THEMA: Uganda - von Affen und Vögeln
06 Mai 2020 13:36 #588271
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Tag 12. 05.03. Queen Elizabeth NP Queen Elizabeth Bush Lodge
Gefahrene KM: 48





Da unser Austauschwagen erst morgens in Kampala losfuhr und somit frühestens am frühen Nachmittag zu erwarten war, versuchten wir heute Morgen erneut unser Glück in den Kasenyi Plains östlich der Durchfahrtsstraße.
Wie bereits am Tag zuvor, war es eher bedeckt und grau, jedoch sah man nun mehr von den Ruwenzori-Bergen im Hintergrund. Diese waren nahezu komplett wolkenfrei – offenbar auch ein eher seltener Anblick.



Auf der Basis unserer Erfahrungen von Gestern versuchen wir diesmal die Loops zu erwischen, wo wir mehr Tiere vermuteten.
Dieser Plan schein auch aufzugehen. Bereits kurz nach dem Start können wir eine größere Herde Uganda Kobs in der Nähe beobachten.







Kurz darauf treffen wir auf einen Wasserbock..



... und eine Fakir-Grünmeerkatze.



Es dauert nicht lange, da stoßen wir auf die nächste Gruppe Uganda Kobs.



Es ist schon faszinierend, dass es je nach Region immer wieder Antilopenpopulationen in Massen gibt, die es anderswo fast nicht gibt (Springböcke, Kobs, Grant's, Thomson..), während andere Tiere überall in afrikanischen Savannengebieten vorzukommen scheinen.
Eine dieser überall vorkommenden Gestalten dürfen wir kurz darauf beim Abschälen von Rinden beobachten. Es ist faszinierend zu sehen, mit welche Filigranität Äste abgebrochen werden und dann peu à peu drehend durch den Mund geschoben werden um die Rinde mit den Zähnen zu entfernen.







Wie man sieht, versucht die Sonne teilweise, die Wolkendecke zu durchdringen, wenn auch nur mäßig erfolgreich.

Nach einem Rotkehlfrankolin...



... sehen wir in einiger Entfernung 2 oder 3 Autos stehen. Insgesamt kamen uns an den beiden Tagen jeweils nur eine Handvoll Autos entgegen, meistens hatte man die Wege für sich. Entweder weil wir die falschen Wege fuhren, oder weil nicht so viel los war.. (Das werden wir wohl nie herausfinden) Da musste eine derart große Ansammlung von Fahrzeugen doch etwas bedeuten.

Tatsächlich liegen nahezu direkt neben dem Weg zwei Löwinnen im hohen Gras – unglaublich gut getarnt. Wenn die Fahrzeuge nicht dort stehen würden, hätte man ohne Bewegungen wohl keine Chance, sie alleine zu finden.







Man sieht sie (jedenfalls aus unserer Sitzhöhe) auch fast nur, wenn man unmittelbar daneben steht. Die anderen Fahrzeuge mit Hubdach haben da zweifellos einen nicht unerheblichen Vorteil. Da wir nur unmittelbar davor etwas sehen können, dann aber allen anderen die Sicht versperren und nun einige weitere Fahrzeuge nahen, lassen wir die Löwinnen in Ruhe und fahren ohne weitere besondere Sichtungen langsam wieder zurück Richtung Lodge. Immerhin hatten wir das Thema "Löwen" nun für diesen Urlaub abgehakt. Für meine Eltern war die Sichtung allein aufgrund der geringen Entfernung als Erstsichtung eindrücklich genug :)

Zurück in der Lodge räumen wir das Auto leer und warten auf unser neues Auto, welches sich irgendwann per SMS ankündigt. Wir erhalten einen neueren Toyota Forerunner mit offenbar besserem Motor und Automatik – beides nicht verkehrt. Leider stellte sich bei diesem Fahrzeug recht bald heraus, dass das Schloss der Heckklappe so gut wie nicht funktioniert.. Das war allerdings auch beim vorherigen Fahrzeug schon immer wieder problematisch, so dass wir auch dort immer wieder Sachen von Innen aus dem Kofferraum holen mussten. Die Mechanik des Forerunners ist leider überhaupt nicht für den staubigen afrikanischen Alltag ausgelegt.

