THEMA: Argentinien/Chile - Gletscher, Gipfel und Geysire
21 Mai 2019 20:22 #556934
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Ihr Lieben,

nachdem der Bayern Schorsch hier im Forum das Tor zur Welt dankenswerterweise weit aufgestoßen hat, möchte ich auch hindurchgehen, schließlich lebe ich in Hamburg und glaubt man Karl Lagerfeld, ist meine Wahl-Heimatstadt ja genau das: das Tor zur Welt.

Galapagos, Pantanal, Asien, vielleicht sogar der schottische Westhighland Way? Ich habe etwas gegrübelt, welche unserer Reisen für euch interessant sein könnten, letztlich bin ich für mich persönlich zu folgenden Schlüssen gekommen a) Die Reise darf noch nicht allzu lang her sein (wie in unserem Fall das Pantanal oder Galapagos), sonst sind die Gegebenheiten vielleicht schon wieder ganz anders und die Erinnerung ist auch nicht mehr knackfrisch. b) Natur, Landschaft, Tiere sollten eine zentrale Rolle spielen.









Unterm Strich habe ich zwei Reiseberichte in petto, die ich nacheinander schreiben werde und von denen ich hoffe, dass sie auf Interesse stoßen und euch ggf. Ideen und Informationen liefern. Dieser Bericht soll sich um unsere Argentinien/Chile-Reise im Januar 2018 drehen, für uns war es eine epische Reise. Folgen wird dann irgendwann noch ein Costa-Rica-Reisebericht von diesem Jahr, aber was diese Sphären angeht, werden wir ja derzeit sehr gut hier im Forum versorgt, insofern eilt das nicht. :) Weil die diesjährige Reise unsere zweite nach Costa Rica war, würde ich dann aber auch eher auf den Vergleich abheben.

Eine Kombination aus Argentinien und Chile spukte in meinem Kopf herum, seit mir eine Kollegin vor einigen Jahren ihre Fotos aus dem Torres del Paine Nationalpark gezeigt hatte. Ich war davon regelrecht überwältigt. Im Sommer 2016 hatten wir im Rahmen einer Brasilien-Reise auch die Iguazu-Wasserfälle besucht (auf der brasilianischen und der argentinischen Seite), für Thomas war es sogar schon der zweite Aufenthalt dort. Die konnten wir diesmal also ruhigen Gewissens links liegen lassen.









Seit einigen Jahren haben wir uns darauf verlegt, unseren jeweiligen Stopps auf Reisen mehr Zeit einzuräumen, um die Möglichkeiten am Ort intensiver zu nutzen. Alles passt sowieso nie in eine einzelne Reise, und schon gar nicht in einem so riesigen Land wie Argentinien. Da Feuerland, vor allem aber Südpatagonien eine zentrale Rolle spielen sollten, kam hinzu, dass wir mit launenhaftem Wetter rechnen mussten. Deswegen planten wir mit "Reservetagen". Weitere Stationen sollten Buenos Aires und die Atacama-Wüste sein, deren Besuch ein ausgesprochener Herzenswunsch von mir war.





Ich habe die Reise wie immer selbst geplant und leider relativ schnell festgestellt: Sie wird alles andere als günstig. Die Ergebnisse meiner Überlegungen habe ich an eine Agentur weitergegeben, die nochmal drübergeschaut und schließlich alles festgezurrt hat. Das war auch deshalb eine gute Idee, weil wir beide kein Spanisch sprechen. Wir waren überwiegend in Drei-Sterne-Hotels untergebracht.
Herausgekommen ist am Ende diese rund vierwöchige Tour (28.12.17 - 25.1.18):

3 ÜN Buenos Aires (Hotel Cyan De Las Americas)
3 ÜN Ushuaia (Hotel Altos Ushuaia) --> am letzten Abend Mietwagenübernahme
2 ÜN Punta Arenas (Hotel Jose Nogueira Boutique)
4 ÜN Torres del Paine (Unterkunft einmal gewechselt, später mehr dazu; aber überwiegend Hotel Lago Grey)
4 ÜN El Calafate (Hotel Bahia Redonda)
5 ÜN El Chalten (Hotel Hosteria Senderos)
Fahrt nach Calafate zum Flughafen, Abgabe Mietwagen, Flug nach Buenos Aires (ließ sich nicht anders bewerkstelligen)
1 ÜN Buenos Aires (Hotel Cyan De Las Americas)
Flug nach Calama, per Bus weiter nach San Pedro de Atacama
4 ÜN San Pedro des Atacama (Hotel La Casa De Don Tomas)
Int. Rückflug via Santiago







Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr uns auf dieser virtuellen Tour durch Schnee, Eis, Berge, Wüste und grandiose Natur begleitet! Die Sonne schien übrigens überraschend oft, im Reisebericht scheint sie sogar immer, falls ihr die Kommentare nicht mitlesen möchtet. B)

Viele liebe Grüße,
Bettina




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23 Mai 2019 18:38 #557218
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Buenos Aires: 3 Tage im Paris Lateinamerikas

Der Flug nach Buenos Aires bleibt mir kaum in Erinnerung, was ich als gutes Zeichen deute. Allerdings gehe ich auch schwer angeschlagen an Bord und dämmere wohl überwiegend etwas lethargisch vor mich hin. Eine heftige Erkältung hat mich kurz zuvor schachmatt gesetzt, und während wir bei unserem Zwischenstopp im zugigen Terminal des Flughafens von Madrid auf stählernen, kalten Stühlen mit Lochmuster herumlungern, möchte ich nach wochenlanger Vorfreude ausgerechnet jetzt nirgendwo hin - außer in mein warmes Bett.

Die Warterei wird zur Tortur, bis ich endlich hundeelend und mit vom langen Sitzen eingestanzten Lochmuster am Hosenboden in den Flugzeugsitz von Iberia plumpse. Nachdem wir unseren Langstreckenflug, der diesen Namen auch wirklich verdient, endlich hinter uns gebracht haben und früh morgens am Zielort landen, fühle ich mich wenig überraschend kaum besser. Doch unsere Abholung klappt bestens, in Buenos Aires ist es sonnig und sommerlich heiß, das reicht, um meine Lebensgeister zumindest für den Moment wieder zu wecken.



Als wir die Lobby unseres Hotels betreten, werden wir schockgefroren. Ein Phänomen, das ich aus vielen Ländern kenne und das mich jedes Mal ärgert: Im Sommer wird weiter runtergekühlt als im Winter hochgeheizt. Ab sofort sind leichte Jacken und Tücher fester Bestandteil unseres Tagesrucksacks, und das erweist sich später auch noch für andere Zwecke als hilfreich. Auch beim morgendlichen Frühstück komme ich in den nächsten Tagen nicht auf Touren, es ist mir einfach zu kalt. Ansonsten ist an dem Hotel absolut nichts auszusetzen, aber auch nichts besonders hervorzuheben, mal abgesehen von der wunderbar zentralen Lage im eleganten Recoleta.



Als wir am Nachmittag durch das Viertel mit seinen hübschen kleinen Parks und prächtigen Fassaden streifen, wird uns schnell klar, warum Buenos Aires als Paris von Lateinamerika gilt. Allzuviel Tatendrang verspüren wir allerdings beide nach dem langen Flug nicht, und so besuchen wir den berühmten Friedhof La Recoleta, der ohnehin ganz in der Nähe ist. Auf dem Platz davor gibt es einige Cafes und Restaurants mit großen Freiluftterrassen, die in den nächsten Tagen immer wieder unsere Anlaufstelle werden. Eine entspannte Oase inmitten der pulsierenden Metropole.









Durch die frühe Ankunft haben wir praktisch drei volle Tage in Buenos Aires, hinzu kommen viel später noch einmal ein halber Tag und eine Übernachtung, bevor wir in die Atacama-Wüste fliegen. In der Nachbetrachtung hat das für mein Empfinden gereicht, um zumindest einen guten Eindruck von der Stadt zu bekommen.

Casa Rosada, der Präsidentensitz


Buchhandlung El Ateneo in einem ehemaligen Theater






Tango, Fußball, Kultur, großartige Steaks und pralles Leben: Klar, Klischees, doch sie stimmen alle - und das im besten Sinne. Sicher geht es auch sehr touristisch zu, doch das Flair stimmt für uns. Es dauert nicht lange, da summen wir die bekannten Tangomelodien, ohne es überhaupt zu merken.



