THEMA: Kurzer Reisebericht - Masai Mara 2011
24 Jun 2012 16:46 #240575
  • Papa Kenia
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  • Papa Kenia am 24 Jun 2012 16:46
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Nachdem ich nun lange Zeit hier mitlese, habe ich mich doch durchgerungen, mich hier anzumelden und mal einen kleinen Bericht einer kleinen Safari einzustellen.

ICH? Wer ist ICH überhaupt? ICH ist männlich, älteres Semester und wohnt irgendwo im Nirgendwo zwischen Münsterland und Ruhrgebiet.

Mit Afrika kam ich 1998 zum ersten Mal in Berührung. Pauschalurlaub am Diani Beach mit Einsteiger-Safari.

2007 wurde Namibia als Selbstfahrer bereist. Allerdings in kleiner Gruppe. Sechs Leute mit zwei Autos. Und zwar die mehr oder weniger klassische Route, ohne Fish River, jedoch mit Caprivi, Mamili, Vic Falls und über Botswana zurück.

Seit 2008 bereise ich um die Weihnachtszeit Kenia. Baden, relaxen und Safari ist dann angesagt. Wobei die Sucht nach Safaris immer größer wird.

Nachdem ich nun mehrfach in Tsavo-Ost, Tsavo West und Amboseli war, gönnte ich mir Ende letzten Jahres eine Flugsafari in die Masai-Mara. Es waren zwar leider nur vier Tage; aber wer die Safari-Preise in Kenia kennt, der kann sich denken warum.

Hier der Bericht, der hoffentlich dem Ein oder Anderen interessiert:


Ein paar Tage vor Weihnachten im Jahre 2011.

Tag 1

Wie mit dem Safariunternehmen meines Vertrauens vereinbart, stand pünktlich um 7.30 Uhr ein Fahrer vor meinem Hotel um mich abzuholen. Die Fahrtzeit nach Ukunda zum kleinen Flughafen betrug ca. 15 Minuten. Hier gab es einen Sicherheitscheck wie an jedem internationalen Großflughafen. Nachdem das Gepäck und man selbst auch „durchleuchtet“ war, konnte man aber bedenkenlos wieder vor die Tür und ein Zigarettchen rauchen. Und anschließend einfach an der Sicherheitsschranke vorbeigehen. That’s Africa!

In der kleinen Abflughalle warteten wir auf den Abflug. Nachdem die Passagierliste abgehakt war; - jeder Passagier wurde namentlich mit dem Vornamen aufgerufen -, hieß es dann „Please go on board“. Der Flieger war voll besetzt. 19 Gäste hatten in der Maschine Platz. Es war ein ruhiger Flug bei klarem Wetter. Auf halber Strecke sah man in einigen Kilometern Entfernung den Kilimandscharo in seiner vollen Pracht. Gegen halb elf landete die kleine Maschine zum ersten Zwischenstopp in der Mara, wo acht Leute ausstiegen. Dann hob die Maschine wieder ab um 10 Minuten später auf dem Kichwa-Tembo-Airstrip zu landen. Hier stiegen dann die restlichen Fluggäste aus.


Die Camps hatten sechs oder sieben Wagen geschickt, um die Fluggäste abzuholen. Ich war der einzige Passagier, der zum Mara Timbo Camp wollte. Ich wurde von Titus und dem Massai Joel in Empfang genommen. Dann ging es im Safarijeep in Richtung Gate. In mir kamen Emotionen hoch, wie ich sie noch nie gekannt habe. Die Landschaft – der helle Wahnsinn! Dieses Landschaftsbild hat mich umgehauen!


Bereits auf dem Weg vom Airstrip zum Gate hüpften Impala und Dik Dik’s durch’s Gelände. Eine Zebraherde graste links vom Wagen und ein „Kenia-Expreß“ (Warzenschwein) jagte quer vor dem Kühler über die „Prärie“. Während der rund viertelstündigen Fahrt zum Ololoolo-Gate stellten meine beiden Guides mir frei, ob sie mich zum Mittagessen ins Camp fahren sollten, oder lieber sofort rein in den Park und Picknick freier Natur. In weiser Voraussicht hatten sie die Verpflegung dabei. Denn ich wollte nichts mehr als rein in den Park und Natur genießen und Tiere sehen.

