THEMA: Bilder einer Äthiopienreise
14 Mär 2018 13:18 #514773
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Bilder einer Äthiopienreise
Ein Reiseberichte hauptsächlich in Bilder

Von September bis Mitte Oktober 2017 reisten meine Frau und ich für knapp sechs Wochen durch Äthiopien und Kenia. Schwerpunkt der Reise war Äthiopien (4 Wochen). Nach Kenia wollten wir diesmal nur, um, neben einem kurzen Familienbesuch, ein noch paar Tage nahe Mombasa an den Stränden des indischen Ozeans abzuhängen.

Äthiopien, wenn auch keine klassische Touristendestination, bietet landschaftlich sowie kulturell einige Highlights, die in Afrika und vielleicht weltweit einmalig sind. Das Land gehört zu den ältesten Zivilisationen der Welt, vergangenen Dynastien haben zahlreiche historische Stätten mit Kirchen, Schlössern, Burgen und Palästen hinterlassen.


Felsenkirche in Lalibela


Danakil Depression - Dallol

Absolut faszinierend ist die Danakil Depression, eine abgeschiedene und unwirtliche Salzwüste in der Afar-Region im Nordosten des Landes in Grenznähe zu Eritrea mit ihren Salzseen, vulkanischen Aktivitäten und den Salz-Karawanen der Afar.

In den letzten Jahren muss sich das herumgesprochen haben. Vor allem an den kulturellen ‚Must-Sees“ wie Gonder und Lalibela, begegneten wir internationalen Reisegruppen, aber auch reichlich Individualreisenden, Backpacker, Flashpacker und wie sie sich alle nennen. Auffallend viele kamen aus Israel, aber auch aus China, Europa und den USA.


1st Level Bus

Es gibt aber auch Aspekte unserer Reise, die zwiespältige Gefühle hinterlassen haben. Das hat mit der Mentalität vieler Äthiopier zu tun, denen wir täglich begegneten.

Wir sind in den letzten 10 Jahren durch etliche Länder Ostafrikas gereist. Immer selbst organisiert, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und ohne strikte Planung des Reiseverlaufes. Bei dieser Art zu reisen ist man oft auf die Hilfe unbekannter Menschen angewiesen, Taxifahrer, Passanten auf der Straße oder Herumlungerer in Busbahnhöfen. Dabei begegneten uns die Menschen fast immer freundlich, respektvoll und hilfsbereit. Ganz selten gab es mal den Versuch zu betrügen, oder unsere Unwissenheit als Fremde auszunutzen, oder sonstige Unfreundlichkeiten. Auch offene oder gar aggressive Bettelei hielt sich in engen Grenzen.

Anders in Äthiopiern. Betteln und Betrügen ist hier Volkssport. Aber es ist nicht das Betteln an und für sich, was nervt, es ist die penetrante, manchmal aggressive Haltung, die viele Äthiopier gegenüber Ausländern an den Tag legen:

„You are rich - „give me money, give me, give me …“

Braucht man eine Auskunft, oder fragt auf dem Busbahnhof nach einem Bus, hat man plötzlich einen selbsternannten ‚Guide‘ am Hals, der einem penetrant mit Geldforderungen verfolgt. Das erste was wir lernen mussten, war vor jeder Busfahrt den Fahrpreis auszufeilschen. Trotzdem versuchte die Bus-Crew später über erfundene Ferenji-Gebühren nachzukassieren. Unangenehm empfand ich auch, dass die anderen Fahrgäste diese Betrügereien schweigend verfolgten, manche breit grinsend, als würden sie das Schauspiel genießen. Diese Vorkommnisse führten immer wieder zu unangenehmen Situationen und das waren leider keine Einzelfälle.

Selbst kleinste Kinder laufen „You china(*), give me sweets, give me money“ schreiend dem Ferenji hinterher. Und wenn es nichts gibt, fliegen schon mal Steine.

