THEMA: The Heat is on – Namibia & Botswana November 2018
06 Jan 2019 13:02 #544324
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Hi Bea und Lukas,

bei eurem wahnsinnig erfrischend geschriebenen Bericht begleite ich euch doch gerne... :laugh: Wir waren 6 Wochen nach euch unterwegs und haben teilweise die gleichen Unterkünfte/Campsites besucht. Witzigerweise sind wir zufällig an unserem letzten Abend auch im Windhoek Gardens Boutique Hotel gelandet, von dem ich zuvor noch nie gelesen hatte, und ich war von dem großzügigen Zimmer ebenfalls begeistert. ;)

Viele Grüße in den Norden,
Nadja
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06 Jan 2019 13:04 #544325
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Tag 2 – Höllenritt durch’s Paradies

Heute Morgen klingelt der Wecker gefühlt viel zu früh. Um halb acht werden wir von der Autovermietung abgeholt. Wir haben zwar eine anständige Zahl an Stunden geschlafen, so ganz verdaut haben wir die Nacht im Flugzeug aber noch nicht. Leider brauche ich eher viel Schlaf. Aber wir sind halbwegs fit und das Frühstück macht auch mit. Jetzt müssen wir nur noch das bei der Klein Windhoek Schlachterei vorbestellte Fleisch finden. Dafür lassen wir Norbert und Mona von Pegasus, die uns persönlich abholen, einige Zeit warten, während eine der Hotel-Angestellten den ganzen Keller durchwühlt. Sie taucht dann mit einer riesigen Box wieder auf. 6,5 Kilo! Na, ob wir das alles schaffen…

Bei Pegasus angekommen steht unser Nissan Hardbody D/C mit Dachzelt schon auf dem Hof bereit. Davon gibt's kein Bild, daher hier ein Foto von später am Tag:



Das Schiff wird uns von Norbert ausführlich erklärt und demonstriert. Küchenkiste, erster und zweiter Ersatzreifen, Allrad, Zeltaufbau. Eine Weile sitzen wir dann bei Mona im Büro und klären die Formalitäten. Aber zuerst müssen wir Fotos von verunfallten Touristenautos aus der AZ begutachten. Sie sind zu schnell gefahren. Dann wird unsere Route kritisch unter die Lupe genommen und wir müssen uns ein paar mütterlich-strenge Warnungen anhören à la „Spreetshoogte Pass? Naja, den KANN man fahren…. Aber langsam!“ – „Gaub Pass? Kann man auch fahren. Aber langsam“. Okay. Verstanden. Langsam.

Wir entscheiden uns spontan, gar keine „Versicherung“ bzw. Reduktion der Selbstbeteiligung abzuschließen. In Botswana nützt uns das sowieso wenig und wir hoffen einfach mal, dass wir nicht mehr als einen Reifen plattfahren. Mit Norbert haben wir noch eine längere Diskussion, ob er uns denn nun Diesel-Kanister mitgibt. „Der Tank fasst 80 Liter, damit kommt ihr locker 500 Kilometer. Oder wollt ihr durch den Chobe?“ Der Tonfall sagt aber eher „wollt ihr ETWA durch den Chobe?!“. Upps. Sorry. Ja, wollen wir. Die Kanister will er trotzdem nicht so recht rausrücken, weil sie „bei dem ganzen Gehubbel immer auslaufen und den Teppich versauen“. Nach einigem Hin und Her bekommen wir dann doch einen – aber nur weil wir versprechen, ihn wenigstens noch in Müllsäcke einzupacken. Ich hatte eigentlich vorher alles genau durchgerechnet und war mir ziemlich sicher, dass es ohne einen zweiten Kanister sehr, sehr eng werden könnte… aber die ganze Situation, all die Infos und Gedanken, die in meinem Kopf schwirren, lassen mich das dann doch weniger vehement vertreten. Vielleicht habe ich auch übervorsichtig kalkuliert? Ich ahne irgendwie, dass das ein Fehler sein könnte, aber es bleibt bei einem Kanister.

