THEMA: SAMBIA ist nichts für Sissys
22 Nov 2019 14:12 #573470
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  • Martina56 am 22 Nov 2019 14:12
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Liebe Freshy,
Herzlichen Dank für diesen überaus interessanten Reisebericht. Ich bin sehr gerne dabei und DANKE für Deine Mühe!

Ganz liebe Grüße

Martina
2020: Februar/März Kuba und mehr martinasreisen.blog/
2019 Mai/Juni: Botswana - Caprivi - Vic Falls hier im Forum www.namibia-forum.ch...-okavango-delta.html
2018 Sizilien, Äolische Inseln, La Reunion und mehr: martinasreisen.blog/
2018 Ost-Sizilien und Liparische Inseln Reisebericht: www.umdiewelt.de/mTravelogue.php?t=9215&m=p
2017 Island - Spitzbergen - Nordkap - Norwegen Reisebericht: www.umdiewelt.de/Eur...-9019/Kapitel-0.html
2016 Vietnam Reisebericht: www.vivien-und-erhar...isebericht/&pageNo=1
2015 Namibia Reisebericht: www.namibia-forum.ch...-2015-ein-traum.html
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22 Nov 2019 20:55 #573493
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  • freshy am 22 Nov 2019 20:55
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27. 09.: Erholung im Pioneer‘s Camp, Lusaka

Wir haben eine so kalte Nacht hinter uns, dass die Schlafsäcke gegen Morgen nicht mehr warmhalten. Wir wärmen uns unter der Dusche auf. Nach dem Frühstück trudelt Antje, unsere Gesprächspartnerin von gestern Abend ein, und wir plaudern miteinander bis die Sonne das Camp aufheizt, doch in unserem Bambushain ist es schön schattig, dass es sich aushalten lässt. Ab Mittag füllen sich die Stellplätze mit Wochenendcampern, das Areal ist bis auf den letzten Platz belegt und entsprechend unruhig. Eine Familie mit zwei Kindern tobt durch den Staub, und im Nu gesellen sich mehrere einheimische Jungs aus der Nachbarschaft hinzu. Ein Glück, dass es Wasser und Seife gibt! Das Abendessen nehmen wir wieder in Gesellschaft von Antje ein, trinken ein Fläschchen Wein dazu und verschwinden im Camper.
Suchbild: Wo ist der Vogel?

Blick auf die Campsite

Schattiger Platz unter Bambus



Straßenszenen

Die vergangene Nacht war nicht so kalt wie die davor, trotzdem starten wir früh gen Osten, weil wir einen weiten Weg vor uns haben.
Die Rappelpiste bis zur Straße macht uns hellwach. Der Verkehr aus Lusaka hinaus ist heute am frühen Samstagmorgen heftig, die Schlaglöcher im Asphalt sind es auch. Doch von Kilometer zu Kilometer bessert sich der Zustand in beiderlei Hinsicht. Auf Plakaten lesen wir, dass die EU diese Great East Road mitfinanziert.
So sieht es aus, wenn die EU mitbaut ;)

Zufahrt zur Brücke

Touristenmarkt an der Brücke

Wie heißen diese Früchte?

Die Luangwabrücke

Samstagsritual: Wäsche waschen und Kinder baden

Kurz vor der Brücke über den Luangwa, die nur nach Aufforderung wechselseitig befahren werden darf, hat sich ein Markt für Touristen entwickelt. Wir halten kurz an, um uns umzuschauen, finden aber nichts, was wir kaufen würden. Unter der Brücke wird Wäsche gewaschen und auf Büschen getrocknet. Eine Mutter nutzt die Gelegenheit, ihre drei Kinder zu baden. Dieses Wochenendritual kenne ich aus meiner Kindheit aus. Uns wird erstmals bewusst, dass der Luangwa viel weniger Wasser als der Kafue führt. Wir passieren kleine Dörfer, die uns viele Humps bescheren, blicken auf das Leben am Rande der Straße. Frauen verkaufen Tomaten, Melonen und kleine, uns unbekannte Früchte. Holzkohle wird in Massen angeboten. Das Handwerk boomt, ob Schreinerei oder Ziegelei, es wird gearbeitet.
Dorf in traditioneller Bauweise

Öffentlicher Personennahverkehr auf sambisch

Am frühen Nachmittag fahren wir in Petauke ein, belegen einen Platz im Chimwemwe Camp und fahren in den Ort, um Trinkwasser zu kaufen. Hier tanzt der Bär! Eine Popgruppe hat ihre Technik aufgebaut und ersetzt Können durch Lautstärke. Wir wagen ein paar Schritte ins Marktgewusel hinein, wo Schuhe, Gartengeräte, T-Shirts und Konserven neben Melonen verkauft werden. Da wir als einzige Weiße angestarrt werden, fahren wir nach kurzer Zeit ins Camp zurück. Nach einem Abendessen aus Resteverwertung sitzen wir noch lange am Lagerfeuer. Popgruppe mit viel Krach in Petauke

