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THEMA: Mein größtes Abenteuer - South Nahanni Expedition
16 Nov 2020 15:56 #598884
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  • Topobär am 16 Nov 2020 15:56
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Die Idee

Ich muss leider gleich zu Beginn zugeben, dass die Idee für diese Reise nicht von mir stammte, sondern von Joachim. Mit Joachim haben wir im Laufe der Jahre viel zusammen unternommen, waren gemeinsam klettern und in Afrika. Joachim war auch bei der Sahara-Durchquerung mit dabei, hat aber deutlich länger durchgehalten als ich. Er hat sich erst 3 Tage vor Ankunft in Dakar das Bein gebrochen. B)

Im Frühjahr 2000 waren wir somit beide fleißig bei der Reha und überlegten was wir machen wollen, wenn wir wieder fit sind. Da Joachim seit seinem Studium begeisterter Wildwasserpaddler war und wusste, dass auch Kathrin und ich gern mit dem Kanu unterwegs sind, schlug er als Kontrast zur Wüste mal ein wenig Wassersport vor. Er hätte da von einem sehr interessanten Fluss gehört, dem South Nahanni River. Wir waren der Idee gegenüber aufgeschlossen und Joachim versuchte an weitere Informationen zu gelangen. Das war zu Beginn des Internet-Zeitalters längst nicht so einfach wie heutzutage.

Ein paar Wochen später hatte er genug Informationen zusammen.

- 600km vom Quellsee bis zur Mündung in den Liard River.
- Wildwasser bis Schwierigkeitsgrad III+.
- Keine Versorgungsmöglichkeiten.
- Kontakt zur Außenwelt nur an 2 Rangerstationen.
- Spektakuläre Landschaften und Tierwelt.

Das hörte sich doch sehr vielversprechend an. Die Befahrung des South Nahanni Rivers sollte unsere nächste große Reise werden. Wir begannen mit der konkreten Planung.

Letzte Änderung: 23 Nov 2020 17:09 von Topobär.
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16 Nov 2020 16:51 #598892
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  • Klaudi am 16 Nov 2020 16:51
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Hallo Thomas,

hui, du bist aber fix. Gerade die Wüste beendet und schon geht's weiter. Ich paddle nicht mit - Wasser ist nix für mich, aber ich folge gerne deinem Bericht.

VG Klaudi
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21 Nov 2020 00:31 #599307
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  • Sadie am 21 Nov 2020 00:31
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Gerne verfolge ich deinen wie immer sehr sachlichen und unterhaltsamen Bericht aus der Gegend die mir ein klein wenig zu Gesicht kam als wir letztes Jahr zum Arctic Ocean fuhren und somit im NWT daheim waren, und dann später zum zweiten Mal, als wir von Fort Nelson dem Liard Fluss nachgefahren sind bis hinauf zu den Nordlichtern in Yellowknife. Sehr sehr einsam dort und die Natur ist immense und überwältigend.
Ich freue mich auf euer Abenteuer und auch auf einige Tier Bilder.
LG von Katrin
If life is a journey be sure to take the scenic route

Meine RBs
Expedition Antarktis:
www.namibia-forum.ch...s-und-s-georgia.html

Island In Herbstfarben
www.namibia-forum.ch...-september-2018.html


Nordamerikanische Safari und Landschaften May Till October 2019

www.namibia-forum.ch...landschaft-2019.html

Zweite Selbst Fahrer Tour in Tansania. Same same but different.
Juni 2018
www.namibia-forum.ch...e-but-different.html

Trip reports in English:

Namibia and KTP 2016
safaritalk.net/topic...-tr-nam-sa-bots-nam/

Botswana 2016:
safaritalk.net/topic...fari-tr-bots-nam-sa/

Tanzania 2015:
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Nam-SA-Bots 2014:
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23 Nov 2020 17:09 #599465
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Planung & Vorbereitung

Als erstes mussten wir herausbekommen, wo wir vor Ort Boote ausleihen können und wie wir zum Startpunkt der Tour, den Moose Pounds kommen. Die Lösung für beides fanden wir in Fort Simpson, wo es mehrere Bootsverleiher und Air Charter Companys gab. Wie so häufig steckt der Teufel aber im Detail, denn es stellte sich heraus, dass der Startpunkt unserer Tour, die Moose Pounds nur mit den kleinen 4-Sitzern oder den großen zweimotorigen Flugzeugen zu erreichen ist. Da der Preis für eine Twin Otter ein Vielfaches betrug, war klar, dass wir zeitversetzt anreisen müssen. Joachim und Wolfgang hatten mehr Urlaub als wir und würden deshalb einen Tag vor uns anreisen.

Damit waren wir auch schon beim nächsten Thema. Wie lange wollen/können wir unterwegs sein? Letztendlich kamen wir auf 22 Tage auf Tour, zuzüglich jeweils 2 Tage für An- und Abreise. Start würde Mitte Juli 2001 sein.

