THEMA: "Unter Eulen und anderen Käuzen-- die O S T 2017"
04 Sep 2017 18:54 #488015
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Hallo,

nun bin ich, besser sind wir, seit bald zwei Wochen wieder zurück von unserer Tour durch das Kaokoveld, den Caprivistrip und das Okavango-Delta. Aber um ehrlich zu sein, ich bin noch gar nicht wirklich zurück, im Geiste bin ich immer noch in den tiefen Schluchten des Hoarusib, wo ich mich durch tiefen Sand mahle, oder auf einem Boot auf dem Okavango, mit einem fetten Grinsen im Gesicht, abwechselnd das Fernglas und die Kamera hebend. Oder .... :whistle: :blink: :dry:

Es gab so viele schöne Momente, die wir zusammen erleben durften, dass es sehr schwer fällt, eine "Best of"-Liste aufzustellen.


Wie kam es überhaupt zu dieser Tour?
Es ist ja kein Geheimnis, dass ich mich für Vögel interessiere, das habe ich in meinen alten Berichten oft genug betont und die Tierchen in mehr oder weniger gelungenen Bildchen vorgestellt.
Und es ist ebenso wenig ein Geheimnis, dass Ruth und Uwe, kurz die "Eulenmuckels", ebenso eine Neigung in diese Richtung verspüren. Allerdings sind ihre Fotos, auch die Ausrüstung dazu, wesentlich umfangreicher und deswegen natürlich professioneller.
Und auch die "Queen of Reisebericht"-Bele hat sich im Laufe ihrer Afrikakarriere immer mehr auch den Federträgern zugewandt, so dass sich aus ein paar flapsigen Bemerkungen à la "wir sollten mal zusammen eine Tour fahren" relativ schnell heraus kristallisiert hat, dass diese Bemerkungen nicht nur flapsig waren, sondern durchaus eine ernst gemeinte Option sein könnten.

Ursprünglich wurde dann, mit zeitlich riesigem Vorlauf, der Sommer 2018 angepeilt, weil Bele eigentlich dieses Jahr schon als Reisekompagnon vergeben war, aber diese Tour mit ihrer Kollegin Rennade hat sich zerschlagen, und so waren wir uns schnell einig, dass die drei Wochen, in denen sich die Ferien von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg überschneiden, die perfekte Zeit für unsere Reise darstellen.

Nun also konnten wir an die Planung gehen. Innerhalb von zwei, drei hin und her gehenden Mails war klar, dass sowohl Kaokoveld wie auch Caprivi und die Gegend um Savuti und Moremi dabei sein müssen. Schon bald hat uns Uwe, ganz der Profi am Rechner, die Tour als pdf zukommen lassen. Dass diese Runde, in drei Wochen gefahren, nicht wirklich Urlaub im Sinne von Erholung und relaxt-die-Füsse-hochlegen sein würde, war von Anfang an klar. Es würde ein paar knackige Transfer-Tage geben, die man so eigentlich niemandem Fremdes empfehlen würde, und auch die Verweildauer vor Ort mit zwei Übernachtungen liess sich nur selten realisieren. Aber wir sind ja allesamt keine ganz blutigen Rookies mehr, und mit der entsprechenden Disziplin sollte die auch auf einer Karte recht hübsch anzuschauende Runde doch zu fahren sein.




Nachdem wir uns also innert kürzester Zeit über das "Wohin" einig waren, galt es, die verschiedenen "To dos" zu verteilen. Uwe hat dank seiner guten Kontakte zu "Savanna Car Hire" ein allradgängiges Auto für Bele und mich angefragt, die diversen Camps, die wir unbedingt haben wollten, haben wir angesichts der absehbar riesigen Nachfrage für diesen Sommer vorgebucht, ebenso die Bootstouren auf dem Okavango und dem Sambesi. Zu guter Letzt haben wir dank Casimodos Tipp unser Wildfleisch für die Braai-Abende in der Klein-Windhoek-Schlachterei vorbestellt. Das Alles, also die Planung und Bucherei, ging so problemlos und effizient über die Bühne, dass schon bald unser grösstes Problem vor uns lag: es dauerte noch so unendlich lange, bis es los gehen würde. Warten ist angesagt, und warten ist nicht meine Stärke. :unsure:

