THEMA: Bilder einer Äthiopienreise
12 Apr 2018 17:25 #518420
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  • kalachee am 12 Apr 2018 17:25
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Hey Gu-ko

Das ist ja total an mir vorbei gegangen, dass du wieder einen neuen Bericht angefangen hast. Aber jetzt habe ich ihn ja entdeckt und die ersten Kapitel schon nachgelesen.

Logo, dass ich bei dir auch wieder dabei bin!

Bis jetzt stand Äthiopien noch nicht sehr weit oben auf meiner "To do"-Liste, aber mal schauen, ob es nach deinem Bericht anders ausschaut. :)

Liebe Grüsse
Sam
«Vor meiner Afrikareise habe ich von Afrika gar nichts verstanden. Heute verstehe ich immer noch nichts. Aber es ist ein bisschen weniger davon.»
-Frédéric Zwicker

Reisebericht: #safaribrothers on Tour Vol. VI - «Wo Problem?»
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14 Apr 2018 19:31 #518680
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Zu den Klöstern vom Tana See

Die Inseln des Tana Sees sind für ihre Klöster und Kirchen berühmt. Diese stammen teilweise aus dem 14. Jahrhundert und werden noch heute von Mönchen bewohnt. Manche dürfen besucht werden, manche nur von Männern, manche gar nicht.

Üblicherweise macht man eine Bootstour zu den Inseln und/oder zu den am Seeufer liegenden Klöstern. Die auf der Halbinsel Zeghe liegenden Klöster kann man auch mit dem lokalen Bus erreichen, der mehrmals am Tag die Strecke fährt. Das kann jedoch ein langwieriges Unternehmen werden, da der Bus erst fährt, wenn er voll ist.

Wir entschieden uns für das Boot. Am nächsten Vormittag schaukelten wir im Schritttempo durch das milchig-braune Gewässer. Mit uns im Boot ein zufällig zusammengefügtes Grüppchen Klosterinteressierter. Darunter mehrere Israelis, ein Inder, zwei Äthiopier, eine Kenianerin und ein Deutscher.

Manchmal sahen wir Wasservögel, Pelikane oder ähnliches. Es soll auch Hypos geben, gesehen haben wir keine. Interessant sind die Papyrusboote, die von Bauweise und Aussehen denen ähneln, die ich am Titicacasee in Peru gesehen habe.


Tanasee


Papyrusboot am Tanasee

Entos Eyesu Monastery

Wir steuerten auf eines der Eilande zu, die wie kleine, grüne Hügel aus dem Wasser ragten. Unser erstes Kloster, Entos Eyesu Monastery, lag auf einer lauschigen Insel, etwa eine halbe Bootsstunde von Bahir Dar entfernt.

Tana See – Klosterinsel Entos Eyesu Monastery

Vom Bootsanleger stiegen wir einen schmalen Pfad zu einem unscheinbaren Gebäude empor. Auf halbem Wege wurden wir in ein Steinhäuschen gebeten. Dort erklärte uns eine Frau in Nonnentracht einiges auf Amharisch. Wir rätseln noch heute, was sie uns sagen wollte.

Vor dem Betreten des eigentlichen Heiligtums muss man, wie bei Heiligtümern üblich, die Schuhe ausziehen. Ein Kloster-Guide mit Zeigestock erklärte uns die Bedeutung der Wandmalereien. Diesmal auf Englisch, aber mit so viel amharischem Dialekt, dass ich es bald aufgab, seinen Worten zu folgen.

Die Gemälde zeigten Szenen aus der christlichen Mythologie, Jesus, Apostel, Heilige und viele blutige Szenen. Die leuchtend bunten Farben sahen so frisch aus, als wären sie gerade gemalt. Auch wenn die bunten Bilder durchaus betrachtenswert waren, war ich etwas enttäuscht, hier war nichts älter als ein paar Jahre.


Die Bilder des Entos Eyesu Monastery sind knallig-bunt


Entos Eyesu Monastery


Entos Eyesu Monastery

Halbinsel Zeghe - Kloster Azwa Mariam
Sehenswerter war das zweite Kloster, das wir besuchten, Azewa Mariam. Das Hauptgebäude, ein grasbedecktes Rundhaus, wirkte außen schlicht, beeindruckte aber im Inneren mit uralten Malereien, die zum großen Teil aus dem 14. Jahrhundert stammten.