Nach Angaben des Fahrers, der seit dem Morgengrauen unterwegs war und nunmehr alles wieder zurückfahren musste, sei der neue Wagen anonsten einwandfrei. Mit Blick auf die vor uns liegenden schwierigen Etappen über möglicherweise schlammige Pisten im Bwindi NP blieb uns nichts übrig, als zu hoffen, dass wir dem Fahrzeug vertrauen können.

Da der Nachmittag bereits angebrochen war, das Licht weiterhin nicht optimal war und unsere bisherigen Sichtungen eher mau waren, verzichteten wir auf einen Abend Game Drive und entspannten stattdessen in der Hängematte und versuchten Vögeln nachzustellen. Aus irgendeinem Grund sind sie alle nicht getaggt bei mir – diesmal also leider ohne Namen.









Letzte Änderung: 06 Mai 2020 15:32 von fidel.
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07 Mai 2020 15:44 #588350
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Tag 13 06.03. Bwindi NP Buhoma Community Rest Camp
Gefahrene KM: 137





Der Plan für den heutigen Tag sah vor, dass wir gemütlich durch den Ishasha Sektor des Parks fahren um von dort bis nach Buhoma vordringen zu können, dem Start-Ort unseres Gorilla-Trekkings. Da wir nicht wussten, was uns unterwegs erwarten würde und auch das Wetter wie die letzten Tage eher unbeständig aussah, wollten wir nichts riskieren und entschieden uns gegen ein Ausschlafen (aber dennoch deutlich später als die Tage vorher). Nach dem Frühstück gingen wir zurück zu unseren Zelten, um uns für die Abreise fertig zu machen.

Kaum waren wir angekommen, sahen wir direkt vor dem Zelt ein Hippo den Weg entlang marschieren – da waren die Warnungen zu Beginn unseres Aufenthalts wohl nicht so ganz übertrieben gewesen.. Was uns überraschte, war der extreme Geruch der von dem Tier ausging – es war über 20 Meter weit gut erriechbar :-)



Schließlich machten wir uns auf Richtung Südwesten. Die Strecke ist wunderschön, die Piste in gutem Zustand. Es war hier eindeutig grüner als in anderen Ecken des Parks.



Immer wieder sahen wir – noch vor dem offiziellen Beginn des Ishasha Sektors – Tiere von der Straße aus.







Eine Gruppe Paviane nahm die gesamte Straße in Beschlag, räumte sie jedoch nach einiger Wartezeit (und dem Vorbeipreschen eines anderen Fahrzeugs).









Wir sehen einen Crested und einen Snake Eagle.





Im Ishasha-Sektor angekommen, hoffen wir auf etwas Glück mit Baumlöwen.
Wir sehen eine Herde Uganda Kobs.



Auch die Vogelwelt zeigt sich ergiebig.









Leider ist ein Pavian das einzige, was wir in einem Baum liegend finden.



An einer Kuppe sehen wir zwei LKW stehen. Beim Näherkommen sehen wir, dass hier zwei LKWs offenbar eine Frontalkollission hatten und jeweils in den Graben an der Seite gerutscht waren. Da haben sich zwei Fahrer offenbar genau den richtigen Punkt für das Passieren ausgesucht.. Einer der Fahrer ist vor Ort und passt auf seinen Wagen auf. Der Unfall war bereits vor einigen Tagen, jetzt warten sie auf einen Traktor, der sie aus dem Graben zieht. Wir können leider nur mit einer Flasche Wasser und ein paar Keksen aushelfen.

Kurz darauf verlassen wir den Park ohne weitere Löwensichtung. Wir fahren in die Stadt Kihihi, tanken (man weiß ja nie) und stocken unseren Vorrat an Snacks und Getränken auf. Anschließend geht es auf roter Lehmpiste immer weiter Richtung Süden und bergauf. Die Straße ist zum Teil relativ schlecht und steinig, aber glücklicherweise ist alles trocken.