So habe ich ganz schnell noch eine kleine Runde Namibia im Januar und Februar ( "Just birds" ) dieses Jahres dazwischen gebaut, auch damit die OST eine Jubiläumstour sein würde. Meine zehnte Reise ins südliche Afrika. Das musste ja einfach gut werden. :)

Wenn mir übrigens vor, sagen wir mal, fünf Jahren Jemand gesagt hätte, dass ich mit Leuten zusammen eine Tour fahren würde, die ich quasi virtuell, nämlich durch dieses Forum, kennen gelernt habe, ich hätte ihm den sprichwörtlichen Vogel gezeigt.

Und doch, genau so ist es gekommen. B)


Also, mein Tourbericht startet mit einem kleinen Rückblick. Den 2016er Bericht habe ich beendet mit folgenden Worten:

"Das also war der Bericht meiner diesjährigen Afrika-Orni-Tour, die mir, ich glaube man konnte es herauslesen, mehr als nur Gefallen hat. Nein, ich war begeistert.
Und der Ausblick? Mit ein paar sehr bekannten und ebenso vogelnärrischen Fomis zeichnet sich eine Orni-Special-Tour für den Sommer 2017 ab. Und das ist gleichzeitig der Haken daran. Denn ich spreche von unserem Sommer, also der kalten Jahreszeit, und nicht meiner so geliebten Regenzeit. Nun, wir werden sehen. Ich freue mich jedenfalls sehr auf diese schöne Runde durch Namibia und Botswana."


Ich freue mich, den Bericht zu schreiben, denn dadurch kann ich den einen oder anderen Moment nochmals nacherleben, und ich freue mich genau so, wenn sich der Eine oder Andere ein paar Tipps rausziehen kann. Mindestens genauso freue ich mich aber über den Austausch mit euch.

Also, bis bald,
Matthias


Ich möchte nicht versäumen, auf den gewohnt herrlich geschriebenen Bericht von Bele hinzuweisen. Aber den kennt ihr ja eh schon alle. B)
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12 Sep 2017 20:18 #489145
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Montag 31. Juli :

Endlich ist der Tag gekommen, das Warten hat ein Ende.
Am Vormittag packe ich meine Klamotten, das Zelt, die Isomatte und den Schlafsack in den Duffle-Bag. Das ganze Technikgeraffel wie Navi, Foto, Handy ( ich tu mir sehr schwer mit diesem idiotischen, weil falschen neudeutschen Begriff ), Ladegeräte, aber auch Fernglas, Birdguide, Reiseführer und Dokumente kommen in den Daypack.
Gegen 13.00 verlasse ich mit dem Zug den heimischen Bahnhof, und drei Stunden später bin ich planmässig am Flughafen. Nun das lange Stück bis ins Terminal 1 gelaufen, dort nach oben zum Skytrain und weiter zum Terminal 2.
Beim Air Namibia-Schalter hat das Einchecken schon begonnen, und eine freudig strahlende Bele steht in der Pole-Position. Perfekt. Wir geben unser Gepäck auf und gehen anschliessend beim Italiener Spaghetti essen.
Dann vertreiben wir uns die Zeit mit Leute beobachten, wer denn sonst noch so Alles nach Namibia fährt. Erstaunlich viele Familien mit Kleinkindern sind dabei. Auffällig sind natürlich die Vertreter der grünen Zunft, von denen manche ausschauen, als würden sie ins nächste "Desert Storm"-Manöver einziehen.

Endlich können wir den Flieger entern. Das "In-flight-Entertainment"-Täfelchen lässt sich nicht zum Leben erwecken.
Schon bald bekommen wir einen ersten Drink. Mit einem etwas sehr Ginlastigen Gin-Tonic stossen wir auf die bevorstehende Reise an, bald gibt es das Abendessen, und nach einem Tafel Lager versuche ich etwas zu ruhen. Schlafen kann ich wie gewöhnlich nicht.


