THEMA: Patagonien 2020: Zwischen Anden, Pampa und Eis
17 Apr 2020 00:05 #586492
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  • Old Women am 17 Apr 2020 00:05
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Ein bisschen Politik….. :ohmy:

Bis zu den atemberaubenden Landschaften unserer Runde und den einzigartigen Wolkengebilden im Torres del Paine







kommt jetzt vorab ein etwas ungewöhnlicheres Kapitel, aber leider gehörten die politischen Ereignisse in unserem Fall auch dazu :( .
Diese Reise stand anfänglich unter keinem guten Stern, und das hatte in unserem Fall nichts mit der Corona-Pandemie zu tun. Lediglich beim Grenzübertritt nach Argentinien mussten wir mit Hilfe unseres Touristenvisums glaubhaft versichern, dass wir uns in den letzten 14 Tagen in keinem Land, in dem es Erkrankte gab, aufgehalten hatten. Wir hatten Glück, denn wir waren vor 15 Tagen eingereist :woohoo: , da hatte es zeitgleich auch den 1. Infizierten in München gegeben.
Bevor wir in fremde Länder reisen informieren wir uns gründlich über die politische Situation in den betreffenden Ländern. In „schwierigen“ Ecken dieser Welt möchten wir nicht „die schönsten Tage des Jahres“ verbringen. Chile gilt als eines der „Vorzeigeländer“ Südamerikas, der Peso ist relativ fest, die Versorgungslage ordentlich. Knapp 30 Jahre nach Ende der Pinochet-Diktatur scheint die junge Demokratie stabil, die Wirtschaft floriert und der Lebensstandard ist deutlich gegenüber früher gestiegen. Ideale Bedingungen für einen sorglosen Urlaub. Doch nun fing die strahlende Fassade an zu bröckeln, und dahinter machte sich zunehmend Unzufriedenheit breit. Mitte Oktober erreichte uns die Meldung, dass es in den Großstädten des Landes zu großen Demonstrationen gekommen ist. Anfänglich friedlich kippt die Stimmung schnell, Steine fliegen, Gewalt macht sich breit, es gibt Tote und zahlreiche Verletzte. Bilder der Geschehnisse erinnern an die Zeit unter Diktator Augusto Pinochet. So etwa rollen Panzer in den Straßen der Hauptstadt Santiago de Chile, Polizisten gehen mit Schlagstöcken und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor. Doch das ist nicht alles. Gebäude, Züge und Autos stehen in Flammen, Supermärkte werden geplündert. Die chilenische Regierung verhängt schließlich den Ausnahmezustand über das Land und verbietet ihren Bürgern, ihre Häuser nach 19.00 Uhr zu verlassen. Flüge werden ausgesetzt, Nationalparks, Museen und Restaurants geschlossen. Da waren sie auf einmal dahin, die idealen Bedingungen für einen sorglosen Urlaub.

Was war passiert, und da musste ich mich auch erst einmal gründlich informieren, in unseren Medien wird kaum darüber berichtet?

Die Hauptursache für die zunehmende Unzufriedenheit unter den Chilenen ist wohl die wachsende Schere zwischen Arm und Reich. Untersuchungen belegen, dass der unteren Hälfte der Bevölkerung lediglich 2,1 Prozent des Landes gehören. Doch auch die Tatsache, dass der Mittelstand einen Zuwachs erreichte, täuscht nicht über die wahren Begebenheiten hinweg. Die Mittelklasse in Chile lebt unter prekären Umständen: die Löhne und die Renten sind niedrig, die Schulden hoch. Mit anderen Worten: diejenigen, die es in die Mittelklasse geschafft haben, leben in der ständigen Angst, wieder abzusteigen, und die Armen kämpfen immer mehr ums Überleben.
Über Weihnachten entspannte sich die Situation, wir beruhigten uns damit, dass wir allenfalls von diesen Protesten in den Großstädten (Puerto Montt, Coyhaique und Punta Arenas) betroffen sein würden. Wir wagten es, und es war richtig so, wir hatten im Großen und Ganzen keine Nachteile :laugh: .
Den Städten sah man die Unruhen noch deutlich an, man wartete wohl noch auf weitere Ausschreitungen. Auf Chiloe, in Coyhaique und besonders in Punta Arenas -dort sahen wir auch abgebrannte Häuser- waren die Geschäfte noch verrammel, überall war Polizei bis unter die Zähne bewaffnet präsent. Foto 1 stammt aus Chiloe, Foto 2 und 3 aus Coyhaique und die restlichen Fotos aus Punta Arenas