Marktszene in Petauke

Stellplatz auf Beton hält die Füße sauber

Anstatt Gutenachtgeschichte ein heimeliges Feuerchen

Was falsche Karten anrichten können

Viele Wege führen zum Wildlife Camp, manche schwierig, manche einfach zu befahren. Die Strecke über die Missionsstation lehnen wir nach wenigen hundert Metern ab, zu holprig, zu ungewiss, nur als Track eingezeichnet. Manchmal sind wir Schisser. Wir fahren weiter auf der Great East Road bis Chipata, von wo eine neue Straße (D 104) über Mfuwe zum Wildlife Camp führen soll. Da unsere Papierkarte und das Navi unterschiedliche Strecken angeben, sind wir verunsichert, bis nach knapp 30 km ein Hinweisschild nach Mfuwe kommt. Der richtungsweisende Hinweis

Glücklicherweise war die Strecke im Navi korrekt geroutet, denn Herbert verlässt sich darauf. Dass eine Straßenbezeichnung in der Papierkarte an völlig falscher Stelle steht, das hatten wir bisher nicht.
Merke: Papier ist geduldig – auch bei Landkarten!

Obst, Gemüse, Früchte - kunstvoll dekoriert

Kinder am Weg

Nachdenklich? traurig?

Gärtnerei

Trotz schwerer, schmutziger Arbeit lächeln uns die Menschen freundlich an

Sekten und religiöse Gemeinschaften sind in Sambia allgegenwärtig

Sie trägt stolz das Portrait ihres Prasidenten auf dem Po

Eine der vielen Kontrollstellen

Der Fernbus Sambia - Malawi biegt von der Umleitung auf die Teerstraße ab

Erholungspause nach den Tagen auf der Straße

Das Camp ist DIE Adresse vor dem Gate des South Luangwa Nationalparks. Hier treffen sich Lodgegäste, Reisegruppen und Selbstfahrer mit Campingausrüstung wie wir. Das Fahrzeug und wir müssen dringend überholt werden. Der Pool lädt ein, zumindest uns abzukühlen. In der weiten Flusslandschaft zu unseren Füßen leben viele Wasservögel; Hippos, Giraffen und Elefanten sind in der Ferne unterwegs. Herbert sammelt Holz für ein Lagerfeuer direkt am Fluss. Für morgen melden wir uns zum Dinner an. Im Dunst über dem breiten Flusstal geht die Sonne unter und verspricht einen weiteren schwülheißen Tag. Trotz 29°C im „Schlafzimmer“ schlafen wir fest.
Ziegelbrennerei

Bau des Brennofens für die Ziegel

Die Hütte aus Ziegeln wurde sorgfältig erstellt

Das Empfangskomitee macht Siesta

Wir haben fertig!!!
Anhang:
Letzte Änderung: 23 Nov 2019 22:21 von freshy.
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22 Nov 2019 23:10 #573506
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  • austria am 22 Nov 2019 23:10
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Hallo Freshy,
ich lese interessiert euren Bericht und bin schon gespannt was ihr über das Wildlife Camp berichtet.
Ihr seid bewundernswert, dass ihr im fortgeschrittenen Alter so eine anstrengende Reise gemacht habt.
LG austria
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23 Nov 2019 11:29 #573529
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  • freshy am 22 Nov 2019 20:55
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austria schrieb:
Hallo Freshy,
ich lese interessiert euren Bericht und bin schon gespannt was ihr über das Wildlife Camp berichtet.
Ihr seid bewundernswert, dass ihr im fortgeschrittenen Alter so eine anstrengende Reise gemacht habt.
LG austria

Guten Morgen austria,
die Reise an sich war für uns nicht anstrengend - wir sind seit vielen Jahren als Selbstfahrer mit Camper unterwegs - aber das Klima hat uns zum ersten Mal zugesetzt. So anhaltend lange warm hatten wir es bisher noch nie in Afrika. Doch wir haben tapfer bis zum letzten Tag durchgehalten :) . Wir sind keine Sissys :laugh: . Ein Bekannter, um die 50 Jahre, hat Ende September nach 10 Tagen die Segel gestrichén, weil er die Hitze nicht ertrug.
Über das Wildlife Camp berichte ich als Nächstes.