Dienstag 01. August :

Wir landen überpünktlich, der Tag ist noch ganz frisch. Frisch ist auch die Temperatur, ich meine, es waren so sieben Grad. Relativ wenige Insekten liegen unter den Lampen, das ist im Januar anders. Aber die Palmsegler sind zuverlässig zur Stelle, ganz niedrig düsen sie übers Rollfeld.
Recht zügig erhalten wir unsere Stempel in den Pass, die Kontrolle der eingetragenen Aufenthaltstage verläuft positiv, dann müssen wir aufs Gepäck warten. Draussen werden wir schon erwartet, ein Mitarbeiter von Savanna hält ein Schildchen hoch, da stehen nur wir Zwei drauf. Also können wir sofort durchstarten und müssen nicht auf weitere Reisende warten. Noch schnell einem ATM fünftausend Dollar entlockt, und wir fahren in die Stadt. Noch nie habe ich so viele Paviane auf den vierzig Kilometern gesehen wie diesmal, überall hocken die Affen auf und neben der Fahrbahn.
Gegen sieben Uhr sind wir bei Savanna, nun flugs die Papiere unterschrieben, die Restsumme bezahlt, dann wird auch schon unser Auto vorgefahren. Wir lassen uns den zweieinhalb Jahre alten Hilux zeigen, kontrollieren den Camperaufbau und die Ausrüstung. Bele ist nicht ganz mit den Vorderreifen einverstanden, aber ich bin der Meinung, dass sie gut genug sind. Schliesslich sind es Mud-Tires. Die Schlappen hinten sehen neu aus, allerdings haben wir vier verschiedene Fabrikate auf den Felgen.
Zwischenzeitlich wird unser Fleisch von der Klein-Windkoek-Schlachterei angeliefert, und nachdem unser Gepäck im Aufbau verschwunden ist, rollen wir vom Hof.
Wir fahren zurück nach Klein-Windhoek, um einzukaufen. Zwei grosse Wägen voll gepackt mit allem, was man halt so fürs Überleben im Busch braucht, und dann hält uns nichts mehr in der Metropole. Wir wollen raus, wir wollen in die Natur.

Auf direktem Weg geht es auf die A 1 Richtung Norden, und nach fünfzig Kilometern ziehen wir links raus zur Teufelsbach-Farm. Endlich wieder da, für mich schon zum vierten Mal.
Bele übt sich nun im Öffnen und Schliessen von Farmtoren. Bruno ist nicht zuhause, so fahren wir gleich weiter auf die River Campsite.
Hier laden wir das Auto richtig ein, befüllen den riesigen Fridge und ich stelle gleich noch das Zelt auf. Bele widmet sich schon den Vögeln, ich brauche erst noch etwas Zeit zum Ankommen.
Dann rumpeln wir zurück, um unseren Braaikorb zu holen. Bruno lädt uns auf ein Gläschen auf die Terrasse ein, Irmela ist unterwegs mit Kunden. Bele möchte nur Wasser trinken, das lässt Bruno aber nicht gelten, denn er fürchtet um seinen Ruf. "Was würden wohl Silke und Konni sagen, wenn sie das hören?" :blink: :whistle: :P
Nachdem wir uns über die letzte Regensaison und über unsere bevor stehende Tour unterhalten haben, fahren wir zurück ins Camp. Dort machen wir erstmal Feuer für unsere Grillglut, später befeuere ich noch den Donkey.



Während das Feuer brennt, erkunden wir das Flussbett vom Teufelsbach.


Die schon tief stehende Sonne taucht den Busch in ein goldenes Licht, wir hören den Vögeln zu und atmen die würzige Luft. Endlich sind wir da, unsere so lange herbei gesehnte Tour kann starten.
Nachdem das Feuer runter gebrannt ist, grillen wir unsere Oryx-Steaks mit Folienkartoffeln, dazu stossen wir mit einem ersten Savanna an.