(schlechtes Beispielfoto - hier ist sie noch in Ordnung)

Irgendwann werden wir von ein paar Kindern aufgehalten, die uns ein Dreihornchamäleon vor die Nase halten und verlangen, dass wir es fotografieren und ihnen Geld dafür geben. So gerne wir ein derartiges Tier zu sehen bekommen wollten, so wenig wollen wir derartige Tätigkeiten - vor allem von Kindern - unterstützen. Wir schaffen es schließlich, sie abzuwimmeln und fahren weiter bergauf.

Schließlich kommen wir in Buhoma an. An der Hauptstraße reihen sich Souvenirshops aneinander. Wir fahren durch denn gesamten Ort, unser Ziel ist das Community Rest Camp nahezu direkt neben dem Headquater. Buhoma ist mit Sicherheit der touristischste aller Tracking-Orte. Hier gab es die ersten Möglichkeiten des Trackings und gegenwärtig die meisten Gruppen. Er ist aber relativ gut an Teerstraßen angebunden und vom QENP relativ schnell erreichbar. Hinzu kommt, dass es eine größere Auswahl an bezahlbaren Unterkünften gibt. Da wir wussten, dass wir zu Beginn der Regenzeit unterwegs sein würden, wollten wir hier Risiken minimieren und haben daher Buhoma als Startort ausgewählt – insgesamt keine verkehrte Wahl würde ich sagen.

Am Community Rest Camp lässt sich unser Kofferraum nicht öffen und wir mühen uns ab, unsere Taschen über die Rückbank aus dem Auto zu holen. Das Rest Camp besteht aus Hütten und Zelten, die an einem steilen Hang gelegen sind. Der Blick geht auf den gegenüberliegenden Urwald-Hang. Von hier sieht der Wald unglaublich beeindruckend und undurchdringlich aus. Wir sind definitiv nachhaltig beeindruckt. Genau so waren unsere Vorstellung von einem Bergnebelwald.



Obwohl wir meiner Erinnerung nach ein einfaches Zelt gebucht hatten, erhalten wir ein Upgrade für feste Hütten mit kleiner Terasse. Dort machen wir es uns gemütlich, erledigen Backups und beobachten die Vogelwelt.





Immer wieder sieht man in einiger Entfernung Affen, die sich jedoch nur mit dem Fernglas erkennen lassen. Ein L'Hoest-Monkey läuft direkt an unseren Hütten vorbei, jedoch leider zu schnell für ein Foto. Schade, von dieser interessant aussehen Art hätte ich gerne ein Foto gehabt.

Das Essen wir in einem zum Hang in offenen großen Raum eingenommen, der tolle Blicke auf den Wald bietet.



Unser Gastgeber ist sehr um seine wenigen Gäste bemüht, lässt sich von uns unsere Permits zeigen und lässt sich nicht davon abbringen, uns morgen früh zum Headquater zu begleiten und bei den Formalia zu unterstützen. Da die Frage, welche Gruppe die beste zum Tracken ist, ja immer wieder diskutiert wird und von vielen verschiedenen subjektiven Faktoren abhängt, ist uns eigentlich egal, welche Gruppe wir bekommen. Wir bekommen mit, dass heute eine Gruppe insgesamt über 10 Stunden unterwegs war und hoffen, dass es bei uns nicht ganz so schlimm wird. Wir sind zwar relativ fit, aber beim Anblick der steilen Hänge und des dichten Bewuchses braucht man jetzt nicht unbedingt eine 10-Stunden-Tour..

