THEMA: The Heat is on – Namibia & Botswana November 2018
15 Jun 2019 15:42 #558975
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Tag 12: Ein Bett!

Beim Aufwachen am Okavango müssen zunächst zwei Dinge geprüft werden. Erstens: Liegt ein Krokodil vor’m Zelt? – Nein, tut es nicht. Aussteigen also gefahrlos möglich. Zweitens: Hattest du Albträume? Nein, ich auch nicht. Nicht mehr wirres Zeug als sonst jedenfalls. Malarone scheinen wir also zu vertragen.

Unser Tag startet heute mit einer Bootsfahrt, da wir die Sundowner-Tour gestern verpasst haben. Mit dabei unser einheimischer Bootsfahrer, und der Sohn der Lodge-Besitzer, vielleicht ein paar Jahre jünger als wir. Ich sage mal so: Beneidenswertes Leben…



Wir schippern also etwas auf dem Okavango rum, diese Bootstouren sind ja meistens mehr entspannend als spektakulär und der Okavango irgendwie auch ein relativ normaler Fluss. Doch nach zehn Tagen Trockenheit sind so große Wassermassen schon relativ faszinierend. Lukas findet vor allem Krokodile faszinierend, die er hofft, jetzt zu sehen. Überhaupt stelle ich fest, dass unsere Vorliebe für gewisse Tiere gänzlich verschiedenen Mustern folgt: Ich bin begeistert von Elefanten, Giraffen, Nashörnern, und allem, was irgendwie flauschig und süß ist. Er steht auf Krokodile und Ziegen und Marabous. Die rebellischen, sturköpfigen, die auf Konventionen scheißen, und auch ein bisschen fies sind. Was das über uns aussagt?



Aber siehe da: Wir haben Glück und begegnen zwei Krokodilen. Darunter sogar eines, das uns die seltene Freude einbringt, ein sich-bewegendes Krokodil zu sehen. In Südafrika haben wir tagelang Krokodile angestarrt, weil Lukas unbedingt sehen wollte, wie sie sich bewegen. In der Regel tun sie das aber eher mal so gar nicht. Hier haben wir aber ein ordentliches Exemplar, das wahnsinnig schnell ins Wasser sprintet. Wie fix das unterwegs ist! Zu fix für mich und die Kamera...

Es gibt Kaffee aus der Thermoskanne und Kekse. Zwischendurch bekommen wir ein bisschen was erzählt, auch über das Wesen dieses Grenzflusses zwischen Namibia und Angola. Eine Grenzziehung, die, wie es aussieht, sehr europäischem Denken entspringt. Jedenfalls fühlt es sich sehr europäisch gedacht an, den Fluss, das Wasser, als etwas Trennendes zu begreifen und nicht als etwas Verbindendes und Lebensspendendes. Ist es nicht viel logischer, dass der Fluss, der Ressource für Wasser und Fische ist, den Mittelpunkt, die Lebensader bildet? Da viele auf der anderen Seite zur Schule gehen, Verwandte haben und so weiter, der nächste offizielle Grenzübergang aber zwei Stunden entfernt in Rundu liegt, gibt es in jedem Ort eine Stelle, wo es erlaubt oder geduldet ist, die Grenze zu überqueren. Bürokratie trifft Realität – und schnell wird aus dem Motiv „Mann im Boot“ das Motiv „Grenzgänger“:



Irgendwann sehen wir ein Hippo, wobei „sehen“ eigentlich das falsche Wort ist, ein paar wackelnde Ohren und ein Blubbern zeigen aber das Vorhandensein eines solchen an. Das gute Nilpferd überlegt sich dann auch ganz spontan, dass es doch mal gerne unseren Bootsmotor angreifen möchte. Wir lernen: Wenn Guides gar nichts mehr sagen, und dann hinterher sowas wie „huch, achja, das Hippo hat grad unseren Motor angegriffen, haha, das war knapp! Aber das passiert manchmal, haha“ – dann war es vielleicht auch mehr als nur ein bisschen knäpplich.