Nachdem die Sonne theatralisch hinterm Waterberg verschwunden ist, gehe ich noch duschen.
Dann ist der Abend auch rum für uns, wir sind beide müde nach der Nacht im Flugzeug, und morgen haben wir ja gleich einen längeren Fahrtag zu absolvieren.
Lautstark haben sich die Perlhühner und die Frankoline abgemeldet, dafür meldet sich der hiesige Perlkauz zum Dienst.


Kosten: Teufelsbach River Camp: 130.-Nam$ pP


Viele Grüsse,
Matthias
Letzte Änderung: 14 Sep 2017 17:43 von fotomatte.
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14 Sep 2017 17:35 #489343
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Mittwoch, 02. August : Ein langer Fahrtag bis nach Hoada

Die Nacht war lang, rund elf Stunden habe ich wunderbar im Schlafsack eingemummelt zugebracht. Ein paar Mal bin ich aufgewacht, habe durch das Moskitonetz nach den Sternen geschielt. Dabei habe ich neben dem schon erwähnten Perlkauz auch eine Schleiereule sowie eine Weissgesichtsohreule rufen gehört.
Normalerweise stehe ich mit dem ersten Licht auf, aber heute Morgen warte ich bis kurz vor Sonnenaufgang, denn es ist deutlich frischer als gestern Morgen, es hat sicher nur knapp vier Grad.
Das Wasserkochen auf unserem Gasherd dauert ziemlich lange, offensichtlich hat die Gasflasche kaum noch Druck, und so reaktiviere ich die Glut. So kann man auch gleich noch paar Weckle aufbacken. Mit einem Heissgetränk stellen wir uns ins Flussbett, wo die Sonne schon hinscheint, und geniessen die ersten wärmenden Strahlen.



Überall erwacht das Leben im Busch, lautstark melden sich die Hühner zurück, dazu gackeln die Tokos, und die Mahalis sind auch on duty.
Nach einem noch recht unorganisierten Frühstück, das wir dauernd unterbrechen müssen, weil permanent irgendwelche Vögel zu entdecken sind, packen wir zusammen.
Während ich die Endkontrolle des Platzes abnehme, singt plötzlich der Perlkauz direkt zwei Bäume weiter. Bele war schon reisefertig und steigt nochmals aus, und wir pirschen den kleinen Kerl an. Er sitzt ganz oben in der wärmenden Morgensonne, argwöhnisch von einigen Mahaliwebern beäugt.



Dann aber verlassen wir den schön gelegenen River Camp und fahren zurück zu Bruno, der sich eine spöttische Bemerkung nicht verkneifen kann, denn unsere eigentlich avisierte Abfahrtszeit ist schon eine Weile überschritten.
Wir bezahlen, und dann geht es zurück auf die B 1 das kurze Stück bis nach Okahandja. Dort kaufe ich bei Closwa Biltong ebensolches ein, und den Doppeltank machen wir auch gleich voll.

Pünktlich zur Mittagszeit sind wir in Otjiwarongo, und im hiesigen Superspar kaufen wir den ganzen Rest ein, was wir entweder vergessen haben, oder wir gestern nicht gefunden hatten. Nun steuern wir noch den Cymot an, um die Gasflasche aufzufüllen, was einige Zeit braucht.

Endlich können wir unsere Fahrt fortsetzen, und relativ schnörkellos cruisen wir auf der Teerpad über Outjo nach Kamanjab. Wild ist selten zu sehen, einzig Warzenschweine, meistens Bachen mit Frischlingen, stehen öfters am Rand und wühlen nach Fraß. Einmal sehen wir zwei Schwarzbrust-Schlangenadler, die je auf einem Masten aufgeblockt haben. Sonst sind selten einmal Greife in der Luft auszumachen.

In Kamanjab überlegen wir kurz, ob wir schon wieder tanken sollen, aber die Sonne neigt sich schon dem Horizont zu, wir haben noch etwa eine knappe Stunde Gravel vor uns, und die Muckels warten auch schon auf uns. Ach was, wir fahren zu und gedenken dann morgen in Palmwag den Tank zu füllen.

Kurz vor Sonnenuntergang schaffen wir es nach Hoada auf die schön gelegene Campsite der Grootberg Lodge. Wir sind auf der Nr. 2 gebucht, einer von den drei ursprünglichen Sites, mit denen das Camp gestartet ist. Mittlerweile gibt es acht Sites und ich glaube drei Chalets.