Gegen 11.30 Uhr waren wir also im Park und noch keine 100 m weit gefahren, als rechter Hand zwei Giraffen als Fotomodelle posierten. Die beiden standen wir angewurzelt und schauten in Richtung Gate als ob sie fragen wollten: Kommen da noch mehr Touris?


Aber es kamen vorerst keine mehr, der Park gehörte Titus, Joel und mir alleine. Weit und breit kein anderes Fahrzeug aus einem anderen Camp zu sehen. Und die Tiere ließen nicht lange auf sich warten. Löwen, ein Nashorn, Wasserböcke, Zebras, Impala und wieder eine Giraffe. Meine Kamera hatte Hochbetrieb. Und wenn ich nicht auf den Auslöser drückte bekam ich den Mund nicht mehr zu. Diese Landschaft! Irre! Und Joel, der Massai, sah, wie schwer beeindruckt ich von Landschaft und Tierwelt war. Und er blühte richtig auf und erzählte und erzählte und erzählte. Und jedes Mal, wenn sich ein neues Motiv zeigte, trat Titus auf die Bremse und hielt an, damit ich meine Kamera wieder anlegen konnte. Als ob er gerochen hat, wann ein Fotostopp einzulegen ist.


Gegen 13 Uhr machten wir Rast. Es war zwar pralle Mittagssonne, die Hitze war aber erträglich. Ich habe die Temperatur auf ca. 25 Grad im Schatten geschätzt. Also rund 10 Grad weniger als an der Diani – Küste. Unter einem einsamen Baum inmitten unendlicher Weite bauten Titus und Joel im Schatten des Baumes einen Tisch und einen Stuhl auf. Der Tisch wurde noch hübsch mit einer Decke geschmückt. Das hatte Stil! So kennt man es schließlich aus dem Fernsehen. Nachdem die beiden mir alles tischgerecht zubereitet hatten, zogen sich Joel und Titus diskret zurück – was mir aber absolut nicht passte. Ich forderte die beiden auf, gemeinsam mit mir am Tisch zu essen. Damit schienen sie nicht gerechnet zu haben, nahmen dafür umso begeisterter am Tisch Platz.

Dann wurde das Luchpaket ausgepackt. Das war dann nicht mehr ganz so stilvoll, weil es in Tupperdosen verpackt war; aber - wie will man es sonst machen? Umso überraschter war ich von dem Inhalt. Wir haben uns Sandwich, kalte Pizza, Ei, Banane, Kuchen und Saft und Wasser schmecken lassen. Und Joel beantwortete all meine Fragen. Und er erklärte mit viel über das Verhalten der verschiedenen Tierarten. Er erzählte von dem Gebiet der Masai Mara. Von seinem Stamm. Über das Leben und die Tradition der Massai. Und sie waren auch neugierig und ich musste ihnen von Europa, speziell natürlich von Deutschland berichten. Trotz dieser ziemlich relaxten Runde spähten Joel und Titus immer wieder in die Runde, ob sich nicht irgendwo eine Katze anschleicht. Immerhin hatte es in letzter Zeit viel geregnet. Und wo Regen ist, das sprießt das Gras. Und das war um uns herum so geschätzte 30 bis 40 Zentimeter hoch.


Die Stunde Mittagpause verging wie im Flug. Kurz bevor wir unsere Utensilien ins Auto packten, sagte Titus, dass das Nashorn, welches wir auf der Hinfahrt in einem Schlammloch suhlend gesehen hatten, nun stehen würde. Joel bestätigte das. Die beiden haben Augen wie Adler und sehen noch Zecken, wenn sie sich irgendwo in 100 Metern auf einem Grashalm aufhalten.