Damit war das planerisch das Wichtigste erledigt. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, was uns erwartet, machten wir aber noch im Spätsommer 2000 eine Probetour in Nordschweden.

Über den Winter ruhte die Planung aber je näher die Expedition kam, umso mehr mussten wir uns mit den Details beschäftigen. Am anspruchsvollsten war dabei die Planung der Ausrüstung und Verpflegung. Aufgrund des maximalen Startgewichts und der Reichweite des Flugzeugs standen uns pro Person gerade einmal 20kg für Gepäck zur Verfügung. Wir reduzierten unsere Ausrüstung daraufhin schon auf das Nötigste, trotzdem blieben pro Person gerade einmal etwas über 10kg für Proviant übrig. Da wir dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzten, organisierten die beiden Bootsbesatzungen die Verpflegung jeweils für sich allein, wären wir uns bei der restlichen Ausrüstung natürlich abstimmten, damit wir nichts doppelt dabei hatten.

Kathrin und ich stellten für uns einen strengen Verpflegungsplan auf. Oberste Maxime war soviel Kalorien wie möglich. Pro Tag würde es für jeden von uns geben:

 selbstgebackenes Brot aus 125g Mehl
 50g Wurst/Käse
 100g Schokolade
 100g Fruchtriegel
 ein gefriergetrocknetes Fertiggericht
 25g Erdnüsse

Damit war unser Gewichtslimit eigentlich erreicht. Durch umverpacken in vakuumverschweißte Plastikbeutel schaffte ich es aber 2kg Verpackungsgewicht einzusparen, welche ich in einen Liter Olivenöl sowie Kartoffelpüreepulver und Pemikan investierte. Aus den beiden letztgenannten Zutaten kann man eine Art extrem kalorienhaltiges Lapskaus zubereiten, und war als Notfallration geplant.

Darüber hinaus packten wir noch einen kleinen Beutel mit 5kg zusätzlichen Leckereien, wie Thunfisch, Speck, Wurst, Käse, Milch- und Puddingpulver. Wir hofften, dass man es mit dem Gewicht nicht so ganz genau nehmen würde und wenn doch würden wir einfach diesen Beutel in Fort Simpson zurücklassen.

Die notwendige Ausrüstung bekamen wir also mit. Die Fotoausrüstung war bislang noch nicht dabei. Der einzige Ausweg der mir blieb, war das Gewicht der Fotoausrüstung bei mir einzusparen, d.h. ich musste bis zum Abflug noch 3kg abnehmen.

Ab dem nächsten Kapitel gibt es dann auch Fotos. Allerdings wieder nur eingescannte Dias.
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23 Nov 2020 18:09 #599468
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Moin Thomas,

bin schon gespannt, wie es weitergeht.
Bin schon ganz gespannt.
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26 Nov 2020 16:33 #599752
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Anreise

Ab diesem Kapitel geht es mit den Fotos los. Damit auch Kathrin & ich hin und wieder auftauchen, werde ich in dem Bericht auch Fotos zeigen, die Joachim gemacht hat.

Die Organisation der Anreise war schon eine logistische Herausforderung. Um von Hannover zu den Moose Pounds zu kommen bedurfte es insgesamt 6 Flüge:

Hannover – Frankfurt – Calgary – Edmonton – Yellowknife – Fort Simpson – Moose Pounds



Über Buchungssysteme in Deutschland konnten wir lediglich die Flüge bis Edmonton buchen. Für die Inlandsflüge bis Fort Simpson mussten wir erst einmal herausfinden, welche Airlines diese Regionalverbindungen bedienen und haben dann direkt bei First Air gebucht. Für die letzte Etappe hatten wir dann privat eine kleine Cessna gechartert. Da die Cessna nur 2 Passagiere aufnehmen konnte, reisten wir um einen Tag zeitversetzt an. Joachim und Wolfgang starteten bereits einen Tag vor uns. Somit mussten 12 Flüge reibungslos aufeinander abgestimmt funktionieren, damit wir uns am wie geplant am Startpunkt unserer Tour treffen konnten.

Insgesamt waren wir 2 Tage unterwegs. Am ersten Tag flogen wir mit Air Canada bis Edmonton, wo wir in der Nähe des Flughafens in einen Hotel übernachteten. Etwas nervig war, dass wir in Calgary unser Gepäck in Empfang nehmen mussten, da dies der offizielle Einreiseort nach Kanada war. Nach dem Zoll konnten wir es gleich wieder aufgeben, um es nach einer Stunde Flug in Edmonton erneut in Empfang zu nehmen.

Am nächsten Tag ging es mit einer uralten 737 weiter nach Yellowknife. In Yellowknife stellen wir dann fest, dass wir damit noch in recht modernem Equipment unterwegs waren. Es gibt andere Airlines im Norden Kanadas, die noch immer DC-3 im Einsatz haben. Selbst heutzutage noch: Buffalo Airways

Die Maschinen wurden immer kleiner. Für den Flug nach Fort Simpson sitzen wir in einer zweimotorigen Propellermaschine. Die Stewardess trägt hier auch kein schickes Kostüm, sondern einen Mechanikeroverall und ist nicht nur für das Wohl der Passagiere, sondern auch für die Gepäckverladung zuständig.

