THEMA: comme les gagas - eine Reise mit KINDERN
24 Okt 2012 20:40 #259583
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Ursprünglich wären wir auch im Feon Ny Ala abgestiegen. Wir hatten aber Angst, dass es bei unserem Besuch im Andasibe NP (der Jahreszeit entsprechend) "viel regnen" und einiges kälter sein würde. Und erlaubten uns daher, fast am Ende unseres einmonatigen Madagaskaraufenthalts angelangt, etwas mehr Luxus - Heizung im Bungalow mit wasserdichtem Dach....

Dieses Schild "Trespassers will be eaten" hatte ich vor Reisebeginn immer wieder im Internet gesehen. Im Park selber, ist es uns irgendwie durch die Lappen - das Kroki mit Messer und Gabel in der Hand...wahrscheinlich waren wir zusehr mit DI'S Schlangenbiss beschäftigt.
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28 Okt 2012 19:08 #260321
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04.08.12 Regen - Regen - Regenwald?

"Was ist das nur für ein sonderbares Geräusch?" Mitten in der Nacht werde ich durch ein eigenartiges Rauschen aus dem Schlaf geweckt. Ist es der Wind, der durch die Palmenblätter säuselt? Oder ein Wasserfall, der in der Stille der Nacht vor sich hinplätschert? Wird gar der nebenan liegende Pool nachts mit Frischwasser aufgefüllt? Letzterer Gedanke ist gar nicht so abwegig. ...es regnet draussen nämlich in Strömen! Ein Geräusch, das wir während unserer Reise, für beinahe einen Monat nicht mehr gehört haben. "Endlich, ein Regenwald inklusive Regen!" Das Prasseln der Regentropfen auf unser Dach beflügelt mich zum Weiterschlafen. Am Morgen werden wir wohl zum ersten Mal die Regenjacken hervorholen müssen.

Als der Tag erwacht, ziehe ich die Vorhänge vor den Fenstern weg.... wo aber ist bloss der Regen geblieben? Der Himmel ist noch leicht mit nebligen Wolken verhangen, aber sonst ist ringsum alles ziemlich trocken. Nur wenige kleine Pfützen zeugen noch vom nächtlichen Niederschlag. "Nichtsdestotrotz" werden wir heute bei unserem Ausflug in den Nationalpark die "Sturmausrüstung" mitnehmen, ...für was denn eigentlich, haben wir diese Kleidung nach Madagaskar mitgenommen?!

Nein, Regen ist das nicht, aber ein ganz feiner Nieselstaub geht nieder, als uns Jean-Claude beim "Nebeneingang" vom Andasibe-Mantadia Nationalpark, zum Analamazoatra-Mitsinjoforest, einem kleineren Regenwaldstück, begrüsst. Dieser Teil des Reservats wird durch die einheimische Dorfgemeinschaft selbst verwaltet und der Erlös kommt vollumfänglich in deren eigene Kasse.



Über einen schmalen Pfad betreten wir den geschützten Wald, der noch primäre, endemische Pflanzen in sich birgt (die grossen und mächtigen Urwaldriesen wurden bereits in den 1930er Jahren von den französischen Besetzern abgeholzt). Jean-Claude ist in seinem Element, mit eingehenden und herrlich umschweifenden Worten erklärt er uns all die sich anbietenden, am Wegrand stehenden Heilpflanzen. Jene gegen Magenbrennen, Bauchbeschwerden, Bluthochdruck, Hauterkrankungen und Schürfungen, Blutmangel, Kopfschmerzen und Fieber und und... zum roh essen, auflegen oder als Tee im Wasser gekocht, oder oder... der Wald ist der reinste Arztneischrank!





Unser Weg führt uns unter Schraubenpalmen und riesigen Farnbäumen an Flusswindungen vorbei. Hier ist die Heimat der Indris, dem grössten noch lebenden Lemuren von Madagaskar.
Das Wort Indri bedeutet „da ist es“, offensichtlich ein Missverständnis zwischen uns westlichen Völkern und den einheimischen Madagassen; in deren Sprache heisst das Tier "Babakoto". Die eheliche Treue, das gesangartige Schreien und Heulen haben zu allerlei Aberglauben geführt. Nach Meinung der Madagassen verehren die Tiere die Sonne, auch sollen die Seelen Verstorbener in diesen Lemuren weiterleben. Diese Ansicht hat die Indris bis vor Kurzem vollständig vor der Bejagung geschützt.