Aber: wir hatten Glück, und es kann auch ganz anders kommen. Die Carretera Austral ist die einzige Verbindung zwischen Nord und Süd, es gibt keine Alternative. Während wir fröhlich durch den Parque Pumalin wanderten hatte man in der Ortschaft Chaiten, ca. 60 km südlich, eine Straßenbarrikade errichtet. 36 Stunden ging dort gar nichts, die Menschen nächtigten in ihren Fahrzeugen, medizinische Notfälle….., sehr schwierig! Die Parkverwaltung empfahl uns, dort zu bleiben, bis der Spuk vorüber wäre, denn das könnte Tage dauern, es war wohl nicht die 1. Blockade, die errichtet worden war. Aber mein Dickkopf siegte über den Verstand, und ich legte mir schon eine abenteuerliche Ausrede bereit, warum man uns unbedingt passieren lassen müsste, aber es hätte wohl nichts genützt, und wir hätten uns wie der Rest in die Schlange der Wartenden einreihen müssen. Wir hatten Glück: wir erreichten Chaiten und hörten, dass sich alles wohl bald auflösen würde, denn man hätte sich geeinigt. Die Demonstranten waren friedlich, hatten ihre Waffen- allerlei Holzgerätschaften- niedergelegt und waren wohl froh, endlich ins Bett zu kommen.
Ich bin gespannt, wie sich die Situation in diesen Ländern nach Corona entwickeln wird. Wer mag, kann hier dazu einen sehr interessanten Artikel lesen: www.spiegel.de/polit...c5-89f1-eacde1751a24
Im nächsten Kapitel geht es dann richtig los, und dann gibt es auch endlich eine Karte unserer Route.

Gute Nacht
Beate
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Letzte Änderung: 17 Apr 2020 00:32 von Old Women.
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17 Apr 2020 08:15 #586494
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  • ANNICK am 17 Apr 2020 08:15
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Guten Morgen Beate,

Hoffentlich werden die politische Unruhen nicht wieder Ende des Jahres anfangen....

Tolle Bilder!

Da ich solo unterwegs sein werde, sieht meine Route wie folgt aus:

Flug: Genf - Paris - Buenos Aires
Rückflug einen Monat später: Santiago de Chile - Paris - Genf
mit Air France

Buenos Aires (Argentinien)
Ushuaia
El Calafate
El Chalten
Puerto Natale (Chile)
Torres del Paine
Punta Arenas

Flug Punta Arenas - Santiago de Chili
Flug Santiago de Chile - Osterinsel

Santiago de Chile

Schönen Tag noch
Annick
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18 Apr 2020 12:48 #586623
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  • bayern schorsch am 18 Apr 2020 12:48
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Hallo Beate,

wie schön, dass Du hier ins Forum einen Bericht von Eurer tollen Reise einstellst.

Die ersten Bilder sind schon mal superschön, und der Schreibestil "Beate-Like" ist wie immer wunderbar zu lesen.

Danke Dir für die schönen Eindrücke von einem Land, in das wir auch gerne gefahren wären.

Herzliche Grüße
der bayern schorsch
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19 Apr 2020 12:47 #586750
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Hallo, ihr Lieben,

@ Annick: schöne Runde :) ! Du wirst bestimmt von Ushaia nach El Calafate fliegen, oder wie machst du das? Machst du eine geführte Runde oder mietest du jeweils in Argentinien und Chile einen Mietwagen an, denn ich denke, man muss das Auto immer in dem Land zurückgeben, in dem man es angemietet hat?
Die Osterinseln sollen sehr spannend sein. Auf alle Fälle ist das ein komplettes Kontrastprogramm.
Von den Unruhen wirst du, wenn es sie weiterhin gibt, bei deiner Runde nur in Punta Arenas und in Puerto Natales betroffen sein, und dann hältst du dich am besten vom Zentrum fern, dann wird dir schon nichts passieren. Hauptsache, es gibt nicht wieder Ausgangsbeschränkungen, Schließung der Nationalparks etc. Wird schon gut gehen. Ich drücke die Daumen!