(*) Durch die starke Präsenz Chinas werden hellhäutige Ausländer gelegentlich als "China" betitelt ;)

Natürlich waren nicht alle Äthiopier von der unangenehmen Sorte. Vor allem diejenigen, die im Tourismus arbeiten, Reiseveranstalter, Hotelangestellte, Fahrer, etc. erlebten wir als äußerst hilfsbereite und freundliche Menschen. Ich vermute, wenn man in einer Reisegruppe unterwegs ist, wird man mit dem Straßen-Pöbel wenig konfrontiert. Als Individualreisender muss man alles selber organisieren und man ist auf die Hilfe fremder Menschen angewiesen. Da zeigen sich die Unterschiede.

Insgesamt würde ich meine subjektiven zwischenmenschlichen Erfahrungen wie folgt zusammenfassen: In allen anderen Ländern Ostafrikas waren die Menschen, denen wir auf der Straße begegneten, freundlicher, hilfsbereiter und angenehmer als in Äthiopien.

Reiseverlauf


Unsere Tour führte uns von Addis Ababa zu den Klöstern am Lake Tana, zu den Tisissat-Wasserfällen des Blauen Nils, weiter zu den Burgen von Gonder, den Simen-Mountains, zu den Felsenkirchen von Lalibela, nach Mekele und von dort im Geländewagen durch die Danakil Depression, einer extrem heißen und trockenen Salzwüste. Wir besuchten die Salzkarawanen der Afar, die Schwefelfelder der Dallol-Senke und stiegen auf den aktiven Erta Ale Vulkan.

Dann zurück über Addis in den Süden. Unseren ursprünglichen Plan, über Land (bei Moyale) nach Kenia weiterzureisen, mussten wir ca. 300 km vor der kenianischen Grenze aufgeben. In Konso (Südäthiopien) erfuhren wir, dass Aufgrund von Stammeskonflikten im Grenzgebiet alle Straßen ab Yabelo Richtung Grenzübergang Moyale gesperrt und sämtlicher Busverkehr eingestellt worden war. Uns blieb nichts Anderes übrig, als nach Addis zurückzufahren und von dort nach Nairobi zu fliegen.
Letzte Änderung: 24 Jul 2018 09:57 von Gu-ko.
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16 Mär 2018 18:10 #515248
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Addis Abeba – Meskel Square

Addis Abeba

Die meisten Äthiopienreisen dürften in Addis beginnen. Durch die Höhenlage (2000m) ist das Klima angenehm für Europäer. Tagsüber warm, nachts eher kühl. Zumindest war das im September so. Wir verbrachten drei Tage in der Stadt. Eigentlich wollten wir schon am zweiten Tag Richtung Bahir Dar weiterfahren, aber es gab so kurzfristig keine Bustickets mehr in den Langstreckenbussen.

Addis wirkte auf mich zunächst ausgedehnt und unübersichtlich. Unser Hotel (North Addis Hotel) lag etwas außerhalb des Zentrums und so mussten wir oft längere Strecken zurücklegen um unsere Ziele in der Stadt zu erreichen. Mit den blauweißen Taxis kommt man relativ preiswert in der Stadt herum. Man könnte für ein Zehntel des Taxipreises auch einen der zerbeulten Toyota Minibussen nehmen, aber wir zogen die die bequemere Variante vor.

Unsere Fahrten entlang staubiger Straßen führten durch Stadtviertel mit gesichtslosen Häusern und heruntergekommenen Fassaden. Dazwischen immer wieder ausgedehnte Brachflächen, auf denen sich, umgeben von Gestrüpp und Schutt, ärmliche Häuser und Bauruinen drängten.

Weite Teile der Stadt wirken wie eine einzige riesige Dauerbaustelle. Auch in Zentrumsnähe, also der Gegend um den Meskel Square, wird fleißig gebaut. Inmitten von Schlammfeldern stehen halbfertige Prestigeobjekte, Hochhäuser, Einkaufszentren, Wohnblocks. Drumherum einfache Häuser mit rostigen Wellblechdächern. Finanziert und gemanaged wird dieser Bauboom von China.

