubtier in Uganda werfen, einen für uns neuen (und bisher einmaligen) Goldschakal.
Die Landschaft des Parks ist wirklich einmalig.
Wie man sieht, war die Gegend relativ trocken, einige Stellen wirkten auch als hätte es nicht vor einiger Zeit Buschfeuer gegeben, es spross jedoch bereits frisches Gras. Hatten wir wie bereits geschildert anfangs noch etwas Probleme, Kobs und Oribis auseinanderzuhalten, machten manche Sichtungen es uns da einfacher..
Wir sahen ein junges Hartebeest..
..sowie erneut eine größere Büffelherde, die offenbar gerade frisch von der Beauty-Farm kam.
Auf einem der Palmsträucher saß ein Steinschmätzer und wärmte sich auf.
Wir sahen Elefanten..
.. und noch mehr Büffel.
Wir sahen unseren ersten Kappengeier und kurz darauf den Grund seiner Anwesenheit, ein totes Büffelkalb. Grund des Versterbens oder Besitzer des Kills waren jedoch leider nicht auszumachen.
Mit der heutigen Erfahrung würden wir evtl. noch länger dort stehen bleiben und warten (bzw. fragte ich mich gerade, weshalb wir das nicht taten), aber gerade mit Safari-Ersttätern hat man irgendwie häufiger das Gefühl, immer weitefahren zu müssen um neue Sachen zu finden.. Und natürlich kann man sich in so einer Situation, gerade früh am Morgen, immer nur falsch entscheiden. Immer wieder sahen wir einzelne Elefantenbullen und auch größere Herden verschiedenster Tiere in der Ferne. Erwähnte ich schon, dass die Landschaft super interessant ist? 🙂
Wir fuhren erneut auf einen der Loops Richtung Westen, wo es landschaftlich etwas anders aussah. Es war grüner, buschiger und gab zum Teil schöne Akazienwälder. Hier stießen wir auf eine große Herde Giraffen.
In einem Baum turnte ein roter Stummelaffe herum.
Wir freuen uns über eine Erst-Sichtung eines Cinnamon-Chested Bee-Eaters. Ich saß grad ewig und habe Bilder verglichen, ob es sich nicht doch nur im einen Little Bee-Eater handelt.. dagegen spricht jedoch ein eindeutig zu erkennender weißer Fleck an der Wange bzw. am Nacken, was gegen Little und für Cinnamon-Chested (oder Blue-breasted) spricht. Auch gibt es kein blauen Streifen über dem Auge. Dafür soll der Cinnamon-Chested eigentlich vor allen in höheren Lagen vorkommen, wir befinden uns hier aber "nur" auf ca. 1000m.. Größe ist irgendwie schwer zu beurteilen, tendiert aber eher Richtung Little..
Irgendwann machen wir uns langsam wieder auf den Weg zurück Richtung Norden. Löwen o.ä. fanden wir leider keine, hörten aber, dass es morgens irgendwo eine Sichtung gegeben haben soll.
Auf dem Rückweg stoßen wir auf einen verdammt großen Waran, sicher fast 2 Meter lang.
Schließlich können wir nochmals einige Rote Stummelaffen mit Nachwuchs beobachten.
Am Tümpel vor dem Gate angekommen, erwartet uns ein unerwarteter Anblick.
Hunderte von Abdim-Störchen sitzen und stehen in der Gegend sowie auf allen verfübaren Bäumen. Im Hintergrund des letzten Bildes sieht man den Ort Pakwach.
Noch mehr freuen wir uns über einige Kronenkraniche. Diese Wappentiere Ugandas standen auf der Wunschliste ziemlich weit oben.
Zurück in der Lodge genehmigen wir uns einen kleinen Snack und ruhen uns aus.
Irgendwann wird es mir doch zu langweilig und ich begebe mich auf Vogelsuche. Es flattern sehr viele Vögel umher, leider verstecken sie sich recht gut in dichten Büschen..
Der Red-Chested-Cordon Bleu zählt zu den Vögeln, bei denen beim Blättern im Guidebook stoppt und sich wünscht, ihn mal live zu sehen und bei dem man sich frägt, wie die Natur auf manche Eigenarten kam..
Grey-backed Fiscals sind allgegenwärtig, ferner gelingen von Brown Babbler / Sudandrossling, Fawn-Breasted Waxbill / Ockerastrild, Common Bulbul / Kapbulbul, Abysinian Roller / Senegalracke, Crimson-breasted Shrike / Scharlachwürger, Blue-headed Coucal / Mönchskuckuck, Northern Brown-thorated Weaver / Riedweber und Rüppell's Longtailed Starling / Schweifglanzsstar wenigstens Nachweisbilder..
Leider türmen sich recht plötzlich große Gewitterwolken auf und es wird duster. Nun folgt ein heftiger Wolkenbruch. Wir beschließen, den Nachmittags-Gamedrive sausen zu lassen und zu versuchen, für den nächsten Morgen eine Bootstour den Nil abwärts Richtung Delta zu organisieren. Unser Problem ist, dass sämtliche Standardtouren Richtung Delta meist um 07:00 Uhr starten, wir jedoch aufgrund Gateöffnung um 07:00 Uhr nicht um 07:00 Uhr am Anleger sein können. Mit Hilfe von Führer (Bradt's) und dem Lodge-Manager gelingt es uns, Preis und Optionen bei der Paraa Lodge zu erfragen und einen Treffpunkt für morgen früh, 08:00 Uhr für eine Privattour zu vereinbaren. Geplant waren meine ich 3-4 Stunden für 200 oder 250$.
Anschließend unterhalten wir uns etwas mit dem Manager. Er erzählt, dass er aus der Gegend sei und während des Bürgerkriegs der LRA in den 90er Jahren seine gesamte Familie verlor, als er noch ein Kind war. Er sei dann nach Kampala gegangen und habe sich dort durchgeschlagen und schließlich weiter zur Schule gehen können und sogar an der Uni Tourismus studieren können. Seine Geschichte zeigt uns eindrucksvoll, wie nah die zum Teil weiterhin ungelösten Konflikte hier in der Gegend bei allen Menschen sind.. Unglaublich, wie fröhlich und hoffnungsvoll die Menschen hier trotz all der schwierigen Vergangenheit und Gegenwart immer sind..
Sadie1'835 Beiträge · seit 201514. Apr. 2020 · #24
Hallo Fidel, danke für deine Erklärungen wegen dem Lodge Ort. Wann soll dann die Brücke fertig sein? Die Landschaft hat wirklich etwas magisches an sich. Würde mir gut gefallen. Wir hâtten vorgehabt im Delta zu campen und nur bei der Hin und Rückfahrt die Fähre zu gebrauchen. Danke für all die schönen Bilder von all den neuen Tieren. Mach weiter so... Katrin.
wir hatten eine Tour direkt zu den Fällen und sind mit dem Auto in die Nähe gebracht worden, von da einen schmalen Weg parallel zum Viktoria Nil flußabwärts gelaufen ca. 1 Stunde teils mit Blick auf die Fälle, teils im Wald mit vielen Echsen und Vögeln und wurden von da mit einem Boot abgeholt (leider kam das Boot nicht zur verabredeten Zeit und wir haben fast 2 Stunden am Ufer gewartet.). Die Boottour ging nochmal hoch bis zu dem Fällen und dann flußabwärts bis neben die Fähranlegestelle in Paraa. Es hat sich gelohnt, viele Vögel, Hippos, Krokodiele und einige Elefanten am Ufer und mein erster Goliathreiher. Im Murchison Falls NP haben wir viele Rothschild-Giraffen, mehrere Sudanhornraben, Kronenkraniche und die einzige Löwin des ganzen Urlaubs gesehen. Uganda ist kein Land für Katzensichtungen, aber wer sich über die Artenvielfalt und die Anzahl an Vogelsichtungen freuen kann, ist hier goldrichtig.
picco6'369 Beiträge · seit 201115. Apr. 2020 · #26
Hoi zämä
Cora schrieb:Uganda ist kein Land für Katzensichtungen...