Mit jenem Heulgesang und dem "Kindergeschnalze" pirschen wir also nach den Indris. Es dauert nicht lange und wir stehen unter diesen hellen, mit buschigen Ohren, Stummelschwänzchen und kleinen, nahezu unbehaarten Schnauzen gekennzeichneten Lemuren. Friedlich grast die Familie in den Baumwipfeln und lässt ungeachtet, der sich darunter befindlichen "Menschheit", ihr Waldbodendüngendes Geschäft fallen.





Wir verlassen den Wunderwald bei sonnigem und klarem Wetter und beschliessen uns spontan (unter der ebenso spontanen Protestnote unserer Jugend) das Örtchen Andasibe "per pedes" zu erkunden.



Die Ortschaft lebte einst durch den Holzschlag und den Grafitabbau. Die beiden Rohstoffe wurden vor Ort in die Eisenbahn verladen und zum naheliegenden Hafen von Toamasina verfrachtet. Noch heute dominiert der grosse Bahnhof das Ortsbild, das "buffet de la gare" war bis Mitte der Neunziger das einzige Hotel weit und breit.



Wir schlendern durch die Dorfstrasse, links und rechts säumen hübsche, kleine Holzbauten mit "prächtig" schiefen Balkonen das lang gezogene Zentrum. Ein vertrautes Bild belebt die Szene: An der Strasse wird verkauft und in den Hinterhöfen spielen die Kinder.





Als ob PE und ich heute nicht schon genug gewandert wären, umrunden wir noch vor dem Abendessen den "Kraterrand" unseres Vakonasees, und, oh welch Wunder, die Kinder schliessen sich nacheinander freiwillig dem Unternehmen an. Auch wenn JO unterwegs wieder umkehrt und zurück zum Häuschen eilt, rechnen wir ihm seinen Willen, mitzugehen hoch an. ...Er hat mit schrecken bemerkt, dass er zuvor die Tür unseres Bungalows nicht verschlossen hatte.
Letzte Änderung: 28 Okt 2012 21:43 von lope.
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30 Okt 2012 18:53 #260694
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05.08.12 Auf Ab- und Umwegen

In der Vacona-Lodge liegen Prospekte und Flyers über den Hotelbetrieb und dessen "Outback" auf. Interessiert durchschnüffeln wir die Papiere und stossen dabei auf die unterschiedlichsten Wanderungen, die sich rund um das Resort befinden. Der gelb eingezeichnete Rundwanderweg heisst "Indri", er zweigt etwas oberhalb der Anlage in den Mantadia-Nationalpark ab und genau diese gelbe Farblinie hat es uns angetan. Also bepacken wir unsere Rucksäcke, schnüren die Wanderschuhe und vereinbaren mit Nicole einen Termin: -zurück beim Hotel für den frühen Nachmittag. Auf geht's, und immer schön drauflos. Informationen brauchen wir nicht wirklich, es ist ja schön alles aufgezeichnet und der Weg ist bestimmt mit Wanderwegweiser ausgerüstet.



Denkste: So "Handgelenk mal Pi" treten wir in den Wald ein und folgen einem schön ausgetretenen Wanderweg, wir sind uns einig, das muss dieser gelb markierte "Indripfad" sein. Aber irgendwie, so kommt es uns zumindest vor, verläuft dieser Weg viel länger gerade aus, einem Grat entlang, als dies uns und der Pseudowanderkarte lieb ist. Kann es sein, dass der gezeichnete Massstab nicht getreu eingehalten wird? ...muss bestimmt so sein.

Lieber Leser, du kannst es erahnen. Es ist das erste Mal, dass wir einen madagassischen Wald ohne einen kundigen Führer betreten und unsere Ausrüstung ist doch eher dürftig: Keine richtige Wanderkarte, keinen Kompass und leider auch kein funktionierendes Handy. Obschon wir es gewohnt sind, viel und weit zu wandern, sind wir schlicht mit der Orientierung etwas überfordert. Nach diesem ersten urigen Teil lichtet sich der Wald und lässt den Blick in eine, durch Gestrüpp überwucherte Talrinne frei. Wir steigen in das Tal ab, immer noch der Überzeugung, uns auf dem korrekten Weg zu befinden. Die Kinder heulen in den gegenüberliegenden Wald und kriegen dabei eine prompte Antwort der dort lebenden Indris. Das muss mit Bestimmtheit der Indriweg sein!



