THEMA: comme les gagas - eine Reise mit KINDERN
19 Okt 2012 18:59 #258858
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31.07.12 Rückflug nach Tana

Jeder, auch noch so wundervolle Reiseabschnitt geht einmal zu Ende. Unsere Zeit in Ifaty ist gekommen und wir müssen von den liebenswerten Hotelangestellten, der schlichten, aber gut gepflegten Anlage, der Sandybeach und unserem Holzraspelwurm abschied nehmen.




Fischer bei Ebbe weit draussen im Meer

Die fröhliche Gouvernante hat sich persönlich verabschiedet und der Professor begleitet uns sogar bis zum Auto, wo er uns bei der Wegfahrt ein letztes Mal beherzt zuwinkt. Etwas traurig machen wir uns mit einem Toyota-Bus auf die Piste nach Toliara. Zurück entlang der Mangrovensümpfe und den vom Riff belagerten Meerengen. Vorbei an Algenplantagen und Schilfhütten. Wir werden heute den Südwesten mit dem Flugzeug verlassen und nach Antananarivo fliegen, zurück ins Moloch...


Zeit für was Neues (Hier Hausneubauten und deren Materialbeschafung)



Die Fahrt verläuft reibungslos und so treffen wir bereits drei Stunden vor der Abflugzeit auf dem Flugplatz von Toliara ein. Kein offizielles Airlinepersonal ist anwesend, kein Desk hat geöffnet und schon gar keine Passagiere befinden sich auf dem Areal. Nur wir fünf.... und fast so viele Gepäckträger!

Eigentlich will PE, dass wir unsere Rollkoffer selber in die Abflughalle befördern, ich denke mir aber, dass diese Jungs den Eincheckprozess bestimmt besser kennen und uns gleich von Beginn weg an den richtigen Ort hinlotsen würden. Die vier Träger nehmen sich also je einem Koffer an und tragen diese knappe zehn Meter durch den Haupteingang vor den einzigen möglichen Eincheck-Schalter. Tja, und dann machen alle vier die hohle Hand.... einfacher kannst du dir kaum Geld verdienen! Die Aufruhr ist aber gross, als ich ihnen eine, der kurzen Distanz entsprechende Entlöhnung in die Hand drücke..... um eine Konfrontation zu vermeiden, verdoppelte ich schliesslich den Einsatz kurzfristig...

Bereits geschlagene zwei Stunden warten wir in der menschenleeren Halle und versuchen uns mit irgendwelchen Spielchen die Zeit zu vertreiben. Jetzt, nach und nach treffen weitere Passagiere auf dem Gelände ein und wir glauben nun zu wissen, dass da heute doch noch so was wie ein Flug stattfinden könnte. Tatsächlich öffnen nacheinander die Souvenirshops und die Snackbar... und auch der Checkin-Desk wird besetzt. Uff, die letzte Wartestunde ist so wohl auch gerettet.



Der Flug nach "Tanarive" wird von der Air Madagascar durchgeführt, und wer nun das Gefühl hegt, das Flugzeug entspreche in etwa derjenigen nachgebauten Pinguin-Eigenkonstruktion aus dem gleichnamigen Animationsfilm, dem muss ich widersprechen. die Maschine ist zwar bestimmt nicht neu, aber doch immerhin eine neubemalte Boing 737. In luftiger Höhe passieren wir nochmals all die zuvor mit Claude befahrenen Landstriche: die dürren Steppen, die weiten Savannen, die rundlich anmutenden Felsengebirge und das fruchtbare, wenn auch zerfurchte Hochland.



Nach einer Stunde Flugzeit landen wir wohlbehütet und äusserst pünktlich auf dem chaotischen Flughafen von Antananarivo.

Froh, all unsere Gepäckstücke wieder vereint in den Händen zu halten verlassen wir das Ankunftsgebäude und gehen dem Flughafenausgang entgegen. Hier sollten wir durch unsere neue Reisebegleiterin "Nicole" (nicht Claudes Frau) und dem Chauffeur "Eric" willkommen geheissen werden. ...nur, da wartet weder eine Nicole, noch sehen wir einen Eric im "Empfangskomitee" spalierstehen. Konsequent wimmeln wir die übereifrigen Taxifahrer ab, die uns alle in die bestmöglichsten Unterkünfte verfrachten wollen. Und trotzdem, man sieht es uns an, wir stehen da an der Pforte, so ungefähr: wie bestellt und nicht abgeholt.