Als der Sohn der Eigentümer, der hier offenbar noch ein bisschen anlernt, auf der Sundower-Bar-Insel von Bord geht, und wir das letzte Stück weiterschippern, wird unser Bootsführer auf einmal viel gesprächiger. Er erzählt eine ganze Menge aus seinem Leben, wo er früher als Kind gespielt hat, wie sie fischen, was er über Deutschland weiß, dass er immer noch einen Kochtopf hat, den seine Großmutter von den Deutschen bekommen hat, den er so liebt, weil er immer damit kocht und der trotzdem noch so gut in Schuss ist. Er erzählt auch, dass die Leute, die die Gärten direkt am Fluss bewirtschaften, (ver)hungern, obwohl sie direkt am Fluss leben, weil sie ihre Pflanzen nicht ausreichend bewässern können. Nur wer es körperlich schafft, in der fiesesten Hitze den ganzen Tag Wasser vom Fluss auf das Beet zu schleppen – oder sich eine Pumpe leisten kann – ist in der Lage, sein Gemüse ausreichend zu bewässern. Wir sind betroffen, aber schätzen diese Gelegenheit, solche Einblicke zu bekommen.

Nach der Bootsfahrt – es ist immer noch früh – brechen wir auf, fast ein bisschen traurig, wir wären gerne noch eine Nacht hiergeblieben. Aber für heute haben wir ein Zimmer-Zelt im Camp Kwando gebucht – eine der wenigen, wirklich bezahlbaren Lodges (wir haben dafür glaube ich 180 Euro in Dinner, Bed & Breakfast-Variante bezahlt) und wir wollten diese Luxus-Welt einmal erleben. Heute Morgen wollen wir allerdings erstmal noch eine Runde durch die Mahango Core Area fahren. Verabschiedet werden wir noch von diesem kleinen, lustigen Kerlchen:



Wieder on the road durchqueren wir erstmal Divundu, und sind sehr froh, dass wir in Rundu alle Einkäufe erledigt haben. Wir dachten, hier wäre ein richtiger Ort, aber es ist gefühlt nur eine Tankstelle,. Oder haben wir den Rest übersehen? Egal, wir brauchen ja nix mehr. Hinter der Tankstelle geht es rechts rein, nach einiger Zeit fahren wir da vorbei, wo die Popa Falls gewesen wären, wenig später endet die Asphaltstraße und wir denken zum Glück an die Staubklappe.

Am Mahango Gate zahlen wir gefühlt nichts für den Eintritt, sehen an der Sichtungstafel sehr viele Einträge von „Wild Dogs“ und bekommen von einer freundlichen Officerin erklärt, wo wir langfahren können und welche Teile 4x4 sind. So richtig einleuchten tun uns die Beschreibungen aber nicht und es passiert mal wieder, was häufig passiert: Jeder nickt, und hofft insgeheim, dass der andere es irgendwie besser verstanden hat.



Die Erkenntnis, dass das nicht so ist, folgt prompt, und so bleibt uns nicht viel mehr übrig, also uns wieder auf Maps.me zu verlassen.
Also erstmal los! Da wir später noch die komplette Transitstrecke auf der B8 hinter uns bringen müssen, sind wir unsicher, ob wir die 4x4-Stellen fahren sollen und lassen erstmal keinen Reifendruck ab. So ganz eindeutig klingt es auch nicht, was uns die Dame da erzählt hat, in Bezug auf Sand – „not sandy but 4x4“ – aha. Wir haben zwar keinen Stress, doch für Steckenbleiben und Experimente dann auch wieder nicht genug Zeit. Andererseits würden wir auch gerne die Wildhunde am Wasserloch sehen… dazu müsste man irgendwann rechts. Nach kurzer Zeit geht dann rechts auch eine Stichstraße ab, die aber durch Baumstämme versperrt ist. Wäre das jetzt die Zufahrt zum Wasserloch? Ist sie absichtlich versperrt oder zufällig blockiert? So zufällig kann ein Haufen Baumstämme doch gar nicht auf den Weg fallen! Zumal wir eben noch vom Wasserloch erzählt bekommen haben. Und doch, ein Rüberkommen scheint da nicht, jedenfalls trauen wir uns das nicht.

Also fahren wir doch erstmal geradeaus weiter. Links eröffnet sich relativ bald die Flussebene. Ein toller Ausblick, so schön grün, und wir sehen viele Tiere. Diverse Antilopen, neben Kudu auch Lechwe, und natürlich viele Vögel.



Ein Adler fasziniert uns eine ganze Weile.



Irgendwo im Wasser hockt ein Hippo.



Seine Freunde sind auch da.



Es gibt hier einen ziemlich großen Baobab – die mag ich, und wollte schon immer mal einen so großen sehen.



Besonders bemerkenswert, dass dieses Exemplar blüht. Wenn man bedenkt, dass Affenbrotbäume nur einmal im Jahr Blüten tragen, und eine einzelne Blüte nur 24 Stunden geöffnet ist, bis sie verblüht – was für ein Glück!



Ich bin begeistert, traue mich aber nicht, auszusteigen (was man hier wohl dürfte) und so bleibt es bei dem kurzen Glück und ein paar Fotos.

