THEMA: 2x Algerien (ein Reisebericht)
05 Jun 2020 15:06 #589895
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  • Topobär am 05 Jun 2020 15:06
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Die Idee & Vorbereitung

Wir schreiben Anfang 1999. In Algerien hat die Regierung den Terror der FIS weitgehen unter Kontrolle gebracht und von Al-Kaida & IS ist noch nicht die Rede. Erstmals seit langer Zeit ist fast die gesamte Sahara relativ sicher zu bereisen. Vor diesem Hintergrund entsteht die Idee, die Sahara auf den Spuren der klassischen Rallye Paris-Dakar mit Motorrädern zu durchqueren. Von Tunis soll es durch Algerien, Niger und Mali bis in den Senegal nach Dakar gehen. 6 Wochen sind dafür geplant.

Letztendlich findet sich eine Gruppe von insgesamt 18 Personen zusammen, die mit 14 Motorräder und zwei Begleit-LKW das Abenteuer wagen wollen. Kathrin als Beifahrerin in einem der LKW und ich auf dem Motorrad.

Als Begleit-LKW werden 2 ausrangierte Bundeswehr-Unimog erworben, technisch überholt und silber angestrichen. In der Sahara sollte man es tunlichst vermeiden, mit einem Militärfahrzeug verwechselt zu werden.

Da ein großer KTM-Händler bereit ist, die Expedition mit Motorrad-Ersatzteilen zu unterstützen, verständigen wir uns darauf, ausschließlich mit KTM LC4 zu fahren.

Bei mehreren Vortreffen schreitet die Planung voran und wir machen gemeinsame Fahrtrainings, damit alle Teilnehmer den Anforderungen gewachsen sind.

6 Wochen vor Abreise kracht mir ein einer Enduro-Veranstaltung ein anderer Teilnehmer voll in die Seite. Gebrochen ist zum Glück nichts, aber ich habe am gesamten linken Bein Quetschungen und die Knochen im Fuß haben sich verschoben. Um rechtzeitig zur Tour wieder fahrtüchtig zu sein, bin ich fast täglich bei er Physio-Therapie und werde für meinen Fleiß belohnt. Eine Woche vor Tour-Beginn kann ich wieder ohne Krücken laufen.


Wie bei allen meinen Reiseberichten, können die Kommentare mittels der Sonne ausgeblendet werden.
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05 Jun 2020 16:41 #589897
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  • Klaudi am 05 Jun 2020 16:41
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Hallo Thomas,

ich hatte mich schon gefreut, als du deinen Reisebericht angekündigt hattest. Auf eine Motorrad-Reise freue ich mich aber ganz besonders. Bin gespannt auf eure Erlebnisse auf 2 Rädern. Vorab schon mal meinen allerhöchsten Respekt: so gerne ich Motorrad fahre, aber diese Strapazen über viele Tage würde ich nicht aushalten. Chapeau!

VG Klaudi
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05 Jun 2020 16:57 #589898
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  • Topobär am 05 Jun 2020 15:06
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Anreise nach Algerien

Mitte Dezember 1999 geht es los. Treffpunkt ist eine kleine Pension in der Nähe von Genua. Wir reisen mit dem Zug an, die Motorräder kommen auf einem Anhänger mit den LKWs.

Vor lauter Aufregung bekomme ich in dieser Nacht kein Auge zu.

Am nächst Morgen dann die ersten Kilometer mit dem Motorrad; auf der Via Aurelia zum Hafen von Genua.



Es geht mit der Fähre nach Tunis. Im Hafen wähnt man sich schon mehr in Afrika, denn in Europa. Ein unübersichtliches Gewusel und jede Menge vollkommen überladene Schrottautos. Nicht selten mit einer kompletten Küche oder Wohnzimmereinrichtung auf dem Dach. Einige Autos schaffen es noch nicht einmal mehr aus eigener Kraft auf die Fähre, sondern müssen geschoben werden. Der Lademeister der Fähre scheint damit aber Erfahrung zu haben. Die Fahrzeuge werden nur soweit geschoben, dass alle Räder auf der Rampe sind, dann wird die Rampe angehoben und die Autos rollen in den Bauch der Fähre. Wir waren mit die ersten, die auf die Fähre durften und beobachten das Schauspiel von Deck.