Sie sahen meinen verwunderten Gesichtsausdruck und zeigten auf ein schwarzes Etwas in zirka zwei Kilometern Entfernung. Für meine europäischen Augen hätte das auch ein kleiner Felsen sein können.

Also nahmen wir nochmals Kurs Richtung Nashorn. Auf meiner mittlerweile fünften Safari habe ich dann doch noch mein erstes Rhino in freier Wildbahn mal in voller Lebensgröße gesehen.

Nach weiteren zwei Stunden Sightseeing machten wir uns dann auf Richtung Ausgang und dann weiter Richtung Mara Timbo Camp. Der Himmel hatte sich zwischenzeitlich bedrohlich zugezogen. Wir fuhren also raus aus dem Park, und andere Safariteilnehmer aus den umliegenden Camps fuhren zum Nachmittagsgamedrive rein.

Das Mara Timbo Camp liegt außerhalb des Parks und ist aufgrund der höllischen Straßenverhältnisse erst nach gut 50 Minuten zu erreichen. Aber auch hier: Landschaft und Tierwelt grandios. Traumhafter Blick auf den Mara River, der sich glänzend durch die Gegend schlängelt. Emotionen pur! Gänsehautfeeling! Und nachdem wir gegen 17 Uhr im Camp angekommen waren, öffnete Petrus ein Stunde später die Schleusen und es regnete, wie es eigentlich nur in Afrika regnen kann. Also hatte ich für diesen Tag mit meiner Planung alles richtig gemacht!


Nach einem üppigen Abendessen, diversen Bierchen und einem Kaffee „Spezial“, den Barkeeper Anthony mir nun jeden Abend bringen durfte, sank ich dann in meinem „Bettchen“ in das schwärzeste Schwarz, dass ich je erlebt habe.



Tag 2

In Afrika gehen die Uhren anders. Aber auch meine innere Uhr. Kurz vor halb sechs machte ich die Augen los und horchte. Es donnerte nicht mehr; es prasselte nicht mehr. Sollte ich Glück mit dem Wetter haben?

Also raus aus dem Bett – reisefertig machen und ab auf die Terrasse. Hier hatte Regina, mein „Personal-Butler“ bereits eine Kanne Kaffe und einige Plätzchen deponiert. Also „Small-und schnell-Frühstück“ und kurz vor sechs Uhr ab in Richtung Rezeption. Hier warteten bereits Titus und Joel. Wie aus dem Ei gepellt begrüßten mich die beiden mit einem freundlichen „Jambo!“ – Did you spleep well?“. – Ja, I did. Very well sogar. Dann schaute ich an mir herunter; ich hatte die gleichen verstaubten Sachen wie am Vortag an. Was soll’s? Ich durfte ja schließlich nur eine kleine Reisetasche mit in den Flieger nehmen. Diese Ausrede fand mein Gewissen absolut in Ordnung.

Am Abend vorher hatte ich erfahren, dass ich der einzige Gast im Camp war. Und so stellte man mir frei, ob ich jeweils einen Morgen- und. Nachmittagsgamedrive möchte, oder lieber wie bereits am Vortag die gesamte Verpflegung für Frühstück und Mittagessen mitnehmen und nur einen Gamedrive, aber dafür acht Stunden lang. Welch eine blöde Frage!

Also acht Stunden Gamedrive und Verpflegung an Bord! Mara – wir kommen.

Es war noch Zwielicht. Die Sonne war noch nicht aufgegangen. Der Himmel noch Wolken verhangen. Das Regenwasser verdunstete. Die Steppe qualmte. Zwei Freiluftballons waren an diesem frühen Morgen unterwegs. Das muss ein tolles Erlebnis sein. Vielleicht beim nächsten Mal!


Eine knappe Stunde lang wurden wir dann gut durchgerüttelt und geschüttelt, denn der Weg auf dieser Seite des Mara River ist eine Katastrophe. Aber Abenteuer pur! Ich habe es genossen. Für High-Heels-besohlte Safari-Madels und selbsternannte Wildhüter in Badeschlappen (beides gibt es wirklich!!!! – Diese Spezies habe ich nämlich im Flieger gesichtet!) ist das mit Sicherheit nichts.