Schließlich wird der Rucksack für Morgen präpariert und die Frage, was an Kameraausrüstung mitgenommen werden soll, entschieden. Die Überlegung, dass 100-400mm im Camp zu lassen wurde verworfen – rückblickend betrachtet zum Glück :)
Schließlich ist es irgendwann Zeit zu schlafen. Obwohl das Tracking für uns anfangs nicht ausschlaggebend war für ein Tour nach Uganda und wir sogar überlegten, es auszulassen, ist jetzt Vorfreude und Aufregung doch ziemlich hoch.
Letzte Änderung: 07 Mai 2020 15:51 von fidel.
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08 Mai 2020 03:28 #588379
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Die Vorfreude deine Gorillas zu sehen steigt auch bei mir.
Uganda scheint landschaftlich ein sehr schönes Land zu sein, das würde mich auch reizen. Mit den Baumlöwen ist das ja so eine Glückssache.
Ich glaube du wirst bei Seronera und Lake Manyara mehr Glück und mehr Gelegenheiten haben sie zu sehen.

Gut, dass ihr den Kindern kein Geld gegeben habt, bin ich auch dagegen solche Abzockereien zu fördern. Es ist ja nur eine Stufe höher als betteln.

Nimmt mich Wunder wie euer Gorilla Besuch vor sich gehen wird. 10 Stunden Suche?? Hoffentlich nicht.
Liebe Grüsse Katrin
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Meine RBs
Expedition Antarktis:
www.namibia-forum.ch...s-und-s-georgia.html

Island In Herbstfarben
www.namibia-forum.ch...-september-2018.html


Nordamerikanische Safari und Landschaften May Till October 2019

www.namibia-forum.ch...landschaft-2019.html

Zweite Selbst Fahrer Tour in Tansania. Same same but different.
Juni 2018
www.namibia-forum.ch...e-but-different.html

Trip reports in English:

Namibia and KTP 2016
safaritalk.net/topic...-tr-nam-sa-bots-nam/

Botswana 2016:
safaritalk.net/topic...fari-tr-bots-nam-sa/

Tanzania 2015:
safaritalk.net/topic...s-and-lions-in-camp/

Nam-SA-Bots 2014:
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18 Mai 2020 12:03 #588962
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Hallo zusammen,

ich bitte die leichte Verzögerung - so kurz vor dem Höhepunkt - zu entschuldigen. Irgendwie kam ich in letzter Zeit nicht dazu. Jetzt soll es aber mit dem Endspurt weitergehen.

Viele Grüße

fidel
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18 Mai 2020 12:10 #588964
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Tag 14 07.03. Bwindi NP Buhoma Community Rest Camp – Gorilla Trekking Teil 1/3
Gefahrene KM: 51

In der Nacht wachen wir wieder einmal von prasselndem Regen auf. Bei jedem Blick auf die Uhr und dem trotz sich nähernder Aufstehzeit anhaltenden Regen kommen schon schlimmste Befürchtungen auf. Ein Tracking im strömenden Regen ist naturgemäß nicht das, was man sich erhofft. Als wir schließlich aufstehen und zum Frühstück schreiten, regnet es nur noch leicht. Kurz darauf fahren wir zum Headquater, da wir nicht wissen, ob wir unser Auto benötigen oder nicht. Unser Gastgeber erwartet uns dort bereits und zeigt uns, wo wir uns eintragen müssen.

Alle Formalia sind schnell erledigt, dann werden wir nach Namen aufgerufen und verschiedenen Gruppen zugeteilt. Wir dürfen die Mubare Gruppe besuchen, die älteste bereits habituierte Gruppe, die sich dem Vernehmen nach meistens eher in der Nähe von Buhoma aufhält. Die Gruppe war einst bis zu 18 Mann stark, nach dem Tod des ehemaligen Silberrückens Ruhondeza und Auseinandersetzungen mit anderen Gruppen befanden sich zwischenzeitlich nur noch 5 Tiere in der Gruppe. Der Sohn des ehemaligen Silberrückens, Kanyonyi, hatte es jedoch geschafft, die Gruppe wieder auf 11 Mitglieder anwachsen zu lassen, darunter drei Jungtiere. Leider war Kanyoniyi wenige Monate zuvor bei einer Auseinandersetzung mit einem anderen Silberrücken, Malaya, immer stärker verletzt, so dass er schließlich verstarb. Kurz vor unserer Reise bestand die Gruppe nur noch aus wenigen Tieren, die von einem Weibchen angeführt wurden, während der Angreifer Malaya sich einige Weibchen „gesichert“ hatte. Zwischenzeitlich ist er offenbar als Silberrücken der Mubare Gruppe etabliert. Diese Informationen erhielten wir leider nicht vor Ort bzw. während des Trackings, sondern erst im Nachhinein übers Internet.