LG freshy
Letzte Änderung: 23 Nov 2019 11:36 von freshy.
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23 Nov 2019 16:00 #573550
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  • Mzeekenya am 23 Nov 2019 16:00
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freshy schrieb:
Hallo Cruiser und Mzeekenya,
es tut gut, von euch erfahrenen Afrikareisenden zu lesen, dass wir nicht so ganz falsch gehandelt haben. Keine Ahnung, wie alt ihr seid,
Danke für die Unterstützung,
freshy

Hallo Freshy,
ich amüsiere mich regelmässig über die "Gutmenschen", die moralisierend verkünden, man solle, ja müsse sich der afrikanischen Korruption widersetzen. Mich nerven die Gesetzeshüter meist weniger als die Touris, die mit generösen Trinkgeldern um sich werfen und die "ortsüblichen" versauen.
Ich bin ein älterer Afrikahase, der den Schwarzen Kontinent 1966 zum ersten Mal für sechs Monate bereist und inzwischen über 100 Reisen durch das östliche und südliche Afrika "auf dem Buckel" bzw. mehrmals Jahre dort verbracht hat. Die nächste Monate lange Safari startet Anfang 2020...
Alles Gute
Mzeekeny (78+)

Zwischenhalt im Lake Natron
Letzte Änderung: 23 Nov 2019 17:19 von Mzeekenya.
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23 Nov 2019 18:00 #573559
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  • loser am 23 Nov 2019 18:00
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Hallo freshy, vielen Dank für deinen Bericht, ich lese eifrig mit und freue mich auf die Fortsetzung, und Respekt für eure Art zu reisen und die klare Sprache.
@das Schmieren in Afrika und bei uns
Vor über zwanzig Jahren (also vor Mobiltelefon und Internet) hatte ich in Beitbridge an ein und demselben Tag zwei Erlebnisse mit Umkehr der Guten- und Bösenrollen. Zuerst hatte ich inmitten von 1000en Menschen und endlos langen Schlangen an der Grenze keine Lust, für einen Fehler von Britz zu büßen und ein Wochenende dort zu verbringen oder überhaupt nicht nach Zimbabwe einreisen zu können….und dem (ohnehin darauf wartenden) Zöllner das angeboten, was in der Situation eben notwendig war bzw. war er damit zufrieden, was ich zur Lösung des Problems „beitragen“ konnte. War einfach nötig, weil blöd gelaufen und an Ort und Stelle gar nicht sanierbar. Schlechtes Gewissen hatte/habe ich keines, weil ich so was nicht gewohnheitsmäßig mache.
..…dann rasch über die Grenze, die Bank gerade noch vor Sperrzeit geschafft und hurra, jetzt kann’s losgehen….und kaum auf der Straße, auch schon wieder angehalten, weil meine Frau (noch) nicht angeschnallt war. Der junge Polizist musste das natürlich rügen und abstrafen. Ich habe ihm gesagt, dass ich absolut seiner Meinung bin und dass so etwas unbedingt bestraft gehört, dass ich aber die Buße meiner Frau nicht bezahlen werde, weil sie das ja selber verursacht hat und daher selber bezahlen müsse, er solle daher die Strafe bei meiner Frau und nicht bei mir eintreiben. Dann habe ich ihm noch viel Glück mit Madam gewünscht und mich zurück gelehnt. Das hat ihn einerseits amüsiert aber auch verunsichert und nach einigen Schrecksekunden mit inneren Konflikt zwischen good und bad cop, hat er sich für den Freund und Helfer entschieden, Madam förmlich angefleht, das nie wieder zu machen und sie/uns mit einer Verwarnung entlassen….und ich weiß schon, dass es in Zimbabwe so gemütlich nicht weitergegangen ist.
Und so alleinig typisch afrikanisch ist die Bereitschaft zum Nehmen und Einstecken außerdem auch nicht. Ein Schlüsselerlebnis als korrekt/gesetzestreuer Bürger @ Korruption im Alltag hatte ich vor zig Jahren, als ich für meinen Verein einen Vortrag mit „Multimediashow“ organisierte. Der angereiste Referent befand den Projektionsraum des Gemeindesaals für ungeeignet für seine mitgebrachte Technik. Die einzige Möglichkeit war, diese im Mittelgang des Saales aufzubauen, was der Saalwart untersagte, weil dieser ein Fluchtweg ist und frei bleiben muss. Deadlock, nichts ging mehr, die ersten Leute kamen, nichts hergerichtet….Ratlosigkeit. Dann fragte ein Freund: Warum schmierst du ihn nicht einfach?...worauf ich nie im Leben selber gekommen wäre. Ich fragte den Saalwart ob ich ihn die Verantwortung „abkaufen“ könnte, er war gleich einverstanden und gut war’s, wir starteten mit 15 Minuten Verspätung. Den Sportwagen des kleinen Referenten im Bauamt der Gemeinde odgl. habe ich ab dann mit anderen Augen gesehen, ich dachte nämlich immer, dass die Leute so viele Überstunden machen. Die folgenden Jahre habe ich mit ganz wenigen Ausnahmen (siehe oben) trotzdem als korrekter Bürger verbracht.
Grüße
Letzte Änderung: 23 Nov 2019 18:52 von loser.
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