Der Massai fragte mich unterwegs, ob es solche Straßenverhältnisse in Deutschland auch gäbe. Als Antwort kam dann von mir, dass diese „Strecke“ in Deutschland innerhalb von vier bis fünf Wochen „befahrbar“ gemacht worden wäre. Ungläubig sah er mich an. Grinsend schickte ich dann hinterher, dass die Planung aber fünf bis sechs Jahre dauern würde.

Und dann kamen die Tiere: ein einzelner Elefant, ein Gepard (den habe ich leider fototechnisch nicht voll erwischt, weil wir noch fuhren und er rannte!), und dann eine grüne Mamba. Diese lag mitten auf der ‚Fahrbahn’. Und so fuhr Titus einen großen Bogen um diese Giftschlange. Aber erst, nachdem er sich vergewissert hatte, das ich meine Aufnahme „im Kasten“ hatte.

Und dann noch das Übliche, was sonst noch in der Mara so herumhüpft. Thomson-Gazellen, Elandantilopen, Zebras, Dik Dik, Impala und Giraffen. Und immer wieder dieses atemberaubende Landschaftsbild.


Frühstück und Mittagessen wie gehabt wieder total stilvoll im Schatten eines mächtigen Baumes.



Gegen 13.00 machten wir uns auf Richtung Ololoolo-Gate um anschließend zum Camp zu fahren. Kurz nach 14 Uhr passierten wir das Gate und quälten uns auf unserer Buckelpiste Richtung Camp. Zirka zwei Kilometer vor dem Camp passierte es dann. Titus hatte den Wagen bisher bestens unter Kontrolle und es war ihm immer wieder gelungen war, durch den teilweise sehr matschigen und schlammigen Boden zu kommen. Teilweise auch nur mit mehrmaligem Vor- und Zurücksetzen. Aber die Stelle, die Titus jetzt erwischt hatte, war durch den Regen der letzten Tage oder Wochen so unterspült, dass wir uns tiefer und tiefer einbuddelten. Uns zwar so weit, bis gar nichts mehr ging. Also aussteigen. Erst mal eine rauchen. Titus schnappte sein Handy; Joel versuchte mit seinem Handy auch sein Glück. Aber - kein Empfang. Joel und Titus wollten sich entfernen. Sie meinten, hinter der nächsten Kurve bekämen sie sicherlich Handyempfang. Ich sollte beim Wagen bleiben; aber wenn DIE kommen, sollte ich in den Wagen steigen. DIE?! Wer DIE? Joel zeigte auf die Elefantenfamilie. Bulle, Kuh und zwei kleine Elis standen, uns die Hinterteile zugewandt, keine 30 Meter von uns entfernt und zupften genüsslich Grünzeug von den Bäumen. Ich ignorierte die Elis einfach (behielt sie aber trotzdem respektvoll im Auge) und sie ignorierten mich. Gut so!

Nach einigen Minuten erschienen Joel und Titus wieder und meinten, dass Hilfe unterwegs sei. Und die kam dann auch innerhalb kürzester Zeit. Alles, was Hände und Füße hatte und schieben konnte saß in dem zweiten Camp-Wagen. Manager, Koch, Masseuse und weitere fünf Helfer stiegen aus. Mit vereinten Kräften schafften wir es dann, den Wagen flott zu bekommen. Im Camp angekommen, strahlte mich Regina an: „Cold beer?“ Kann sie Gedanken lesen? Nach diesem ‚cold beer’ am Ufer des Mara River ging es mir besser!


Und wie am Vortag taten sich gegen 17 Uhr wieder die Himmelsschleusen auf und es goss wie aus Eimern. Wieder alles richtig gemacht!

