THEMA: SAMBIA ist nichts für Sissys
19 Nov 2019 19:15 #573289
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  • take-off am 19 Nov 2019 19:15
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Liebe freshy's,
da schließe ich doch gerne auf und begleite euch.
Sambia stand eigentlich auch auf meiner Agenda für dieses Jahr. Dann wurde es eine andere Reise.

Daher bin ich sehr an euren Erfahrungen interessiert.
Liebe Grüße
Dagmar
Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

Zu den Reiseberichten:
www.namibia-forum.ch...n-afrika.html#471572
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20 Nov 2019 16:54 #573344
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25. 09.: Eine abenteuerliche Fahrt durch den Busch

Wir brechen früh auf, hoffen, über den Staudamm fahren zu können und wollen in ItezhiTezhi ein paar Dinge besorgen.

Hier werden die Sardellen verkauft und verladen

In der Ferne die Zufahrt zu einer Mine

Weder dürfen wir über den Staudamm fahren, noch ist dort Fotografieren erlaubt. Keine Ahnung, was am Damm so besonders ist. Die Einkäufe beschränken sich auf Brot, H-Milch, Klo- und Küchenrollen, unsere weiteren Bedürfnisse decken sich nicht mit denen der Einwohner.
Die Grocerie ist nicht für unsere Bedürfnisse bestückt

Die Straße hat uns wieder: Potholes, Humps der grausamsten Sorte, laaange Umleitungen durch Staub, Sand oder über getrocknete Lehmwege sowie verschiedene Kontrollen sorgen für Kurzweil. Ein Polizist will uns weismachen, wir bräuchten einen sambischen Führerschein. Wir vermuten, dass es der erste Internationale Führerschein in seinem Leben war und er nicht wusste, was „international“ bedeutet.
An der Straße spielt das Leben: Stände mit Gemüse, Obst, Backsteinen, Mengen an Holzkohle in Kiepen. Ob das Heizmaterial in großen Mengen zum Heizen gebraucht wird, ob die Wälder für mehr Ackerland zerstört werden oder um die Tstsefliegen auszurotten, ist ungewiss. Nicht auszuschließen ist, dass die Chinesen ihren gierigen Blick auf die fruchtbaren freiwerdenden Flächen werfen. Wir fahren an einer Stelle vorbei, wo Kinder und junge Menschen ohne Schutzvorrichtungen große Steinbrocken zu Kies unterschiedlicher Größe zerklopfen, wagen aber nicht anzuhalten, um zu fotografieren.
Für jedes Dorf eine eigene Schule und eine eigene Religionsgemeinschaft

Technik für das Mobilfunknetz

Endlich erreichen wir die 34 km lange Zufahrt zur KaingU Lodge, wo wir zwei Nächte bleiben wollen.
Hier biegen wir Richtung KaingU Lodge ab

Auf einem einspurigen Fahrweg durch verkohlten, teils verschonten, teils brennenden Wald geht es zur Lodge. Auf den Fenstergummis und den Scheibenwischern sitzen Hunderte Tsetsefliegen neben- und übereinander. Ganze Schwärme umschwirren das Auto. Wir fühlen uns unwohl. Einmal kommt uns ein Expeditionsfahrzeug entgegen, sonst sind wir allein. Wir diskutieren, ob wir statt zwei Nächten nur eine bleiben wollen. Kurz darauf wird uns die Entscheidung abgenommen: Quer über dem Weg liegt eine riesige Baumkrone, abgebrannt am Fuß des Stammes, der noch glimmt und raucht. Ein Umfahren ist nicht möglich, zu dicht stehen die Stubben. Wir erwägen auszusteigen, nach dem Beil zu suchen, das Abschleppseil zu aktivieren, die Lodge per SAT Phon zu informieren, doch die Tsetsefliegen hindern uns daran, die Türen oder nur ein Fenster zu öffnen. Das SAT Phon sucht und sucht ohne Erfolg einen Satelliten. Wir müssen KaingU streichen. Nach einer längeren Strecke Rückwärtsfahren finden wir ein Fleckchen, um vorsichtig zu wenden.
Furchterregender Stachel

Brennender Wald auf beiden Seiten des Wegs

Hier ist Schluss!