Nach eineinhalb oder zwei Stunden, rollen wir dann schließlich vom Hof. Ich hatte mir eigentlich die Maerua-Mall als Einkaufsstopp ausgeguckt, aufgrund des gut ausgestatteten Spar (die Einkaufsliste habe ich natürlich vorher schon zusammengeschrieben). Norbert empfiehlt uns dann aber irgendeinen anderen Supermarkt, zu dem er uns, voranfahrend, netterweise noch kurz rumbringt, damit wir uns nicht gleich am Anfang verfahren. Ich habe im Forum vorab ein paar zu viele Threads über Sicherheit beim Einkaufen gelesen und bin nervöser als sonst auf Reisen. Der Einkauf dauert eine ganze Weile, was allerdings weniger daran liegt, dass ich Fotos von der „Küstenbutter aus Schleswig-Holstein“ und der Lebkuchen- und Stollen-Sektion machen muss, sondern einfach an der schieren Menge der Dinge, die wir einladen. 200 Euro ärmer verlassen wir dann irgendwann endlich auch diesen Zwischenstopp.



Nachdem wir unser – natürlich nicht ausgeraubtes – Auto unter Beobachtung sämtlicher Typen, die auf dem Parkplatz zu rumhängen, im Schnelltempo mit den Einkäufen vollgestopft haben, geht’s weiter zu Radio Electronic, das Satellitentelefon abholen. Und dann, endlich, richtig los. Die ersten Kilometer noch auf Asphalt, biegen wir irgendwann mit beschwingtem Gefühl auf die C-26 ab, die uns über Schotter zum Spreetshoogte Pass führen soll. Norbert hat uns geraten, den Reifendruck, auch auf Schotter, bei 2,5 zu lassen – was sich zwar etwas ruppeliger fährt, aber verhindert, dass die scharfen Steine die Reifen seitlich aufschlitzen. Klingt für uns logisch, also ist das einzige, was wir zu Beginn der Schotterstraße tun müssen, die Staubklappe zu öffnen. In der Hoffnung, dass wir das nie vergessen…



Leider ist bei der Umpackaktion am Vorabend ein Detail auf der Strecke geblieben: Der FM-Transmitter mit Doppel USB-Anschluss liegt noch stoßfest verstaut in meinem Wanderschuh, der natürlich verpackt in einer Tüte in der Mitte meines Rucksacks feststeckt. Kurzfristig kein Drankommen. Also verläuft unsere erste Tagesfahrt über den Spreetshoogte-Pass landschaftlich schon beeindruckend aber musikalisch etwas minimalistisch.



Natürlich machen wir auch die obligatorischen Fotos von der Passhöhe, aber irgendwie ist kein so richtig vorzeigbares dabei. Der Pass selbst fährt sich dank der Pflasterung (dass sich jemand echt diese Mühe gemacht hat!) völlig okay, aber die Serpentinen sind schon eng und wir fahren, Monas Warnung von heute morgen noch im Kopf, langsam.



Erst traue ich mich selbst noch nicht recht an das Fahren heran – nicht wegen des Linksverkehrs, der mir immer ganz gut von der Hand geht, es liegt eher an der Tatsache, dass ich in Deutschland mangels eigenen Autos fast nie fahre, und erst recht keinen zehn Meter langen und fünf Meter breiten Pick-Up. Kurz hinter dem Spreetshoogte-Pass merke ich dann aber, dass ich mich nicht mehr lange drücken kann und erlebe meine erste Fahrt auf Schotter. Eigentlich ganz okay… die Straße ist hier recht gut und das geht daher ganz passabel. Doch so ganz hundertprozentig wohl fühle ich mich mit dem Gefühl, kaum Grip zu haben, am Anfang noch nicht. In Solitaire machen wir einen Tankstopp. In Südafrika hatte ich immer das Talent, Tanksäulen beinahe zu rammen, da der Tankdeckel auf der Beifahrerseite war. Zum Glück scheint er aber diesmal auf der Fahrerseite zu sein. Trotzdem: Wir merken beide langsam, dass wir müde werden.