Am Nachmittag legt die Fähre relativ pünktlich ab. Uns steht eine Überfahrt von rund 24h bevor. Einige Mitfahrer werden seekrank. Zu meiner Überraschung trifft es auch Kathrin, die damit bislang noch nie Probleme hatte. Ich werde zwar nicht seekrank, schlafe in der stickigen Innenkabine aber erneut sehr schlecht.



Am folgenden Nachmittag laufen wir in den Hafen von Karthago ein. Die Einreiseformalitäten konnten wir zum großen Teil bereits auf der Fähre erledigen, so dass wir zügig im Land sind. Auf dem Motorrad ist es dann noch rund eine Stunde bis zu unserem Hotel in Hammamet.



Grundsätzlich ist das Hotel nicht schlecht, stinkt aber bestialisch nach Diesel. Anscheinend sind die Flure gerade alle mit Diesel gereinigt worden. Hab den Sinn davon nie verstanden. Das Resultat ist die dritte schlaflose Nacht in Folge.



Am nächsten Tag gilt es Tunesien zu durchqueren, damit wir nahe der Grenze zu Algerien übernachten können. Deshalb war es auch ein reiner Fahrtag und die Strecke wurde ausschließlich danach ausgewählt, möglichst schnell voran zu kommen. Das hat dann auch gut geklappt. Rechtzeitig am Nachmittag biegen wir hinter Nefta von der Straße ab und fahren ein paar Kilometer nach Süden in die Wüste, wo wir unsere erste Nacht im Zelt verbringen. Endlich kann ich gut schlafen.

Der gesamte nächste Tag war für den Grenzübertritt nach Algerien eingeplant. Ich konnte es im Vorfeld gar nicht glauben, dass wir dafür so viel Zeit einplanen müssen, wurde dann aber eines Besseren belehrt. Die Ausreise aus Tunesien ging noch recht zügig, aber für die Einreise nach Algerien brauchten wir rund 8h. Dabei war es nicht so, dass es an der Grenze sonderlich voll war. Außer uns passierte gerade mal eine Hand voll Fahrzeuge die Grenze.

Zuerst mussten wir alle unsere Pässe abgeben. Danach passierte dann erst einmal rund 2h gar nichts. Dann wurden wir einzeln aufgerufen. Man hatte anscheinend versucht unsere Passdaten im PC zu erfassen und war daran grandios gescheitert (trotz arabischer Übersetzung im Pass). Also ging man zunächst die Eintragungen mit dem Grenzbeamten Punkt für Punkt durch. Dann wurde noch das Motorrad im Pass eingetragen. Dieses Prozedere wurde bei jedem Einzelnen wiederholt. Danach geschah wieder 2h nix, bevor uns dann die Pässe ausgehändigt wurden. Parallel dazu wurden die beiden LKW gründlich gefilzt.

Insgesamt ein sehr langweiliger Tag, an dem ich mir sehnlichst ein Buch zum lesen gewünscht hätte. Leider war der E-Reader noch nicht erfunden und für richtige Bücher fehlte auf dieser Reise der Platz.

Nachdem wir endlich in Algerien angekommen waren, fuhren wir nur noch ein paar Kilometer und bogen dann erneut für einige Kilometer nach Süden in die Wüste ab.

Morgen soll es dann endlich losgehen.
Letzte Änderung: 05 Jun 2020 17:06 von Topobär.
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05 Jun 2020 21:25 #589908
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Ich hoffe, ich konnte mit den ersten beiden Kapiteln ein wenig Euer Interesse wecken, denn jetzt muss ich Euch um etwas Geduld bitten. Die nächste Woche bin ich zum Klettern in der fränkischen Schweiz und kann nicht schreiben. Gleich nach meiner Rückkehr geht es aber weiter.
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05 Jun 2020 23:08 #589912
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  • Conny + Micha am 05 Jun 2020 23:08
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Hallo Topobär !
Wie finde ich das denn ? :dry:
Erst anfüttern und dann vertrösten !!!!!!!
Freue mich dann auf die übernächste Woche und bin gespannt auf die Dias ( die bisherigen waren doch super )
Liebe Grüße
Conny
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06 Jun 2020 04:01 #589916
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  • Sadie am 06 Jun 2020 04:01
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Danke für den spannenden Auftakt! Mit dem Motorrad in den Sand! Oh je das kann ja heiter werden. Lustig wie du im Zelt gut schläfst aber im Hotel nicht!
Wo ist den die fränkische Schweiz? Meinst du den Jura?
LG Katrin
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Zweite Selbst Fahrer Tour in Tansania. Same same but different.
Juni 2018
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