Ein überdachter Rundgang umschloss das Kircheninnere. Nur wenig Licht drang in dünnen Streifen durch eine Bambuswand ins Innerste. Mit seinen im Halbdunkel verborgenen, Jahrhunderte alten Malereien, ein beeindruckender, mystischer Ort.


Azwa Mariam


Azwa Mariam


Rundgang um das Kircheninnere




Ein Guide erklärt den Besuchern die Geschichte der Kirche und der Malereien














Am Bootanlegeplatz vertreiben sich die Kids die Zeit auf ihre Weise.
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14 Apr 2018 19:33 #518682
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Zu den Tisissat-Wasserfällen des Blauen Nil (Blue Nile Falls)

Um zu den Wasserfällen zu gelangen, muss man etwa 30km schlechte bis sehr schlechte Straße zurücklegen. Vor allem wenn es geregnet hat, sind weite Teile der Piste verschlammt und mit normalen PKWs nur schwer zu passieren.

Zu den Wasserfällen, bzw. zum nahegelegenen Dorf Tis Issat fährt ein lokaler Bus. Das ist, vor allem in der Regenzeit, eine zeitaufwändige Tour und da wir die Wasserfälle noch am selben Tag besuchen wollten, buchten wir die Tour in einem privaten Minibus.


Lokal Bus zum Dorf Tis Issat

Auch in privaten Minibussen ist man nicht vor allen Widrigkeiten geschützt. Wenige Kilometer hinter Bahir Dar gab das Fahrzeug den Geist auf.

Der Fahrer forderte per Handy ein Ersatzfahrzeug an:

"New car is coming in ten minutes from Bahir Dar"

Wir setzten uns auf ein Mäuerchen am Straßenrand und schauten zu, was so an uns vorbeizog. Ein Bus, ein Tuktuk, noch ein Tuktuk, ein Maultierkarren, etwas Undefinierbares, wieder ein Tuktuk, mit Bündeln beladene Frauen, mit Stöcken bewaffnete Männer, eine Gruppe kichernde Kinder ...













Nach einer halben Stunde sagte unser Fahrer zum dritten Mal:

"New car is coming in ten minutes from Bahir Dar"

Ich fand es eigentlich ganz interessant an dieser staubigen Straße zu sitzen, aber die Sonne stand bedenklich tief und die Zeit zum Besuch der Wasserfälle wurde immer knapper.

Eine Stunde und mehreren "New car is coming in ten minutes from Bahir Dar" später kam das Ersatzfahrzeug. Die Straße wurde zunehmend schlechter, tiefe Fahrrillen und verschlammte Abschnitte forderten die Fahrkünste des Drivers. Wir kamen nur langsam voran und als wir schließlich ankamen, war es schon kurz vor dunkel.

Vom Dorfes aus mussten wir noch einen Fluss per Boot überqueren und etwa eine halbe Stunde zu den Fällen laufen. Eine Schar Kinder und Jugendliche begleiteten uns auf dem Weg, manche wollten etwas verkaufen, andere wollten uns über schlüpfrige Stellen helfen.

Als wir endlich die Wasserfälle erreichten, zuckten erste Blitze über den abendlichen Wolkenhimmel. Wir hatten Glück, die Blue Nile Falls zeigten sich von ihrer besten Seite, tosende Wassermassen stürzten eindrucksvoll in dunstige Täler.