Aber es hilft ja nichts. Wir wussten vorher, dass dieser Tag anstrengend wird, jetzt müssen wir da durch. Also geht es munter weiter. Wir genießen natürlich die grandiose Landschaft. Leider war uns nicht klar, dass die Straße zwischen Solitaire und Sesriem, zumindest jetzt, zu Ende der Saison, eher einem zerfurchten Flussbett als einer Schotterpiste gleicht. Auf den Längsrillen gefühlt fast mehr schlingernd als fahrend versuche ich todesmutig, mit mindestens 60 km/h noch die letzten 80 Kilometer des Tages hinter uns zu bringen. Irgendwann habe ich ein anders Auto hinter mir kleben, der mich aber einfach nicht überholt und damit zusätzlich stresst. Und die Straße wird immer schlimmer. Irgendwie fühle ich mich gedrängt. Kurzzeitig wird mir alles irgendwie zu viel und ich möchte am liebsten aufgeben. Aber wie soll dann bitte der Rest des Urlaubs werden, wenn ich nicht fahre? Lukas redet auf mich ein. Also muss ich da durch.

Irgendwann überholt das andere Auto endlich. Kurz darauf hält es links an und es gibt einen Fahrerwechsel. Sie steigt auf der Fahrerseite aus, er ein – und wir stellen amüsiert fest, dass sich wahrscheinlich in der Fahrerkabine dieselbe Szene abgespielt hat wie bei uns. Das motiviert mich jetzt ehrlich gesagt ein bisschen, anders als unsere Verfolgerin doch durchzuziehen. Irgendwann ist das schlimmste Stück Längsfurchen-Schlagloch-Stein-Rüttel-Piste geschafft und ich bin eigentlich ziemlich gut durchgekommen. Langsam bekomme ich ein Gefühl dafür, was ich tue.

Dass die Konzentration jetzt allerdings dem Ende zugeht, zeigt sich kurz danach. Immer noch etwas gedrängt durch das andere Auto, das jetzt dank des Fahrerwechsels schon wieder hinter mir ist, fahre ich etwas zu schnell auf ein Gatter zu. Dass der Bremsweg auf Schotter nicht nur länger, sondern gefühlt acht Mal so lang ist, lerne ich jetzt etwas schmerzhaft, denn das Auto gerät, wenige km/h zu schnell für diese Stelle, gefährlich ins Schlingern und ich schramme beinahe seitlich gegen die Gatterbegrenzung aus Beton. Nicht auszudenken, was hätte passieren können, auch wenn die Geschwindigkeit insgesamt nicht wirklich hoch war. Irgendwie schaffe ich es aber, die richtige Kombination aus Gegenlenken, Nichtlenken und Pedalbetrieb zu finden und schlingere mich noch gerade mal so durch… puh. Adrenalin fließt und lässt mich das letzte Stück hochkonzentriert fahren. Als ich dann gegen 17 Uhr oder 17:30 Uhr vor der Rezeption das Auto zum Stehen bringe, merke ich aber, dass ich jetzt wirklich kaputt bin. Und froh darüber, diesen wahrscheinlich härtesten Fahrtag der Reise hinter uns gebracht zu haben.



Unsere Campsite auf dem Campingplatz von Sesriem liegt eigentlich ganz nett relativ weit hinten und eher außen, und wir empfinden sie, anders als oft gelesen, eigentlich als sehr entspannt. Neben uns campiert ein Overlander mit einigen Zelten, aber es scheint eher eine ruhige Truppe zu sein. Jetzt stellt sich dann auch wieder echte Begeisterung ein, dass wir hier sind, und all das erleben dürfen!