Schön ist, dass man hier ein paar Loops direkt am Fluss langfahren darf. Denken wir, und genießen die Aussicht. Bis wir die Verbotsschilder sehen. Uppsi. Die hätte man strategisch wohl günstiger aufstellen können. Naja, hat ja keiner gesehen – denn hier ist einfach mal niemand. In diesem Park scheinen wir so ziemlich die einzigen zu sein, und so verlassen wie er wirkt, so wenig beschildert ist er auch. Man hat fast das Gefühl eine einsame Gegend zu erkunden. Die Landschaft ist wirklich schön und auch wenn wir erstmal nix so richtig Großes zu Gesicht bekommen, sind wir hier glücklich. Es gibt überall etwas zu entdecken.



Nachdem wir eine Weile den Park erkundet haben – ein paar Sandstellen gibt es dann doch noch, in denen sich Lukas das erste Mal an den 4x4-Modi erprobt – drehen wir dann aber doch um. So richtig wissen wir nicht, wie wir denn nun zu diesem Wasserloch kommen sollen. Was soll’s! Wir fahren einen Weg zurück, der nicht am Fluss langführt sondern eher durch die Mitte durch. Und dann gibt es doch noch eine Großwild-Wegblockade:



Wir halten in sicherer Entfernung und lassen die Gruppe passieren. Wenig später wartet ein weiterer ungewohnter Anblick wartet auf uns: Eine sitzende Giraffe! Ich wusste gar nicht, dass die dazu überhaupt in der Lage sind. Sie chillt da einfach so unter ihrem Baum, ganz lustig.



Am Ende gibt es noch einen Konflikt unter Pferdeantilopen, der in dieser Form leider nicht seinen Weg auf das Bildmaterial gefunden hat.



Zurück nach Divundu, dann geht es weiter. Und das bedeutet heute mehr denn je: Immer der Nase nach. Und meine Nase ist sehr gerade.

Wir fahren die B8 auf dem Verbindungsstück zwischen Divundu und Kongola. Das bedeutet: Hier ist NICHTS. Hatte ich beim gestrigen Tag behauptet, dass das Stück zwischen Grootfontein und Rundu langweilig ist, dann war das eine krasse Untertreibung. Da wusste ich nicht, wovon ich sprach. Hier in diesem schmalen Streifen zwischen Botswana und Angola offenbart sich uns: Die Unendlichkeit in Form einer Straße. Copy & Paste mit Asphalt.

Eine Straße, schnurstracks geradeaus. Keine Kurven, keine Kuppeln, keine Hütten, keine Ziegen (ja, selbst die vermisse ich heute schmerzlich!). Nur: Links Wald. Rechts Wald. Schilder, die vor Elefanten warnen und beschwören, dass man nur 80 fahren soll. 80! Das hier ist gerader als die Autobahn! Und so leer als wären wir die letzten zwei Menschen auf der Welt. Also ich verstehe das mit dem Langsamfahren wegen kreuzender Elefanten schon, aber es ist, als müsste man versuchen, eine besonders monotone Arbeit extra langsam zu erledigen. Das Gehirn will einfach automatisch schneller machen und es erfordert extreme Konzentration, hier auf Dauer zu fahren.

Glück wie ich habe, habe ich das Glück, dieses schöne Stück zu erwischen. Da es auf den ganzen 200 Kilometern etwa 1,5 Parkplätze gibt, und sonst das Anhalten glaube ich sogar verboten ist (es gab jedenfalls ein mysteriöses Straßenschild, das wir bis heute nicht gänzlich entschlüsselt haben) bin ich dann auch dazu verdammt, das komplette Stück zu fahren.

Erst hilft reden.
Dann Podcasts.
Irgendwann hilft einfach nur noch singen.

Selbst eine Viertelstunde auf dieser langweiligen Straße zu fahren ist schon eine Tortur. Mangels Autos, mangels neuen Objekten, mangels irgendetwas, woran sich das Auge haften kann, geht das Gehirn schnell in den Autopilot über und der Blick verschwimmt. Dabei muss man ja schon aufpassen, dass man konzentriert bleibt, denn die Elefanten, die überall auf den Schildern zu sehen sind, sind sicherlich kein Mythos. Irgendwann, als es einfach nicht mehr zu etragen ist, mache ich die Playlist mit meinen absoluten Lieblingsliedern an, die ich alle vollständig auswendig kenne – und singe einfach die ganze Zeit mit. Der einzige Weg, den totalen Gehirn-Shutdown zu verhindern. Eine plötzliche Elefantenüberquerung passiert uns zum Glück nicht, obwohl ich mich vage zu erinnern meine, dass an irgendeinem Punkt mal einer irgendwo zu sehen war. Lukas vergisst vor lauter Langeweile, sich über meinen Gesang lustig zu machen.