Völlig ausser sich, entschuldigend und beschämt trifft unsere Nicole, gute 20 Minuten verspätet am vereinbarten Treffpunkt ein. Ihr Fahrer Eric hat sie sitzen lassen und so musste sich Nicole kurzfristig nach einem anderen Chauffeur und Wagen umsehen. Das war gar nicht so einfach, da dieses Gespann nun für mindestens eine Woche mit uns mithalten muss. Sie hat in "Patrick", einem mächtigen, abdetachierten Armeeangehörigen, und einem Toyota-Minibus bestimmt eine gute Wahl getroffen. Die Fahrt in die Stadt dauert nur kurz und endet im bereits bekannten "Hotel des cygnes", wo wir unser grosses Zimmer und die "etwas harten" Betten wieder beziehen dürfen.


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PS: Gerollt nicht getragen haben die Gepäckträger unsere Koffer. Ich wollte die Stücke selber hineinbringen, weil ich von Anfang an sah, dass der Desk sich gleich hinter der Tür befindet…nicht, weil ich Geld sparen wollte. Als wir beim Einchecken sehen, dass die gleichen Typen unsere Koffer auch ins Flugzeug einladen………..bin ich doch froh, haben wir sie bezahlt, ansonsten wären unsere Gepäckstücke wohl nie in Tana angekommen. PE
Letzte Änderung: 20 Okt 2012 08:16 von lope.
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20 Okt 2012 20:18 #258962
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01.08.12 Lebendige und blecherne Schlangen



Antananarivo... diese Stadt platzt schier aus allen Nähten. Innert einem Jahrhundert „flüchteten“ so viele Madagassen in die Metropole, dass ihre Einwohnerzahl vom einstigen "Dorfcharakter" auf mittlerweilen gegen zwei Millionen Menschen geschätzt wird. Antananarivo ist Hauptstadt, Verwaltungssitz, Mittelpunkt und Drehscheibe Madagaskars. Leider dreht sich diese Scheibe nicht wirklich rund: Der Verkehr läuft gänzlich aus dem Ruder, die permanent verstopften Strassen sind durch schweflige Abgase und dicken, schwarzen Dieselruss belastet. Auch die Infrastruktur vermag dem Wachstum nicht folge zu leisten. In den neuen, wilden Siedlungsgebieten ist der Abfall ein Riesenproblem, es fliesst kaum sauberes Wasser und ein Kanalisationssystem bleibt wohl unerfüllbares Wunschdenken.
Und trotzdem, mein erster Eindruck trügt: Hinter den aus roten Ziegelsteinen, vorwiegend den Strassenzügen entlang erbauten Wohn- und "Erwerbshäuschen" sichten wir auch grosse landwirtschaftliche Anbauflächen. In diesen weiten, gefluteten Grossstadtoasen wird hauptsächlich Reis angepflanzt.



Patrick führt uns mit dem gecharterten Minibus durch das Gewirr der Vorstadtmärkte, vorbei an staubig braunen Pflanzen und roten Fassaden zum Stadtrand. Hier, unweit vom Flughafen besuchen wir einen Reptilienpark. Da wir auf unserer bisherigen Reise die Krokodile nur auf Distanz beschnuppern durften und nicht wirklich ein Tier zu Gesicht bekommen haben, bietet sich uns nun die Gelegenheit mit den urigen Wesen in "Kontakt" zu treten. Schon von Weitem erblicken wir bei der Anfahrt an einen stillen Flusslauf die Konturen der massigen und ledrigen, etwas verkannten Fressmaschinen.