Allerdings gleich das Auto eher einem Chaoshaufen. Wir versuchen zwar, ein wohlverdientes Sundowner-Bier zu trinken, verbringen aber dann doch mehr aufgescheucht als entspannt den Rest der Abenddämmerung damit, unsere Einkäufe, die ohne Konzept in verschiedensten Beuteln, Kisten und Tüten herumliegen, zu sortieren, Bettwäsche zu beziehen, in Küchenkisten und Rucksäcken zu kramen und mit minimalen Werkzeugen Salat zu machen. Relativ schnell bekommen wir dann auch mithilfe von drei Anzündern – ja, Anfänger pur, aber für heute ist auch das ein Erfolg – das Feuer zum Laufen. Inzwischen ist es schon komplett dunkel. Heute gibt es Oryx, das vorzüglich schmeckt. Viel zu spät kriechen wir dann schließlich um 23 Uhr erschöpft aber erwartungsfroh in unser Zelt. Um 4 Uhr soll schon der Wecker klingeln … ob das gutgeht?

Utensil des Tages: Sonnenbrille. Und Tankdeckel, die auf der richtigen Seite sind.
Südmarokko März 2012 | Südafrika & Swasiland September 2014 | Namibia & Botswana November 2018
Letzte Änderung: 06 Jan 2019 13:14 von offbeat.
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06 Jan 2019 13:40 #544336
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Hallo Bea,

da setze ich mich mal zu euch in den Wagen. Eure Reise haben wir ja mehr oder minder in 2 Jahre aufgeteilt. Eure Highlights lesen sich aber wie eine gute Zusammenfassung unserer Reisen. :)

Und auch viele andere Parallelen finde ich, wie z.B. Plastikbeutel für die Klamotten... die haben wir auch immer dabei. Super platzsparend und auch wenn es so aussieht, das Zeug knittert nicht drin. Aber viel wichtiger, euer Feeling vor dem ersten Trip. So wie du es beschreibst, ging es uns auch. Ab #2 wird man dann doch wesentlich routinierter ist uns aufgefallen. ;)


Bin gespannt wie es weitergeht.


Gruß,
Robin
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06 Jan 2019 14:22 #544342
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Moin Bea,

ich setzte mich auch dazu. Klingt extrem spannend! Und ich freue auf die Fortsetzung!

Grüße aus der Nachbarschaft
Martin
--
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02 Feb 2019 10:49 #547075
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Wie ärgerlich, jetzt habe ich den Bericht doch ein wenig schleifen lassen. Notiz an mich selbst: Weniger perfektionistisch bei der Texterstellung sein ;-) Hier kommt der nächste Teil:

Tag 3 – Sand, viel Sand

Es ist spätabends, wahrscheinlich schon nach Mitternacht. Ich wälze mich im Dachzelt hin und her. Eigentlich finde ich es ganz gemütlich, doch ich kann einfach nicht schlafen. Diesen Zustand kenne ich leider von meiner Alpenüberquerung. Ich bin einfach zu aufgeputscht mit Adrenalin, Cortisol und was weiß ich noch, und der Druck, jetzt UNBEDINGT schlafen zu müssen, hat wohl noch niemandem geholfen. Und dann geht es leider erst so richtig los. Ich höre Autos. Autos? Hier, um die Zeit? Bevor ich anfangen kann, mich zu gruseln, wird aber klar, was die Ursache ist: Offenbar kommen jetzt noch Leute an. Was zur Hölle? – denke ich mir, und frage mich ernsthaft, wie man um diese Uhrzeit überhaupt noch auf den Campingplatz kommt, hier, im Nirgendwo. Aber ich unterstelle erstmal nichts Böses, so ein Zelt ist ja auch in ein paar Minuten aufgebaut. Denke ich. Und dann liege ich da, und höre gefühlt stundenlang einer Gruppe von Menschen zu, die laut reden, sich Dinge zurufen, lachen und Bier trinken. Jetzt kommt zu Adrenalin auch noch Wut dazu. Ausgerechnet die Ohropax sind leider noch nicht im Zelt deponiert, wie ich es eigentlich geplant hatte, für eben genau solche Fälle. Aber weil es bis 23 Uhr ruhig um uns herum war, habe ich darauf verzichtet, sie noch rauszukramen. Es wäre der einzige Tag, an dem wir sie gebraucht hätten.