Der Baum hätte uns erschlagen können

Nachmittags landen wir wieder in Roy’s Camp, nehmen unseren Schlafbaum ein und begrüßen Marc, Roy’s Assistenten, sowie die Hippos im Kafue. Wenige Meter entfernt von der Dusche legt ein Elefant eine Pause ein, hinterlässt ein paar saftige Bollen und zieht weiter. Zum Essen gibt es Schweinegulasch mit Kidneybohnen und ein Gläschen Wein bzw. Bier im Licht der untergehenden Sonne. Wir sind enttäuscht, dass wir KaingU nicht erreichen konnten, es hätte ein Höhepunkt der Reise sein sollen.
Besuch im Camp

Momente, die wir vermissen werden

26. 09.: In Lusaka werden wir abgezockt

Eigentlich wollten wir in Lusaka nur einkaufen und eine Nacht im Pioneer’s Camp verbringen, bevor wir ins South Luangwa Tal weiterfahren. Weil wir einen Tag KaingU übrig haben, bleiben uns zwei Nächte im Pioneer‘s Camp. Aber noch sind wir nicht da.
Die M 9 bis Lusaka ist gut zu fahren. Je näher wir der Hauptstadt kommen, desto stärker wird der Verkehr, verdichtet sich immer mehr, bis wir uns in einem Verkehrsknäuel aus Fahrzeugen, Fußgängern, aufdringlichen Straßenhändlern, Lastenkarren und Gegenverkehr wiederfinden. Mir ist unbegreiflich, dass wir ohne Blessuren hindurchgekommen sind. Der Tankwart berichtet, die Technik für die Koordination der Ampeln sei ausgefallen. Es dauert, bis wir eine Lücke finden, um uns erneut ins Verkehrsgewühl einzufädeln. Kaum haben wir es geschafft, winkt uns eine Polizistin zur Seite, dirigiert uns in eine Nebenstraße, behauptet, unser Navi sei eine Kamera, das sei verboten. Der Versuch ging daneben. Dann: Wir seien bei Rot über die Ampel gefahren – doch die stand hinter unserer Fahrtrichtung. Großes Palaver, bis ich sie von einer Bankeinzahlung auf ihr Konto über 750 Kwacha auf 300 Kwacha in bar herunterhandeln kann. Quittung? Nix da. Erst jetzt erhält Herbert seinen Führerschein zurück. Korruptes Aas! Die beobachtende Kollegin bekommt einen Wink, wir sind entlassen.

Kurz vor unserer Erfahrung mit der Lusakaer Polizei

Als wir die Mandu Hill Mall erreichen, wissen wir, dass wir das Schlimmste überstanden haben, wir befinden uns auf der anderen Seite der City. Shoprite hat alles, was es bei uns auch gibt. Der Grund ist das internationale Publikum der ausländischen Vertretungen und Firmen. Dorf in "moderner" anstatt traditioneller Architektur

Wir packen das Auto voll und fahren zu unserem Ziel Pioneer’s Camp, wo wir einen wunderschönen Stellplatz in einem Bambushain belegen. Den Abend verbringen wir in geselliger Runde mit einer sympathischen Frau aus Hannover, die seit Jahren ihre Urlaube allein in Afrika verbringt.
Letzte Änderung: 20 Nov 2019 17:54 von freshy.
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21 Nov 2019 05:58 #573371
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  • Sanne am 21 Nov 2019 05:58
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Guten Morgen und danke für den Bericht. Wir wollen nächstes Jahr ja auch Sambia machen. Einen Teil Eurer Strecke haben wir auch vor, ich kenne Sambia ein wenig, für Freunde ist es Neuland.
Ich wünschte nur, Ihr hättet bei Korruptionsversuchen nicht gezahlt. Jeder neuer Touri ist dann wieder mit eine Erwartungshaltung konfrontiert. Warum macht Ihr das? Ihr wart doch oft genug in diesen Ländern? Das muss man aussitzen, auf Quittungen warten, ggf. den Obermuckel verlangen.