Ein Blick zu den verschiedenen anderen Gruppen und Teilnehmern zeigt eine sehr große Bandbreite an Alter, äußerlich einschätzbarer Fitness und Ausrüstung. Auch einige Gäste mit Turnschuhen und Jeans sind zu sehen. Zu unserer Gruppe gehört noch ein israelisches Ehepaar um die 40 sowie ein amerikanisches Ehepaar um die 60. Die erste Einschätzung ergibt, dass wir vermutlich wenigstens nicht das schwächste Glied der Kette sein dürften.

Jede Gorillagruppe wird vorab von einer Gruppe Trackern gesucht, die ausgehend von der letzten bekannten Position am Tag zuvor möglichst früh am Tag die Gruppe zu finden und die Gäste samt Guide dorthin zu lotsen. Wir erfahren von unserem Guide, einem noch recht jungen aber sehr sympathischen Kerl, dass wir zunächst einige Kilometer bis zum optimalen Startpunkt fahren müssen. Als er nach den jeweiligen Fahrern unserer Gruppe frägt, stellt sich heraus, dass nur das amerikanische Ehepaar über einen Fahrer verfügt. Das israelische Ehepaar hatte sich lediglich in Buhoma absetzen lassen. Ein leichter Anflug von Panik überkommt unseren armen Guide, bis wir ihm klarmachen können, dass wir auch ohne Fahrer über einen fahrbaren Untersatz verfügen.

So landen Guide und die beiden anderen Ehepaare im ausreichend dimensionierten Landcruiser der Amerikaner, während wir den Auftrag erhalten, ihnen zu folgen.

Was nun folgt, ist eher als Rallye denn als normale Fahrt zu einem Startpunkt zu bezeichnen. Unser Vordermann heizt derart über die schlechte, kurvige und steile Piste, dass wir große Mühe haben, ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Es geht zunächst talabwärts und schließlich nach Osten in Richtung Ruhija. Aufgrund des nächtlichen Regens ist die Straße ziemlich nass, aufgrund zahlreicher großer Steine aber weiterhin griffig. Es ist wirklich verdammt anstrengend und erfordert höchste Konzentration, in dieser Geschwindigkeit über die Piste zu heizen.. Auch wenn ich nicht leugnen kann, dass es durchaus Spaß macht, wäre hier etwas mehr Rücksicht auf Seiten des anderen Fahrers vielleicht besser gewesen, zudem zieht sich die Strecke ganz schön.

Am Ende sind wir fast 25 Kilometer weit gefahren, dann zeigt ein Arm aus dem vorderen Auto auf eine extrem steile, extrem ausgewaschene Auffahrt rechter Hand.



Dieses Bild ist am nächsten Tag entstanden und zeigt leider die Steilheit nur bedingt. Hinzu kam noch eine nicht unerhebliche Stufe, die links gut zu sehen ist. Eine Anfahrt mit Schwung war nicht wirklich möglich, da sich die Abfahrt in einer Kurve befindet, so dass man etwas rangieren muss, um sie überhaupt zu treffen.. Es war somit Zeit, die Untersetzung zum ersten Mal zuzuschalten. Wir schafften die Auffahrt ohne größere Probleme im ersten Anlauf. Anschließend ging es noch ein paar Kilometer über einen kleineren Feldweg bis zu einer Lichtung im Wald, der hier eher europäischen Kiefernwäldern ähnelte.



Die Aussicht war jedoch überragend. Wie man sieht, hatte sich der Regen inzwischen vollkommen verzogen und es versprach ein sonniger Tag zu werden.



Vor Ort wartete bereits ein Soldat, welcher uns wegen der Nähe zum Kongo beschützen sollte und ein Haufen Träger. Meine Fahrkünste wurden sowohl vom Guide der Amerikaner als auch unserem heutigen Guide bewundernd gelobt.. So schön es zwar ist, im Ansehen zu steigen, so lieber wäre es mir ehrlich gesagt gewesen, die Strecke in "normalem" Tempo ohne unglaubliche Anspannung zurückzulegen..