Kann ich so nicht bestätigen! Wir hatten jedes Mal mehrere Löwensichtungen im Murchison Falls NP und im Queen Elisabeth NP, letztes Mal im Murchison Falls NP sogar zwei Leopardensichtungen. In der Massai Mara und der Serengeti gibts sicher mehr Katzen, aber mit dem Botswana kann Uganda Katzenmässig meiner Meinung nach mithalten.
fidelThemenstarter925 Beiträge · seit 201615. Apr. 2020 · #28
Hallo Cora und Picco,
mein Eindruck ist, dass man in Uganda durchaus Katzen sehen kann, jedoch sind sie nicht so alltäglich wie anderswo. In Botswana muss man da wahrscheinlich (a) zwischen den Parks differenzieren und (b) berücksichtigen, dass in vielen Gegenden häufiger mehr Fahrzeuge unterwegs sind als in ugandischen Parks. Die Populationen sind zweifelsfrei kleiner, das Gras oft und länger hoch bzw. die Vegation dicht. Dass man da dann weniger sieht, halte ich für normal. Da haben es geführte Touren, die untereinander per Handy Infos austauschen, sicher einfacher Katzen zu finden als der einsame Selbstfahrer. Wir hatten später noch eine Löwensichtung im Queen Elizabeth NP, wo wir die Löwen im hohen Gras jedoch vermutlich ohne die daneben stehenden Safaribusse im hohen Gras nie gefunden hätten.
fidelThemenstarter925 Beiträge · seit 201615. Apr. 2020 · #30
Hallo Sam,
freut mich sehr dass du auch mitliest. Die Schnittmenge an Tieren, die man sowohl im Murchison Falls als auch im KTP sehen kann, ist ja eher überschaubar 🙂 Wir waren Ende Dezember für zwei Wochen im KTP, da hatte es nur im nördlichen Nossobtal (und später in der Mabua) etwas Grün, ansonsten war es nochmal trockener/kahler als bei euch und zum Teil so unglaublich leer..
fidelThemenstarter925 Beiträge · seit 201615. Apr. 2020 · #31
Tag 06 27.02. Murchison Falls NP Budongo Eco Lodge Teil 1 Gefahren KM: 84
Heute wurde wieder früh aufgestanden, um mit Öffnung am Gate zu sein und bis zum Beginn unserer Bootstour gemütlich zum Anleger fahren zu können. Erneut lohnte sich das frühe Aufstehen. Wir wurden mit einem hammermäßigen Sonnenaufgang verwöhnt.
Das sind auch so die Momente, wo man als früher einmal primärer Landschaftsfotograf ein wenig traurig ist, dass innerhalb der Nationalparks (jedenfalls in unübersichtlichen Ecken) einfach so Aussteigen und die perfekte Komposition suchen nicht ohne weiteres empfehlenswert ist. Aussteigen ist meines Wissens zwar nicht verboten, würde ich in buschigem, schlecht einsehbaren Gelände jedoch nicht unbedingt nur für ein Landschaftsfoto machen.. vor allem würde dann jegliche Muße und Ruhe fehlen..
Die Sonne war dann aber auch neben einer kleineren Gruppe Elefanten das spektakulärste, was wir bis zum Nil zu sehen bekamen.
Nun waren wir doch etwas zu früh angekommen, was uns Zeit gab, ein weiteres Fahrzeugproblem zu lösen. Wie bereits geschildert, sah insbesondere der Ersatzreifen bei Übergabe nicht wirklich überzeugend aus. Der Klopftest zeigte jedoch, dass er relativ hart war. Da wir damals davon überrascht worden waren, dass der Wagen schon da war, hatte ich den Reifendruckmesser nicht dabei und noch nicht ausgepackt, so dass ein genauerer Test des Reifens unterblieb (obwohl gerade die Prüfung des Reservereifens gerade bei fragwürdigeren Reifen eher zum Standardrepertoire zähl). Es wurde also Prüfung durch Vertrauen ersetzt. Irgendwann zwischen Spaziergängen auf dem Gelände der Lodge beschloss ich Gestern, sämtliche Reifen mal zu prüfen – mit der wunderbaren Erkenntnis, dass unser Ersatzreifen über exakt Null Bar Druck verfügte..
Ich lud die anderen am Fähranleger aus, um unser Boot in Empfang zu nehmen und begab mich zur Paraa Lodge, da diese über eine gut ausgestattete Werkstatt verfügen soll. Dort nahm man sich auch gleich des Problems an und versprach, ihn bis zu unsrer Rückkehr zu reparieren.
Wieder unten angekommen, wartete bereits unser Guide mit einem schön kleinen Boot auf uns.
(Hier mal ausnahmsweise ein Bild von meinem Vater, da die Größe später noch eine gewisse Rolle spielen wird..)
Wir machen es uns an Bord gemütlich und tuckern langsam entlang des Ufers los. Unser Guide, dessen Namen ich leider inzwischen vergessen habe (vielleicht war es Ben?), macht einen gut gelaunten, sehr engagierten und professionellen Eindruck. Er rangiert das Boot wirklich optimal entsprechend der jeweiligen Lichtverhältnisse, sieht jede Menge Tiere die wir nie entdeckt hätten und bringt uns super nah zu zahlreichen Vögeln. Die Größe des Bootes ist für eine Flusssafari wirklich optimal. Zudem haben wir immerhin ein leichtes Sonnensegel, auch wenn dieses naturgemäß nicht überall Schatten spendet.
Hier stimmte der Abstand noch nicht ganz – die Wasserböcke ergriffen die Flucht.
Gleich zu Beginn sehen wir einige Hippos. Es ist toll, sie sozusagen auf Augenhöhe fotografieren zu können.
So optimal konnten wir Hippos bisher noch nie fotografieren. Ich hatte bei unserer Hochzeitsreise im Caprivi seinerzeit lange mit Dan von Mashi Rive Safaris/Mavunje darüber diskutiert, dass es jenseits von Maulaufreissen sehr wenig interessante Hippobilder gäbe, da 95% aller Bilder immer von oben herab aufgenommen würden. Bei der Suche nach Alternativen wurde ich damals schließlich neben einer Gruppe Hippos am Strand abgesetzt, um mich vielleicht 5 Meter entfernt auf den Boden legen zu können..
Kwando im Jahr 2016
Ihr seht, ich gebe immer mein Bestes für Hippobilder 🙂
Obwohl es noch relativ früh am Morgen ist, lässt sich leider keines der Hippos zum Gähnen bewegen.
Wir sehen im weiteren Verlauf Krokodile..
.. einen Nachwuchs-Kiebitz..
Graukopfliste, Mohrensumpfhühner, Goliathreiher und Sattelstorch.
