THEMA: Bilder einer Äthiopienreise
28 Mai 2018 15:40 #522358
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  • Gu-ko am 28 Mai 2018 15:40
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Das Erta Ale Basislager bestand aus einigen strohgedeckten Steinhütten, in deren Schatten wir etwas Schutz vor der gleißenden Nachmittagssonne finden konnten. Außer uns Touristen waren noch die einheimischen Kamel- und Vulkanführer und natürlich die Kamele im Lager, deren Aufgabe es war, das Gepäck auf den Berg zu tragen. Etwas außerhalb, im Halbschatten eines Steinhaufens, saßen ein paar schläfrig wirkende Soldaten neben ihren Kalaschnikows, deren Aufgabe es wohl war, das Lagers zu beschützen.

Ganz grundlos ist diese Maßnahme nicht:

Dienstag, 05.12.2017 20:18 Uhr

In Äthiopien ist ein deutscher Urlauber überfallen und getötet worden. Das bestätigte das Auswärtige Amt. Das Verbrechen ereignete sich am Sonntag, während der Mann den Vulkan Erta Ale nahe der Grenze zum Nachbarstaat Eritrea bestieg.

Der etwa 600 Meter hohe Vulkan in der Danakil-Wüste zieht Touristen an, weil man dort vom Kraterrand aus einen brodelnden Lavasee beobachten kann. Ein örtlicher Tourguide sagte, bei dem Überfall seien der Deutsche getötet und ein äthiopischer Mitarbeiter eines Reiseunternehmens verletzt worden. Bislang sei unklar, wer hinter dem bewaffneten Angriff stecke. Im Verdacht stehen Milizen, die ihre Stützpunkte im nahen Eritrea haben.

Eritrea und Äthiopien haben zuletzt von 1998 bis 2000 gegeneinander Krieg geführt. Die Nachbarländer sind weiterhin verfeindet. Das Auswärtige Amt rät deshalb, Urlaubsreisen abseits der Hauptstrecken sollten vorsichtig abgewogen werden.

Im Januar 2012 ereignete sich am Vulkan ein Raubüberfall, bei dem unter anderem zwei Deutsche getötet wurden, weitere Urlauber wurden wochenlang festgehalten. Seither wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt, unter anderem sind unterhalb des Vulkans und am Kraterrand Soldaten stationiert. © SPIEGEL ONLINE

www.spiegel.de/panor...oetet-a-1181912.html









Der Aufstieg findet meistens in der Nacht statt, was einen davor bewahrt, von der gnadenlosen Sonne gegrillt zu werden.

Während die Sonne immer tiefer sank, wurden die Kamele beladen. Matratzen für die Übernachtung, Wasser und anderes Gerät.

Wir streiften noch ein bischen durch die Gegend, unterhielten uns mit Kamelen, beobachteten das Treiben im Lager. Endlich verschwand die Sonne hinter einer Wolkenwand am Horizont. Wir packten unsere Wasservorräte in den Rucksack und sobald es dunkel war, ging es los.


Wir unterhielten uns ein wenig mit den Kamelen ;), die später unser Gepäck auf den Erta Ale trugen.



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28 Mai 2018 15:47 #522359
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  • Gu-ko am 28 Mai 2018 15:40
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Der Aufstieg


Vollmond über dem Erta Ale

Vom Basislager bis zum Kraterrand braucht man, wenn man nicht allzu viele Pausen macht, etwa dreieinhalb Stunden.

Im Licht unserer Taschenlampen liefen wir, zunächst ebenerdig, eine Stunde über sandigen Boden. Die Lufttemperatur war in der Nacht immer noch warm, aber nicht mehr extrem. Das dunkle vulkanische Gestein strahlte eine deutlich spürbare Wärme ab, kein Wunder bei der intensiven Sonnenbestrahlung tagsüber.

In der Ferne sah man immer wieder den rötlichen Schein des Vulkanfeuers. Über uns war der Himmel sternenklar und wir hatten Glück, dass ein strahlender Vollmond die düstere Landschaft erhellte.

Dann ging es über Lavafelder stetig nach oben. Der Aufstieg war technisch recht einfach, es gab keine überdurchschnittlich schwierige oder steile Abschnitte. Lediglich auf das Lavageröll musste man aufpassen um nicht zu stolpern. Verglichen mit dem Nyiragongo Vulkan (D.R.Kongo), den ich 2016 bestieg und der ein ganz anderes Kaliber war, ist der Aufstieg zum Krater des Erta Ale fast ein Spaziergang.


Aufstieg zum Krater

Kurz vor dem Gipfel mussten wir anhalten. Wir sahen, nur noch durch ein letztes Lavafeld getrennt, glühende Gaswolken aus dem Berg lodern. Unser Vulkan-Guide erklärte, dass der Wind momentan ungünstig stünde und es wegen giftiger Dämpfe zu gefährlich wäre weiterzugehen.

Voller Ungeduld warteten wir etwa eine Stunde, bis das OK zum Aufbruch kam. Immer wieder wurde das Atmen durch die vulkanischen Dämpfe erschwert. Um mich herum in der Dunkelheit hörte ich die anderen hüsteln und husten.

Um direkt zum Kraterrand zu gelangen, mussten wir ein frisches Lavafeld überqueren. Dieses Lavafeld entstand im Januar 2017, als der Erta Ale eine beträchtliche Menge Lava ausspuckte. Dabei wurde ein Übernachtungslager in der Nähe des Kraterrandes zerstört.