Viele Grüße Sanne
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21 Nov 2019 06:40 #573373
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Sanne schrieb:
Ich wünschte nur, Ihr hättet bei Korruptionsversuchen nicht gezahlt. Jeder neuer Touri ist dann wieder mit eine Erwartungshaltung konfrontiert. Warum macht Ihr das? Ihr wart doch oft genug in diesen Ländern? Das muss man aussitzen, auf Quittungen warten, ggf. den Obermuckel verlangen.
Viele Grüße Sanne

Guten Morgen,
auch von mir danke für den Bericht - lese hier auch mit. Sambia ist mein Lieblingsland im südlichen Afrika ;) . Wir waren schon öfters da. Zahlen könnte man an vielen Orten. Da sollte man hartnäckig bleiben - gerade in Lusaka muss man sich bei Abzocke nicht abspeisen lassen, da hätte ich gefragt, mit an die nächste Polizeistation zu "dürfen".
Wer Sambia als Selbstfahrer bereist hat (und denkt, das Land ist sehr leicht selber zu bereisen / mit Auto), ist dann ready für eine Selbstfahrerreise Tanzania / Kenya... :lol: - da kann man dann (falls man will und viel Zeit hat) stundenlang mit den Behörden diskutieren :woohoo: . Liebe Grüsse Mari
Nächste Reiseziele:
19.12-03.01.21: x-mas in Namibia - a relaxing family edition...
Letzte Änderung: 21 Nov 2019 06:43 von marimari.
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21 Nov 2019 09:07 #573383
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Sanne schrieb:
Ich wünschte nur, Ihr hättet bei Korruptionsversuchen nicht gezahlt. Jeder neuer Touri ist dann wieder mit eine Erwartungshaltung konfrontiert. Warum macht Ihr das? Ihr wart doch oft genug in diesen Ländern? Das muss man aussitzen, auf Quittungen warten, ggf. den Obermuckel verlangen.
Viele Grüße Sanne

Guten Morgen Sanne und Mari,
es war nur ein gelungener Fall, in den beiden anderen Fällen bekamen wir letztlich korrekte Belege für die Zahlungen.
Ihr hättet sicherlich cleverer agiert, herzlichen Glückwunsch, aber nicht umsonst heißt der Titel "Sambia ist nichts für Sissys". Ich schreibe diesen Bericht auch deshalb, damit spätere Reisende gewarnt werden.
Bei keiner der bisherigen Reisen hatten wir Probleme mit Abzockerei bzw. konnten wir sie abwenden. Doch Lusaka (und später die Grenze bei Kazungula) hat uns überfordert, u.a. deshalb haben wir uns inzwischen entschlossen, nicht mehr nach Afrika zu reisen. Wir sind jetzt in einem Alter (75+), in dem andere Gruppenreisen incl. ärztliche Betreuung unternehmen :) oder gleich Kurlaub machen. Was hätte der Aufwand gebracht, in die nächste Polizeidienststelle zu fahren? Die Polizistinnen waren zu zweit und dann hätte Aussage gegen Aussage gestanden.

Einen schönen Tag wünscht
freshy
Letzte Änderung: 21 Nov 2019 11:35 von freshy.
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21 Nov 2019 18:39 #573418
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Guten Abend freshy,
es tut mir leid, wenn Du Dich angegriffen fühlst, das war nicht meine Absicht. Ich habe nur gefragt, warum Ihr das nicht ausgesessen habt oder eben verlangt habt, dass Ihr eine Quittung bekommt. Hätte ja auch sein können, dass Ihr Euch bedroht gefühlt habt und dann würde ich im Ernstfall immer zahlen, auch wenn ich sonst auf Zeit spiele.
Die Fahrt zu einer Polizeidienststelle hat den Vorteil, dass in der Regel denen der Aufwand zu hoch ist und sie dann ablassen. Aber selbst wenn Du zur Polizei fährst und Aussage gegen Aussage steht, gibt es eine Quittung.
Meiner Erfahrung nach ist es das beste zu zeigen, dass man alle Zeit der Welt hat und auf keinen Fall ohne Quittung weiterfahren wird. Dann kommen die alle 10 Minuten, um zu prüfen, ob Du Deine Meinung geändert hast. Das längste, das wir mal aussitzen mussten, waren knapp 1,5 Stunden. Da hatten wir aber schon die Stühle rausgeholt und am Straßenrand eine Cola getrunken.,

Also, nochmal, es war nicht als Angriff gedacht, Nichts für ungut.

Viele Grüße Sanne
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