Das Zentrum um den Meskel-Square wirkt modern und weitläufig. Hier befinden sich Banken, Büros der Fluglinien und die besseren Busgesellschaften. Von dem großen Parkplatz fahren frühmorgens die modernen Überlandbusse der Ethio-Buslinie ab.

Auch wenn Addis Abeba wörtlich übersetzt "neue Blume" heißt, viel Schönheit konnte ich nicht erkennen.


Addis – Meskel Square – Hinten die grünen Ethio-Busse


Addis – Meskel Square – Rechts die Trasse der neuen Stadtbahn


Addis - Zentrum


Addis – Street


Addis – Meskel Square

In den zentralen Geschäftsstraßen sollte man vorsichtig unterwegs sein. Es treiben sich Taschendiebe herum. Oft sind es Kinder oder Jugendliche, die in kleinen Gruppen unterwegs sind. Als Tourist ist man natürlich eine begehrte Beute. Gleich bei unserem ersten Stadtrundgang wurden wir von einer Gruppe Jugendlicher belästigt, die uns immer wieder von verschiedenen Seiten bedrängten. Letztendlich konnten wir sie ohne Schaden loswerden, angenehm war die Begegnung trotzdem nicht. Dass das kein Einzelfall war, bestätigten uns später andere Reisende, die ähnliche Erlebnisse auf den Straßen von Addis hatten.


Addis


Addis


Addis - Die äthiopische Jahreszählung läuft der unseren 7 Jahre und 8 Monate hinterher


Addis - Street

Da die Stadt nicht allzu viel zu bieten hatte, und wir einen Wartetag rumbringen mussten, besuchten wir einige Museen und Kirchen. Darunter auch das Nationalmuseum, wo man zwischen allerlei mehr oder weniger interessanten Exponaten, auch eine originalgetreue Replik von Lucys Gebeinen bewundern kann. Auch das sog. ‚Lucy Baby‘, ein 3,3 Millionen Jahre altes Kinderskelett, wird ausgestellt. Diese vormenschlichen Skelette (Australopithecus Afarensis) wurden in der Wüstenregion Afar im Nordosten Äthiopiens gefunden. Da wollen wir noch hin. :)


Selam - Lucy's baby

Hat man noch nicht genug Gebeine gesehen, bietet sich ein Besuch des Red Terror Memorial Museum an, wo, neben diversen Folterinstrumenten und Fotografien, die originalen Schädel und Knochen der Terroropfer des marxistischen Derg-Regimes (ca. 1974) in Schaukästen ausgestellt sind.


Addis – Red Terror Martyrs Memorial Museum


Addis – Red Terror Martyrs Memorial Museum


Addis – Red Terror Martyrs Memorial Museum

Die St.-Georgs-Kathedrale ist ein äthiopisch-orthodoxes Kirchengebäude in traditioneller achteckiger Form. Leider waren Kirche und das angeschlossene Museum geschlossen, als wir sie besuchten.


Addis – Saint George's Cathedral


Addis – Saint George's Cathedral

to be continued... :)
Letzte Änderung: 17 Mär 2018 19:12 von Gu-ko.
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18 Mär 2018 20:16 #515633
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Addis Abeba - Bahir Dar (Lake Tana)



Unser erstes Ziel war Bahir Dar am südlichen Ufer des Tanasees. Bahir Dar, die drittgrößte Stadt des Landes, ist für ihre christlich-orthodoxen Klöster bekannt und gehört zu den touristischen Zielen des nördlichen Äthiopiens. Nur 30 km südlich von Bahir Dar befinden sich zudem die Tisissat-Wasserfälle des blauen Nil.

Von Addis Abeba fahren täglich Direktbusse nach Bahir Dar. Ist man in Afrika mit Bussen unterwegs, muss man oft gnadenlos früh aufstehen. Zumindest Langstreckenbusse fahren gerne um 5 Uhr morgens ab, d.h. ab 4.30 Uhr ist Boarding.

So auch der Ethio-Bus. Diese Buslinie gilt als eine der besseren Busgesellschaften Äthiopiens. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist die Abfahrt im Stadtzentrum (Meskel Square). Das ersparte uns frühmorgens auf dubiosen Busbahnhöfen in dubiosen Stadtrandbezirken herumirren zu müssen.