Der Park entpuppt sich als eine erstaunlich gut geführte Klein-Zooanlage. Bereits nach den ersten Schritten gesellt sich ein angenehmer, kompetenter Wärter zu unserer kleinen Gruppe und erklärt auf dem Rundgang sehr eingehend die verschiedenen Verhaltensweisen der im Tierpark lebenden "Bewohner". In Terrarien leben Geckos, Chamäleons und Frösche. Die Fossas, Schildkröten und Schlangen in Auslaufgehegen.



Der Tag ist noch jung und entsprechend hungrig sind die Lemuren. Eine ganze Familie Sifakas nähert sich uns, turnend und hangelnd von den hohen Bäumen herunter. Die vorwitzigen Lemuren geniessen mit voller Hingabe die (Bananen-)Aufmerksamkeit unserer Kinder.






Schaut genau, dieses Weibchen hält nicht nur eine Banane in ihren Armen

Die Nil- und australischen Krokodile sind die Hauptattraktion der Reptilienfarm: In mehreren Wasserbecken werden Tausende, jeweils gleichaltrige Jungtiere aufgezogen. Ihr Schicksal ist aber bereits besiegelt, die Mehrheit dieser Zuchttiere landet nämlich als Ledertasche, -Handschuh oder -Gürtel auf dem Laden- oder als Speise auf dem Esstisch. Nur etwa 100 ausgewachsene Weibchen und 50 Männchen habens geschafft, sie dürfen an die grossen Fleischhappen und auf den "gemütlichen" Sandbänken der Flussanlage für Nachwuchs sorgen. Grosse weisse "Dentistenvögel" sorgen nach dem "Dessert" für eine gesunde Zahnhygiene.





Zu guter Letzt möchten unsere Kinder noch kurz ausreiten.... es ist aber darauf zu achten, dass sie dabei nicht einschlafen, denn der Ritt wird alles andere als spektakulär ausfallen! ...Die drei dürfen sich auf die Riesenschildkröten setzen und sich wenige Schritte tragen lassen.

in Autokolonen und Staugedränge, hinter Schubkarren und Ochsengespann, versuchen wir die Innenstadt von Tana zu erreichen. Patrick kennt zwar einige Schleichwege und Ausweichrouten, jedoch bewegen wir uns nur mühsam, mehr schlecht als recht dem Ziel entgegen. Hoch oben auf einem Hügel thront der Rova, heute auch "Palais de Reines" genannt. Der Palast (ehemals sechs Bauten) liegt sehr zentral, sodass wir vom danebenliegenden Aussichtspunkt einen fantastischen Blick über die, uns zu Füssen liegende Stadt geniessen können. Das Auge schweift über das Nationalstadion zu einem kleinen, herzförmigen See, hin zu dem, sich im Bau befindenden Wolkenkratzer und bis weit hinaus in ein unendliches, chaotisches Meer von kleinen und kleinsten Hausdächern.



Dazwischen immer wieder Reisfelder, deren Wasseroberflächen sich im bläulich grauen Dunst spiegeln.



Der Königinnen-Palast selber ist nach einem Brand baufällig und im Moment leider nicht zugänglich. Renovationsarbeiten mussten während des Regierungswechsels in den 90er Jahren unterbrochen und ausgesetzt werden. Heute weiss wohl niemand mehr so genau, was mit dem einstigen Prunkbau weiter zu geschehen hat.



Bei der Fahrt durch das zentrale Stadtviertel von Analakely ("kleiner Wald") noch einen kurzen Blick auf die Avenue- und den Place d'Independence und bereits stehen wir vor dem kolonial anmutenden Bahnhofgebäude. Hier befinden wir uns im Herzen und Verkehrszentrum von Antananarivo. Das alterwürdige Haus ist zwar grösstenteils zweckentfremdet und beheimatet hauptsächlich teure Marken- und Souvenirgeschäfte, dennoch bestehen auf der Gegenseite der Eingangshalle noch bediente Gleisanlagen. Mit dem Vorwand, bitte doch rasch auf die Toilette zu dürfen, kämpfen MA und ich uns bis zum abgesperrten Bahnsteig durch. Und da sehen wir sie: die alte rotweisse "Frieda" von der zürcherischen Forchbahn!