Volkshelden :)


Und natürlich sucht Thomas nach dem besten Steak der Stadt. Er findet viele davon - im Gegensatz zu mir, was sich schlicht damit erklären lässt, dass ich Vegetarierin bin. Immerhin ist auch für mich immer etwas auf der Karte dabei.





Wir verzichten bewusst auf die oft rein touristischen und dazu noch sauteuren Tangoshows, und auch um die langen Schlangen vor dem berühmten Cafe Tortoni machen wir einen großen Bogen. Tango findet sich hier sowieso an fast jeder Ecke, vor allem in den alten Stadtvierteln La Boca und San Telmo. Natürlich sind auch dort die Touristen der Hauptadressat der Street-Dancer, dennoch gefallen uns Stimmung und Ambiente sehr.



Was ich besonders an Buenos Aires mag: Jedes Viertel hat ein eigenes Gesicht.

Bunt, aber arm: La Boca




La Bombonera, Heimatstadion der legendären Boca Juniors


San Telmo, geprägt durch Altbauten. Viele Gebäude stehen unter Denkmalschutz.




Der Hop-on-hop-off-Bus ist oft, aber nicht immer eine gute Fortbewegungsmöglichkeit. Für Buenos Aires ist er perfekt. Nach einem Besuch des wunderschönen Teatro Colon hüpfen wir an Bord.







Und weil das Ticket 24 Stunden lang gültig ist, nutzen wir es am nächsten Vormittag gleich nochmal. Allerdings hat wohl jemand bei der Konstruktion das Dach vergessen - bei weit über 30 Grad werden wir fast eingeschmolzen. Die mitgebrachten Tücher sollten uns eigentlich vor den Klimaanlagen und ihren Folgen schützen. Nun bewahren sie uns davor, dass wir auf den Schalensitzen festpappen oder gar wegschwimmen.





Als mein persönlicher Favorit entpuppt sich das kreative Viertel Palermo im Nordosten der Stadt. Restaurants, Cafes, Bars, Designlädchen, hier ist Buenos Aires jung. Viele Monde sind vergangen, seit ich mir die Nächte um die Ohren gehauen habe. Dennoch fühlen wir uns wohl, und als sich abends ganze Straßenzüge in eine einzige Open-Air-Bar verwandeln, bleiben wir auf spontane Einladung eines Club-Besitzers noch auf eine Cola und ein Bier. Wir kommen ins Quatschen (auf Englisch) und er schwärmt dermaßen von der Natur Patagoniens, dass wir uns noch mehr darauf freuen als ohnehin schon. Am Morgen nach dieser herzerfrischenden Begegnung geht es für uns weiter nach Feuerland. Und weil wir ganz früh raus müssen, ist für uns die Straßenparty beendet, bevor sie für die jüngeren Semester überhaupt richtig begonnen hat.


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26 Mai 2019 11:27 #557437
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Ushuaia: Reise ans Ende der Welt

Nach einer denkbar kurzen Nacht bekommen wir in unserem Hotel sogar in aller Herrgottsfrühe ein kleines Frühstück und sind auch nicht alleine damit, denn viele Airlines bringen hier ihre Crews unter. Auch diese Abholung klappt wie alle auf dieser Reise reibungslos. Um 5.50 Uhr startet unsere Maschine vom nationalen Airport in Richtung Ushuaia, gegen 11.30 Uhr Ortszeit landen wir wohlbehalten am "Ende der Welt", das nicht zuletzt dafür bekannt ist, dass sich die Elemente häufig hemmungslos austoben.

Immerhin, bei unserer Ankunft ist es trocken und mit etwas Phantasie sogar sonnig. Der Temperatursturz beträgt dennoch nach dem sommerlich-heißen Buenos Aires rund satte 30 Grad! Die vielen kleinen Felseninseln im Beagle-Kanal erinnern an Skandinavien, die Umgebung ist rau, Berge, viel Wasser, Weite, Abgeschiedenheit. Die Stadt selbst hatte ich mir allerdings anders vorgestellt; kleiner, beschaulicher, malerischer. Eine romantische Vorstellung, zugegeben, denn natürlich ist die Stadt mit dem Tourismus mitgewachsen und längst keine idyllische Einöde mehr. Die Andenausläufer im Rücken und den imposanten Beagle-Kanal vor der Haustür, ist das "Setting" aber schlichtweg großartig.