Nach einer guten Stunde Wanderzeit wird der Pfad immer enger, die Gebüsche und Pflanzen immer wilder und höher. Die Kinder tauchen nun fast gänzlich im Tropengrün unter und ein allfälliger Weg ist nicht mehr mit Sicherheit auszumachen. Da muss ja schon seit einer geraumen Ewigkeit niemand mehr durchmarschiert sein. Wir überqueren sumpfige und verschlammte Bäche und ich denke mir bei alledem, uns hoffentlich nicht umgehend durch diese "militärische Kampfbahn" zurückkämpfen zu müssen. Diverse Verzweigungen können nicht mehr definiert werden und die Richtungen entsprechen kaum noch dem, auf Papier gelb eingezeichneten "Indriweg." Befinden wir uns denn bereits auf dem grünen, etwas grösseren Rundgang? Ist die rettende Strasse nicht gleich nach der nächsten Kurve zugegen? Mir kommt urplötzlich ein Lied eines bekannten Schweizer Troubadours (Liedermacher) in den Sinn, wonach sich ein Mann zum geladenen Aufgebot in ein Verwaltungsgebäude begibt, sich verirrt und entsprechend bis heute im Hauptgebäude Bock II, das Büro 146 sucht... "Mani Matter" lässt grüssen!



Die Zeit verstreicht und wir verlieren uns gänzlich in dieser einen Richtung. Der Entscheid fällt uns nicht leicht, aber jetzt ist der Augenblick gekommen, den Schaden zu begrenzen, wohl zu retten, was noch zu retten ist und aus dem geplanten "Circle" einen "Return" zu machen: Wir kehren um. Zurück durch die meterhohen Büsche und Sträucher, über die sumpfigen Wasser, durch seichte Bäche. Der Termin mit Nicole kann nun auch nicht mehr eingehalten werden, hoffentlich macht sie sich nicht zu grosse Sorgen und beginnt nicht gleich mit der Suche nach uns...



Der Weg ist weit, wir schleppen grosse Äste mit, um unterwegs Bachläufe zu überwinden und bei einer Verzweigung verirren wir uns sogar auf diesem Rückweg. Aber die Moral bleibt ausgezeichnet und die Kindertruppe zieht voll und ganz mit. Nach beinahe fünf Stunden intensivstem Wandern treffen wir wohlbehütet wieder in der Vakona-Lodge ein und begrüssen eine heitere und fröhliche Nicole. Sie hat eisern auf uns gewartet, ohne sich dabei gross in Gedanken zu verstricken. Zum Dank an die toll mitgewanderten Kids gibt's riesengrosse Croc Monsieur und etwas Süsses zum Trinken.

Nicole hatte sich während unserer Abwesenheit mit anderen widrigen Umständen zu beschäftigen: Unser Fahrer nutzte seine freie Zeit, dem Auto frische Räder aufzusetzen. Kaum zurück in der Unterkunft platzte einer dieser „neuen“ Pneus. Da Patrick für den Wechsel auch das Ersatzrad benutzt hatte, blieb ihm nichts anderes übrig, als nochmals nach Moramanga zurück zu gehen... und dies wortwörtlich. Der gute Mann lief zu Fuss bis zur acht Kilometer entfernten Hauptstrasse, um per Autostopp in der Stadt einen Ersatzreifen zu besorgen. Vergeblich, die Rarität lies sich da nicht auftreiben, und so gab es für Patrick nur noch eine einzige Lösung, nämlich: einen Reifen per Taxi aus Tana einfahren lassen… Mit dem neuen Rad wandert unser Chauffeur nun wieder zurück zum Toyota-Bus und versucht anschliessend den Schaden zu reparieren. Nicole versucht uns damit zu erklären, dass wohl heute Nachmittag kein Transportmittel zur Verfügung stehen wird. Für uns ist das kein Problem, haben wir doch bereits genug Abenteuer durchlebt…



Drum begleiten MA, DI, PE und ich die Nicole über einen grossen Umweg zurück zu ihrer Unterkunft. Der Weg nennt sich Kalanoros-Trail und wird durch holzgeschnitzte, zwergenhafte Kobolde gesäumt. Die Sage erzählt, dass wer auf seiner Wanderung einen echten Kalanoros sieht, die Begegnung als stilles Geheimnis in sich tragen und behüten muss. Wer nicht auf seinen Mund sitzen kann, der erntet Spott und Gelächter. Der Weg führt anfänglich ziemlich unspektakulär durch einen Eukalyptuswald, biegt dann aber in einen Bachlauf ein, und dieser Bach hat's wirklich "faustdick hinter den Ohren".