Seit geraumer Zeit (mittlerweilen über fünf Jahre) steht der Triebwagen-Zug ausrangiert auf einem Abstellgleis beim Depot still. Die Frieda war als ein gut gemeintes Entwicklungshilfeprojekt nach Madagaskar verschifft worden. Sie sollte ihren "Lebensabend" als Stadtbahn in der Metropole verbringen und das grosse Verkehrsaufkommen auf den Strassen zu beruhigen helfen. Leider ging der Schuss nach hinten raus: Zuerst wurde die Strassenbahn auf einem Transportschiff vom Zoll blockiert und nur durch die hohe Zahlung von 300'000 Euro durch den madagassischen Staat freigegeben. Einmal in Tana angekommen, fehlten ganz einfach die Mittel und das Know-how um das Projekt weiterzuführen. Nichts wurde vorabgeklärt: Die Trassen sollten der Spurbreite angepasst und neu verlegt werden. Auch ist die ehemalige Forchbahn ein elektrisches Fahrzeug, also müssten irgendwelche Dieselgeneratoren die Stromproduktion übernehmen, um so die Elektromotoren anzutreiben. ...ausser Spesen nichts gewesen!

Noch ein letztes Augenzwinkern in Friedas Richtung und dann verlassen wir den Bahnhof auch schon wieder. Während Nicole, PE und ich uns zu Fuss auf den Weg durchs Menschengedränge machen, vertrauen wir Patrick unsere Kids an (mutig, mutig), sie schleichen im Auto zum Piratenmuseum. Das Museum ist unscheinbar in einem Dachstock eines Häuserblocks einquartiert und vermittelt dem Besucher die weltweite und madagassische Piratengeschichte von den einstigen Seefahrern bis zum heutigen PC-Hacker. Eine junge Frau erläutert uns in ihrem faszinierenden, oft Wort wörtlich übersetzten Deutsch die komplexen Texte auf den plakativ illustrierten Bildern. Leider gibt es kaum authentisches Anschauungsmaterial, sodass der bemühende Vortrag die Kinder nicht wirklich in dessen Bann zu ziehen vermag. Dass zum Abschluss unseres Museumsbesuches, DI statt der WC-Schüssel das "Bidet" für ihr "dickes Geschäft" benützt, gehört wohl nicht in einen Reisebericht. Also verzichte ich auf detailgetreue Erläuterungen. Wir entschuldigen uns förmlich und verlassen die Piratenhöhle.

Nachdem wir endlich ein Postbüro ausfindig gemacht haben, das unsere Ansichtskarten entgegennimmt, stellen wir uns wieder selbstbewusst in den Strassenstau, wo wir nun bis zum Eindunkeln den Abend des Ersten Augusts, unseres Nationalfeiertages verbringen. Im Hotel angekommen dekorieren wir unser Dinnergedeck mit patriotischen Schweizerkreuzservietten und Fähnchen und staunen nicht schlecht, als uns der Küchengehilfe ein glühend heisses, den kühlen Raum erwärmendes Holzkohlenfeuer, (hurra, unser eigenes Höhenfeuer) an den Tisch stellt. Mit einem improvisierten Fackelumzug im tropischen Garten beschliessen unsere Kinder den Festakt und dabei empfinden zumindest wir Eltern den Feiertag als gerettet.
Letzte Änderung: 01 Feb 2013 10:30 von lope.
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22 Okt 2012 18:07 #259218
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02.08.12 Fahrt ins „Blaue“

Wir fühlen uns bereits als gestandene und routinierte Stauprofis, denn so drei bis vier Stunden blockiert im Verkehrschaos zu stehen ist doch mittlerweilen ein Kinderspiel. Besonders dann, wenn's wirklich mitten durchs Gewühl zur anderen Stadtseite "fahren" soll. Es wird gedrängt und gehupt, dazwischengequetscht und gestopft. Die Strasse ist das Schlachtfeld der Gesetzlosen, der Stärkere bestimmt und gewinnt. Das muss sich wohl auch jener Lernfahrer eintrichtern lassen, der mit seinem Fahrlehrer und einem alten, verbeulten Kleinwagen eingeschüchtert und verschüpft am Strassenrand hängen bleibt. Nun, ich auf jeden Fall, wäre mit meinem Fahrstiel inmitten dieses Treibens und ohne einer Hinweis- oder Richtungstafel hoffnungslos überfordert. Da lob ich mir unseren Patrick, der hat die misslichen Umstände voll und ganz im Griff.