Irgendwann, nach zähen zweieinhalb oder drei Stunden, sind wir dann in Kongola, ein Glück, zumindest für meine Stimme. Auch hier gibt es eine Tankmöglichkeit und auch ein Geschäft, aber kein Supermarkt der bekannten Marken, sieht so aus, als wäre das eher ein improvisierter Laden, der sich aber „Kaza Kongola Shopping Center“ getauft hat. Ich bin kurz versucht, aus reinem Interesse zu besichtigen, lasse es dann aber sein.

Die Anfahrt zum Camp Kwando dauert noch einmal eine halbe Stunde und ist unkompliziert. Hier angekommen stehen wir vor einer ungewohnten Situation: Wir parken unser Auto auf einem Parkplatz, und lassen es auch da. An der Rezeption werden wir begrüßt, bekommen unseren Schlüssel und alles erklärt. Im Camp Kwando arbeiten wohl nur Einheimische aus der Gegend, man versucht, alles möglichst ökologisch und sozialverträglich zu machen. Wir fragen auch direkt nach Aktivitäten. Eine zweite Bootsfahrt hatten wir eigentlich nicht geplant, stattdessen wollten wir den Lodge-Aufenthalt nutzen, uns mal einem geführten Game Drive anzuschließen. Laut Internetseite wird das auch angeboten. Man erklärt uns aber, dass sich mindestens vier (oder sechs?) Gäste für den Game Drive anmelden müssten. Das ist natürlich nicht passiert. Na toll. Und dann? Bleibt uns nichts, als doch die Bootsfahrt, aber erst morgen früh. Derweil müssen wir noch zusehen, dass man unseren Kühlschrankinhalt irgendwo kühlen kann, denn die Unterkünfte haben keinen – aber das ist zum Glück kein Problem, wir könen den Kram einfach abgeben.

Unser Safarizelt fühlt sich auf den ersten Blick an, wie purer Luxus:



Ein Bett! Wir legen uns aufs Bett. Was für eine simple Handlung, aber so wohltuend, nachdem dieser Zustand so lange Zeit nur kletternd, reißverschlussauffummelnd und ungelenk reinrobbend erreichbar war. Und das Gefühl von frischer, weißer, crispy Bettwäsche. Der absolute Safari-Traum was die Einrichtung angeht, zumindest, wenn man so etwas noch nie live erlebt hat.





Etwas schockiert bin ich allerdings, als ich feststelle, dass das Badezimmer – auch die Toilette – im selben Raum ist wie das Bett. Ich meine, es ist hübsch eingerichtet, keine Frage. Und man hat zwar mehrere Wandteilstücke geschickt so versetzt verbaut, dass von nirgends ein Blick dorthin möglich ist, doch von Türen oder Wänden kann hier keine Rede sein.



Mich haben auf unseren ersten gemeinsamen Urlauben schon Badezimmer, die direkt neben dem Bett sind – aber mit Tür – nahezu traumatisiert. Gut, das ist jetzt auch schon einige Jahre her, aber für Frischverliebte ist das hier ja nix. Zumal es sich bei den Außenwänden dieser Hütte auf Stelzen auch um Zeltstoff handelt – nicht direkt ein geräuschdämmendes Material. So muss dann jede Benutzung der Toilette auch angekündigt werden, damit der andere bloß draußen auf der Terrasse sitzenbleibt...

Aber auch diese Umstände sind natürlich nicht wirklich so schlimm, wie man es im ersten Moment empfindet, und wir fühlen uns hier insgesamt einfach sehr wohl. Es tut gut, mal wieder ein bisschen Zivilisation zu verspüren, von der Dusche im Handtuch zum Bett zu gehen, nichts zu organisieren. Heute ist es dann endlich mal Zeit, in einen Pool zu springen, und es ist wunderbar, in so einem grünen, schönen Garten einfach auf dem Rasen zu sitzen:



Nach der Erfrischung und Garten-Entspannung lesen wir noch bis die Sonne untergegangen ist auf unserem Balkon direkt am Kwando:



Weil wir’s uns heute gleich ganz gut gehen lassen wollen, trinken wir vor dem Abendessen unseren ersten Gin Tonic an der Bar. Denn mangels zweiter Batterie im Auto könnten wir grundsätzlich keine Eiswürfel gefroren halten und ohne Eis kann ich dann auch gleich auf Gin Tonic verzichten. Außerdem ist das Zeug doch ganz schön stark bei der Hitze… da sind wir dann vielleicht schon ein bisschen angedüdelt und lassen uns beim Abendessen, das aus drei Gängen besteht und ziemlich lecker ist, auch noch zu einer Flasche Rotwein hinreißen.