Märchenhaft schlängelt sich der Pfad durch primären Regenwald dem Gewässer entlang, kreuzt riesige Farne, Vakõna-Palmen (welche unserer Lodge den Namen geben) und Elepfantenohren, bis wir auf halber Distanz an einen kleinen Wasserfall gelangen. Hier ist die Heimat der kleinen "Waldwächterkobolde". Sie halten sich im grünen Dickicht versteckt, sodass wir... naja, und verraten darf ich's ja eh keinem.







Zurück in der Lodge setzen wir uns im Saal an den wärmenden Kamin und geniessen die feinen Köstlichkeiten der "Sterneköche". Insgeheim sind wir doch alle glücklich und froh, dass wir nicht im dichten Wald auf Wurzeln und unter Deckblättern bei den Indris und Kalanoros übernachten müssen.
Letzte Änderung: 01 Nov 2012 19:48 von lope.
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01 Nov 2012 19:46 #260997
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06.08.12 Im Gesicht, in den Beinen, in den Ohren

"Päng"..., ein ohrenbetäubender, klar definierbarer Knall weckt uns aus unseren Tagträumen. Wie auf Kommando ziehen alle den Kopf ein. "Wer um Himmelswillen schiesst da gegen uns"! Wir sitzen in unserem Minibus, irgendwo im Niemandsland, unterwegs nach Antananarivo, in Gedanken der einmaligen, durchziehenden Landschaft verloren, als uns dieser "Schuss" zurück in die Realität holt.



Dieser Tag steht im Zeichen des Aufbruchs, in den Gängen, Windungen und Schubladen unserer Köpfe, drehte sich noch kurz zuvor bereits alles um unsere Heimreise. So sinnierte jeder für sich der langen Madagaskarreise und vor allem dem heutigen Tag nach... Strassenkilometer-Distanzstein um Distanzstein .....:







Noch ein letztes Mal geniessen wir an diesem Morgen die Vorzüge der formidablen Vakona-Lodge, decken uns am Frühstücksbuffet mit Köstlichkeiten ein und bepacken anschliessend unseren "frischbereiften" Toyota-Bus. Bereits nach wenigen Kurven zweigt Patrick ab und steuert auf einen schlossartigen Gutshof zu. Als Abschluss unseres Andasibe-Aufenthalts gönnen wir hier unseren beiden Mädchen einen Ausritt auf richtig grossen Pferden.
Die Augen glänzen und die Ehrfurcht ist gewaltig, als die Zwei auf den Sätteln, hoch zu Ross platz nehmen. Stundenlang reiten MA und DI durch Wälder und Auen, im Galopp, auf und davon.... o.k. etwas konkreter: Eine halbe Stunde lang werden MA und DI über die kleine Grasflugpiste, entlang des Waldes bis hin zu einem Weiler "geführt". Gefühlt ist ihr Ausflug aber überwältigend! Wir drei übrig bleibenden zotteln den Reitenden hinterher und staunen dabei nicht schlecht über zwei Gärtner: Die beiden mähen die etwa einen Kilometer lange Start- und Landebahn des Flugfeldes mit je einem Handrasenmäher....



Auf halbem Weg der Überlandstrasse RN2, bevor die Route in den Berghang des Zentralen-Hochlands ansteigt, befindet sich eine Schmetterlingsfarm. Schmettervögel sind zwar kaum mehr welche auszumachen, dafür hatten wir bisher nie das Vergnügen, so viele unterschiedliche Echsen, Reptilien und Amphibien "auf einem Haufen" anzutreffen. Flughunde, Gottesanbeterinnen und Tausendfüssler komplettieren unser "animalisches" Album der madagassischen Insel und so befinden wir denn auch den relativ teuren Eintrittspreis als gerechtfertigt.

Ein Zoowärter legt MA als Anschauungsunterricht ein riesengrosses, braun-graues Blattgecko in den Schoss, PE kriegt ein weiteres Tier zur Beobachtung in ihre Arme. Aber irgendwie wollen die beiden Echsen zueinanderfinden, und so springt diejenige von PE’s Händen in einem Satz mitten in MA's Gesicht. Da unsere Tochter bereits alle Hände voll zu tun hat, bleibt das, als welkes Blatt getarnte Gecko noch etwas an der ungünstigen Stelle kleben. Zu unserem Erstaunen lässt MA die missliche Situation mit einer gewissen Gelassenheit über sich ergehen.