Nach einem genialen Abendessen und einem Kaffe ‚Special’ gesellte sich Joel zu mir um den morgigen Tagesablauf zu besprechen. Seiner Meinung nach würde es morgen früh regnen und wir sollten unseren Drive etwas später starten. Wir einigten uns auf folgendes Programm: Sechs Uhr Frühstück, sieben Uhr Abfahrt. Da ich meiner Meinung nach aber bisher zu wenig Elefanten gesehen hatte, musste Joel mir für morgen mehr Elis versprechen. Er versprach’s: „I’ll show you 150!“.

Tag 3

Nach einer geruhsamen Nacht schlich Regina kurz vor 6 Uhr um mein Zelt und zu sehen, ob ich schon wach war. Natürlich war ich wach! Und reisefertig! Also, raus aus dem Zelt, ab auf die Terrasse, frühstücken! „Jambo Regina, ashante sana!“

Wie Joel prophezeit hatte - es regnete. Aber die Wassermengen hielten sich in Grenzen. Es war mehr ein Nieselregen. Aber frisch war es! Ich war froh, dass ich meine Fleecejacke dabei hatte.

7 Uhr ging es dann wieder über unsere Hoppelpiste Richtung Ololoolo Gate. Kurz vor 8 Uhr ereichten wir das Gate (welch ein toller Anblick! Viel besser als das Werkstor meiner Arbeitsstätte daheim). Und es hörte auf zu regnen. Die Sonne kämpfte sich durch die Wolken. Und die ersten Sonnenstrahlen gaben eine wohltuende Wärme ab.

Unsere heutige Route führte uns in eine völlig andere Gegend der Masai Mara und ich war erstaunt, wie hügelig es in dieser Gegend war. Ich hatte immer gedacht, die gesamte Mara wäre total platt. Wie Holland. Auch hatte ich diesen Baumbestand nicht erwartet; es waren teilweise kleine Wälder. Ein Landschaftsbild also, wie ich es mir ganz und gar nicht vorgestellt hatte.

Joel sagte mir, dass er in dieser Gegend Leoparden vermutete. Aber so sehr wir auch Ausschau hielten – es kam keiner.


Dafür hielt Joel aber sein Versprechen vom Vortag. Bereits nach einer Stunde hatte ich rund 70 Elefanten gezählt, die sich im gesamten Tagesablauf auf ca. 250 erhöhten. Versprechen eingelöst!


Und dann stießen wir auf eine kleine Herde Büffel. So hautnah war ich noch nie dran. Die können ja unheimlich bescheuert gucken. Aber man weiß nie so genau, wann sie von ‚bescheuert gucken“ auf ‚aggressiv’ umschalten. Faszinierende Tiere sind es aber auf alle Fälle.

Dann erspähten wir noch Tüpfelhyänen, Impala, DikDik, Wasserböcke, Topiantilopen, Zebras, Giraffen und Elefanten, Elefanten, Elefanten. Und eine Herde Elefanten lief 10 m vor unserem Wagen quer über die Straße. Welch ein faszinierendes Bild diese Kolosse mit ihren Kleinen in der Mitte aus nächster Nähe zu sehen! Es gehört halt auch eine große Portion Glück dazu, Tiere, gleich welcher Art, aus nächster Nähe zu sehen.

Auch in dieser Hinsicht hatte ich von der Mara folgendes, falsches Bild: Tiere sehen, hinfahren, daneben parken, Foto machen, weiter. Aber in dieser Region der Masai Mara gibt es wie im Amboseli und in den Tsavo’s ein „Straßennetz“, welches bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht verlassen werden darf. In der „Talek-Region“ soll es aber ein wenig lockerer zugehen. Vielleicht war aber auch die Jahreszeit entscheidend; nach dem vielen Regen der letzten Zeit war die Chance hoch, irgendwo stecken zu bleiben.

Und dann mussten wir Abschlepphilfe leisten. Ein Safari-Jeep aus einem Nachbarcamp hatte sich festgefahren. Konnte der Typ nicht fahren? Das war doch ‚pillipalle’ gegen das, was wir gestern hatten. Lächerlich! Die Insassen des Wagens bedankten sich aber trotzdem vielmals.