Wir freuen uns riesig, dass wir endlich komplett sind, und trinken erst mal ein kaltes Savanna miteinander.
Dabei lassen wir uns von Ruth und Uwe erzählen, was sie denn schon Alles erlebt haben in den vergangenen knapp drei Wochen.



Während wir Spätankömmlinge unsere Schlafstätten herrichten, startet Uwe schon das Feuer und Ruth bereitet das Abendessen vor.
Zu einem gemischten Salat probieren wir gleich mal unsere Fleischpakete. Da die Portionen eher für Einheimische gerechnet sind, landen nur drei Steaks für uns vier Leutle auf dem Grill.

Zwischendurch gehen wir, so lange noch etwas Licht ist, duschen, dann können wir uns dem ersten gemeinsamen Abendmahl widmen.
Dazu mixe ich einen ersten Gin-Tonic, das soll von nun an eine schöne Regel werden. Passend zur gelösten Stimmung fliegt eine Schleiereule durch die Szene, und einige Bell-Geckos geben laut. Später unterhält uns noch ein Ziegenmelker mit seinem schnurrenden Gesang.

Da uns die Gegend mit den Riesenmurmeln inspiriert, versuchen wir uns vor dem Zubettgehen noch an ein paar Langzeitbelichtungen, aber eigentlich ist der Dreiviertel-Mond zu hell. Ich bin sehr gespannt auf Uwe´s Startrails.



Deutlich später als gestern, so gegen 22.30 Uhr verkriechen wir uns in unsere jeweiligen Schlafstätten.


Kosten: Hoada Campsite 195.- Nam$ pP


Viele Grüsse,
Matthias
Letzte Änderung: 15 Sep 2017 19:52 von fotomatte.
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17 Sep 2017 21:45 #489703
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Donnerstag 03. August : Otjitheka 4x4 Trail :

Die Nacht war sehr angenehm und deutlich milder als die Vorige, und so stehe ich mit dem ersten Licht auf und klettere etwas in den Felsen oberhalb unserer Site rum, um einen netten Spot für den Sonnenaufgang zu finden.







Während des Frühstücks besprechen wir den Plan für den Tag, und da wir gestern Abend schon fest gestellt haben, dass wir gar nicht nach Palmwag kommen werden, wie es ursprünglich mal angedacht war ( und auch auf der gezeigten Tourmap so dargestellt war ), müssen wir uns wegen des Tankens etwas überlegen. Eine Option wäre, dass wir uns trennen, kaum dass wir uns gefunden haben, wir von der Südfraktion auf den 4x4-Trail verzichten und doch über Palmwag fahren, um uns dann irgendwo im Verlauf der C 43 wieder zu treffen.
Die andere Möglichkeit wäre herauszufinden, ob es in Sesfontein, wo die nächste Nacht angedacht ist, auch sicher Diesel gibt, denn das scheint öfters mal ein Problem zu sein. Ich finde die Telefon-Nummer der Lodge in meinem Reiseführer und rufe an. Die Verbindung ist mehr als schlecht, aber als Quintessenz des Gesprächs meine ich sicher vernommen zu haben. dass erst gestern Diesel geliefert worden ist. Wir sollten also keine diesbezüglichen Probleme erfahren.

Wir packen zusammen, und es ist schon 9.00 Uhr durch, als wir die schöne Campsite verlassen, um zunächst ein kurzes Stück zurück Richtung Kamanjab bis ins nächste Dorf zu fahren. Ab hier verlassen wir uns voll aufs Navi, denn der Trail ist nicht ausgeschildert.

Bald schon kommen wir an ein Vet Fence Gate, das hätte jeder innerdeutschen Grenzstation problemlos Konkurrenz machen können. Dabei ist die Pad schon jetzt nur eine staubige, schottrige einfache Fahrspur. Viel Verkehr jedenfalls kann es hier nicht geben.

Bald nach dem Gate wird die Spur wilder, es geht über Stock und Stein.