Irgendwann muss die Müdigkeit dann doch gesiegt haben, denn ich werde um vier Uhr unsanft vom Wecker aus dem Schlaf gerissen. Nein. Keine Chance, jetzt aufzustehen. :dry: Ich fühle mich, als hätte ich eine Flasche Wein getrunken. Wir werfen also unseren Plan über Bord, stellen den Wecker auf fünf, und schlafe noch eine Stunde. Dann halt kein Sonnenaufgang. Schlaf ist wichtiger. :woohoo:

Als wir dann um fünf aus dem Zelt kriechen, sind wir zwar müde – aber das Gefühl der Morgenstimmung, und die Erkenntnis, jetzt hier in Namibia aufzuwachen, ist der Wahnsinn. Und so starten wir nicht enttäuscht, sondern trotz allem sehr erwartungsfroh in den Tag. Nur die akustische Kulisse erinnert eher an eine deutsche Autobahn in der Ferne – ein gleichmäßiges Rauschen. Das muss wohl die berühmt-berüchtigte „Rallye“ sein, und wir sind eigentlich nicht ganz unglücklich, uns nicht von gehetzten Fotojägern zum Rasen drängen zu lassen.





Als wir uns auf dem Weg machen, ist die Sonne gerade aufgegangen. Ein bisschen wehmütig bin ich schon, dass wir diese schöne Lichtstimmung jetzt nur aus dem Auto erleben. Andererseits können wir entspannt in die immer größer werdenden Dünen reinfahren, ohne viel Verkehr.



Die Landschaft ist schon hier der Wahnsinn. Ich bin begeistert, hier sein zu dürfen. Fasziniert sehen wir die Menschenschlange auf der Düne 45.



Auf diese Massenveranstaltung haben wir nicht so Lust. Also geht es weiter, ohne Stop direkt bis zum 2x4 Parkplatz. Nach langem Überlegen haben wir uns entschieden: Wir möchten gerne das Dünenmeer möglichst für uns allein haben – auch wenn es dann eben nicht die Top-Attraktion ist. Deshalb haben wir vor, zu allererst das Hidden Vlei zu erwandern. Am Parkplatz wechseln wir also in unsere Wanderschuhe (eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen wird, wir haben keinerlei Sand im Schuh). Am Rand des Parkplatzes sehen wir ein Schild mit der Aufschrift „Hidden Vlei“ und einem Pfeil. Direkt dahinter beginnt das Nirgendwo. Von einem Weg keine Spur. Zum Glück habe ich vorher die App maps.me installiert, die auch diese Wege eingezeichnet hat. Wir laufen einfach quer ins Sandfeld.

Wir sind noch nicht allzu weit gekommen, als wir von einem anderen jungen Pärchen angesprochen werden, Spanier, sie haben dasselbe Ziel, finden aber den Weg nicht. Na, da können wir helfen! Gemeinsam stapfen wir also durch den Sand, aber nach einer Weile trennen sich unsere Wege, da wir uns immer wieder mit Fotostopps aufhalten.



Wir folgen nicht dem gekennzeichneten Weg, sondern nehmen einfach einen beliebigen Weg über die Dünen in Richtung Hidden Vlei. Irgendwann erreichen wir den Kamm einer etwas höheren Düne und haben einen tollen Ausblick ins Vlei. Die beiden Spanier sind noch unten, sonst ist es komplett verlassen. Ein Traum. Wir quatschen noch kurz, dann machen sich die beiden auf den Rückweg und wir haben das Vlei für uns alleine.



Wir machen die obgliatorischen Spaßfotos mit den wenigen toten Bäumen, die es auch hier gibt, bewundern den spektakulär aufgebrochenen Boden und genießen die Atmosphäre, völlig allein, in der Wüste. Mich interessiert die Akustik und da wir so ganz allein sind, hören wir spaßeshalber ein paar Takte von „Have You Ever Seen the Rain“. Was für ein Ort, um dieses Lied zu hören. Was für ein Moment, hier zu sein.