Nach dem Mittagessen - wie üblich unter einem idyllisch gelegenen Baum (man gewöhnt sich schnell an so etwas) -, ging es dann Richtung Mara River. Titus und Joel zeigten mir die Stelle, wo jährlich das „Crossing“ während der Wanderung stattfindet. Die Ufer sind ganz schön steil und ich konnte mir in etwa ausmalen, welch ein Getümmel hier während der Migration entsteht. Man kennt diese Bilder ja aus dem Fernsehen.

Viel Spektakuläres ereignete sich an diesen Tag nicht mehr; sodass wir gegen 15 Uhr wieder im Camp ankamen.

Regina begrüßte uns und fragte mich nach meinen Essenswünschen für den heutigen Abend. Nachdem das auch geklärt war, begab ich mich mit einem „Tusker“ bewaffnet zu meinem Zelt, um hier mal zu relaxen. Safari kann stressig sein. Außerdem standen noch einige Fotoaufnahmen vom Zelt und vom Camp auf der „to do“ – Liste.

Das Camp ist klein und liegt am rechten Ufer des Mara-River. Es gibt Insgesamt 7 Zelte, die in nächster Nähe zum Fluss liegen. Die Abstände zwischen den Zelten sind groß genug, um eine gewisse Intimsphäre zu haben. Durch das Rauschen des Flusses, der bedingt durch den vielen Regen der letzten Zeit große Wassermengen führte, hätte man aber von eventuell vorhandenen Nachbarn wahrscheinlich sowieso nichts gehört.

Auf einem Podest von geschätzten 100 m² steht das riesige Zelt mit einem großen Doppelbett und Moskitonetz. Hinter dem Bett gibt es eine offene Regalwand mit ausreichend Ablagemöglichkeiten. Am Zelteingang stehen noch ein Hocker sowie ein Sekretär mit Stuhl. Auf der Terrasse gibt es eine Freiluftbadewanne, eine Kuschelecke mit 5 oder 6 Sitzplätzen sowie eine Kombination aus Hollywoodschaukel und Hängematte sowie einen Tisch mit Stühlen.

Ein erfrischendes Bad in der Badewanne unter freiem Himmel mit Blick auf den Fluss; ja, das hat was!



Tag 4

Nachdem Joel und ich am Vorabend den heutigen Tagesablauf besprochen hatten, hieß es für mich wieder früh raus aus den Federn. Frühstück wie gehabt auf der Terrasse. Dann auschecken und verabschieden.

Verabschieden von Personen, die ich während dieser wenigen Tage liebgewonnen habe. Von Regina, die immer unsichtbar irgendwo in meiner Nähe war und mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen hat. Abschied nehmen von Anthony, der mir jeden Tag mit seiner zurückhaltenden und sympathischen Art stolz einige tolle Geschichten von ‚seinem’ Kenia erzählt hat. Abschied nehmen vom Manager, der sich rührend um mich gekümmert hat, als ich am ersten Tag Atembeschwerden hatte. Und der erst beruhigt war, als ich ihm klarmachen konnte, dass diese Beschwerden von der ‚dünnen’ Luft kommen (und nicht vom Rauchen) und ich dieses Problem schon im Amboseli gehabt hatte. – Immerhin liegt die Masai Mara rund 1500 m über dem Meeresspiegel. Und ich bin halt ein Flachlandtiroler. Abschied nehmen von all den anderen Bediensteten und den Askari, die tags und nachts das Camp bewachten.

Aber meine Gedanken wurden ganz schnell wieder durchgerüttelt. Wir waren wieder auf unserer ‚Hausstrecke’!


Ein letztes Mal zum Ololoolo-Gate rein. Dann kam auf Joels Handy ein dezentes „Pling“ und folgende SMS – Löwen und Geparden in Planquadrat sowieso. Die Kommunikation zwischen den Jeep-Guides habe ich als sehr angenehm empfunden. Anders als in den Tsavos oder im Amboseli, wo lautstark in die Handys reingequatscht wird oder das Funkgerät fast die Motorgeräusche des Safariwagens übertönt, geht es hier in der Mara in einem sehr dezenten Geräuschpegel per SMS. Und Titus gab Gas. Es raste nicht, aber er fuhr schneller als sonst.