Gegen den Flughafen von Fort Simpson ist Maun ein internationaler Großflughafen.

Am Flughafen werden wir schon von unserem Bootverleiher erwartet. Die Ausrüstung hat er schon dabei und so geht es gleich zum Mackenzie River, wo die gecharterte Cessna bereits auf uns wartet.



Der Pilot ist gerade am auftanken. Die Tanks werden bis auf den letzten Liter gefüllt, denn unser Ziel liegt am äußersten Rand der Reichweite.

Unser Gepäck ist schnell verstaut. Das Kanu wird einfach auf einen Schwimmer gebunden. Unser kleines zusätzliches Fresspaket wird zum Glück nicht beanstandet.

Um 18:00Uhr wird der Motor gestartet. Da flussaufwärts gleich eine Biegung kommt, versucht der Pilot erst einmal mit der Strömung zu starten. Da wir aber das maximale Startgewicht erreicht, wenn nicht gar überschritten haben, schlägt dieser Versuch fehl. Wir erreichen nicht genug Geschwindigkeit, damit die Schwimmer ins gleiten kommen und dass wiederum ist die Voraussetzung um die Startgeschwindigkeit zu erreichen. Erst gegen die Strömung und mit kräftigem Aufschaukeln kommen wir ins gleiten. Beim Start gewinnen wir dann so langsam an Höhe, dass ich das Gefühl habe, wir steigen gar nicht aktiv, sondern einzig die Erdkrümmung sorgt dafür, dass sich die Entfernung zum Boden erhöht, während wir geradeaus fliegen.

Die nächsten 3,5h fliegen wir über grandiose unberührte Natur. Auf dem letzten Teil des Fluges bekommen wir schon einen Eindruck von den nächsten Tagen, denn es geht entlang des Oberlaufs des South Nahanni River. Kathrin bekommt von alldem nichts mit. Die letzten beiden Tage fordern Tribut und Sie schafft es einfach nicht die Augen offen zu halten; verschläft den gesamten Flug.






Sanft setzt die Cessna auf den Moose Pounds auf und der Pilot legt direkt bei den Zelten von Joachim und Wolfgang an. Schnell ist das Gepäck entladen und dann macht sich der Pilot auch schon auf den Rückflug. Zum Abschied fragt er uns noch, ob es uns hier gefällt. Als wir dies bejahen, mein er nur, dass wäre gut für uns, denn mitnehmen könne er uns sowieso nicht. Der Flieger hätte nur im komplett leeren Zustand ausreichend Reichweite für den Rückflug.







In der Tat ist es hier ausgesprochen schön. Wir befinden uns knapp oberhalb der Baumgrenze, hier wachsen nur noch Büsche und Sträucher. Am gegenüber liegenden Seeufer überragt der Mount Wilson eindrucksvoll die Moose Pounds



Freudig begrüßen wir Joachim und Wolfgang. Wir können noch gar nicht fassen, dass letztendlich alle 12 Flüge reibungslos funktioniert haben. Aus heutiger Sicht bin ich erst recht erstaunt darüber, oder waren die Flugverbindungen vor 20 Jahren noch zuverlässiger.

Joachim und Wolfgang haben einen sehr schönen Platz direkt am Ufer gefunden. Schnell steht auch unser Zelt. Für diese Tour haben wir extra in ein Hilleberg „Saivo“ investiert. Wie sich im Laufe der Tour noch zeigen wird, war diese Investition Gold wert.

Danach beginnen wir mit der allabendlichen Routine, die uns für die kommenden 3 Wochen begleiten wird. Als erstes gibt es eine warme Mahlzeit in Form eines gefriergetrockneten Fertiggerichts und danach wird das Brot für das Frühstück am nächsten morgen gebacken.

Joachim und Wolfgang berichten von Ihrem vergeblichen Versuch den Mount Wilson zu besteigen. Sie sind schlicht und einfach am dichten Bewuchs der Hänge gescheitert. Durch das Gebüsch war einfach kein durchkommen.

Problematisch ist bei diesem ersten Camp, dass wir mangels Bäumen kein bärensicheres Foodcache errichten können. Es wäre der absolute Worst Case, wenn uns ein Bär die Nahrungsmittel auffrisst. Deshalb verteilen wir die Lebensmittelsäcke in verschiedenen Depots im dichten Gebüsch um zumindest einen Totalverlust zu verhindern.

Als wir in die Schlafsäcke kriechen ist es gegen 2:00Uhr morgens. Stirnlampen haben wir trotzdem nichtbenötigt, da es so hoch im Norden zu dieser Jahreszeit nicht richtig dunkel wird.


Letzte Änderung: 26 Nov 2020 16:51 von Topobär.
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