Auf einem waldigen Rastplatz, direkt am kleinen Fluss, der die Passstrasse säumt, machen wir halt und nehmen den, an einem Marktstand von Moramanga eingekauften Lunch zu uns. Dieser Platz könnte sich ebenso gut an unserer Jona befinden, wären da nicht all die frisch angesetzten Reisfelder in der nahen Umgebung. In einem weichen, hellen Grün leuchten sie in der Mittagssonne und verkünden den beginnenden Frühling in dieser Höhenlage. Wir Erwachsenen geniessen noch ein letztes Mal die frische Waldluft und die Kinder bauen sich.... eine "Raupenburg".

Langsam ziehen die Kilometer-Distanzsteine an uns vorbei... 30...29...28... ab und zu überholen wir einen Lastwagen, Taxibrousse und andere Toyotabusse... 27...26...25... "Päng"... und jetzt, wie aus dem nichts schiesst jemand auf uns!

Anstatt zu fliehen, lenkt Patrick den Wagen sofort an den Strassenrand und stellt den Motor ab!? Er erkennt die heikle Lage nur zu gut und gibt augenblicklich Entwarnung. Das Rad der hinteren Achse ist explodiert und nun platt. Für ihn: einmal mehr. Erleichtert, dass nichts Schlimmeres passiert ist, steigen wir aus dem Bus und begutachten den entstandenen Schaden am Pneu. Der Felgen mit dem zerschnittenen Gummi muss ersetzt werden! ...Ein kleines Problem besteht allerdings: Wir haben kein Ersatzrad mehr, jenes ist nämlich bereits montiert.

Ohne lange zu zögern, eilt Patrick ein paar Meter der Strasse entlang zurück, in die Richtung aus der wir gekommen sind, und es vergehen keine fünf Minuten, ehe einer der überholten Toyotabusse zu uns an den rechten Rand steuert. Patrick hat ihn aufgehalten und erkundigt sich jetzt nach einem Reserverad. Mit wenigen Handgriffen und der Unterstützung der herumliegenden Randsteine (als Aufbockhilfe sehr geeignet) ist das Auto bald wieder fahrfähig und so brauchen wir die anbrechende Nacht doch nicht in der kühlen Prärie zu verbringen.





Zurück im "des Cygnes" kriegen alle eine straßendreckentstaubende Dusche verabreicht und zum letzten Mal fallen uns im fernen Madagaskar die Augen zu.
Letzte Änderung: 04 Nov 2012 15:32 von lope.
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04 Nov 2012 20:38 #261507
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07.08.12 Mandrampihaona Madagasikara?!

Die Kleiderberge der Schmutzwäsche türmen sich. Reisehandbücher, Drecksocken, Souvenirs und Unterwäsche liegen querbeet durcheinander und verwandeln das Hotelzimmer in ein Schlachtfeld. Heute ist unser Heimreisetag und diesen letzten Morgen reservieren wir uns für das bepacken der vier Koffer. Obschon wir viele ältere und zu klein gewordene Kinderkleider gleich bei Nicole zurücklassen, entpuppt sich das Stopfen der Gepäckstücke als logistische Meisterprüfung. Für PE ist die Koordination und Zuweisung der einzelnen Textilien, Schuhe sowie Utensilien kein Problem, sie hat entsprechend die Auszeichnung "Chief-Backpack-Master" bereits auf sicher.



Ein letztes Mal wühlen wir uns mit Patrick durch den Stau der Vorstadt von Antananarivo und fahren beim "Tsimbazaza - Zoo" vor. Dieser grössere Zoo ist eine grüne Stadtoase und daher ein ausgezeichneter Zeitvertreib für diesen langen und "mühevollen" Tag. Sollte es nun wirklich noch ein madagassisches Tier geben, das sich noch nicht vor unsere Füsse verirrt hat, dann begegnen wir ihm mit Bestimmtheit hier. Beim Eingang vergleichen wir mit einer gewissen Skepsis (aber auch Belustigung) die Eintrittspreise und nehmen dabei zur Kenntnis, dass "nicht Malagasy sprechende Vasahas" das 20-fache des einheimischen Ticketpreises zu berappen haben. So bezahlen erwachsene Madagassen umgerechnet 15 Cents und wir Weissen ca. drei Euro p.P. Da dieser Zoo eigentlich die einzige grüne Lunge der Innenstadt von Tana bezeichnet, so findet PE, könnte man die einheimischen Stadtbürger auch gleich ganz gratis eintreten lassen.