Auf dem Rückweg fing es kräftig zu regnen an und im Nu verwandelten sich alle Wege in knöcheltiefe Schlammpfade. Blitze zuckten gespenstisch um uns herum, als wir in der Dunkelheit zurückstolperten. Total durchnässt und schlammbespritzt erreichten wir das Dorf und unser Fahrzeug. Die Dorfjugend hatte sich längst verzogen.
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29 Apr 2018 12:46 #519969
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Gonder
"Gonder (amharisch ጎንደር gondär, auch Gondar) ist eine Stadt in Äthiopien in der Region Amhara. Sie hat etwa 342.000 Einwohner (Schätzung 2016). Die Region ist gebirgig, die Stadt liegt auf 2133 m Höhe. In den Bergen nördlich von ihr entspringt ein Fluss, der lange als die Quelle des Blauen Nils betrachtet wurde.
Von 1636 bis 1855 war Gonder die äthiopische Hauptstadt. Von Kaiser Fasilides gegründet, war Gonder die erste permanente Hauptstadt seit den antiken Zeiten von Aksum und Lalibela.
In Gonder finden sich Schlösser und zahlreiche Kirchen. Trotz des Bombardements der Briten im Befreiungskampf von 1941 blieben die meisten Bauten von Gonder gut erhalten.
Gonder verfügt über eine Universität und einen Flughafen."

Quelle: Wikipedia


Gonder

Gonder

Neben Axum und Lalibela ist Gondar das bedeutendste religiöse Zentrum des Landes und gehört zu den Orten, die man auf einer Äthiopienreise nicht auslassen darf.

Von Bahir Dar am Lake Tana nach Gonder führt eine gut ausgebaute Straße. Wir legten die vierstündige Strecke in einem Minibus recht komfortabel zurück. Ein bisschen nervig war nur, dass der Minibus gute zwei Stunden in Bahir Dar herumkurvte um Fahrgäste aufzusammeln, bis endlich der letzte Platz voll war. Aber wir sind in Afrika und da ist das normal.

Das Busbahnhofsviertel in Gondar wirkt ziemlich chaotisch, als wir dort ausstiegen. Sofort wurden wir von einer Gruppe Jugendlicher und junger Männer umlagert, die von allen Seiten Taxis, Hotels oder Dienstleistungen als Gepäckträger oder Guides anboten. In typisch äthiopischer Weise umlagerten sie uns penetrant und als wir ablehnten und Richtung Hauptstraße gingen, versuchte einer der Jungs den Reisverschluss am Rucksack meiner Frau zu öffnen. Ähnliches ist uns schon in Bahir Dar passiert, wo aggressive Bettler versuchten sich an unseren Rucksäcken zu vergreifen.

Wir schnappten uns ein Tuk-Tuk und ließen uns durch die quirligen Strassen zum L-Shape Hotel bringen. Das ist ein recht nettes Budget-Hotel, wir bekamen ein Zimmer mit Balkon für 230 Birr.

Die Hauptattraktion Gondars sind die zahlreichen mittelalterliche Burgen und Schlösser, die so zwischen 1600-1800 von den jeweils regierenden Kaisern errichtet wurden. Darüber hinaus gibt es noch Kirchen, Klöster und andere Heiligtümer.
Der Palastbezirk Fasil Ghebbi befindet sich in der Stadtmitte Gondars und ist somit leicht zu erreichen. Vom L-Shape Hotel aus könnte man hinlaufen, wir nehmen jedoch eins der allgegenwärtigen Tuk-Tuk’s.

Die burgartig gebauten Schlösser sind tatsächlich erstaunlich. Portugiesische, indische, arabische sowie äthiopische Baustile vermischen sich in den Gebäuden auf dem etwa 7.000 m² umfassenden Komplex.

Mein erster Gedanke war: Etwas Vergleichbares habe ich in Afrika noch nie gesehen!


Palastbezirk Fasil Ghebbi























Das Kloster Debre Berhan Selassie
(Kloster der Dreieinigkeit auf dem Berge des Lichts)

Das Kloster wurde von Kaiser Iyasu um 1694 gegründet. Es ist bekannt für seine Wandmalereien, die zu den schönsten Äthiopiens gehören sollen.

Mit einem Tuk-Tuk kommt man schnell vom Stadtzentrum zum Kloster. Auch wenn man für Kirchen und Klöster nicht so viel übrig hat, lohnt sich ein Besuch. Der Raum mit den Wandmalereien ist ist dunkel, lediglich durch die halbgeöffneten Türen dringt etwas Tageslicht ins Innere.