An seinen Schnabelfarben entspinnt sich schließlich eine Diskussion über Wappentiere. Unser Guide ist mit dem Kronenkranich als Wappentier offenbar unzufrieden und würde einen Tausch mit dem deutschen Adler vorziehen, alternativ könnten wir den Sattelstorch übernehmen. Im weiteren Verlauf sehen wir Seidenreiher..
.. Red-Throated Bee-Eater / Rotkehlspinte..
..einen bisher unidentifizierten Vogel (jemand ne Idee?)..
..Graureiher..
..einen Spornkiebitz..
..verschiedene Nimmersattse..
..und einen wunderschönen Graukopflist / Giant Kingfisher – leider etwas weit oben in einem Leberwurstbaum. Es folgen Purple und Squacco Heron.
Dann beginnt die Highlightphase.
Ein Malachit-Eisvogel, noch tropfend nass vom letzten Tauchgang, hält endlich still. Auch er zählt zu den Arten, auf die wir in Uganda gehofft hatten, aber von denen wir nie erwartet hätten, sie so toll zu sehen zu bekommen.
Kurz darauf schreiten ein paar Kronenkraniche genau am Ufer entlang.
Zwei so schöne Vogelarten in so kurzer Zeit in (gerade noch) optimalem Licht fotografieren zu können, allein dafür hat sich die ganze Tour mehr als gelohnt..
Wir befinden uns nun langsam im Delta. Anstatt fester Ufer gibt es nunmehr auf einer Seite Papyrussümpfe. Auch hier sehen wir jede Menge Vögel.
Sattlestorch
Graukopflist
Purpurreiher
Der Vogelreichtum hier ist einfach atemberaubend. Umso sorgenvoller sind die Gedanken um die Zukunft dieses Gebiets, soll doch genau hier im Delta nach Öl gebohrt werden..
THBiker1'366 Beiträge · seit 201115. Apr. 2020 · #32
Cora schrieb: Uganda ist kein Land für Katzensichtungen, ....
Das kann ich jetzt nicht bestätigen. Wir hatten bei unserer Uganda-Reise (gut 2 Wochen) 15 verschiedene Leoparden-Sichtungen. Löwen in Murchison, QENP und Ishasha. Ich war selbst überrascht so viele Katzen zu sehen.
fidelThemenstarter925 Beiträge · seit 201616. Apr. 2020 · #33
Tag 6 27.02. Murchison Falls NP Budongo Eco Lodge Teil 2
Leider kam langsam ein immer stärker werdender Wind auf. Je mehr wir uns dem Lake Albert nähern, desto stärker wird er. Wir verbringen einige Zeit damit, am Sumpf des Deltas nach einem Schuhschnabel zu suchen, den es hier auch gibt. Tatsächlich gelingt es unserem Guide, einen solchen zu finden, jedoch sehr weit weg. Man erkennt ihn durchs Fernglas grad so, das wars aber auch schon. Am Nordufer posiert ein Uganda-Kob.
Schließlich erreichen wir den Lake Albert.
Hier drehen wir nach bereits mehr als drei Stunden Fahrt um. Wir hatten uns zwar eingecremt, aber die drei Stunden in der prallen Sonne auf dem Wasser zollen so langsam auf unserer noch relativ winterlich blassen Haut trotz Sonnensegel ihren Tribut. Zunächst geht es weiterhin entlang des Deltas und nochmals um ein paar Inselchen herum. Wir sehen nochmals Hippos und ein Paar Schreiseeadler.
Wie man auf den letzten Bildern sehen kann, ist der Nil nunmehr nicht mehr spiegelglatt, sondern sogar in den geschützten Channels relativ unruhig. Das war schließlich jedoch rein gar nichts gegen das, was uns im Main Channel erwartete. Der Wind hatte sich zu einem Sturm gewandelt und türmte Wellen von ungeahnter Höhe auf. Es ist immer schwer, Wellen zu schätzen, aber sie maßen sicher an einen Meter. Was nun folgte, war ein fast dreistündiger Kampf.
Das Boot mühte sich sichtlich mit dem Wellengang und dem Gegenwind. Der Schraube des Motors war auf den Wellenkämmen oftmals aus dem Wasser, vorne spritzen die Wellen gegen den Bug. Wir schaukelten wie ein Korken auf den Wellen und kamen unendlich langsam voran. Unser Guide versuchte mal die linke, mal die rechte Seite, mal die Mitte des Flusses. Das Wasser am Rand des Bootes kam immer wieder gefährlich nahe ans Überschwappen. Irgendwann begann unser Guide, seine Schwimmweste anzuziehen.. 😮
Auf die Frage, ob es hier häufiger solche Wellen gäbe, lautete die Antwort: Nein, sowas habe er noch nie erlebt. 😐
Genau das, was man hören möchte, während man sich überlegt, zu welchem Ufer innerhalb des Parks man wohl am besten schwimmt und wo es weniger Hippos und Krokodile gibt..
Die Zeit zog sich und zog sich. Keiner sprach mehr ein Wort, alle starten nur angespannt nach vorne und hofften, hier heil rauszukommen. Auch unser sonst sehr gespächiger Guide blickte verdammt angespannt und sorgenvoll.. Nach meinem Empfinden war es näher am Rand noch besser auszuhalten (außerdem war von da der Weg zum rettenden Ufer nicht so weit..).
Nichtsdestotrotz beschloss unser Guide irgendwann, doch mal lieber die Flussmitte zu testen oder vielleicht auch das gegenüberliegende Ufer. Ziemlich genau in der Mitte des Flusses stotterte der Motor schließlich und ging aus.
Dies war vorher bereits ein paar Mal passiert, wenn sich zu viele Schlingpflanzen in der Schraube verhedert hatten. Hatte uns die Vortriebskraft des Motors noch halbwegs stabilisiert, waren wir nun tatsächlich der sprichwörtliche Korken auf den Wellen, drehten und schaukelten munter und antriebslos. Unser Guide beugte sich wieder nach unten, um etwaige Pflanzen oder Treibgut aus der Schraube zu entfernen. Das brachte jedoch nicht das erhoffte Ergebnis. Nach einigen Minuten des Bangens stellte sich dann heraus, dass der Motor sich wohl wegen fehlendem Benzin weigerte, noch weiter zu arbeiten. Wir waren heilfroh, als er aus einem Fach im Boden doch tatsächlich noch einen halben Kanister Benzin hervorzog. Das Einfüllen gestaltete sich wegen des Wellengangs alles andere als trivial, irgendwann war jedoch eine ausreichende Menge eingefüllt und der Motor startete nach einigen Versuchen – die muntere Fahrt konnte also weitergehen.
Irgendwann kamen wir dann doch an – wir hatten im Ergebnis allein für die ca. 15Km zurück ohne jeden Fotostop drei Stunden benötigt. Nun war es bereits 15:00 Uhr – aus unserer 2-3 Stundentour war also ein 7-Stunden-Abenteuer geworden.. Glücklich über das Er- und Überlebte wurden wir abgesetzt und unser sichtlich ebenfalls sehr erleichterter Guide mit einem ordentlichen Trinkgeld verabschiedet.
Glücklich darüber, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, ging es rauf zur Paraa Lodge, um unseren reparierten Reifen abzuholen. Auf meine Frage, ob sie den vermuteten Slow Puncture finden konnten, lautete die Antwort: "Ja, aber schau lieber selbst". Der Reifen wurde geholt, das Loch vorgeführt. Es wurde mitgeteilt, dass verschiedene Stopfversuche unternommen worden seien, der Reifen aber so kaputt sei, dass bei jedem neuen Aufpumpen neue Risse und Löcher entstünden.. ein paar hatten sie gestopft und dann aufgegeben. Ha, na toll.. Das hat man davon, sowas nicht sofort bei Übergabe zu prüfen..