Unser Stau führt uns in ein kleines, nordöstlich gelegenes Dorf namens Ambohimanga. Es liegt 16 Kilometer ausserhalb der Stadtgrenze und seine blauen Hügel galten lange Zeit als Sitz der königlichen Herrscher des Merina-Reiches. Die ersten Palastanlagen entstanden im 15. Jahrhundert und stehen heute unter Schutz der Unesco, dem Patronat für das Weltkulturerbe.



Während sich MA und DI mit den Gartengehilfen ums einsammeln und aufstecken der welken Blätter kümmern, die rund um den heiligen, 450 jährigen Ficus-Baum auf dem Residenz-Vorplatz liegen, begeben wir andern uns zum Eingangsportal der Anlage. Auf diversen Grundstücken sind die verschiedenen Behausungen, Epochen und Dinastien der ehemaligen Königinnen und Könige ersichtlich. Unsere Kinder bemerken richtig, dass die damaligen Herrscher nach unserem heutigen Verständnis in relativ einfachen Verhältnissen gelebt haben mussten, sind doch im Holzpalast des ersten Inselkönigs "Andrianampoinimerinanur" nur Tontöpfe und hölzerne Gerätschaften vorhanden. Gegen ende des 18. Jahrhunderts verliess der König den blauen Hügel und zog nach Antananarivo.



Der Felsen mit der wundervollen Aussicht auf die umliegenden grünen Täler, (so einmalig wie sich dieses Panorama uns heute bietet), sowie der Palast selbst wurde von der damaligen Obrigkeit nur noch als Erholungsstätte genutzt. Auf der Aussichtsplatte hinter den königlichen Gruften präsentiert uns ein Parkgärtner noch seinen wohlbehüteten Schatz. Der Mann erfragt Museumsbesucher und Passanten nach heimischem Kleingeld und so ist im Verlaufe der Jahre eine beachtliche Sammlung entstanden, weltweit, mit Münzen aus allen Herrenländer. Mit unserem dazutun verfügt er jetzt auch über ein schweizerisches "Föiferli" und einen "Füfzger".



Unweit der Palastanlagen, etwas versteckt in einem kleinen Wald, befindet sich ein unscheinbarer, kleiner Hof. Kaum zu glauben, dass hier einst Königsfamilien ein und aus gegangen sind. Dieser bewaldete Hügel war in früheren Jahren das Rückzugsgebiet der Herrscher. Rund um das Bauernhaus ist noch die dreifach gesicherte Schanzanlage zu begehen.



Vermutlich können wir einfach nicht genug davon kriegen: Innerhalb dieser Schutzverbauungen mit ihren Gräben, hoch oben in den Ästen des Waldes leben ganze Sippen Coquerel Sifakas. Wieder und wieder gönnt sich meine Familie eine Auszeit und wir vergnügen uns bei diesen Lemuren. Für DI ist es mittlerweilen kein Problem mehr, sich mit den Tieren zu verständigen, sie schnalzt, pfeift, quietscht und heult mit, wie wenn sie selbst dazugehören würde. Im Klettern scheut DI ja eh keine Mühe und so würde sie auch sicherlich (oder für eine handvoll Bananen) von den Sifakas in ihrer Runde aufgenommen. Doch augenblicklich ist fertig mit Friede, Freude, Eierkuchen: der Hofhund gesellt sich zu den rumtollenden Lemuren und mitkraxelnden Kinder. Schwierig zu entscheiden, wer von allen jetzt am lautesten bellt. Nur DI hängt geschockt im Baum inmitten der kreischenden Bande. Wie angewurzelt, mit weiten Augen und offenen Ohren harrt sie der Dinge, die da geschehen. Das geht jetzt glaub's sogar ihr zu weit.