Unser Guide ging voran und wir mussten hinter ihm in einer Reihe laufen. Unter den Sohlen knirschte es bei jedem Schritt und es bestand ständig die Gefahr irgendwo einzubrechen.


Am Kraterrand

Und dann standen wir plötzlich am Rand dieses mächtigen, brodelnden Kessels.

Welch überwältigender Anblick!

Unter uns kochte, glühte und dampfte es. Zeitweise war der Rauch so stark, dass man kaum etwas erkennen konnte. Dann lichtete er sich und man hatte freien Blick in das Inferno. Immer wieder wehten übelriechende, ätzende Gase aus dem Höllenschlund, die uns für Minuten das Atmen schwermachten. Unser Vulkan-Guide rief uns dann zu, wir sollten uns ducken oder flach auf den Boden legen.













Aber nicht nur der Spektakel im Krater war faszinierend, von hier oben konnten wir weit in die vom Vollmond beschienene Danakilebene blicken. Nirgendwo ein Zeichen von Leben oder Zivilsation, nur Sand, Steine und die düsteren Schatten ferner Berge. Wieder hatte ich das Gefühl, auf einem anderen Planeten, oder weit zurück in der Erdgeschichte zu sein.

Die Nacht verbrachten wir in einem Lager unter freiem Himmel, ein paar hundert Meter vom Krater entfernt. Man hatte das Geröll ein wenig auf die Seite geräumt und Matratzen auf den Boden gelegt. Während ich einschlief wehten immer wieder schweflige Dämpfe zu uns herüber.



Der Abstieg erfolgte frühmorgens, vor Sonnenaufgang.
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28 Mai 2018 15:51 #522360
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  • Gu-ko am 28 Mai 2018 15:40
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Der Rest unserer Reise ist schnell erzählt. Wir fuhren zurück nach Mekele, von dort mit dem Bus am nächsten Tag nach Addis. Wir wollten jetzt so schnell wie möglich über Südäthiopien nach Kenia (Grenzübergang Moyale) fahren. Wir schafften es bis Konso, etwa 300km vor der Grenze, dann war Schluss. Alle Strassen gesperrt, keine Fahrzeuge durften sich der Grenze nähern. Wegen Stammeskonflikten. So kehrten wir nach Addis zurück und flogen von dort mit dem Flugzeug nach Kenia.

Danke fürs Mitlesen.
Ich hoffe mein bebilderter Reisebericht hat einigen Spaß gemacht, auch wenn es nicht Namibia war. ;)
Letzte Änderung: 28 Mai 2018 15:53 von Gu-ko.
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28 Mai 2018 16:23 #522364
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  • freshy am 28 Mai 2018 16:23
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Wow Guko! Welch ein Show Down!
Die gesamte Tour fand ich höchst spannend, aber diese Kraterbesteigung toppt deinen Bericht. Die gespenstischen Fotos tun ein Übriges.
Ich bin froh, die Reise am PC ein bisschen miterleben zu können, denn eins ist sicher: Selbst werde ich eine solche Reise in meinem Leben nicht mehr mitmachen können.

Mit herzlichen Grüßen bedankt sich
freshy
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28 Mai 2018 16:34 #522365
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  • lilytrotter am 28 Mai 2018 16:34
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Hallo Gu-ko,

tief ergriffen sind wir von deinen mächtigen Bildern, wahrlich ein Blick in den Höllenschlund, - und mit dem Rauch noch beeindruckender und dämonischer als mit klarer Sicht!

Vielen Dank für deinen Bericht!!
So nah am Leben der Bevölkerung bewegen sich nicht viele Reisende! Wir sind bis heute nicht überzeugt davon, ob wir tatsächlich nach Eritrea und Äthiopien wollen, da wir immer allein reisen. Damals, als wir an der Grenze zu Eritrea standen, war Krieg. Heute...

Brutale Überfälle mit Todesfolge gab es schon früher, - bilden in der ganzen Region eine lange Kette, die nicht immer berichtet wurde, wie in der heutigen Zeit oder wenn sie spektakulär abliefen. Schon in Mitte der 70ger traf eine tödliche Kugel Michael Teichmann in den Kopf, als man die kleine Expedition von Rüdiger Nehberg am Blauen Nil überfiel.

Eine verstärkte Präsenz bewaffneter Soldaten ist sicherlich keine sinnlose Maßnahme, allein uns fehlt der Glaube, dass sich dort Wesentliches ändert. Nach einer Weile Ruhe wird es weitergehen.

Vielen Dank nochmal und noch viele interessante Reisen wünscht euch
lilytrotter
Letzte Änderung: 28 Mai 2018 16:38 von lilytrotter.
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28 Mai 2018 19:53 #522392
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  • sphinx am 28 Mai 2018 19:53
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Hallo Gu-ko
Deine Berichte lese ich ganz besonders gerne und so sage ich vielen Dank für diesen Bericht. Ich glaube, ich schrieb es schon einmal, Deine Art zu fotografieren gefällt mir extrem gut. Und so hoffe ich doch unverblümt auf neues Lesefutter mit Fotos von Dir-irgendwann einmal wieder.

Herzliche Grüße von Elisabeth
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