Es ging somit ohne reparierten Reifen wieder zum Nil runter, wo wir auf die Fähre warteten und Douglas anriefen, um ihm unser Leid zu klagen und nach Möglichkeiten zum Erwerb eines neuen Ersatzreifens zu fragen. Wir erhielten die Auskunft, dass wir in Hoima, der nächsten größeren Stadt einen Reifen kaufen sollten, das sei der nächste Ort, an dem es Reifen zu kaufen gäbe. Da wir dort am nächsten Tag hinkommen würden, erschien uns dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt vertretbar – schließlich hatten die Reifen ja auch bisher alles gut mitgemacht..
Wir überqueren den Nil auf der Fähre und machen uns auf den Weg durch den südlichen Teil des Parks Richtung Budongo Ecolodge. Die Straße führt zunächst durch kahlen Wald, hier hatte es offenbar gebrannt. Die Bäume sind laublos, es spriest jedoch wieder neues Gras im Boden. Insgesamt wirkt es sehr trostlos. Anschließend führt die Straße durch dichten Wald, der jedoch noch weitaus trockener wirkt als im Nordteil des Parks. Den Abstecher zum Aussichtspunkt oben an den Fällen lassen wir ausfallen, wir haben irgendwie erstmal genug Action gehabt für heute.
Die Straße ist zwar attraktiv, jedoch auch relativ eintönig. Inzwischen soll es auch hier eine wesentlich bereitere Schneise geben..
Außer einer Gruppe Paviane sehen wir keinerlei Tiere. Irgendwann kommen wir schließlich in der Budongo Eco Lodge an. Über diese Unterkunft liest man hier und auch anderswo immer wieder unterschiedliche Meinungen. Für uns war es die teuerste Unterkunft der Reise. Die Lodge befindet sich mitten im Urwald und besteht aus einzelnen Blockhütten mit Wellblechdach, die jede für sich gut versteckt im Wald liegen. Die Ausstattung ist mit der anderer vergleichbar. Nachts gibt es keinen Strom, man muss also mit Taschenlampe auf Toilette.
Uns gefallen Lage und Anlage sehr gut, wir sehen auch einige Paviane in den Bäumen turnen. Über unsere Hütte reichen die Äste eines Baums, der gerade Früchte trägt und von Pavianen geernet wird. Jedes Mal, wenn eine Frucht runterfällt, gibt es einen lauten Schlag auf unserem Blechdach.
Nach einem kurzen Ausruhen geht es zum Abendessen. Wir sind die einzigen Gäste. Das Essen ist zwar das teuerste des Urlaubs (ich glaube um die 25$ pP), aber auch das Beste. Wir sitzen noch ein wenig beim Bierchen zusammen und genießen die Laute des Urwalds, ehe wir ins Bett fallen..
erstmal vielen Dank für deinen ausführlichen Reisebericht und die vielen wunderbaren Fotos. Auch wenn ich das Glück hatte dieses Jahr schon in Afrika gewesen zu sein, habe ich schon wieder Fernweh. Bei eurer Bootstour hätte ich nicht tauschen wollen, es ist so schon manchmal ein eigenartiges Gefühl in einer "Nußschale" so nah an Krokodielen sein, aber dann noch Angst haben zu müssen dass das Teil umkippt ... Da warte ich lieber nochmal 2 Stunden auf das Boot.
Sadie1'835 Beiträge · seit 201517. Apr. 2020 · #35
Danke Fidel, deine Vogelbilder sind spitze. Die Kraniche und der Malachite gefallen mir am besten. Ich hab während der Erzählung auf die Story mit deinem Vater gewartet, aber davon erwähnst du nichts. Diese Bootstour war ja ein wenig Glück im Unglück und ich hoffe du bist davon nicht seekrank geworden?Dem würde man sagen “adding insult to injury” oder vom Regen in die Traufe! Bin froh dass ihr nicht durch die Krokis und Hippos schwimmen mussten. Das Hippo Foto im schönen Licht ist auch wunderbar. LG Katrin
Gabi-Muc2'191 Beiträge · seit 201617. Apr. 2020 · #36
Hallo Fidel,
Deine Reiseberichte gefallen mir ausgesprochen gut. Ich kann mir gut vorstellen, dass es von der Rückfahrt auf dem Boot keine Fotos gab. Diese Mini-Boote finde ich bei Hippos und Krokodilen sowieso schon grenzwertig und dann bei so einem Wind, au weih.
Eigentlich hätte ich jetzt noch erwartet, dass ein Reifen schlapp macht. Aber das ist Euch zumindest erspart geblieben.
LG
Gabi
10.2023 Gardenroute // 03.2023 Namibia // 03.2022 Swakop, Etosha und Damaraland // 08:2021 Uganda // 01.2021: Caprivi // 10.2020: Etosha pur // 04.2019: KTP, Tok Tokkie Trail und Sossusvlei // 06.2018: Swakopmund und Etosha // 08.2017: Kalahari, KTP, Fish River, Soussusvlei, Swakopmund // 04.2016: Gardenroute
fidelThemenstarter925 Beiträge · seit 201617. Apr. 2020 · #37
Hallo zusammen und vielen Dank allen Kommentatoren, fleißigen Danke-Drückern und stillen Lesern!
@Cora Das Glück, dieses Jahr in Afrika gewesen zu sein, hatte ich zum Glück auch, aber es ist natürlich schon wieder viel zu lange her und ich hätte nichts dagegen einzuwenden gehabt, wenn es im Juni endlich geklappt hätte, mal die Serengeti zu sehen..
@Katrin Jetzt musste ich lange überlegen, welche Story du meinst. Ich glaube du bist da aufgrund meiner unglücklich mehrdeutigen Formulierung einem Missverständnis aufgesessen. Das Boot-Foto ist von meinem Vater gemacht, zeigt ihn aber nicht (da müsste man wohl mindestens 20 Jahre draufschlagen 😄 ). Übelkeit war kein großes Thema, wahrscheinlich hat das Adrenalin u. die Anspannung da alles gut überspielt.
@Gabi Es gibt schon Fotos von der Rückfahrt, aber nur ein paar zaghafte Versuchte, das Wasser zu fotografieren, welche allesamt misslangen. Das Boot an sich ist top, so lange es keine Wellen gibt. Durch den Stahlrumpf hätte ich da bei Hippos nicht so viel Bedenken, klar könnten sie es im Worst Case zum Kentern bringen, aber unser Guide blieb eigentlich immer auf guter Distanz. Auf einem so großen Fluss kann man das auch leichter, als an manchen Ecken in Botswana o. Namibia. Zum Reifen sag ich jetzt mal noch nichts..
fidelThemenstarter925 Beiträge · seit 201619. Apr. 2020 · #38
Tag 07 28.02. Hoima Kontiki Gefahrene KM: 94
Der heutige Tag hält wenige Bilder, aber gleichwohl die ein oder andere Geschichte bereit – es kommen wieder Tage mit mehr Bildern 🙂
Wir hatten uns (gegen meinen Wunsch) dafür entschieden, im Budongo Forest einen Bush Walk zu machen. Hintergrund des Ganzen war, dass unser Permit für den Park gegen 07:30 Uhr auslaufen würde, aber niemand Lust hatte, so früh und ohne gemütliches Frühstück in Eile den Park zu verlassen. Da wir heute nur bis Hoima mussten, gab es auch Zeit dafür. Wenn wir aber schon mehr für Eintritt zahlen, müssen wir auch noch irgendeine Aktivität vor Ort machen. Meine Versuche, die anderen von einem Schimpansentracking zu überzeugen, fruchteten nicht. Ich hielt die Gelegenheit für optimal, die anderen verwiesen auf die im Vergleich zu einem Bushwalk höreren Kosten und darauf, dass wir ja im Kibale Forest einen ganzen Tag lang Schimpansen verfolgen würden.. Na wenn die wüssten..