Leider fehlt es auch hier, trotz aufwendiger Spendenaktionen an allen Ecken, Kanten und Enden. Viele Gehege sind leer und diverse Bauten bleiben wegen angeblichen Renovationsarbeiten geschlossen. Schade, so auch das von uns mit Spannung erwartete "Haus der nachtaktiven Tiere".
Ein Karussell sorgt bei den Kindern für den Spassfaktor: Für ungefähr 10 Rappen schiebt ein Mann mehrere halbe, an Stangen im Kreis aufgehängte Ölfässer an. Der Adrenalinpegel hält sich zwar in Grenzen, aber als gutes Training für den Magen und gegen Flugangst geht die "Fassfliegerei" allemal durch.





Sozusagen als Abschluss unserer Reise besuchen wir auf der Rückfahrt den Touristenmarkt von Tana. Heja... schliesslich dürfen wir ein Present für unsere "Haustieraufseher" von zuhause nicht vergessen, und dafür drängt sich dieser Markt mit seinen rund 200, Wand an Wand aneinandergereihten Souvenirverkaufshäuschen geradezu auf. Viele hübsche und weniger hübsche, von Hand gefertigte Bastelarbeiten werden an den Ständen angeboten. Ohne zu märten geht hier aber nichts, es ist ganz gut möglich, dass leichtgläubige Kunden bis um das 20fache des angemessenen Preises für ein Objekt bezahlen. So gesehen lohnt sich ein Preisvergleich beim Durchschlendern der etwa zwei Kilometer langen Ladenstrasse. Erst beim Eindunkeln verlassen wir gemeinsam den Markt und fahren die kurze Strecke zurück in Richtung Flughafen.



Tja... und dann wird’s Zeit, abschied zu nehmen: Wir nehmen nicht nur von Madagaskar abschied, einem Land mit den unterschiedlichsten Gesichtern, voller Wunder und Facetten, ein Land mit einem eigenen Natur- und Lebensrhythmus und einem speziellen politischen Verständnis. Nein, wir verabschieden uns allem voran von Patrick dem liebenswürdigen, schweigsamen, stets hilfsbereiten Chauffeur. Sein warmes und ruhiges Lachen, seine bedächtige Überlegenheit zeichnen ihn aus. Und von Nicole, unserer herzlichen, eher scheuen Reisebegleiterin. Auch sie ist uns sehr ans Herz gewachsen. Zum Abschied laden wir die beiden in die Pizzeria ein und feiern bei einem feinen Essen die schöne, vergangene gemeinsame Zeit.



Für den Dessert dislozieren alle noch einmal ins "des Cygnes" (wir können's halt einfach nicht lassen) und da taut sogar Patrick auf. Er erzählt Geschichten aus seiner Militärzeit, umschreibt sie mit etwas französisch, oft auch malagasy und noch mehr mit Händen und Füssen.

Die Menschenkolonne ist ellenlang und wir stellen uns ganz hinten an, als wir die Halle des Check-in vom Ifato-Airport betreten. Noch einmal stellen Patrick und Nicole ihre guten Dienste unter Beweis, beide stehen mit uns in die Warteschlange, schieben dabei unser Gepäcktrolly vor sich hin und leisten uns Gesellschaft. Auf die Frage, ob er denn nicht auch mit nach Europa fliegen möchte, antwortet uns Patrick mit einem Augenzwinkern: "In ein Land, wo ich im Restaurant für eine Flasche Wasser 20'000 Ariari bezahle? - Oh nein, da bleibe ich doch lieber hier bei meinen Wurzeln, ...in Madagaskar!"
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07 Nov 2012 14:32 #261881
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  • lilytrotter am 07 Nov 2012 14:32
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Hallo, lope!

Vielen Dank an euch, für euren hochinteressanten und netten Reisebericht!
Madagaskar ist mir nach erdferkels/MooseOnTheLoose und eurem Bericht nun ziemlich nahe – im Kopf, - und es gefällt mir sehr, was ich durch euch „miterlebt“ habe.

Nie zuvor hatte ich Madagaskar „auf’m Zettel“ – noch ein paar Jahre – und dann werden wir es wohl doch einmal bereisen – und ihr alle habt „Schuld“... :)

Grüße lilytrotter
Letzte Änderung: 07 Nov 2012 14:32 von lilytrotter.
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