In drei Hofumrundungen durch die Wehranlage erkunden wir die Gehege der gefangen gehaltenen Frösche, Echsen und Schlangen. Oft weiss die Bäuerin selber nicht, ob und wo überhaupt noch welche Tiere leben. Eine "sanfte" Renovation würde dem Tiergarten bestimmt gut anstehen.

Zu Fuss begeben wir uns auf den Weg zurück in die Siedlung. Hier "bunkern" wir nochmals günstiges Wasser und versuchen mit vereinten Kräften, die riesige, runde, mittelalterliche Steinplatte vor den Dorfzugang zu schieben. Was uns angesichts der rund 20 Tonnen Gesteinsmasse natürlich nicht gelingt.



Auf der Rückfahrt in den Stau von Tana legen wir noch einen Stop bei einem Dorfschulhaus ein. Claude ist ein guter Bekannter der Rektorin und Initiantin dieser Bildungsstätte. Leider sind während unseres Besuches grad Schulferien, sodass das kleine doppelstöckige Ziegelsteingebäude ziemlich verwaist dasteht. Bei normalem Schulbetrieb gehen hier gegen 200 Schüler ein und aus; unvorstellbar der Pausenbetrieb auf dem schmalen Vorplatz. Hinter dem Schulhaus, auf einem kleinen Bauernhof begegnen wir vier kleinen Kindern. Ihnen schenken wir die mitgebrachten Farbstifte und Ausmalpapiere. Wir staunen, mit wie viel Hingabe die Bildchen bemalt werden, auch wenn mittlerweilen eher die "grossen Kinder" dabei Hand anlegen.




Schnell unter die Dusche, die noch sauberen Kleider aus dem Koffer ausgegraben und dann geht's zur Feier des Tages ins benachbarte vier Sterne Restaurant. Ja, eigentlich zur Feier des Vortages, denn Claude hatte uns bereits am Vorabend Platz und Tisch reserviert. Er wollte uns doch eine Überraschung bereiten und alle zum "Erstaugustfeiertag" mit einem herrlichen Dinner beschenken. Irgendwo blieb wohl der äusserst liebenswürdige Gedanke im Handynetz hängen. Macht gar nichts! Wir nehmen diesen Kerzenlicht-, Gourmet- und Kinderkniggeabend auch einen Tag später mit viel Freude und Herz entgegen.
"Na, schmeckt's?"... "Und wie's mundet in dieser gediegenen Chemineestube"! In diesem wärmenden und feudalen Ambiente läuft die "soupe de poisson" (Fischsuppe), das "fillet de cebu" (Zebufillet) mit "du chou" (Kohl) und "des pommes de terre" (Kartoffeln) wie "miel" (Honig) den "palais" (Gaumen) hinunter. Sogar unsere Kinder schlagen für einmal kräftig zu. Für sie gibt's Pouletbrüstchen mit Tagliatelle (und für einmal keine ungesalzene Spaghettis).
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24 Okt 2012 19:15 #259567
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03.08.12 Andasibe

Schlimmer kann's wohl nicht mehr kommen. Der heutige Stau wird noch zusätzlich durch einen Unfall erschwert. Ein Ladekran ist vor unserer Durchfahrt in ein Haus gedonnert und blockiert so eine der Hauptverkehrsadern. Wir ertragen’s mit Fassung, denn dies sind für den Moment die letzten Stunden in Antananarivo. Unsere Reise geht dem Ende und einem weiteren Höhepunkt entgegen. Das letzte Ziel ist die Vakona-Lodge beim Andasibe Nationalpark. Schon so einiges ist uns im Vorfeld über diese Unterkunft erzählt worden, sodass unsere Erwartungen vielleicht etwas über dem Niveau liegen, als sonst üblich.



Die Taxibrousses, kleine, öffentliche, meist überbesetzte Nahverkehrsmittel werden immer weniger und wir lassen die pulsierende Stadt hinter uns. Unsere Route führt hinaus, über die RN2 Richtung Moramanga. Die Strasse ist die Hauptverkehrsachse für den Gütertransport nach Antananarivo. Grosse Lastwagen reihen sich über die teils steile Passstrasse ein und transportieren alle möglichen Waren von Toamasina am Meer, bis in die, auf 1400 Meter Höhe liegende Hauptstadt. Nach fünf Stunden kurvenreicher Autofahrt biegt Patrick links ab und eine steinige Überlandstrasse führt uns in ein dichtes Waldgebiet.