Die Strecke ist 560 km lang und die Fahrt dauert neuneinhalb Stunden. Im Bus kann man zwar entspannt die wunderschöne Landschaft betrachten, aber einfach mal anhalten und fotografieren, geht nicht. Trotzdem versuchte ich aus dem fahrenden Bus heraus, ein paar Fotos zu schießen. Verschmutzte Fensterscheiben sowie Geschwindigkeit und Erschütterungen des Buses machen es nicht leicht, brauchbare Bilder zu bekommen.

Die Straße windet sich durch eine grüne, bergige Landschaft. Dünne Wasserfälle stürzen über schroffe Felswände. Wir überqueren den blauen Nil, der eindeutig braun ist. Wiesen und Strassenränder leuchten gelb von den Blüten der Meskel Blumen.


Der Blaue Nil ist braun


Meskel Blumen vergolden die Landschaft


Unterwegs


Unterwegs


Unterwegs


Kaffeepause


Kurz vor Bahir Dar



Bahir Dar – Tanasee



Der Tanasee ist Afrikas höchstgelegener (1.786m ü. d. Meeresspiegel) und Äthiopiens größter See. Er ist ca. 70 km lang und bis zu 65 km breit und hat eine Fläche von über als 3.000 km².

Bahir Dar, die Stadt am Tanasee, wird in Reiseführern und Reiseberichten gerne als die schönste Stadt Äthiopiens beschrieben, oder sogar als "äthiopische Riviera" beschwärmt. Soviel Lob weckt natürlich Erwartungen.

Als wir aus dem Bus stiegen fanden wir uns in einer lebendigen, quirligen Stadt wieder. Die Straßen mit knatternden Tuk-Tuks vollgestopft, Menschen strömten unablässig durch die von Restaurants, kleinen Läden und Cafes gesäumten Hauptstrassen.

Es gab jede Menge Hotels in allen Preislagen. In kleinen Saftläden bekam man leckere Fruchtäfte aus Papaya, Avocado, Mango, Banane etc. Die Früchte wurden im Mixer pürriert und als Fruchtmus im Glas serviert. Lecker, lecker, lecker…

Und tatsächlich gab es ein paar palmenbestandene Straßenabschnitte und Grünflächen am Seeufer, die man mit viel Wohlwollen als Alleen bezeichnen könnte. Unter den staubigen Palmen dieser ‚Alleen‘ saßen viele, teils aggressiv auftretende Bettler, was den Spaß am flanieren nicht gerade erhöhte. Wenn wir kein Geld gaben riefen sie Schimpfworte hinter uns her, die wir zwar nicht wörtlich verstanden da auf Amharisch, den Tonfall jedoch schon.

Nervig waren die vielen Schlepper und Guides, die vor allem in Hafennähe herumlungerten, uns alle paar Meter anquatschten, um ihre teils abstrus überteuerten Bootsfahrten oder Ausflüge zu verkaufen.

Injera

Jeder Reisende wird in Äthiopien mit Injera konfrontiert. In praktisch allen Reataurants steht Injera auf der Speisekarte und, oftmals nichts anderes. Injera ist das äthiopische Nationalgericht schlechthin. Äthiopier essen Injera überall und ständig, mindestens drei Mal am Tag, am liebsten schon als Frühstück.

Da es in Bahir Dar reichlich Restaurants gab, suchten wir uns ein Restaurant aus, das den Eindruck machte, als könnten sie kochen. Wir bestellten Injera mit Gemüse und Fleisch. Die Köchin fragte uns, ob wir das Fleisch roh oder gekocht haben wollten, wir haben uns dann für die gekochte Variante entschieden… ;)

Grundlage dieses Gerichtes ist ein säuerlicher, schwammartiger Teig in Form eines Fladens, manchmal auch zusammengerollt. Dazu gibt es je nach Wunsch verschiedene Gemüse-Curries, Soßen und Fleisch. Gegessen wird mit der Hand. Man reißt ein Stück vom Injera ab, nimmt damit die Curries auf und steckt sich das Ganze in den Mund. Was mit einem Chapati ganz gut funktioniert, ist mit Injera nicht so einfach. Da der Teig sehr weich ist, saugt er sich schnell mit Flüssigkeit voll und fällt dann auseinander.