Nach gut 15 Minuten Fahrt schaute ich dann doch erschrocken auf. So viele Safarifahrzeuge hatte ich in den ganzen Tagen zuvor noch nicht gesehen. Aber wo rund 10 Autos parken, da gibt es auch etwas Spektakuläres zu sehen. Und so war es. Ein King Lion hatte sich sein Mittagessen geholt. Wegen des hohen Grasbewuchses sah man aber leider nur seinen Rücken und seine Mähne.

Also konzentrierten wir uns auf die andere Straßenseite. Hier schlich ein Gepard durch’s Gelände. Aber der Anblick währte auch nicht lange. Vermutlich waren ihm die vielen Fahrzeuge nicht ganz geheuer und er fühlte sich bei der Jagd gestört. Er machte eine Kehrtwende und trottete davon.


Titus, Joel und ich fuhren anschließend noch zum Hippopool. Das ist eine künstlich angelegte Aussichtsplattform mit Blick auf den Mara River und rund 20 badenden Hippos. Das Ganze hat zwar ein wenig Zoocharakter, aber was soll’s?


Um die Mittagszeit brachten Titus und Joel mich an einen Platz, an dem mein Emotionsspiegel mal wieder gehörig in Wallung geriet. Ich hatte den Eindruck, dass die beiden mich an einen Ort gebracht hatten, den nicht unbedingt jeder Tourist besucht. Sie nennen den Platz „Out of Africa“. Und ich verstand auch warum.

Von einer Anhöhe aus ging der Blick in eine unendlich weite und unendlich schöne Landschaft. Wir ersparten uns den Aufbau von Tisch und Stühlen und erledigten unseren Lunch im Stehen bzw. wir machten es uns auf dem Boden gemütlich und saßen kauend und schweigend fast eine Stunde da. Und meine Augen konnten sich nicht satt sehen.


Das war dann das letzte Highlight in der Masai Mara und es ging leider Richtung Airstrip, den wir dann gegen halb zwei erreichten. Auf dem Weg dorthin wollten Titus und Joel mir unbedingt noch einen Leoparden bieten. Doch so sehr sich Titus ohne Rücksicht auf Dickicht und Gestrüpp quer durch’s Gelände quälte; es tat sich nichts! Aber man kann so etwas nicht erzwingen. Glück gehört dazu. Und ob ich nun Big Four von Five oder alle Big Five gesehen habe?! Egal! Ein Grund mehr um wiederzukommen!

Am Kichwa Tembo Airstrip war dann Endstation. Wir warteten eine knappe halbe Stunde bis mein Flieger landete. Zwischenzeitlich waren auch noch 2 Gäste aus einem anderen Camp eingetroffen, die ebenfalls zurück an die Küste wollten (oder mussten).


Der Abschied von Titus und ganz besonders von Joel fiel mir verdammt schwer. Mit ‚Pipi’ in den Augen stieg ich in die Maschine. Ein letzter Blick. Ein letztes Winken. Das war’s. Die Maschine hob ab.


Nach sechs Minuten Flugzeit landeten wir schon wieder. Den Namen dieses Airstrip’s habe ich leider nicht mitbekommen. Auf jeden Fall standen hier 3 oder 4 weitere Maschinen. Der Pilot einer Maschine kam zielgerecht auf mich zugesteuert. „You are Mr. …?. Please come!“ Er nahm mein Gepäck und wir gingen zum Flugzeug.

Wie es sich gehört, wollte ich hinten einsteigen. Der Pilot grinste nur und hielt mir die Co-Pilotentür auf. „Du bist heute mein Co-Pilot!“ – „HEE?“ Aber er ließ sich nicht beirren und schubste mich in die Pilotenkanzel. Kurzer Blick nach hinten. 19 Personen an Bord. Ich die Nummer 20. Und dann ging es ab Richtung Ukunda. Ich auf dem Co-Piloten-Sitz? Eine völlig neue Flugerfahrung!