Ich möchte mich eigentlich gar nicht losreißen, aber zumindest das Dead Vlei wollen wir trotzdem noch besichtigen. Langsam fängt es an, heiß zu werden. Wir machen uns also auf den Rückweg, es tut gut, zu Fuß, unterwegs zu sein. Wir erleben diese Dünen so intensiv, weil wir uns mit eigener Kraft durch sie hindurchbewegen. Und irgendwann auf halbem Weg sehen wir, dass wir nicht allein sind: Da ist tatsächlich ein Oryx-Bulle, der seelenruhig vor einer Düne "grast".



Damit hatten wir nie gerechnet und was wir fühlen ist eine Mischung aus Euphorie und Respekt. Der Bulle scheint recht entspannt, aber wer will schon an seinem dritten Tag in Namibia von einem Oryx aufgespießt werden. Interessanterweise scheinen wir ihn immer nur dann zu stören, wenn wir zu lange stehen bleiben. So als wüsste er, dass wir, sollten wir Jäger sein, nur dann zum tödlichen Schuss ansetzen können, wenn wir stehenbleiben. Dann sieht er uns intensiv an. Sobald wir weitergehen, ignoriert er uns. Der Blick dieser Tiere, wenn man ihnen zu Fuß begegnet, hat etwas zutiefst Faszinierendes, das habe ich schon auf unserem Trail in Südafrika festgestellt. Wir versuchen ihm möglichst viel Raum zu geben und ziehen vorbei.



Zurück am 2x4 Parkplatz kommt es uns auf einmal fast bescheuert vor, in den rummeligen Touri-Safariwagen zu steigen und noch das Massenprogramm mitzumachen. Aber einen kurzen Abstecher sollten wir wohl noch machen. Am Deadvlei ist es dann, im Kontrast zu unserer Tour vorher, voller Menschen und wir sind froh über unsere Entscheidung. Hier fühlt man sich im Vergleich wie im Museum. Wir haben das Gefühl, ein kleines Geheimnis zu haben, etwas nur für uns entdeckt zu haben. Dem Deadvlei statten wir also nur einen kurzen Besuch ab, auch wenn es sich im Vlei selbst auch langsam leert und die Restmenschen sich ganz gut verteilen.



Natürlich sind die Bäume hier nochmal beeindruckender, der weiße Boden fotogener… aber die Stimmung ist eben touristischer. Naja gut, vielleicht tue ich dem ganzen etwas unrecht. Inzwischen ist es eben auch einfach super heiß. Witzigerweise treffen wir auch nochmal auf das neuseeländische Pärchen aus Joe’s Beerhouse – die in FlipFlops auf Big Daddy gestiegen sind. „Wie lange hat das gedauert“ – „Mehrere Stunden, glaube ich“. – Okay… nächstes Mal vielleicht :woohoo:

Um 11 machen wir uns also auf den Rückweg und da wir inzwischen auch recht platt sind und genug erlebt haben, lassen wir das Sossusvlei und den Canyon ganz ohne Bedauern einfach weg und machen uns direkt auf den Weg zu unserem nächsten Campingplatz Hauchabfontein.

Schon auf dem Weg gefällt uns die Landschaft, und unsere Campsite in Hauchabfontein – Hygia oder so in der Art – hat einen tollen Ausblick auf die Berge. Man fühlt sich fast wie in der Prärie. Die Site ist außerdem riesig und von Nachbarn keine Spur. Mal wieder dauert es ein paar Minuten, bis wir den perfekten Stellplatz für das Auto gefunden haben.



Wir fühlen uns sehr wohl hier, aber da wir kurz vorm Hitzeschlag stehen, müssen wir unbedingt baden ! Und was für ein Bad das ist. Wir steigen einfach in den ersten Rock Pool, der zu Fuß von der Campsite aus zu erreichen ist (Edith hatte uns vorher erklärt, wo man überall baden kann). Und steigen einfach rein. Hochgradig erfrischend. Auch wenn das Wasser auf den ersten Blick etwas bräunlich und matschig wirkt, links ist es tiefer, und von irgendwo weit unten kommt kaltes, sehr kaltes Wasser – bei ungefähr 40 Grad das beste, was ich mir in diesem Moment vorstellen kann. Und es gibt sogar kleine Schildkröten. Der erste Rock Pool von der Campsite aus gesehen war übrigens der beste, die anderen waren dann deutlich trüber.