Die Landschaft aber begeistert mich. Bald schon kommen wir über eine Kuppe, und linkerhand stehen viele Makalani-Palmen an einem wasserführenden Bachlauf. Wir hören Papageien quietschen, und zahllose Schwalben und dreierlei Arten Segler düsen hier übers Wasser.
Also aussteigen, Fotostopp.


Der schöne Yellow Pansy will seine attraktive Flügeloberseite nicht zeigen, es ist schon zu warm und er klappt sofort, kaum dass er gelandet ist, die Flügel zusammen.


Wie eine Oase liegt der kleine Bach inmitten der sonst trockenen Berglandschaft.


Selten habe ich so viele Rosenköpfchen gesehen wie im Verlauf dieses Tages, die Palmen waren voll davon.


Nur schwer können wir uns hier losreissen, aber wir sind noch nicht weit gefahren, wir haben noch einiges an Wegstrecke vor uns, und eigentlich würden wir gerne so zur Mittagszeit in unserem nächsten Camp ankommen. "Mittags an der Campsite.", das wird ab sofort zum running gag. Selten genug haben wir es hinbekommen. Heute schon gar nicht, das wird uns schnell klar.



Die Spur folgt in etwa dem Bach, diesen immer wieder kreuzend.






Landschaftlich ist dieses Stück absolut grandios, auch wenn die Piste einiges an Aufmerksamkeit verlangt. Kurz nachdem uns ein mit Arbeitern ( woher, wohin? ) voll beladener Bakkie entgegen gekommen ist, zeigt uns die Piste zum ersten Mal die Zähne.


Während wir uns im nachfolgenden Wagen diesem Dreibandregenpfeifer widmen, fährt Uwe sich fest. Er sitzt mit dem Federbein auf einem runden Felsen auf.


Wir bocken den Wagen auf, unterlegen das Hinterrad mit Steinen und sichern den Wagen zusätzlich, dass er ja nicht rückwärts rollt. Die Befreiung gelingt auf Anhieb, kostet aber halt etwas Zeit.




Immer öfter folgen jetzt, nachdem wir das Bachbett endgültig verlassen haben, ruppige Passagen, die sich nicht auf Anhieb erschliessen, wie sie am Besten zu fahren sind. Also steigen wir aus, palavern, schleppen Steine und betätigen uns als Strassenbauer. Wir wollen ja unsere fahrbaren Untersätze nicht unnötig strapazieren. Klappt alles auch wunderbar ( auf den Fotos sieht das alles sowieso unspektakulär aus ), kostet aber halt weitere Zeit. Mittags auf der Campsite, hah, bekommt erstmals einen Beigeschmack.


Aber die Szenerie! Wir sind angetan von der rauen Gebirgslandschaft.


Und dann, endlich, das erste Großwild für uns. Giraffen, die im Zeitlupentempo über den Berghang wechseln und hier und da ein paar Blätter zupfen.

Es ist nun schon Mittag durch, und wir realisieren, dass wir schwerlich unser angepeiltes Ziel Sesfontein heute noch werden erreichen können. Die Strecke ist aber zu interessant, um hier einfach möglichst schnell durch zu kommen.

Der zweite Teil des Otjitheka-Trails folgt in Bälde, bis dahin.

Viele Grüsse,
Matthias
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weiter auf dem Otjitheka-Trail :

Die Spur geht weiter bergauf, bergab, die Landschaft ist äusserst abwechslungsreich, aber richtig voran kommen wir nicht. Es zieht sich.




Hin und wieder stehen ein paar Giraffen dekorativ im Gelände verteilt, weiteres Wild aber sehen wir zunächst nicht. Keine Oryx, keine Springböcke.


An einer netten Stelle im Trockenflussbett halten wir und machen eine Mittagspause. Dazu klappen wir erstmals, und auch letztmalig, unsere Markise aus, denn Schatten ist sonst Mangelware. Es ist mächtig warm geworden, hier im nördlichen Namibia scheinen wir temperaturmässig ganz gut weg zu kommen, von Winter keine Spur.


Immer wieder passieren wir solche Staubwannen, wo sich Bergzebras gewälzt haben.