Hier gibt es wahnsinnig viel Personal, das einen umschwärmt – wir fühlen uns damit ein wenig unwohl, weil sich gefühlt koloniale Strukturen wiederspiegeln, diskutieren das Thema aber ausführlich und kommen dann doch zu dem Schluss, dass es gut ist, möglichst vielen Leuten hier einen Job bieten zu können. Man merkt dann aber doch: Die Wein-Präsentations-und-Öffnungs-Zeremonie (nicht, dass die nötig wäre) folgt zwar bekannten Mustern, doch man spürt, dass sie einstudiert ist, die Kellnerin selbst wahrscheinlich noch nie einen Wein so serviert bekommen hat. Ein bisschen schade, dass der grundsätzliche Gast so viel tam-tam offenbar auch hier im Busch verlangt. Auf der anderen Seite ist das Gefühl, das Luxuriöse zu erleben – und sich dabei nicht einmal fehl am Platz zu fühlen – auch recht wohltuend.

Ich weiß gar nicht mehr, wie genau wir dann noch den Rest des Abends verbracht haben aber ich weiß, als ich mich in die weichen Kissen sinken lasse: Heute Nacht werde ich unfassbar gut schlafen.

Utensil des Tages: Lebensrettende offline-Playlisten bei Spotify.
Südmarokko März 2012 | Südafrika & Swasiland September 2014 | Namibia & Botswana November 2018
Letzte Änderung: 15 Jun 2019 16:15 von offbeat.
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16 Jun 2019 20:08 #559093
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Hallo Bea,

deine Texte lassen die Vorfreude bei uns wirklich anwachsen, vielen Dank, wir sind gespannt was ihr noch alles erlebt habt :)

Liebe Grüße

Sophie und Julien
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14 Jul 2019 22:03 #561829
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Tag 13: Sichtbares und Unsichtbares – Teil 1

Auch das Frühstück im Camp Kwando ist eine willkommene Abwechslung zu Müsli, neben einem Buffet mit Toast, Aufschnitt usw. kann man ein warmes Frühstück in verschiedenen Varianten bestellen. Ich nutze die Gelegenheit und gönne mir Eier, Bacon und Bohnen. Lecker.

Dann ist es auch schon Zeit für die Bootstour. Da wir mit unserem morgenfokussierten Bootsfahrrhytmus anscheinend die einzigen sind, ist es mal wieder eine private Tour in einem echt kleinen Boot. Auch hier wird vor Krokodilen gewarnt, eingebettet in die touristische Lodge-Atmosphäre neigt man aber dazu, das Schild nicht so ganz ernst zu nehmen - könnte auch im Zoo sein.



Unser Guide ist nett, aber erzählt erstmal gar nicht so viel, weshalb wir vorwiegend in der Gegend rumschippern und noch leicht verschlafen die Natur auf uns wirken lassen. Immerhin sieht der Fluss heute ein bisschen anders aus. Aber so richtig steckt erstmal kein kommunikatives Konzept dahinter. Zum Glück habe ich im Reiseführer selbst was über die geologischen Gegebenheiten gelesen. So ist es eher eine Entspannungsfahrt, aber der Guide zeigt uns ab und zu ein paar Vögel, deren Namen wir uns nicht merken können. Hier ein Foto vom Ufer, auf dem aber kein Vogel zu sehen ist :woohoo:





Irgendwann wird’s dann aber doch noch etwas spektakulär: Wir kommen an den Überresten einer Kuh vorbei, die offenbar einem Krokodil zum Opfer gefallen ist - gruselig. Das Krokodil soll angeblich auch noch da sein, aber wir sehen es irgendwie nicht. Allerdings: Das mit den toten Tieren, das hört ab jetzt irgendwie nicht mehr so richtig auf. :blink:



Ein anderes Boot ist noch unterwegs, es ist deutlich größer als unseres.



Dass so ein größeres Boot auch Vorteile haben kann, wird uns etwas später bewusst. Denn wir sind die ersten bei einer Hippo-Gruppe, die wir eine ganze Weile relativ aus der Nähe beobachten. Blubb, blubb, blubb. Hippos sind ja schon faszinierend.