Nach einem ruhigen Flug von knapp 2 Stunden landeten wir in Ukunda. Wir waren noch nicht ganz ausgestiegen und warteten darauf, dass die Gepäckstücke ausgeladen und verteilt werden, da geschah wieder etwas, was Afrika so einmalig macht. Ein Flughafenangestellter kam schnurstracks auf mich zu und sagte mir, dass sich mein Fahrer 5 Minuten verspäten würde. Ich solle bitte warten.

Wie in aller Welt wusste er, dass ausgerechnet ich es bin, dessen Fahrer sich verspätet? Um mich herum standen noch weitere 19 Fluggäste. - That’s Africa. – Scheinbares Chaos. Aber alles klappt. Vieles sogar besser als in Europa. Und das liebe ich so an Afrika.

- Ende -

Ich hoffe, dass ich mit dem Hochladen der Bilder alles richtig gemacht habe. War nämlich ein ziemlicher Zeitaufwand! Hat aber trotzdem Spaß gemacht!


Viele Grüße
Papa Kenia
Letzte Änderung: 24 Jun 2012 17:04 von Papa Kenia. Begründung: Optische Aufteilung
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24 Jun 2012 16:59 #240579
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  • Fleur-de-Cap am 24 Jun 2012 16:59
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Hallo Papa Kenia,

Du hast alles richtig gemacht :silly:
Danke für diesen kurzen, aber sehr informativen und eindrucksvoll geschriebenen Reisebericht....Masai Mara ist für die kommenden Jahre notiert :whistle:

LG
Fleur
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24 Jun 2012 17:31 #240591
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  • Butterblume am 24 Jun 2012 17:31
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Hallo Papa Kenia,

herzlich willkommen im Forum und viiiiielen Dank für den wunderbar liebevoll geschriebenen Reisebericht und die schönen Bilder.

Das ist genau die richtige Einstimmung für unsere Keniatour in drei Wochen. Wir werden versuchen "Out of Africa" zu finden!

Herzliche Grüße
Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit

www.butterblume-in-afrika.de
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24 Jun 2012 18:39 #240605
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  • namibiafieber am 24 Jun 2012 18:39
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Hallo Papa Kenia,

auch von mir ein herzliches Dankeschön für Deinen Bericht !
Kenia mit der Masai Mara steht auch ziemlich weit oben auf meiner Wunschsliste !!!

Beste Grüße & bis bald,
Antje
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24 Jun 2012 19:28 #240611
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  • Hauis am 24 Jun 2012 19:28
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Hallo Papa Kenia,

herzlich willkommen im Forum und vielen Dank für deinen tollen Bericht. Er hat den Zauber der Masai Mara wieder in meinen Erinnerungen aufleben lassen. Soooo schön!

Ich kann übrigens bestätigen, dass man in einigen Regionen der Masai Mara direkt zu den Tieren hinfahren kann. Wir waren in der Royal Mara Safari Lodge und damit im Mara North Conservancy. Dort konnte man tatsächlich einfach querfeldein und damit sehr nahe an die Tiere heranfahren. Außer zur Lodge selbst gab es auch kaum Wege.

Uns hat das Klima in Kenia leider nicht so gut gefallen, aber vielleicht sollte man doch mal wieder.... ;)
Jetzt steht aber erst mal Botswana auf dem Plan.

Viele Grüße aus Schwabach
Tanja
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24 Jun 2012 19:33 #240612
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  • BMW am 24 Jun 2012 19:33
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Guten Abend Papa Kenia,

Toller Bericht....... Deine Schlange könnte m.E. eine Boomslang sein...
grüne Mambas haben eher einen "sargähnlichen" (sorry !) Schädel und eine
"andere" Musterung....(weniger starke Schwarzpigmente)

mit Grüssen,

BMW
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