THEMA: Entebbe bis Kigali in 1500 km
05 Mär 2018 18:29 #513174
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  • Mabe am 05 Mär 2018 18:29
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Nach vielen Reisen in das südliche Afrika sind wir uns nun erstmals als Selbstfahrer in Ostafrika unterwegs gewesen.
In rund 2 ½ Wochen sind wir von Entebbe in einer Westschleife nach Kigali gefahren.
Einen ausführlichen bebilderten Bericht gibt es dieses mal nicht, aber angesichts des großen Interesses an der Region möchte ich doch ein paar Fakten und Erfahrungen teilen.

Flug:
Mit Turkish via Istanbul
Einstieg unkoordiniert chaotisch und Unmengen Handgepäck an Bord
Service etwas mau (wenig Getränke, wenig Durchgang)
Zwischenstop in Kigali auf dem Flug nach Entebbe: sobald die Passagiere mit Ziel Kigali ausgestiegen sind, wird das Handgepäck kontrolliert bzw. zugeordnet; evtl noch getankt-> das dauert...
Auf dem Rückweg von Kigali gibt es einen Zwischenstop in Entebbe: sobald die Passagiere mit Ziel Entebbe ausgestiegen sind, wird das Handgepäck kontrolliert bzw. zugeordnet; evtl noch getankt, dann kommt ein Reinigungstrupp-> das dauert...

Der Flughafen in Kigali ist, behaupte ich jetzt mal, der sicherste Flughafen der Welt: Die Zufahrt ist hochbewacht. An der ersten Schranke muss man Motorhaube und Heck öffnen, das Gepäck komplett ausladen und auf einem Podest ablegen. Das Auto wird von unten mittels Spiegel untersucht, man selbst geht durch Kontrollschranken wie aus Flughäfen bekannt. Das Gepäck wird dann noch eindringlich von einem Hund beschnüffelt und untersucht. Der Verbeiner ist fast in unsere Kühlbox reingeklettert… Dann darf man weiterfahren aber es gibt noch riesig hohe Betonmauern, die man umkreiseln muss.
In den Flughafen geht es nur durch eine weitere Sicherheitsschleuse (Schuhe aus, Kamera auspacken…) und auch erst, wenn der Check-in schon auf hat.
Nach dem Einchecken, zum Gate muss man dann noch mal durch die gleiche Prozedur. Übrigens gibt es im ganzen Flughafen kein Bierchen...
Ich weiss nicht, wovor sich das Land fürchtet, aber auch in Kigali steht an jeder Ecke ein Hochbewaffneter und eine Mall durften wir ebenfalls erst nach Sicherheitscheck betreten.

Die Umsteigezeit in Istanbul auf dem Rückweg betrug knapp eine Stunde – eigentlich unmöglich, da eine zentrale Sicherheitskontrolle zu bewältigen ist. Zum Glück rief schon jemand die Anschlussflüge aus und schleuste uns an den laaangen Schlangen vorbei. Irgendwie alles chaotisch und hektisch und man sah, dass dabei schon die eine oder andere Brille, Gürtel etc auf der Strecke bleiben.

Auto:
Gebucht bei Alpha car rental
Von Anfang an ein sehr netter Kontakt und alles mega-unkompliziert. Kaution, Übergabeprotokoll? – völlig überflüssig!
Das Auto war schlappe 20 Jahre alt, brachte uns aber durch dick und dünn. Der Reservereifen…nunja…immerhin gab es Wagenheber und Schraubenschlüssel.


Navigation:
Ausschilderung in Uganda ? - Fehlanzeige.
Eine Kombination aus T4A, OSM und Maps.me, gepaart mit gesundem Menschenverstand brachte uns durchs Land. Ob das immer die besten Routen waren? – egal.
Viele andere Selbstfahrer haben wir nicht gesehen. Auf einem Abschnitt, der uns auch nicht ganz geheuer vorkam – die o.g. Systeme hatten so ihre unterschiedlichen Präferenzen – begegnete uns ein Fahrzeug (kam ohnehin selten vor), hielt an und die Muzungus fragten nur „Katanga“? Kein „Hallo, wie geht´s“, nein, nur „Katanga“. Ich weiss noch nicht mal, ob wir überhaupt geantwortet haben, da sind die beiden schon weiter gebrettert. Irgendwie skurril: treffen sich zwei Weisse in Uganda….


Unterkünfte:
Als eingefleischte Camper haben wir lange überlegt….uns aber letztlich gegen das Campen entschieden. Im Ergebnis waren wir auch sehr glücklich damit. Es hat relativ viel geregnet, dabei soll der Februar noch einer der trockenen Monate sein und wir haben kaum schöne Campsites gesehen.
Zudem ist die Versorgungslage nicht so komfortabel wie im südlichen Afrika. Es gibt keine Supermärkte, sondern unzählig viele kleine Läden. Möglicherweise bekommt man dort alles, aber dann braucht man wohl doch mehr Zeit. Campen mit Versorgung bei den Lodges wäre evtl noch eine Alternative, aber das ist dann auch nichts Halbes und nichts Ganzes.
Wir fanden, wir haben es genau richtig gemacht.