So gab es für uns also nach einem guten Frühstück einen Bushwalk. Wir gingen gemeinsam mit einem Ranger durch den Wald hinter der Lodge. Es war für uns alle das erste Mal in einem "Regenwald". Der erste Eindruck war: es ist zwar grün, aber ziemlich trocken. Wir erhielten eine Einführung in die Ökologie des Waldes und bekamen verschiedene Pflanzenarten gezeigt. Das war alles nicht uninteressant, aber so wirklich spannend auch nicht. Man hörte und sah nahezu keine Vögel. Einzig verschiedene Hornrabenarten zogen, wie berits am Abend zuvor, lärmend über uns vorbei.
Sehr informativ und interessant waren hingegen die Ausführungen über die Safari-Ameisen, während wir einer Straße dieser Ameisen zusahen und die unterschiedlichen Größen sowie die Koordination und Effizienz bewunderten. Wir bekamen anschaulich gezeigt, wie fest der Biss einer Soldatin ist. Wir erfuhren, dass die Ameisen aus diesem Grund sogar als Wundklammern eingesetzt worden sein sollen – die praktische Ausführung davon blieb uns zum Glück erspart.
Leider war unser Guide nur mäßig engangiert. Als wir im Gebüsch einen Duiker sahen, mussten wir ihn erst darauf aufmerksam machen und fragen, um was für ein Tier es sich handelt. Wir sahen auch das Schlafnest einen Schimpansen. So wirklich der Knaller war der Bushwalk (wie von mir befürchtet..) nicht, zumindest nicht für den Preis. Vielleicht war ich auch zu negativ voreingenommen, aber irgendwie zündete bei mir die Tour am Wenigsten. Deshalb gibt es leider auch nahezu keine Bilder vom durchaus faszinierend schönen Wald.
Nach ca. 2 Stunden waren wir wieder zurück an der Lodge und versuchten, die Tour und unser Abendessen mit Kreditkarte zu bezahlen – was grundsätzlich gehen sollte. Es ging auch. Dafür musste ich jedoch den Manager zunächst nach draußen begleiten, um dann in einem unglaublich alten und unglaublich schrottreifen Auto platz zu nehmen. Es sah in etwa so aus, wie die Autos, die in Südnamibia gerne zur Zierde rumstehen. Um hineinzugelangen, musste man von außen durch die nicht existente Scheiben greifen, um die Tür von Innen zu öffnen.
Nachdem wir beide hineingelangt waren und das Fahrzeug mittels Kurzschließen gestartet werden konnte, fuhren wir ca 2-3 Kilometer die Straße Richtung Gate. Dort hielten wir an, stiegen aus und das Lesegerät wurde sehnsüchtig gen Himmel gehalten. Nach einigen Versuchen klappte es, und wir fuhren zurück. Hätte ich von den Umständen gewusst, hätte ich natürlich nie nach Kreditkartenzahlung gefragt..
Schließlich verlassen wir die Lodge, die uns sehr gut gefallen hat und die wir guten Gewissens weiterempfehlen können und fahren Richtung Gate. Dort löhnen wir einen weiteren Tag Permit und verlassen schließlich den Park. In der Summe war das heute wohl der teuerste Waldspaziergang aller Zeiten..
Kurz nach dem Gate sahen wir am Straßenrand eine große Schlange.
Unsere Versuche, die Gattung zu bestimmen, waren nicht einfach und endeten mit dem Gemeinschaftsbeschluss, dass es sich um eine Black Mamba handeln dürfte. Kann das jemand verifizieren?
Wir hatten bewusst großzügig geplant und die Etappe von Murchison Falls National Park zum Kibale Forest auf zwei Tage aufgeteilt. Es gab im Netz verschiedenste Berichte zu dieser Straße und auch die ein oder andere Abenteuergeschichte. Konsens war jedoch, dass man, wenn alles gut geht, sicher an die 10 Stunden brauchen würde. Da wir zu Beginn der großen Regenzeit fuhren, keine Erfahrungen mit Lehmpisten und Schlamm hatten und auch so keine große Lust auf 10 Stunden Fahrt hatten, war die Entscheidung, die Fahrt zu splitten, recht schnell gefallen.
Dass wir mit der Entscheidung nicht so ganz falsch lagen, zeigten bereits die ersten Kilometer. Die Straße Richtung Masindi war in einem katastrophalen Zustand. Sie bestand nahezu nur aus Gräben, Auswaschungen und Löchern. Je häher wir Masindi kamen, desto stärker befahren wurde sie zudem. Schließlich hatten wir dieses Stückchen hinter uns gebracht und fuhren für kurze Zeit auf Teer nach Masindi. Anschließend ging es ein kurzes Stück auf offenbar frisch geteertem Belag weiter, dann wurde es wieder Lehmpiste. Wir kam jedoch relativ gut voran, der Zustand war bei weitem nicht so schlecht wie das Anfangsstück. Sobald es jedoch irgendwo feuchter wurde, musste man gehörig aufpassen, nicht ins Rutschen zu kommen und weiterhin Vortrieb zu erhalten.
Irgendwann fuhren wir an einem Kleinbus mit Touristen vorbei, der offensichtlich ein Problem mit dem Motor hatte. Als wir kurz darauf an einer Engstelle warten mussten, setzte sich ein Fahrzeug mt leicht Proletenhaft anmutenden Ugandern neben uns und fragte uns, weshalb wir den anderen Touristen nicht geholfen hätten. Sie waren sichtlich erbost und beschimpften uns. Wir hatten naturgemäß durchaus erwogen, anzuhalten und zu fragen, ob sie Hilfe benötigen. Da es sich jedoch erkennbar um ein Motorproblem handelte (es waren mehrere Leute über den Motor gebeugt), wir keinerlei Ahnung von Motoren haben, es Empfang gab und die Strecke relativ gut befahren war, hatten wir nicht angehalten – m.E. auch rückblickend vollkommend zu Recht. Offenbar hatten manche Ugander (die natürlich selbst nicht angehalten hatten) da ein anderes Verständnis von Hilfeleisten.
Es war erkennbar, dass "die Chinesen" dabei waren, die gesamte Strecke zu asphaltieren. Immer wieder gab es Baustellen, ein System war jedoch nicht erkennbar. Ca. 20-30 Kilometer vor Hoima gab es nun durchgehend Asphalt, jedoch noch ohne jegliche Begrenzung, Beschriftung o.ä. und mit einer mehreren Zentimeter dicken Splittschicht obenauf.
Als wir schon kurz davor waren, uns darüber zu freuen, dass diese Etappe so reibungslos und einfach geklappt hatte, bemerkte ich plötzlich ein seltsames Fahrgefühl, sah in den Spiegel und fluchte.. Ein Hinterreifen war platt. Und wir hatten keinen Ersatzreifen. 15 Kilometer vor dem Ziel und noch dazu auf Teer..