Dann kommt allerdings das andere Boot und fährt mehr oder weniger zwischen uns und den Hippos vorbei. Unser Guide entscheidet sich dann, auch ein kleines Stück vorbeizufahren um dann zu wenden und nah am Ufer nochmal eine Möglichkeit zur Beobachtung zu geben (zumindest deutete ich so seine Manöver, vielleicht war auch etwas ganz anderes der Grund). :lol:



Nur: Dann wird irgendwas komisch. Irgendwie sind es jetzt viel weniger Hippos als vorher... Hm. Und es werden immer weniger. Wo die wohl hin sind? Irgendwann entscheidet sich der Guide offenbar, dann doch langsam mal wieder weiterzufahren... und da tauchen dann auch die letzten Hippos ab. Und nu? Irgendwo müssen die ja hin sein…öhem… ihr könnt es euch wohl denken... und ihr erinnert euch vielleicht noch, was ich im letzten Kapitel über stille Guides geschrieben habe. Auf einmal wird unser Guide sehr, sehr schweigsam. :blink: Und dann fährt er ganz schnell davon. Und auf einmal taucht direkt hinter uns wieder ein Hippo-Kopf auf.

Noch viel mehr als gestern spüren wir, dass es dieses mal echt knapp war, und unser Begleiter braucht gefühlt eine ganze Weile, bis er wieder mit uns spricht.

Zur Auflockerung nach dem täglichen Hippo-Angriff gibt's dann noch ein Krokodil, da wir auch sehen – und ein kleines Seerosen-Ritual. Dabei wird die Frage beantwortet, was diese komischen Gräser sind, die überall hier am Ufer wachsen: Papyrus!



Und jetzt kommt doch noch ein bisschen mehr Storytelling in die Tour. Der Guide zeigt uns, wie er daraus in sekundenschnelle ein ziemlich reißfestes Seil knotet. Relativ faszinierend, muss ich sagen. Und ein wenig finde ich es auch immer wieder beschämend, dass wir uns so weit von so nützlichen und einfachen Naturmaterialien entfernt haben. :unsure:





Anschließend müssen wir noch Seerosenketten basteln, sie uns umhängen, was relativ seltsam aussieht, da man sie als Mann um die Stirn binden muss. Ein Hochzeitsritual. Man setzt die Seerosen anschließend aufs Wasser und wenn sei dann noch schwimmen, und nicht untergehen, hält die Liebe ewig.



Zum Glück können wir für uns feststellen: Sie hält ewig. :woohoo:

Dann sind wir irgendwann auch wieder zurück. Ich muss sagen, die Bootsfahrt war wirklich nett, aber die von gestern war einfach interessanter, weil der Guide freier aus seinem Leben geplaudert hat, vielleicht weil er auch ein wenig besser Englisch konnte. Ich muss sagen, an zwei Tagen hintereinander brauche ich dieses rumschippern jetzt nicht unbedingt. Rückblickend war das beste daran der Witz über den täglichen Hippo-Angriff. :whistle: Aber wenn es sich anbietet, warum nicht.

Am Ende sehen wir noch kurz unseren Zeltbungalow vom Wasser:



Zurück im Camp fällt uns zum Glück noch rechtzeitig ein, dass wir ja unseren Kühlschrankinhalt noch zurückholen müssen. Das wär lustig gewesen, so ohne Verpflegung die nächsten drei Tage. Und dann geht’s weiter. Mangels angebotener Touren haben wir also entscheiden, uns selbst auf den Weg zum Horseshoe zu machen. Dass es tiefsandig ist, wissen wir – und haben auch diverse andere Dinge gehört. Unsere Reiseführer haben aber nicht unbedingt davon abgeraten. Bei der Tour gestern im Mahango haben wir zwar auch schon an der ein oder anderen Stelle mal kurz ins 4H geschaltet, aber das ist natürlich kein Vergleich. Ich bin also ein wenig nervös, ob das alles so gut geht, letztlich wird uns aber in ein paar Tagen, in Botswana, ohnehin einiges an Tiefsand erwarten, also umso besser, wenn wir es jetzt schonmal ausprobiert haben – an einem Tag, an dem wir nicht darauf angewiesen sind, Strecke zu machen.