Wir engagieren jeder einen Träger, weniger aus Notwendigkeit denn als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und um niemanden zurücklassen zu müssen. Auch wenn man sich als eigentlich fitter Mensch westlicher Prägung etwas komisch dabei vorkommt, dass jemand einem seine Sachen hinterher trägt, erscheint das Programm doch verdammt sinnvoll zur Einbindung der lokalen Bevölkerung. Das Geld landet schließlich direkt in den Taschen der Träger und damit vor Ort, was bei den vielen Geldern für Permits eher fraglich ist..

Nun geht es auf einem kleinen Pfad in den Wald, der zunehmend dichter wird. Irgendwann gibt es keinerlei Weg mehr und wir schlagen uns talauf, talab durchs Gestrüpp.


Leider entpuppen sich unsere amerikanischen Begleiter nur als mäßig fit. Sie schnaufen wie die Walrösser und die Erschöpfung ist ihnen bereits nach wenigen Minuten sichtlich anzusehen. Wir machen viele Pausen und warten, während die Träger sie so gut wie möglich unterstützen. Insgesamt warten wir sicher mindestens so lang, wie wir gehen. Irgendwann kommt die Meldung per Funk, dass die Tracker die Gorillas gefunden hätten, jedoch an etwas anderer Stelle als zunächst vermutet. Wir müssen also nochmal ein gutes Stück weiter als gedacht.

Doch irgendwann haben auch das alle geschafft und wir sehen die Tracker im Wald vor uns. Insgesamt hatte unsere Suche keine zwei Stunden gedauert – nicht auszudenken, wie schwer sich unsere Begleiter bei einer größeren Entfernung getan hätten..
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18 Mai 2020 12:12 #588965
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Tag 14 07.03. Bwindi NP Buhoma Community Rest Camp – Gorilla Trekking Teil 2/3

Wir müssen nun unsere Rucksäcke zurücklassen, bepacken uns mit Kameras und gehen die letzten Meter zu einem Gestrüpp. Wir sehen zunächst überhaupt nichts, erst als sich etwas bewegt erkennen wir knappe 10 Meter entfernt einige schwarze Gestalten im Gebüsch. Wir können sie ganz gut beobachten, das Fotografieren gestaltet sich jedoch aufgrund der vielen Äste und Zweige und des wenigen Lichts ganz unten im Gebüsch als nochmals wesentlich herausfordernder und frustrierender als erwartet. Ein scharfes Foto will anfangs irgendwie überhaupt nicht gelingen..







Wie jedermann hatten wir gehofft, die Gorillas in etwas offenerem Gelände zu sehen, dass sie so sehr versteckt waren, war wohl etwas Pech. Dafür hatten wir Glück, dass die Familie über reichlich Nachwuchs verfügte. Es gab zwei Kleinkinder und ein noch verdammt kleines Baby. Während das Baby stets von der Mutter gut versteckt wurde, boten uns die beiden Kleinkinder eine Show, die die schlechten Sichtverhältnisse fast wieder komplett relativierten.

Sie machten sich einen großen Spaß daraus, gemeinsam einen Baum hochzuklettern, um anschließend sofort wieder am Stamm entlang runterzurutschen.

Hierbei fielen sie regelmäßig auf eines der am Boden liegenden Familienmitglieder, die das Ganze entweder stoisch ertrugen oder sie kurz packten, bis sich das Kind wieder entwinden konnte.

Alle hatten ihren sichtlichen Spaß und wirkten rundherum zufrieden. Wir genossen das Privileg, diese großen und so menschlichen Tiere aus derart naher Entfernung in ihrem natürlichen Leben und Habitat beobachten zu können, sehr.



Hier mal ein kleines Behind-the-Scenes-Bild zu den Sichtmöglichkeiten.

Letzte Änderung: 18 Mai 2020 12:16 von fidel.
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