Nun war guter Rat teuer. Schließlich war klar, irgendwie muss ein neuer oder ein geflickter Reifen zu unserem Fahrzeug, sonst kommen wir hier nicht weiter. Wenn wir nicht wissen, wie ein Reifen von alleine aus Hoima zu uns kommen soll, muss der Reifen eben nach Hoima.
Wir machten uns daran, den platten Reifen zu demontieren. Dies erwies sich jedoch als schwieriger, als erwartet. Der Wagenheber hatte offenbar nahezu kein Öl mehr in sich und ließ sich kaum bewegen. Die Stange dafür passte nicht korrekt. Mein Vater und ich lagen sicher 20 Minuten unter dem Auto und versuchten, den Wagenheber irgendwie zum Funktionieren zu bringen. Während der gesamten Zeit hielt übrigens keinerlei Fahrzeug, obwohl sicher 20-30 vorbeifuhren.
Erst als wir den Wagenheber fast oben hatten, hielt ein Roller mit zwei Ugandern. Sie schoben uns beiseite und ließen uns nicht mehr machen. Sie sprachen kein Englisch, aber irgendwann war zu verstehen, dass sie nun gerne den Ersatzreifen demontieren würden, um weiter zu machen. Nachdem sie das volle Ausmaß unseres Problems erkannt hatten, fingen sie an zu telefonieren. Wie das das Problem lösen sollte, war mir unklar – vor allem da wir uns noch nicht einmal mit unseren Helfern über ihre Strategie unterhalten konnten. Mir war klar – am einfachsten kommen wir hier wieder weiter, wenn einer von uns den Reifen in die Stadt bringt und wieder herfährt.
Zufällig kam gerade der Bus mit den Touristen, der zuvor defekt war, um die Kurve. Auf mein Winken hin, hielten sie an und erklärten sich bereit, mich samt Reifen nach Hoima mitzunehmen. Im Bus war eine Grupper junger Holländer, die mir ihr Leid über ihren Bus klagten. Offenbar überhitzte alle paar Kilometer der Motor, so dass sie warten mussten, bis er wieder abgekühlt war. Ich erzählte ihnen, dass wir sie zuvor gesehen hatten und sie fanden es vollkommen normal, dass wir nicht angehalten hatten..
Schließlich wurde ich an einer Werkstatt abgesetzt und machte mich auf die Suche nach jemanden, der ihn uns flicken könnte. Da man als Weißer, der alleine einen Reifen spazieren trägt, genug Aufmerksamkeit erregt, war dieses Problem schnell gelöst. Das Locht war rasch gefunden, der Reifen mit einem weiteren Propfen geflickt. Ich konnte mir währenddessen kurz in einem kleinen Shop nebenan wenigstens etwas zu trinken holen, denn leider hatte es mal wieder deutlich über 30° C.
Als der Reifen fertig war, bot einer der an der Werkstatt / Tankstelle herumlungernden Männer mir an, mich mit seinem Auto zurück zu fahren. Mangels passender Alternativen, willigte ich ein. Das Fahrzeug war ein ebenfalls nahezu schrottreifes Auto, dass in einem früheren Leben aber offenbar einmal ein japanischer Sportwagen gewesen sein muss. Die Türen ließen sich bei diesem Fahrzeug zwar normal öffnen, das Starten geschah jedoch auf diessele Art und Weise und die Fenster ließen sich nur bedienen, indem man die Armlehne abnahm und die passenden Kabel zusammenhielt. Scheint hier also Standard zu sein 🙂
Dem Wagen angemessen ging es nun mit Vollgas – d.h. deutlich jenseits der 100 km/h – wieder zurück, wo der Fahrer uns sogar noch davon abhielt, selbst den Reifen zu montieren. Nach einem Dank für die Hilfe und seiner Entlohnung, machten wir uns schließlich auch endlich auf die letzten Kilometer nach Hoima.
Hoima ist eine quirlige, aber sehr angenehme Stadt. Der KfZ-Verkehr ist überschaubar, es gibt viele Läden und es ist überall was los. Unsere Unterkunft, das Hoima Kontiki, befindet sich am Stadtrand. Zuvor müssen wir jedoch endlich einen neuen Ersatzreifen auftreiben..
Dies ist dann wieder etwas schwieriger als gedacht. Wir steuern einen Laden an, der aussieht, als würde er Reifen verkaufen. Leider verfügt er nicht über unsere Reifengröße. Auch der zweite Laden verfügt nicht über die richtige Größe. Der Inhaber beschreibt uns jedoch den Weg zu einem weiteren Laden, bei dem wir unser Glück versuchen können.
Nach einigem hin und her konnten wir den Laden finden. Nach einigem Warten auch den dazugehörigen Inhaber. In seinem "Lager" – letzlich nicht mehr als ein Raum, der bis zur Decke voll mit Reifen in verschiedensten Größen und Zuständen gestapelt war – turnte er ein wenig herum und kam schließlich mit zwei Reifen wieder zum Vorschein.
Nun musste der Reifen nur noch auf die Felge. Hierfür rief der Inhaber einen weiteren Helfer herbei, der alten und neuen Reifen mit sich nahm. Während wir warteten, unterhielten wir uns sehr gut mit dem Inhaber und einigen weiteren Interessenten. Das Gespräch war sehr interessant. Der Ladeninhaber erzählte, er sei eigentlich Lehrer gewesen. Weil die Bezahlung so schlecht sei, habe er jedoch irgendwann aufgehört und verdient nun als Reifenhändler mehr. Irgendwann kam das Gespräch auf Unterschiede zwischen Deutschland und Uganda. Alle Zuhörer wollten nicht glauben, dass man in Deutschland nicht einfach so sein Haus bauen kann, wenn irgendwo Platz ist und viele Deutsche einen Großteil ihres Verdienstes für Miete oder Hausdarlehen ausgeben. Sehr happy waren alle, als sie erfuhren, dass wir in Deutschland auch Kartoffeln essen – und zwar "the good ones, not the brown ones". Dass Süßkartoffeln ("the good ones") bei uns im Vergleich zu normalen Kartoffeln eher eine Randerscheinung sind, verschwiegen wir da lieber, um die Stimmung nicht zu gefährden 🙂
Nach diversen Heiratsangeboten kam unser schicker neuer Reifen schließlich wieder und wurde unter Einsatz unzähliger Hände am Auto befestigt, wo er von da an stolz trohnte.
Irgendwann hatten wir dann auch das Kontiki gefunden. Dabei handelt es sich um eine relativ große Anlage verschiedenster Bungalows, die offenbar auch viel für Konferenzen, Feiern u.ä. genutzt wird. Alles war gepflegt, Preisleistungsverhältnis top. Als wir kamen, war offenbar gerade irgendeine kirchliche Feier lokaler Prominenter im Gange. Verschiedene Würdenträger stolzierten umher, es gab Büffet im Garten und unglücklich laute, unpassende Musik. Glücklicherweise war das Gelände groß genug und die Feier abends beendet, so dass wir nach einen ordentlichen Abendessen im Restaurant (Essen mit Auswahl!) in Ruhe schlafen gehen konnten.