Das Injera mit dem säuerlichen Geschmack und der wabbligen Konsistenz war für mich keine Liebe auf den ersten Biss. Ich würde nicht sagen, dass das Ganze schlecht schmeckte, aber sicherlich gewöhnungsbedürftig. Ich habe auf unserer Reise noch öfters Injera gegessen, aber so richtig konnte ich mich mit dem Sauerteig nie anfreunden.

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14 Apr 2018 19:31 #518680
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Zu den Klöstern vom Tana See

Die Inseln des Tana Sees sind für ihre Klöster und Kirchen berühmt. Diese stammen teilweise aus dem 14. Jahrhundert und werden noch heute von Mönchen bewohnt. Manche dürfen besucht werden, manche nur von Männern, manche gar nicht.

Üblicherweise macht man eine Bootstour zu den Inseln und/oder zu den am Seeufer liegenden Klöstern. Die auf der Halbinsel Zeghe liegenden Klöster kann man auch mit dem lokalen Bus erreichen, der mehrmals am Tag die Strecke fährt. Das kann jedoch ein langwieriges Unternehmen werden, da der Bus erst fährt, wenn er voll ist.

Wir entschieden uns für das Boot. Am nächsten Vormittag schaukelten wir im Schritttempo durch das milchig-braune Gewässer. Mit uns im Boot ein zufällig zusammengefügtes Grüppchen Klosterinteressierter. Darunter mehrere Israelis, ein Inder, zwei Äthiopier, eine Kenianerin und ein Deutscher.

Manchmal sahen wir Wasservögel, Pelikane oder ähnliches. Es soll auch Hypos geben, gesehen haben wir keine. Interessant sind die Papyrusboote, die von Bauweise und Aussehen denen ähneln, die ich am Titicacasee in Peru gesehen habe.


Tanasee


Papyrusboot am Tanasee

Entos Eyesu Monastery

Wir steuerten auf eines der Eilande zu, die wie kleine, grüne Hügel aus dem Wasser ragten. Unser erstes Kloster, Entos Eyesu Monastery, lag auf einer lauschigen Insel, etwa eine halbe Bootsstunde von Bahir Dar entfernt.

Tana See – Klosterinsel Entos Eyesu Monastery

Vom Bootsanleger stiegen wir einen schmalen Pfad zu einem unscheinbaren Gebäude empor. Auf halbem Wege wurden wir in ein Steinhäuschen gebeten. Dort erklärte uns eine Frau in Nonnentracht einiges auf Amharisch. Wir rätseln noch heute, was sie uns sagen wollte.

Vor dem Betreten des eigentlichen Heiligtums muss man, wie bei Heiligtümern üblich, die Schuhe ausziehen. Ein Kloster-Guide mit Zeigestock erklärte uns die Bedeutung der Wandmalereien. Diesmal auf Englisch, aber mit so viel amharischem Dialekt, dass ich es bald aufgab, seinen Worten zu folgen.

Die Gemälde zeigten Szenen aus der christlichen Mythologie, Jesus, Apostel, Heilige und viele blutige Szenen. Die leuchtend bunten Farben sahen so frisch aus, als wären sie gerade gemalt. Auch wenn die bunten Bilder durchaus betrachtenswert waren, war ich etwas enttäuscht, hier war nichts älter als ein paar Jahre.


Die Bilder des Entos Eyesu Monastery sind knallig-bunt


Entos Eyesu Monastery


Entos Eyesu Monastery

Halbinsel Zeghe - Kloster Azwa Mariam
Sehenswerter war das zweite Kloster, das wir besuchten, Azewa Mariam. Das Hauptgebäude, ein grasbedecktes Rundhaus, wirkte außen schlicht, beeindruckte aber im Inneren mit uralten Malereien, die zum großen Teil aus dem 14. Jahrhundert stammten.