Zurück an der Campsite geht es duschen. Die Ablutions sind okay, aber es gibt hier schon viele Mücken, Insekten und Spinnen. Ich mag keine Spinnen und muss mich ein bisschen zusammenreißen. Aber geht schon. Und jetzt merke ich auch das erste Mal, wie verrückt eigentlich dieser Südwester ist: Ich kämme meine Haare neben dem Auto. Nach fünf Minuten sind sie trocken.



Abends grillen wir eine große Fleischauswahl und sind entspannt und glücklich.



Irgendwann stehe ich am Feuer und schichte ein paar Holzscheite um, als plötzlich etwas sehr, sehr großes in meinen Lichtkegel gerannt kommt. "Skorpion" rufe ich sofort, und mache einen Satz nach hinten. Tatsächlich ist es aber ein ziemlich riesiges Exemplar einer Walzenspinne. Dank meiner ausführlichen Lektüre dieses Forums weiß ich, dass es durchaus auch eine Forumsnutzerin gibt, die dieses Vieh unter ihrem T-Shirt hatte, und ich muss sagen, das wäre eines der schlimmsten Dinge, die ich mir vorstellen kann. Wie gesagt: Ich mag keine Spinnen. Ganz und gar nicht. Besonders, wenn sie sich bewegen ... Komischerweise kann ich mich meistens ganz gut zusammenreißen, solange ich nicht mit den Spinnen in einem Raum bin. Das Problem: Statt im Licht zu erstarren, wie jede andere normale Spinne auch, läuft sie direkt in meinen Lichtkegel rein und scheint sich besonders gerne da drin aufzuhalten. Ich fliehe erstmal zurück zu meinem Stuhl, zum Glück, ohne, dass sie mich verfolgt. Aber ich muss zugeben: Solange das Riesenvieh am Feuer sitzt und nicht an mir, bin ich auch ein bisschen fasziniert. Ich schleiche mich also wieder zurück, um sie halb angewidert und halb neugierig zu beäugen. So eine große Spinne habe ich noch nie gesehen, sie ist bestimmt so groß wie meine gesamte Handfläche.

Nach den ersten Wellen von Schock und Faszination wollen wir das Monster dann doch gerne loswerden um weiter unseren Wein und die Nacht zu genießen, und Lukas versucht, sie mit einem Pfannenwender zur Flucht zu bewegen, was einen ungewollt komischen Effekt hat. Aber das Vieh sitzt einfach nur stur da. Wie erstarrt. Minutenlang. Und jetzt? Aber irgendwann haut sie dann eben doch von alleine ab, in die Dunkelheit. Und ich sitze den Rest des Abends mit meinen Füßen auf dem Stuhl, während ich den wunderschönen Sternenhimmel betrachte... :whistle:

Utensil des Tages: maps.me – das Hidden Vlei hätten wir ohne vielleicht nicht gefunden
Südmarokko März 2012 | Südafrika & Swasiland September 2014 | Namibia & Botswana November 2018
Letzte Änderung: 02 Feb 2019 11:08 von offbeat.
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02 Feb 2019 11:14 #547076
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Hey Bea,

in die Namib möchte ich auch noch mal. Wenn es dann soweit ist nehme ich eure Route. Die Menschenmassen im Dead-Vlei hatten wir auch, ebenso die Erfahrung, dass es gen Mittag dann schlagartig leer wird.

Aber das Hidden-Vlei scheint mir der geeignetere Ort zu sein. Das wird ganz fest im Reisetipps-Gedächtnis verankert. :)


@ Hauchabfontein
Wirklich ein tooler Platz, die Pools hatten bei uns damls nicht genug Wasser, aber deine Walzenspinnem Geschichte lässt es mir eiskalt den Rücken runterlaufen. Auch erfrischend... :laugh:


Gruß,
Robin
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