Sadie1'835 Beiträge · seit 201519. Apr. 2020 · #39
fidel schrieb: Tag 07 28.02. Hoima Kontiki Gefahrene KM: 94
Der heutige Tag hält wenige Bilder, aber gleichwohl die ein oder andere Geschichte bereit – es kommen wieder Tage mit mehr Bildern 🙂
Wir hatten uns (gegen meinen Wunsch) dafür entschieden, im Budongo Forest einen Bush Walk zu machen. Hintergrund des Ganzen war, dass unser Permit für den Park gegen 07:30 Uhr auslaufen würde, aber niemand Lust hatte, so früh und ohne gemütliches Frühstück in Eile den Park zu verlassen. Da wir heute nur bis Hoima mussten, gab es auch Zeit dafür. Wenn wir aber schon mehr für Eintritt zahlen, müssen wir auch noch irgendeine Aktivität vor Ort machen. Meine Versuche, die anderen von einem Schimpansentracking zu überzeugen, fruchteten nicht. Ich hielt die Gelegenheit für optimal, die anderen verwiesen auf die im Vergleich zu einem Bushwalk höreren Kosten und darauf, dass wir ja im Kibale Forest einen ganzen Tag lang Schimpansen verfolgen würden.. Na wenn die wüssten..
So gab es für uns also nach einem guten Frühstück einen Bushwalk. Wir gingen gemeinsam mit einem Ranger durch den Wald hinter der Lodge. Es war für uns alle das erste Mal in einem "Regenwald". Der erste Eindruck war: es ist zwar grün, aber ziemlich trocken. Wir erhielten eine Einführung in die Ökologie des Waldes und bekamen verschiedene Pflanzenarten gezeigt. Das war alles nicht uninteressant, aber so wirklich spannend auch nicht. Man hörte und sah nahezu keine Vögel. Einzig verschiedene Hornrabenarten zogen, wie berits am Abend zuvor, lärmend über uns vorbei.
Sehr informativ und interessant waren hingegen die Ausführungen über die Safari-Ameisen, während wir einer Straße dieser Ameisen zusahen und die unterschiedlichen Größen sowie die Koordination und Effizienz bewunderten. Wir bekamen anschaulich gezeigt, wie fest der Biss einer Soldatin ist. Wir erfuhren, dass die Ameisen aus diesem Grund sogar als Wundklammern eingesetzt worden sein sollen – die praktische Ausführung davon blieb uns zum Glück erspart.
Leider war unser Guide nur mäßig engangiert. Als wir im Gebüsch einen Duiker sahen, mussten wir ihn erst darauf aufmerksam machen und fragen, um was für ein Tier es sich handelt. Wir sahen auch das Schlafnest einen Schimpansen. So wirklich der Knaller war der Bushwalk (wie von mir befürchtet..) nicht, zumindest nicht für den Preis. Vielleicht war ich auch zu negativ voreingenommen, aber irgendwie zündete bei mir die Tour am Wenigsten. Deshalb gibt es leider auch nahezu keine Bilder vom durchaus faszinierend schönen Wald.
Nach ca. 2 Stunden waren wir wieder zurück an der Lodge und versuchten, die Tour und unser Abendessen mit Kreditkarte zu bezahlen – was grundsätzlich gehen sollte. Es ging auch. Dafür musste ich jedoch den Manager zunächst nach draußen begleiten, um dann in einem unglaublich alten und unglaublich schrottreifen Auto platz zu nehmen. Es sah in etwa so aus, wie die Autos, die in Südnamibia gerne zur Zierde rumstehen. Um hineinzugelangen, musste man von außen durch die nicht existente Scheiben greifen, um die Tür von Innen zu öffnen.
Nachdem wir beide hineingelangt waren und das Fahrzeug mittels Kurzschließen gestartet werden konnte, fuhren wir ca 2-3 Kilometer die Straße Richtung Gate. Dort hielten wir an, stiegen aus und das Lesegerät wurde sehnsüchtig gen Himmel gehalten. Nach einigen Versuchen klappte es, und wir fuhren zurück. Hätte ich von den Umständen gewusst, hätte ich natürlich nie nach Kreditkartenzahlung gefragt..
Schließlich verlassen wir die Lodge, die uns sehr gut gefallen hat und die wir guten Gewissens weiterempfehlen können und fahren Richtung Gate. Dort löhnen wir einen weiteren Tag Permit und verlassen schließlich den Park. In der Summe war das heute wohl der teuerste Waldspaziergang aller Zeiten..
Kurz nach dem Gate sahen wir am Straßenrand eine große Schlange.
Unsere Versuche, die Gattung zu bestimmen, waren nicht einfach und endeten mit dem Gemeinschaftsbeschluss, dass es sich um eine Black Mamba handeln dürfte. Kann das jemand verifizieren?
Wir hatten bewusst großzügig geplant und die Etappe von Murchison Falls National Park zum Kibale Forest auf zwei Tage aufgeteilt. Es gab im Netz verschiedenste Berichte zu dieser Straße und auch die ein oder andere Abenteuergeschichte. Konsens war jedoch, dass man, wenn alles gut geht, sicher an die 10 Stunden brauchen würde. Da wir zu Beginn der großen Regenzeit fuhren, keine Erfahrungen mit Lehmpisten und Schlamm hatten und auch so keine große Lust auf 10 Stunden Fahrt hatten, war die Entscheidung, die Fahrt zu splitten, recht schnell gefallen.
Dass wir mit der Entscheidung nicht so ganz falsch lagen, zeigten bereits die ersten Kilometer. Die Straße Richtung Masindi war in einem katastrophalen Zustand. Sie bestand nahezu nur aus Gräben, Auswaschungen und Löchern. Je häher wir Masindi kamen, desto stärker befahren wurde sie zudem. Schließlich hatten wir dieses Stückchen hinter uns gebracht und fuhren für kurze Zeit auf Teer nach Masindi. Anschließend ging es ein kurzes Stück auf offenbar frisch geteertem Belag weiter, dann wurde es wieder Lehmpiste. Wir kam jedoch relativ gut voran, der Zustand war bei weitem nicht so schlecht wie das Anfangsstück. Sobald es jedoch irgendwo feuchter wurde, musste man gehörig aufpassen, nicht ins Rutschen zu kommen und weiterhin Vortrieb zu erhalten.
Irgendwann fuhren wir an einem Kleinbus mit Touristen vorbei, der offensichtlich ein Problem mit dem Motor hatte. Als wir kurz darauf an einer Engstelle warten mussten, setzte sich ein Fahrzeug mt leicht Proletenhaft anmutenden Ugandern neben uns und fragte uns, weshalb wir den anderen Touristen nicht geholfen hätten. Sie waren sichtlich erbost und beschimpften uns. Wir hatten naturgemäß durchaus erwogen, anzuhalten und zu fragen, ob sie Hilfe benötigen. Da es sich jedoch erkennbar um ein Motorproblem handelte (es waren mehrere Leute über den Motor gebeugt), wir keinerlei Ahnung von Motoren haben, es Empfang gab und die Strecke relativ gut befahren war, hatten wir nicht angehalten – m.E. auch rückblickend vollkommend zu Recht. Offenbar hatten manche Ugander (die natürlich selbst nicht angehalten hatten) da ein anderes Verständnis von Hilfeleisten.
Es war erkennbar, dass "die Chinesen" dabei waren, die gesamte Strecke zu asphaltieren. Immer wieder gab es Baustellen, ein System war jedoch nicht erkennbar. Ca. 20-30 Kilometer vor Hoima gab es nun durchgehend Asphalt, jedoch noch ohne jegliche Begrenzung, Beschriftung o.ä. und mit einer mehreren Zentimeter dicken Splittschicht obenauf.