Ein überdachter Rundgang umschloss das Kircheninnere. Nur wenig Licht drang in dünnen Streifen durch eine Bambuswand ins Innerste. Mit seinen im Halbdunkel verborgenen, Jahrhunderte alten Malereien, ein beeindruckender, mystischer Ort.


Azwa Mariam


Azwa Mariam


Rundgang um das Kircheninnere




Ein Guide erklärt den Besuchern die Geschichte der Kirche und der Malereien














Am Bootanlegeplatz vertreiben sich die Kids die Zeit auf ihre Weise.
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14 Apr 2018 19:33 #518682
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Zu den Tisissat-Wasserfällen des Blauen Nil (Blue Nile Falls)

Um zu den Wasserfällen zu gelangen, muss man etwa 30km schlechte bis sehr schlechte Straße zurücklegen. Vor allem wenn es geregnet hat, sind weite Teile der Piste verschlammt und mit normalen PKWs nur schwer zu passieren.

Zu den Wasserfällen, bzw. zum nahegelegenen Dorf Tis Issat fährt ein lokaler Bus. Das ist, vor allem in der Regenzeit, eine zeitaufwändige Tour und da wir die Wasserfälle noch am selben Tag besuchen wollten, buchten wir die Tour in einem privaten Minibus.


Lokal Bus zum Dorf Tis Issat

Auch in privaten Minibussen ist man nicht vor allen Widrigkeiten geschützt. Wenige Kilometer hinter Bahir Dar gab das Fahrzeug den Geist auf.

Der Fahrer forderte per Handy ein Ersatzfahrzeug an:

"New car is coming in ten minutes from Bahir Dar"

Wir setzten uns auf ein Mäuerchen am Straßenrand und schauten zu, was so an uns vorbeizog. Ein Bus, ein Tuktuk, noch ein Tuktuk, ein Maultierkarren, etwas Undefinierbares, wieder ein Tuktuk, mit Bündeln beladene Frauen, mit Stöcken bewaffnete Männer, eine Gruppe kichernde Kinder ...













Nach einer halben Stunde sagte unser Fahrer zum dritten Mal:

"New car is coming in ten minutes from Bahir Dar"

Ich fand es eigentlich ganz interessant an dieser staubigen Straße zu sitzen, aber die Sonne stand bedenklich tief und die Zeit zum Besuch der Wasserfälle wurde immer knapper.

Eine Stunde und mehreren "New car is coming in ten minutes from Bahir Dar" später kam das Ersatzfahrzeug. Die Straße wurde zunehmend schlechter, tiefe Fahrrillen und verschlammte Abschnitte forderten die Fahrkünste des Drivers. Wir kamen nur langsam voran und als wir schließlich ankamen, war es schon kurz vor dunkel.

Vom Dorfes aus mussten wir noch einen Fluss per Boot überqueren und etwa eine halbe Stunde zu den Fällen laufen. Eine Schar Kinder und Jugendliche begleiteten uns auf dem Weg, manche wollten etwas verkaufen, andere wollten uns über schlüpfrige Stellen helfen.

Als wir endlich die Wasserfälle erreichten, zuckten erste Blitze über den abendlichen Wolkenhimmel. Wir hatten Glück, die Blue Nile Falls zeigten sich von ihrer besten Seite, tosende Wassermassen stürzten eindrucksvoll in dunstige Täler.