@ bayern schorsch: hallo Claus, schön, dass du auch mitliest :) . Die Reise ist genauso schön geworden wie wir sie uns vorgestellt haben. Wir hatten ja mit viel Regen gerechnet, aber Pustekuchen, wir hatten kaum Regen. Je weiter südlicher wir kamen umso besser und stabiler wurde das Wetter.

Danke Dir für die schönen Eindrücke von einem Land, in das wir auch gerne gefahren wären.

Na, was nicht ist kann ja noch werden. Ihr seid ja beide noch taufrisch und könnt in eurem Leben noch viel reisen :whistle: .
Liebe Grüße an deine Conny!

Heute Abend geht es dann los mit den ersten 3 Tagen, und es wird grün und… blau!

Herzliche Grüße
Beate
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19 Apr 2020 18:33 #586779
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Die Seenregion Chiles um Puerto Montt und Puerto Varas

Hier die Karte zu unserer Route: Route

29.1.2020

Schon der kurze Inlandsflug von Santiago de Chile nach Puerto Montt war ein erstes Highlight unserer Reise. Wohlbedacht hatte ich im Vorfeld ein paar Euro investiert und uns Sitzplätze auf der linken Seite des Flugzeuges gebucht. Die Sicht war einigermaßen, und so bekam man eine erste Ahnung von der Schönheit dieser Landschaft: die kahlen Gebirgszüge der Anden, tiefblaue Bergseen, schneebedeckte mächtige Vulkane und viel Wald. Mein Vordermann meinte, so würde es auch in der Schweiz aussehen, natürlich ohne Vulkane B) . Ich kann das nicht beurteilen, denn ich war erst einmal dort und zwar im Alter von 17 Jahren auf dem Weg in ein Jugendlager in Nizza, und da war ich wohl mehr an den Flirtversuchen meines Urlaubsschwarmes interessiert als an den Schweizer Bergen :whistle: . (Leider war der Flug ein wenig turbulent, so dass die Fotos von sehr schlechter Qualität sind)







Es war schon fast 18.00 Uhr, als wir endlich unser Quartier in Puerto Varas am Ufer des Lago Llanquihue erreichten. Unser B&B „Puerto Austral“ lag ein wenig außerhalb, dafür jedoch sehr ruhig und fast direkt am See. Zimmer und Frühstück waren okay, nicht mehr und nicht weniger.
Zu dem Zeitpunkt waren wir schon gut 35 Stunden auf den Beinen und mehr wie ein kurzer Spaziergang am See mit einem fantastischen Blick auf den Vulkan Osorno und einem Dinner waren da nicht mehr drin. (Im Verlauf der nächsten Tage lernte ich, dass man von Vulkanen und Bergen, die nicht unter einer Wolkendecke verschwunden sind, am besten sofort ein Foto macht. Wer weiß, wann man die Gelegenheit dazu wieder bekommt)
Ein hastig gemachtes Handyfoto vom selben Abend…. :angry:



Restaurantempfehlung: „Cambalache“, gleich um die Ecke: leicht gehobene chilenische Küche, sehr gute Weine und eine ansprechende Auswahl von chilenischem „cerveza artesanal“.

30.1.2020

Heute ging es in den nahegelegenen „Parque Nacional Vicente Perez Rosales“. Eine Karte und die Wanderwege gibt es hier: www.conaf.cl/wp-cont...lleto-PNVPR-2017.pdf

Aktivitäten des Tages:

1. „Saltos de Petrohue"
Unsere Wirtin hatte uns den Tipp gegeben, die dortige Touristenattraktion „Saltos (Wasserfälle) de Petrohue“ nicht nachmittags zu besuchen, denn dann würde es dort von Busreisenden nur so wimmeln. Von dort hat man eigentlich einen einzigartigen Blick auf den Vulkan Osorno, nur leider war es etwas bedeckt und die Sicht auf den Vulkan nur begrenzt. Egal, es war auch so schön. Das Wasser des Flusses ist von einer so intensiv blauen Farbe, die Pflanzen am Ufer mit Flechten überzogen, so dass doch noch ein paar hübsche Fotos entstanden sind.