Als wir schon kurz davor waren, uns darüber zu freuen, dass diese Etappe so reibungslos und einfach geklappt hatte, bemerkte ich plötzlich ein seltsames Fahrgefühl, sah in den Spiegel und fluchte.. Ein Hinterreifen war platt. Und wir hatten keinen Ersatzreifen. 15 Kilometer vor dem Ziel und noch dazu auf Teer..
Nun war guter Rat teuer. Schließlich war klar, irgendwie muss ein neuer oder ein geflickter Reifen zu unserem Fahrzeug, sonst kommen wir hier nicht weiter. Wenn wir nicht wissen, wie ein Reifen von alleine aus Hoima zu uns kommen soll, muss der Reifen eben nach Hoima.
Wir machten uns daran, den platten Reifen zu demontieren. Dies erwies sich jedoch als schwieriger, als erwartet. Der Wagenheber hatte offenbar nahezu kein Öl mehr in sich und ließ sich kaum bewegen. Die Stange dafür passte nicht korrekt. Mein Vater und ich lagen sicher 20 Minuten unter dem Auto und versuchten, den Wagenheber irgendwie zum Funktionieren zu bringen. Während der gesamten Zeit hielt übrigens keinerlei Fahrzeug, obwohl sicher 20-30 vorbeifuhren.
Erst als wir den Wagenheber fast oben hatten, hielt ein Roller mit zwei Ugandern. Sie schoben uns beiseite und ließen uns nicht mehr machen. Sie sprachen kein Englisch, aber irgendwann war zu verstehen, dass sie nun gerne den Ersatzreifen demontieren würden, um weiter zu machen. Nachdem sie das volle Ausmaß unseres Problems erkannt hatten, fingen sie an zu telefonieren. Wie das das Problem lösen sollte, war mir unklar – vor allem da wir uns noch nicht einmal mit unseren Helfern über ihre Strategie unterhalten konnten. Mir war klar – am einfachsten kommen wir hier wieder weiter, wenn einer von uns den Reifen in die Stadt bringt und wieder herfährt.
Zufällig kam gerade der Bus mit den Touristen, der zuvor defekt war, um die Kurve. Auf mein Winken hin, hielten sie an und erklärten sich bereit, mich samt Reifen nach Hoima mitzunehmen. Im Bus war eine Grupper junger Holländer, die mir ihr Leid über ihren Bus klagten. Offenbar überhitzte alle paar Kilometer der Motor, so dass sie warten mussten, bis er wieder abgekühlt war. Ich erzählte ihnen, dass wir sie zuvor gesehen hatten und sie fanden es vollkommen normal, dass wir nicht angehalten hatten..
Schließlich wurde ich an einer Werkstatt abgesetzt und machte mich auf die Suche nach jemanden, der ihn uns flicken könnte. Da man als Weißer, der alleine einen Reifen spazieren trägt, genug Aufmerksamkeit erregt, war dieses Problem schnell gelöst. Das Locht war rasch gefunden, der Reifen mit einem weiteren Propfen geflickt. Ich konnte mir währenddessen kurz in einem kleinen Shop nebenan wenigstens etwas zu trinken holen, denn leider hatte es mal wieder deutlich über 30° C.
Als der Reifen fertig war, bot einer der an der Werkstatt / Tankstelle herumlungernden Männer mir an, mich mit seinem Auto zurück zu fahren. Mangels passender Alternativen, willigte ich ein. Das Fahrzeug war ein ebenfalls nahezu schrottreifes Auto, dass in einem früheren Leben aber offenbar einmal ein japanischer Sportwagen gewesen sein muss. Die Türen ließen sich bei diesem Fahrzeug zwar normal öffnen, das Starten geschah jedoch auf diessele Art und Weise und die Fenster ließen sich nur bedienen, indem man die Armlehne abnahm und die passenden Kabel zusammenhielt. Scheint hier also Standard zu sein 🙂
Dem Wagen angemessen ging es nun mit Vollgas – d.h. deutlich jenseits der 100 km/h – wieder zurück, wo der Fahrer uns sogar noch davon abhielt, selbst den Reifen zu montieren. Nach einem Dank für die Hilfe und seiner Entlohnung, machten wir uns schließlich auch endlich auf die letzten Kilometer nach Hoima.
Hoima ist eine quirlige, aber sehr angenehme Stadt. Der KfZ-Verkehr ist überschaubar, es gibt viele Läden und es ist überall was los. Unsere Unterkunft, das Hoima Kontiki, befindet sich am Stadtrand. Zuvor müssen wir jedoch endlich einen neuen Ersatzreifen auftreiben..
Dies ist dann wieder etwas schwieriger als gedacht. Wir steuern einen Laden an, der aussieht, als würde er Reifen verkaufen. Leider verfügt er nicht über unsere Reifengröße. Auch der zweite Laden verfügt nicht über die richtige Größe. Der Inhaber beschreibt uns jedoch den Weg zu einem weiteren Laden, bei dem wir unser Glück versuchen können.
Nach einigem hin und her konnten wir den Laden finden. Nach einigem Warten auch den dazugehörigen Inhaber. In seinem "Lager" – letzlich nicht mehr als ein Raum, der bis zur Decke voll mit Reifen in verschiedensten Größen und Zuständen gestapelt war – turnte er ein wenig herum und kam schließlich mit zwei Reifen wieder zum Vorschein.
Nun musste der Reifen nur noch auf die Felge. Hierfür rief der Inhaber einen weiteren Helfer herbei, der alten und neuen Reifen mit sich nahm. Während wir warteten, unterhielten wir uns sehr gut mit dem Inhaber und einigen weiteren Interessenten. Das Gespräch war sehr interessant. Der Ladeninhaber erzählte, er sei eigentlich Lehrer gewesen. Weil die Bezahlung so schlecht sei, habe er jedoch irgendwann aufgehört und verdient nun als Reifenhändler mehr. Irgendwann kam das Gespräch auf Unterschiede zwischen Deutschland und Uganda. Alle Zuhörer wollten nicht glauben, dass man in Deutschland nicht einfach so sein Haus bauen kann, wenn irgendwo Platz ist und viele Deutsche einen Großteil ihres Verdienstes für Miete oder Hausdarlehen ausgeben. Sehr happy waren alle, als sie erfuhren, dass wir in Deutschland auch Kartoffeln essen – und zwar "the good ones, not the brown ones". Dass Süßkartoffeln ("the good ones") bei uns im Vergleich zu normalen Kartoffeln eher eine Randerscheinung sind, verschwiegen wir da lieber, um die Stimmung nicht zu gefährden 🙂
Nach diversen Heiratsangeboten kam unser schicker neuer Reifen schließlich wieder und wurde unter Einsatz unzähliger Hände am Auto befestigt, wo er von da an stolz trohnte.
Irgendwann hatten wir dann auch das Kontiki gefunden. Dabei handelt es sich um eine relativ große Anlage verschiedenster Bungalows, die offenbar auch viel für Konferenzen, Feiern u.ä. genutzt wird. Alles war gepflegt, Preisleistungsverhältnis top. Als wir kamen, war offenbar gerade irgendeine kirchliche Feier lokaler Prominenter im Gange. Verschiedene Würdenträger stolzierten umher, es gab Büffet im Garten und unglücklich laute, unpassende Musik. Glücklicherweise war das Gelände groß genug und die Feier abends beendet, so dass wir nach einen ordentlichen Abendessen im Restaurant (Essen mit Auswahl!) in Ruhe schlafen gehen konnten.