Kloster Debre Berhan Selassie






Über hundert geflügelte Engelsköpfe beobachten den Besucher von oben



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29 Apr 2018 14:40 #519976
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Simien Mountains National Park

Irgendwann hat man genug Klöster, Kirchen und Schlösser gesehen, genug von quirligen Städten, hupenden Autos und knatternden Tuk-Tuks. Wir beschlossen spontan einen Tag in den Simien Mountains zu verbringen.

Von Gonder aus werden überall Tages- und Mehrtagestouren in den Nationalpark angeboten. Da wir am übernächsten Tag weiter Richtug Lalibela fliegen wollten, und das Flugticket schon gekauft hatten, buchten wir bei einem lokalen Reiseveranstalter lediglich eine eintägige Tour.


Auf dem Weg in die Simien Mountains

Von Gonder bis zum Parkeingang fährt man etwa zweieinhalb Stunden. Wir starteten um 8 Uhr, da es einige Verzögerungen gab, errichten wir den National Park erst gegen Mittag. Unser Grüppchen bestand aus fünf Personen, darunter ein Guide und ein bewaffneter Begleiter, der für unsere Sicherheit sorgen sollte.

Den ganzen Morgen war wunderschönes Wetter, kein Wölkchen am Himmel, aber genau zu dem Zeitpunkt, als wir unsere Wanderung im Park begannen, zog dichter Nebel auf.


Am Parkeingang war noch herrliches Wetter…


…kurz darauf nur noch Nebel.




An den Aussichtspunkten soll man eine phantastische Fernsicht haben, sagte unser Guide… ;)


Immer gut bewacht... ;)







Dann haben wir doch noch Glück. Plötzlich taucht eine Herde Dscheladas (Blutbrustpaviane) aus dem Nebel auf. Männchen, Weibchen und viele Jungtiere.

Diese Tiere gibt es nur in Äthiopien in den Simien Mountains. Sie sind friedlich und uns gegenüber nicht scheu. Sie verbringen ihre Zeit hauptsächlich mit grasen. Die Männchen haben eindrucksvolle Mähnen, die Weibchen sind unscheinbarer.

Wir mischen uns vorsichtig unter die Herde, ohne die Tiere zu stören. Die beachten uns kaum, lediglich wenn wir einem Tier zu nahe kommen, dreht es sich um und zeigt uns seinen Rücken.



„Der Dschelada oder Blutbrustpavian (Theropithecus gelada) ist eine sehr seltene Primatenart aus der Unterfamilie der Backentaschenaffen in der Familie der Meerkatzenverwandten. Er ist eng mit den Pavianen verwandt.
Das auffälligste Merkmal der Dscheladas ist ein roter, haarloser Fleck auf der Brust. Dieser ist bei Männchen sanduhrförmig und in der Brunftzeit leuchtend rot, bei Weibchen bildet sich dort während des Östrus eine Reihe roter Warzen.
Dscheladas bewohnen ausschließlich das Hochland von Äthiopien. Ihr Lebensraum sind gebirgige Grasflächen in einer Höhe von 2200 bis über 4400 Metern Seehöhe.“
Quelle: Wikipedia



Eine Herde Dscheladas kreuzt unsere Wege



















Als wir den Simien-National Park am späten Nachmittag verlassen, hat sich der Nebel teilweise verzogen und wir bekommen noch einen kleinen Eindruck von der tollen Landschaft, die sich den ganzen Tag im Nebel versteckt hatte.


Simien Mountains

Letzte Änderung: 29 Apr 2018 14:44 von Gu-ko.
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29 Apr 2018 15:48 #519982
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  • Champagner am 29 Apr 2018 15:48
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Hallo Gu-ko,

da ich gerade ein bisschen an die Couch gefesselt bin, habe ich endlich mal Muse, deinen Bericht in Ruhe anzuschauen. Deine Fotos von Landschaften, Menschen und Tieren sind so eindrucksvoll, dass man nicht einfach durchscrollen sollte....auch lohnt es sich, den Text zu lesen :) !

Aktuell musste ich an dieser Stelle lachen :silly: , wobei ich die Affenfotos an sich natürlich auch toll finde:

Vielen Dank für die virtuelle Reise - LG Bele
Letzte Änderung: 29 Apr 2018 15:50 von Champagner.
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