Also geht es erstmal eine halbe Stunde wieder zurück nach Norden, nochmal durch Kongola durch und ein kleines Stück nach Westen. Wir sind erstmal unsicher, wo eigentlich genau der Eingang zum Park ist, weil zwei Straßen von Norden aus in den Park zu führen scheinen, letztlich ist aber alles ganz gut ausgeschildert und wir finden den Weg. Am Gate begrüßt uns ein netter Officer, der sich erstmal viel Zeit nimmt, über alles Mögliche mit uns zu quatschen. Finden wir erstmal ganz witzig und spannend, die ganzen Bücher voller Namen und Kennzeichen zum Beispiel, auf die er deutet, und was er sonst noch so erzählt. Nach einer Zeit haben wir aber schon das Gefühl, dass wir irgendwann mal losmüssen. Leider ist er nicht so ganz unaufdringlich und hat sich den schönen Plan ausgedacht, dass wir doch mit allen unseren Freunden nochmal nach Namibia kommen könnten, er uns dann alles Mögliche zeigt, und wir als Dankeschön alle zusammenlegen und ihm ein Flugticket nach Europa kaufen. :laugh: Okay… interessante Idee, wir sind wohl nicht die ersten, die den Vorschlag zu hören bekommen. So ganz realistisch scheint mir der Plan aber nicht zu sein. Wir kommen trotzdem nicht aus der Sache raus, ohne dass wir die Nummer von dem Kerl einspeichern, und ein vages Versprechen dalassen, uns zu melden. „Das sagt ihr jetzt, aber macht ihr dann eh nicht, wetten?“ – ist noch so ungefähr eine seiner letzten Aussagen. Ja gut, wenn er das eh schon weiß, warum ist ihm dann so viel daran gelegen… :blink:

Irgendwann befreien wir uns aus dem Gespräch, es kommt auch gerade praktischerweise ein neues Auto an. Es ist nicht viel los heute. Jetzt müssen wir aber erst nochmal Luft aus unseren Reifen lassen. Erste Zweifel kommen auf, ob sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt – aber nun sind wir eben hier. Erstmal unser Luftdruckmessgerät suchen, das wir extra noch gekauft haben, für den Fall, dass das mitgelieferte defekt sein sollte. Es stellt sich aber heraus, dass man sich auf den Kram von Mona und Norbert verlassen kann, auf unseren selbstbesorgten weniger. Wir lassen also fröhlich die Luft ab auf 1,5 oder 1,8 Bar. Wer weiß das jetzt schon noch, wie viel das eigentlich war – damals war mir nichts vertrauter, als dieses Wissen :blush: Und kommen uns dabei echt merkwürdig vor. Man hat eigentlich gar keinen Plan, was man tut, versucht aber, möglichst souverän dabei auszusehen.



Während wir also noch so am Werkeln sind und versuchen, so auszusehen, als wäre das alles selbstverständlich für uns, hält nebenan noch ein Auto. Hat sich das Souverän-Tun also gelohnt! Es steigt einer aus. Und ich denke nur so: „Den Typen kenn ich doch.“

Eine Reaktion, die hier im gefühlten Nirgendwo dann wieder eine äußerst große Verwirrtheit meines Gehirns anstößt, denn das kann ja gar nicht sein, dass mir hier jemand Bekanntes über den Weg läuft. Aber doch: Es ist der Sohn der Lodge-Besitzer von der Mobola Lodge, der auch auf unserer Bootstour dabei war. Er erkennt uns sogar noch – und wir haben erstmal nichts Besseres zu tun, als das ganze schöne Souveränitätskonstrukt in sich zusammenfallen zu lassen, indem wir smalltalkmäßig erwähnen, dass wir das hier ja gerade zum ersten Mal machen. Während er uns wissen lässt, dass sie das ja immer einfach mit dem Taschenmesser machen und nach Gefühl. Ja gut. Wir sind halt Noobs. Aber wir unterhalten uns kurz sehr nett und fühlen uns direkt etwas entspannter, als es dann wirklich losgeht, in unser erstes echtes Tiefsandabenteuer. :woohoo:

Der Anfang vom Weg geht auch noch so, doch relativ schnell wird es wirklich, wirklich sandig.



Kein Problem, wir haben ja einen Geländewagen. Also… rechtzeitig umschalten… und so. Wir probieren es erst einmal wieder mit 4H, weil wir der Meinung sind, Norbert hätte uns dazu geraten. Es pflügt sich so durch… aber es geht echt nicht leicht, Lukas hat so seine Probleme, und es hubbelt wie verrückt. Noch eine Weile probieren wir das so, bis wir dann doch ins Grübeln kommen. Langsame Untersetzung macht ja auch einfach so viel mehr Sinn… doch der Vermieter müsste es doch auch wissen… ich konsultiere etwas verwirrt das Benutzerhandbuch. Es ist glaube ich das erste Mal, dass ich ein Handbuch eines Autos lese. Jedenfalls finde ich hier klar die Info, dass bei tiefem Sand 4L weiterhelfen kann. Etwas verwirrend ist dann noch die Beschreibung, welche Gänge man nun wie stehend oder fahrend umschalten soll. Aber dann haben wir’s – und gleiten auf einmal mit 4L hubbeln aber irgendwie sanfter hubbelnd durch das Sandmeer. Ich fühle mich wie auf einem Schiff und kenne viele Leute, die bei diesem Fahrerlebnis schon direkt seekrank geworden wären. Für mich ist es eher lustig, und so hubbel-gleiten wir so durch den Park.