Die Unterkünfte haben wir alle im Vorfeld über den Autovermieter buchen lassen:

Durchweg Mittelklasse bis gehobene Mittelklasse (=100 $ für 2 Personen mit Halbpension)
Insgesamt überall gut gegessen, Frühstück meist mit Auswahl , Abendessen in der Regel Suppe, Hauptgang, Nachtisch ebenfalls mit Auswahl (am Tag zuvor)
Überall sehr freundliches Personal, top Matratzen! Wir haben soo viele Matratzentransporter gesehen und auch auf den Matatus waren immer zusammengerollte Matratzen im Gepäck; das scheint ein besonderer Wirtschaftszweig in Uganda zu sein

Fortsetzung folgt...
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05 Mär 2018 18:57 #513178
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Hallo Mabe,
ein paar hübsche Fotos wirst du doch sicher für uns Fomis haben, oder? Da ich in meinem Leben nicht mehr nach Uganda kommen werde, würde ich mich sehr darüber freuen.

Ich amüsiere mich über deinen Avatar "Mabe" denke dann an "Bele" und ihren Laden in BOT "Mabele". Das ist wie bei zerteilten Regenwürmern, der eine mimt das Vorder- die andere das Hinterteil :P :silly: .

Danke im Voraus :kiss:
freshy
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Guten Abend, Mabe, kann Freshy nur unterstützen!
By the way: Als ich vor gefühlt 100 Jahren ein paar Mal auf dem Flughafen in Kigali auf einen Anschlussflug gewartet habe, gab es dort noch köstliche Sambusas und kühles Bier...
"früher war also doch (fast) alles besser und schöner"
Viele Grüße Friederike
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05 Mär 2018 23:02 #513205
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... muss natürlich "Samosas" heißen...
Friederike
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06 Mär 2018 17:25 #513306
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@ freshy und CuF, danke für eure Interessensbekundung. Und natürlich auch den Danke-Button-Drückern!

Zum Bilder sortieren, auswählen etc komme ich leider aktuell nicht. Ich gelobe, ein wenig nachzuliefern.

Angesichts des Interesses an Uganda will ich aber zumindest schon mal einen Kurzbericht vorlegen. Mit den Bildern müsst ihr noch etwas Geduld haben.
Ausserdem schreibt Chrissie doch gerade und hat ordentlich Bilder im Angebot. Es gibt ja doch einige Schnittmengen unserer Reisen.

Chrissie, wann geht´s denn weiter?

Salüle
Mabe
Letzte Änderung: 06 Mär 2018 17:26 von Mabe.
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06 Mär 2018 17:36 #513310
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Sodele, denn mal zunächst zu den

Unterkünften

Entebbe, Pine Apple Guest House:
Schöne, große Zimmer mit eigener Dusche/WC
Gemeinschaftsraum, Veranda, Garten und ein netter Pool!
Blick auf Lake Victoria,
Abholung vom Flughafen
absolut empfehlenswert

Schuhschnabel Tour mit SunsetEntebbe, prima Tour, sehr individuelle Zeiten möglich

Kibale Forest Camp
Zelt (Tent, not self-contained)
Sehr hübsch in der Anlage gelegen, komfortables Zelt mit eigener Veranda
Gemeinsamer Sanitärblock (2 WC/ 2 Duschen), sehr sauber
Gemeinschaftsbereich beim Restaurant mit Bar
Gute Lage für Kibale Forest, shops in Bigodi oder z.B. den Bigodi Swamp walk (top!)
Empfehlenswert

hier natürlich die Schimpansentour machen!
Nightwalk nur bedingt zu empfehlen, 2 Galagos, die hoch oben in den Bäumen kaum zu erkennen waren, sonst nichts, mäßig engagierte Ranger


Bush Lodge, QENP
Self contained tent
Super Lage, etwas abseits von den Lodge-Hauptgebäuden, klasse Blick in ein Tal bzw. Gegenhang, dort immer was zu sehen; auch am Zelt nachts Wildlife (Löwen, Hippos), im Dunkeln daher nicht zu Fuss gehen bzw. nur in Begleitung vom Personal
Kompost-Toilette, Outdoor-Dusche, Veranda
Essen wurde unter freiem Himmel serviert (wetterabhängig)
Gute Lage für QENP
Sehr empfehlenswert, hat uns im Nachhinein am besten gefallen!