Mittlerweile steht die Sonne tiefer, das Licht wird immer besser, und so müssen wir einfach regelmässig halten, um Fotos zu machen.

Bald zeigt uns das Navi an, dass wir ein Trockenflussbett kreuzen sollen,hier gibt es aber nirgends eine Pad. Also folgen wir unserer Spur und fahren laut Karte durch "weisses Gebiet". Die grobe Richtung aber stimmt, immer nach Westen, irgendwann sollten wir wieder auf die C 43 kommen, die uns weiter nach Sesfontein führen wird.


In dieser in diversen Brauntönen gehaltenen Landschaft macht sich das Muckelsche Vehikel recht fotogen.


Viel kann es hier nicht geregnet haben in der letzten Saison, es gibt nahezu kein Gras.






Endlich zeigt das Navi die Gravelpad voraus an, von nun an sollten wir etwas flotter rollen können.


Ein Stopp für eine im schönsten Abendlicht stolzierende Ludwigstrappe geht sich aber natürlich aus.

Wir kommen nach Khowarib, die Sonne ist kurz vorm Untergehen, und wir sind uns alle einig, hier ist für heute Schluß. Wir steuern direkt eine ausgewiesene Community-Campsite an. Zunächst wirkt sie verlassen, aber dann kommt der Keeper angerannt, er hat wohl nicht mehr damit gerechnet, dass heute noch Gäste auftauchen. Er freut sich sichtlich über die unerwartete Kundschaft, zeigt uns die Ablutions und feuert gleich den Donkey an.
Wir stellen die Autos ab und gehen zum Sundowner runter an den Hoanib.




Und dann ist die Sonne auch weg. Gerade eben so geschafft, puuh.

Wir richten uns ein, ich stelle mein Zelt abseits auf, wo ich einen freien Blick auf den Himmel haben werde.
Während wir das Abendessen vorbereiten, gehen Muckels und ich noch duschen, was nicht ganz einfach ist. Das Wasser ist brüllheiss, aber es ist relativ wenig Druck da, und so funktioniert das Beimischen von kaltem Wasser nicht so ganz richtig. Bele verzichtet daraufhin auf diese Erfahrung. Dazu kommt, dass die LED-Beleuchtung einen Hau hat und flackert wie in einer Disco. Als ich raus komme, fühlt es sich an, als hätte ich schon einen Drink intus. Ha, gutes Stichwort. Es gibt erst mal eine Runde Gin-Tonic.
Dann grillen wir wieder ein ansprechendes Assortment an Steaks.
Die ganze Zeit schon singt im Tal eine African Scops Owl. Die habe ich zwar schonmal gehört, aber noch nie gesehen. Als sie dann ganz in der Nähe singt, gibt es kein Halten, und wir ziehen mit Lampen und Kameras bewaffnet los, um die winzige Eule zu finden.
Das funzt erstaunlich gut, und der Sänger ist auch nicht sonderlich scheu und lässt uns auf günstige Entfernung ran.


Zunächst sitzt sie noch relativ hoch über uns, so müssen wir praktisch senkrecht hoch fotografieren. Aber dankenswerterweise setzt sie sich ein paar Mal um, sodass wir verschiedene Positionen ausprobieren können.


Hier sitzt sie schon deutlich niedriger und im Profil, aber noch stört ein Ästle.


Ich habe knapp hundert Fotos von der Kleineule gemacht, ich bin selig. Sie stand bis dato ganz oben auf meiner "Most-wanted-Liste".

Im Anschluss sitzen wir noch eine Weile am Feuer, trinken einen Wein und lassen den spannenden Tag Revue passieren.
Die Eule übrigens hat fast die ganze Nacht durchgesungen, was hier, vor der Felswand in der Hoanibschlucht, schön hallt. Ein herrliches Konzert.


Kosten: 80.- Nam$ pP für die Campsite.


Viele Grüsse,
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26 Sep 2017 19:06 #490556
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Freitag 04. August : Abwärts durchs Hoanib-Rivier

Eine komische Nacht war das, denn es ist nach Sonnenuntergang immer wärmer geworden. Durch die Khowaribschlucht bläst ein warmer Föhnwind aus Osten, das Thermometer klettert auf 27 Grad.