An Tieren sehen wir leider erstmal überhaupt nichts. Außer: Zweimal Impala-Mutter mit Baby beglückt das Kindchenschema:



Und die sumpfige Landschaft ist echt schön:





Hier gibt es einige Hochstände, da trauen wir uns auch mal, auszusteigen.



Und an dem zweiten sehen wir dann doch was großes Graues! Wir beobachten sie eine ganze Weile, und zählen immer und immer mehr – sie scheinen gerade dabei zu sein, das Wasser zu überqueren.








Leider stellt sich heraus, dass der größere Teil der Elefantenherde genau da steht, wo eigentlich unser Weg langgeht. Und leider die Verstärkung auch eher auf unsere Seite rüberkommt. Der Aufbau des Parks ist irgendwie verwirrender ist als bisher, und die Navigation mit maps.me funktioniert, aber wir fühlen uns doch einsamer und ausgelieferter und nicht so richtig motiviert, scheinbare Nebenrouten auszuprobieren. Sicher auch aufgrund des Sands, vor dem wir Respekt haben, der uns gefühlt irgendwie verletztlicher macht, weil wir nicht einfach schnell in drei Zügen wenden können. Kann man überhaupt wenden, in diesem tiefen Sand? Viele Fragen.

Wir bleiben also in gehörigem Abstand hinter der Herde und warten erstmal ab, was passiert. Vielleicht verziehen sie sich ja doch bald wieder und es gibt auch einige Paviane, die sich gerne als Portrait-Model bereitstellen:



Warum starren die mich bloß so an?



Lasst mich doch in Ruhe...



Die Elefanten scheinen sich immer wieder etwas zuzurufen und wir fragen uns, ob wir wohl auch Thema der elefantischen Konversationen sind. Auf jeden Fall scheint die Herde, je mehr Tiere rüberkommen, sich eher in unsere Richtung auszuweiten. Wir haben aufgrund des dichten Gestrüpps kein Gefühl dafür, wie viele es sind, gefühlt werden sie aber aufmerksamer in unsere Richtung. Scheinen fast ein bisschen nervös. Also, eigentlich haben wir keine Ahnung, aber wir meinen auszumachen, dass sie uns hier nicht so gerne haben wollen. Das ist uns zu heikel, und wir drehen vorsichtig auf einem etwas festeren Bodenstück neben der Spur um. Soll es das etwa schon gewesen sein?

Ich schaue noch ein letztes Mal bei maps.me, und finde dann doch noch einen Weg, der deutlich weiter am Fluss entfernt zum Horseshoe zu führen scheint. Jetzt fällt mir auch ein, mal in einem Bericht gelesen zu haben, dass der Weg am Fluss gesperrt sein soll (von einer Sperrung durch Menschenhand war hier allerdings keine Spur), und es eine Umfahrung gibt. Also dürfte das ein ganz normaler Weg sein, den wir nutzen können. Problem gelöst – oder?

Wie es weitergeht, erfahrt ihr im nächsten Teil :P
Südmarokko März 2012 | Südafrika & Swasiland September 2014 | Namibia & Botswana November 2018
Letzte Änderung: 14 Jul 2019 22:19 von offbeat.
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15 Jul 2019 06:10 #561838
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  • Champagner am 15 Jul 2019 06:10
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offbeat schrieb:
Wir lassen also fröhlich die Luft ab auf 1,5 oder 1,8 Bar. Wer weiß das jetzt schon noch, wie viel das eigentlich war – damals war mir nichts vertrauter, als dieses Wissen :blush: Und kommen uns dabei echt merkwürdig vor. Man hat eigentlich gar keinen Plan, was man tut, versucht aber, möglichst souverän dabei auszusehen.

:laugh: :laugh: :laugh: Danke für den Lacher am frühen Morgen - irgendwie kommt mir das bekannt vor :whistle:
Und schön, dass es hier weitergeht - auf die Horseshoe-Erlebnisse freue ich mich schon :) .

LG Bele
Letzte Änderung: 15 Jul 2019 06:11 von Champagner.
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