Enjojo Lodge, Ishasha
Die einfacheren Übernachtungsmöglichkeiten sind etwas abseits gelegen (nennt sich african village und bietet auch Campmöglichkeit)
Erste Nacht, Bamboo hut: dunkler Raum mit Fledermäusen und entsprechend Fledermaus-Puh; keine Möglichkeit überdacht draussen zu sitzen (es regnete)
Zweite Nacht, Stilted tent, viel besser, auch wenn es hier und da etwas reingeregnet hat, eigene Veranda
Ablutions waren ok und semi-sauber; hängt aber auch leider immer von den unmittelbaren Vorbenutzern ab
Insgesamt alles etwas vernachlässigt
Personal war leicht überfordert (1. Tag kaum Gäste; 2. Tag viele Gäste)
Prima Lage für die Erkundung der Ishasha-section
Noch zu empfehlen, ausgenommen die Bamboo Hut

Rushaga Gorilla Camp
Cabin
Erste Cabin war laut (staff wohnte wohl nebenan), Tür liess sich nicht abschliessen und die Spülung funktionierte nicht
Umzug in andere Cabin (Nr. 6), die ok war, ausreichend groß, Balkon, heisses Wasser war allerdings Glückssache
Kein Room-Service (z. B mal Betten machen, Boden säubern wär schön gewesen…)
Noch zu empfehlen, evtl nächstes Mal bessere Zimmerkategorie
Hier natürlich das Gorilla-Tracking machen

Rwanda, The Peak Spot, Kinigi
Die teuerste Unterkunft unserer Reise (142 $ bed and breakfast only!)
Cabin war dunkel, muffig, feucht und der Regen kam durch die Tür, Strom war bei unserer Ankunft auch gerade nicht da
Wir waren die einzigen Gäste (im Gästebuch waren in den letzten sechs Wochen nur drei Einträge) und durften in das family cottage umziehen, was deutlich besser war: Mehr Licht durch die Fenster, funktionierende Toilette, etwas besserer Geruch wenn auch immer noch ein leichter Muff, Kaminfeuer!,Draussensitzmöglichkeit
Das Personal mühte sich redlich, uns den Aufenthalt angenehm zu gestalten – es regnete in Strömen und es war kalt – machte Wärmflaschen für die Nacht und heizte den Kamin/ die Kamine an

Die Zufahrt ist etwas “rauh”. Jegliche Aktivitäten im Park müssen in Kinigi arrangiert werden, wovon wir angesichts der Piste und des Wetters abgesehen haben

Hier bei Kinigi fanden wir es im Vorfeld am schwierigsten, eine geeignete Unterkunft zu finden: das Kinigi Guesthouse war leider nicht erreichbar und alle anderen Unterkünfte waren noch teurer. Kinigi ist Ausgangspunkt für die Gorilla-Trackings in Rwanda und bei 1.500 $ fürs Permit sitzt das Geld für Unterkünfte vielleicht bei vielen etwas lockerer

Preis und Leistung standen in keinem guten Verhältnis und wir würden auf jeden Fall etwas anderes testen, sofern es uns noch mal in die Richtung verschlägt


Rwanda, Paradis Malahide, Gisenyi
Stone Cabin mit Seeblick
Hübsch und geräumig, leider keine eigene Draussensitzmöglichkeit,
die Anlage bietet aber einen eigenen Strandabschnitt mit Liegen und auch sonst genug Sitzmöglichkeiten am See
Einige Cabins sind etwas zurückgesetzt und daher evtl dunkel
Es gibt ein neues zweistöckiges Gebäude mit Appartments und eigener Veranda – das würden wir beim nächsten Mal testen

Sehr empfehlenswert – Halbpension ist nicht nötig, dinner a la carte ist völlig ausreichend und preiswerter

Virunga Amani Tours
Wir wollten unbedingt zum Lavasee auf den Nyarogongo.
Ich hatte Kontakt zu zwei, drei Agenturen und mich letztlich für Jean Bosco und Virunga Amani Tours entschieden.
Hier wurden Fragen prompt und informativ beantwortet und es war ein netter Kontakt von der ersten Sekunde an.
Wir haben Jean am Vorabend der Tour kennengelernt und es war alles perfekt organisiert, von den Transfers, der Begleitung über die Grenze in den Kongo (übrigens ein bemerkenswert funktioneller und sauberer Grenzübergang in Afrika, wie wir ihn noch nirgendwo sonst erlebt haben), den Permits und Visa etc. Jean war bis zum Start der Tour in unserer Nähe und erwartete uns bei der Rückkehr. Wir hatten zu dritt einen eigenen Koch, Amani, der sich sehr um uns kümmerte, unterwegs mit Snacks versorgte und unter einfachsten Verhältnissen ein top Essen für uns bereitete.
Diese Tour war echt das Highlight unserer Reise und ich bin sehr froh, dass wir es a) überhaupt und b) mit Virunga Amani Tours gemacht haben.

Sehr zu empfehlen!!!


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Letzte Änderung: 06 Mär 2018 17:37 von Mabe.
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