2. Wanderung „Sendero Paso Desolación“
Wir sind diesen Weg nur bis zum „Mirador La Picada“ gewandert, das reichte uns ungeübten Flachlandalpinisten erst einmal. Wir sollten uns im Verlauf dieser Reise aber noch erheblich steigern B) .
Bei klarem Wetter ist das sicherlich eine Wanderung mit atemberaubenden Ausblicken: auf der einen Seite den „Lago Todos los Santos“, auf der anderen Seite den schneebedeckten Vulkan Osorno. Uns hat es trotzdem gefallen.
Auf Grund der vielen Fotostopps waren wir erst nach knapp 4 Stunden wieder zurück.













3. Fahrt zur Seilbahnstation auf den Vulkan Osorno

Das sollte man am besten nachmittags machen, denn dann kann man die besten Fotos machen, da man die Sonne dann im Rücken hat.
Es war „heiter“, vielleicht hatten wir Glück, aber je höher wir kamen umso mehr zog es sich zu. Trotzdem hatten wir noch einen ganz passablen Blick auf den See.





Bei unserem Picknick leistete uns ein kleiner, ganz zutraulicher Fuchs Gesellschaft, und nein, wir haben ihn nicht gefüttert :whistle: .





Restaurantempfehlung:
„Da Alessandro Pizza“, fußläufig erreichbar: ordentliche italienische Küche, nur die Livemusik war zu laut, so das eine Unterhaltung zeitweise nicht möglich war.

Ein weiteres Kapitel gibt es später noch......

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Und hier geht es weiter......

31.1.2020

Heute ging es in den „Parque Nacional Alerve Andino“. Eine Karte und die Wanderwege gibt es hier: www.conaf.cl/wp-cont...olleto-PNAA-2017.pdf

Aktivitäten des Tages:
Notiert hatte ich mir im Vorfeld 2 Wanderwege, den „Sendero Laguna Sargazo (Sector Sargazo) und den „Sendero Alerce Milenario“ (Sector Chaicas).
Das wäre beides von der Zeit ganz gut zu schaffen gewesen. Unsere Disziplin ließ jedoch noch ein wenig zu wünschen übrig, da wir schon auf der Hinfahrt zur 1. Wanderung ständig anhielten, um unsere Speicherkarten voll zu bekommen.
Hübsche Häuser, alles in Holzbauweise, ganz einfach gebaut (auf dem Lande haben wir keine Mehrfamilienhäuser gesehen. Jede Familie hat dort scheinbar ihr eigenes kleines Holzhaus).







Brücken, kleine verwunschene Seen, Wasserfälle und Altäre, die man dort überall am Straßenrand vorfindet, erregten unsere Aufmerksamkeit.









Ein schöner Blick auf den Vulkan Chalbuco.



Die „Problematik“ der Region immer allgegenwärtig :dry: !



Wanderung „Sendero Laguna Sargazo“
Bei der Parkverwaltung zahlten wir unseren Eintritt und los ging es hinein in den extrem dichten Urwald aus uralten Alercebäume, den patagonischen Zypressen. Die Wanderwege sind gut angelegt, Holzstege ermöglichen auch eine Wanderung bei Regenwetter, und feucht ist es dort eigentlich immer. So bekamen wir einen ersten Eindruck was es bedeutet durch chilenischen Regenwald zu wandern: wunderschön, geheimnisvoll, grün und vor allem rutschig und matschig.
Am Ende des Trails dann die Lagune. Wir waren fast allein dort, es war herrlich. Diese Ruhe dort, und das mitgebrachte Picknick schmeckte, als wäre es von einem 3-Sterne-Koch zubereitet worden.



























Abends dann noch ein kleiner Spaziergang an der „Strandpromenade“ (nicht besonders schön) von Puerto Varas. Obwohl das Wasser nur 13 Grad warm war sahen wir einige Menschen dort baden :sick: .



Gegen 21.00 Uhr, das ist die ideale Dinner-Zeit in Chile, gingen wir noch einmal ins „Cambalache“. Das Essen dort ist jeden Peso wert.

Im nächsten Kapitel geht es dann auf die Insel Chiloe, und ich kann jetzt schon verraten: wir hatten eine tolle Zeit.

Gute Nacht
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