Auf dem Rückweg fing es kräftig zu regnen an und im Nu verwandelten sich alle Wege in knöcheltiefe Schlammpfade. Blitze zuckten gespenstisch um uns herum, als wir in der Dunkelheit zurückstolperten. Total durchnässt und schlammbespritzt erreichten wir das Dorf und unser Fahrzeug. Die Dorfjugend hatte sich längst verzogen.
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29 Apr 2018 12:46 #519969
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Gonder
"Gonder (amharisch ጎንደር gondär, auch Gondar) ist eine Stadt in Äthiopien in der Region Amhara. Sie hat etwa 342.000 Einwohner (Schätzung 2016). Die Region ist gebirgig, die Stadt liegt auf 2133 m Höhe. In den Bergen nördlich von ihr entspringt ein Fluss, der lange als die Quelle des Blauen Nils betrachtet wurde.
Von 1636 bis 1855 war Gonder die äthiopische Hauptstadt. Von Kaiser Fasilides gegründet, war Gonder die erste permanente Hauptstadt seit den antiken Zeiten von Aksum und Lalibela.
In Gonder finden sich Schlösser und zahlreiche Kirchen. Trotz des Bombardements der Briten im Befreiungskampf von 1941 blieben die meisten Bauten von Gonder gut erhalten.
Gonder verfügt über eine Universität und einen Flughafen."

Quelle: Wikipedia


Gonder

Gonder

Neben Axum und Lalibela ist Gondar das bedeutendste religiöse Zentrum des Landes und gehört zu den Orten, die man auf einer Äthiopienreise nicht auslassen darf.

Von Bahir Dar am Lake Tana nach Gonder führt eine gut ausgebaute Straße. Wir legten die vierstündige Strecke in einem Minibus recht komfortabel zurück. Ein bisschen nervig war nur, dass der Minibus gute zwei Stunden in Bahir Dar herumkurvte um Fahrgäste aufzusammeln, bis endlich der letzte Platz voll war. Aber wir sind in Afrika und da ist das normal.

Das Busbahnhofsviertel in Gondar wirkt ziemlich chaotisch, als wir dort ausstiegen. Sofort wurden wir von einer Gruppe Jugendlicher und junger Männer umlagert, die von allen Seiten Taxis, Hotels oder Dienstleistungen als Gepäckträger oder Guides anboten. In typisch äthiopischer Weise umlagerten sie uns penetrant und als wir ablehnten und Richtung Hauptstraße gingen, versuchte einer der Jungs den Reisverschluss am Rucksack meiner Frau zu öffnen. Ähnliches ist uns schon in Bahir Dar passiert, wo aggressive Bettler versuchten sich an unseren Rucksäcken zu vergreifen.

Wir schnappten uns ein Tuk-Tuk und ließen uns durch die quirligen Strassen zum L-Shape Hotel bringen. Das ist ein recht nettes Budget-Hotel, wir bekamen ein Zimmer mit Balkon für 230 Birr.

Die Hauptattraktion Gondars sind die zahlreichen mittelalterliche Burgen und Schlösser, die so zwischen 1600-1800 von den jeweils regierenden Kaisern errichtet wurden. Darüber hinaus gibt es noch Kirchen, Klöster und andere Heiligtümer.
Der Palastbezirk Fasil Ghebbi befindet sich in der Stadtmitte Gondars und ist somit leicht zu erreichen. Vom L-Shape Hotel aus könnte man hinlaufen, wir nehmen jedoch eins der allgegenwärtigen Tuk-Tuk’s.

Die burgartig gebauten Schlösser sind tatsächlich erstaunlich. Portugiesische, indische, arabische sowie äthiopische Baustile vermischen sich in den Gebäuden auf dem etwa 7.000 m² umfassenden Komplex.

Mein erster Gedanke war: Etwas Vergleichbares habe ich in Afrika noch nie gesehen!


Palastbezirk Fasil Ghebbi























Das Kloster Debre Berhan Selassie
(Kloster der Dreieinigkeit auf dem Berge des Lichts)

Das Kloster wurde von Kaiser Iyasu um 1694 gegründet. Es ist bekannt für seine Wandmalereien, die zu den schönsten Äthiopiens gehören sollen.

Mit einem Tuk-Tuk kommt man schnell vom Stadtzentrum zum Kloster. Auch wenn man für Kirchen und Klöster nicht so viel übrig hat, lohnt sich ein Besuch. Der Raum mit den Wandmalereien ist ist dunkel, lediglich durch die halbgeöffneten Türen dringt etwas Tageslicht ins Innere.


Kloster Debre Berhan Selassie






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