Nein, die Versprechungen laufen nicht ins Leere. Mitten im saftigen Grün des Dschungels, an einem mit Seerosen und Elefantenohren bepflanzten Kratersee, liegt das sechseckige, kegelförmige Hauptgebäude des Hotel-Resorts. Etwas versteckt im bewaldeten Hang, am Rund des Sees verteilt, stehen die Gästehäuser; schlicht und unspektakulär. Wir beziehen am oberen Ende der Talkerbe, leicht abseits des Geschehens ein Haus, rundherum nichts als tropische Pflanzen und grüner Wald. Was für ein Aufatmen, welche Wohltat nach der stickigen Luft von Tana. Ja, unsere Erwartungen werden gar übertroffen.





Wir "erquicken" uns rasch mit einem erfrischenden Bad im Pool (brrrrr...rrr) und begeben uns gleich im Anschluss durch den anmutenden, saftigen Dschungel. Hinunter durch den Talverlauf, dem Bach entlang, über Holzträmelbrücken bis zur Lemureninsel, einer kleinen Flussinsel, eben, voller Lemuren. Ich mag mich noch gut an die ersten Worte von Claude erinnern: "Ihr werdet Lemuren sehen, bis euch die Ohren wackeln", ...oder so ähnlich. Spätestens hier wird er wohl recht bekommen. Mit einem Kanu setzen wir auf die Insel über und dann werden wir auch schon von unzähligen Tieren überrennt. DI wird dabei dermassen bedrängt, dass sie bereits beim ersten Kontakt ihre ganzen Bananenreserven hergeben muss. Dass auch so wollige und flauschige "Stofftierchen" mal ihren Stoff-wechsel-n müssen, darf PE an ihrem eigenen Leib erfahren. Der eine Lemur entleert seinen "Stoff" auf ihrer Schulter. Igitt....sieht irgendwie aus wie Bananenmus.....



Nur einen Steinwurf von dieser Insel entfernt, erreichen wir über die Strasse das Krokodil-Reservat. Mit einem kundigen Führer umrunden wir einen kleinen See und beobachten dabei, die sich an der Sonne wärmenden Krokodile. Schon ein spezielles Gefühl, wenn man bedenkt, dass die Tiere nicht ausschliesslich durch einen Zaun vom Besucher abgetrennt leben.





Nebst diesen Reptilien hält sich der Park auch noch Fossas (Frettkatzen) und Schlangen. Immer für ein neues Abenteuer offen, lässt sich DI mit breitem Grinsen eine grüne Baum Boa in die Hände legen. Die Mundwinkel fallen aber schlagartig auf Sturm, denn die Schlange mag es nicht sonderlich, wenn man sie all zu stark in den Magen drückt. Wie ein Blitz jagt ihr Kopf auf DI'S Kopf zu und beisst dem Mädchen direkt in die Nase. Der Schock liegt tief, der kleine Biss brennt und die arme DI fällt aus allen Wolken. Doch alles ist nur halb so tragisch: glücklicherweise ist nicht nur DI für das Tier ungiftig, sondern die Schlange für unsere Tochter auch nicht.



Ich bin kein Opossum,


ich kein Quala


und ich ganz bestimmt nicht Scrat
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24 Okt 2012 19:30 #259569
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Manchmal wäre die Geduld eines solchen Körnlipickers von Vorteil - dann müsste frau nicht irgendwas reinstellen, nur weil sonst ein Nichts oder der 3.8. doppelt drinsteht...guet Nacht PE
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24 Okt 2012 20:09 #259577
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Wir sind in der Vakona-Lodge ja auch mit Lemuren auf Tuchfühlung gegangen, übernachtet hatten wir da aber nicht (wir waren im Feon Ny Ala).

Lustig fand ich das Schild an dem Krokogehege

Trespassers will be eaten
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