Wir frühstücken gemütlich, dann packen wir zusammen und verlassen das Camp. Der Caretaker winkt uns nach. Gleich nach dem Camp queren wir den Hoanib.



Bald erreichen wir den Abdreh zu den Ongongo Hot Springs, die wollen wir uns ansehen. Eine ziemlich ruppige Piste führt fünf, sechs Kilometer in die Berge. Rechts und links stehen einige windschiefe Hütten, aus denen sofort, sobald sie die Motoren hören, Kinder angerannt kommen und bettelnd die Hände aufhalten. Einige rufen "Sweets, sweets" dazu.


Ein paar Vögel finden wir während der Anfahrt, wie diesen Wiedehopf. Leider war ich noch nie schnell genug, um ihn mit aufgestellter Haube zu erwischen.


Leider nur ein Beweisbild, aber anhand dessen konnte ich ihn nun auch auf die Liste setzen: der Brubruwürger.


Sabota-Lerche

Bei den Hot Springs parken wir unsere Autos im Schatten, bezahlen die Day-use-fee von, ich meine, fünfzig Nam$ und schlendern dann zu dem nett gelegenen Pool, der von einem kleinen Wasserfall gespeist wird. Das Wasser ist glasklar.




Zunächst sitzen wir am Ufer und lassen die Füsse ins Wasser baumeln, aber das reicht mir bald nicht mehr. Ich muss da rein.
Ich hole meine Badehose, und dann schwimme ich zu dem Wasserfall und lasse mir von dem Wasserstrahl den Rücken massieren. Das tut gut, und Ruth und Uwe finden nun auch Gefallen an der Idee. Sie kommen ebenfalls ins Wasser.
Rechts vom Wasserfall gibt es einen Überhang, wenn man da hindurch schwimmt, öffnet sich eine Höhle, und im Halbdunkel sehe ich einige Fledermäuse an der Decke hängen, während weitere niedrige Jagdflüge nach Insekten durchführen. Eine Kröte sitzt am Ufer.

Aus dem Boden steigt tatsächlich warmes Wasser auf.
Nachdem ich gut eingeweicht bin, widme ich mich noch der Insektenwelt, denn hier fliegen einige Libellen rum.


Feuerlibelle


Sieht aus wie eine Azurjungfer.



Dann, endlich, reissen wir uns los, denn es ist schon Mittag durch, und wir wollen ja noch ein ganzes Stück fahren heute. Ursprünglich war mal Puros als Ziel geplant.
Wir rumpeln die Strecke zurück und fahren das Stück bis Sesfontein. Hier fahren wir die Tanke an und füllen problemlos unsere diversen Haupt- und Nebentanks, sogar das Muckelsche Mobil lässt sich bereitwillig volllaufen. Nachdem also dieses Problem gelöst ist, fahren wir aus dem Ort raus, um schon bald in das breite Hoanibtal abzubiegen.


Hier lassen wir erst mal Dampf ab, wir reduzieren den Druck in den Reifen auf 1,5 bar, denn ab sofort ist Sandschwimmen angesagt.


Auf den ersten Kilometern lasse ich Uwe voraus fahren, auch ohne Funkgeräte ist trotzdem klar, wo er sich befindet, denn der extrem feine Bull-dust steigt senkrecht in die Höhe.


Schon bald sind unsere Vehikel fein gepudert.


Der Hoanib hat sich hier ein breites Bett zwischen die Berge gegraben.


Immer wieder müssen wir anhalten, um Fotos zu machen, die Landschaft weiss uns zu begeistern.




Wir erreichen den Control Point, hier müssen wir einen Obulus entrichten. Zwei südafrikanische Paare kommen uns entgegen, ganz standesgemäß mit Campinghängern und erzählen uns von einer Herde Wüstenelefanten in vier, fünf Kilometern Entfernung.

Ob wir die Elis gefunden haben, gibt es im nächsten Teil zu lesen.

Bis dahin,
Matthias
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