Unser Hotel liegt etwas oberhalb der Stadt und eine Viertelstunde zu Fuß vom Zentrum entfernt an einem steilen Hang und ist schon wegen der Aussicht ein Volltreffer. Auch unser Zimmer gefällt uns auf Anhieb. Hell, freundlich und leicht beheizt - gemütlich. Und während sich Thomas glücklich mit Ladegeräten, Laptop und allem möglichen Zeugs am Schreibtisch breit macht, schlafe ich mir zwei Stunden lang endgültig die Reste der Erkältung weg.



Am Nachmittag nutzen wir die letzte Gelegenheit und kaufen in einem kleinen Kiosk Wasser und einige Kleinigkeiten für die nächsten Tage ein. Es ist Silvester, und alles macht dicht. Auch die Restaurants haben entweder geschlossen oder sind von Gesellschaften geblockt - wie das in unserem Hotel. Jetzt ist guter Rat teuer, denn gegessen haben wir an diesem Reisetag fast nichts. Meine Laune rutscht in den Keller und ich mache keinen Hehl aus meinem Unverständnis darüber, dass es nicht möglich sein soll, Hotelgästen wenigstens eine Kleinigkeit anzubieten. Nach einigem Palaver gibt es schließlich am frühen Abend (lang, bevor die Abendgesellschaft die Tische belagert) eine Pasta für mich und Fleisch für Thomas. Beides ist schlecht, aber wenigstens müssen wir nicht mit knurrendem Magen ins Bett. Wir versenden noch Silvestergrüße nach Deutschland, wo es bereits Mitternacht ist, dann holt uns der Jetlag ein. Den Jahreswechsel verbringen wir selig schlafend.

Am Morgen sind wir früh wach. Um 8 Uhr soll uns ein Mietwagen gebracht werden, den wir schon von Deutschland aus für einen Tag gebucht haben, um damit den Feuerland-Nationalpark zu erkunden. Wir hatten bei Buchung der Reise von unserer Agentur ein ganzes Paket mit Vorschlägen erhalten, welche Ausflüge sich an welchem Ort anbieten würden. Der Haken: Die Aktivitäten sind zwar allesamt hochattraktiv und in Reiseführer sowie Internet auch vielfach empfohlen, treiben jedoch in organisierter Form den ohnehin nicht gerade schlanken Reisepreis noch einmal wesentlich in die Höhe.



Am Ende haben wir vorab nur gebucht (was angeblich günstiger ist, ich habe es nicht überprüft), was wir nicht selbst bewerkstelligen konnten. Also Bootstouren, Pinguintouren, die ohne Guide gar nicht erst erlaubt sind oder auch Gletscher-Trekking (ebenfalls nur mit Guide). Alles andere haben wir in Eigenregie unternommen. Das war für uns eine sehr gute Lösung.

Kein Auto kommt um 8 Uhr, an der Hotelrezeption herrscht nicht nur Katerstimmung, sondern auch Ratlosigkeit. Wir gehen frühstücken, was sollen wir auch sonst tun, gegen Neun schlägt dann tatsächlich ein junger Mann mit verdächtig verstrubbeltem Haar auf - der Arme, er lag wahrscheinlich bis gerade noch im Silvesterkoma. Das Auto, ein schlichter Pkw, hat schon bessere Tage gesehen, wirkt aber fahrtüchtig. Wir bekommen den Schlüssel in die Hand gedrückt und einen Zettel nebst Adresse, wo wir den Wagen bis zum nächsten Mittag wieder abgeben sollen. Das war's. Sehr unbürokratisch das Ganze, sollten wir uns deshalb Sorgen machen? Wir lassen's. :silly:

Nur zwölf Kilometer sind es von Ushuaia in den Feuerland-Nationalpark, die Straße ist gut zu befahren, auch die Gravelroad im Park. So relativ früh am Neujahrsmorgen sind wir zunächst weit und breit die einzigen Menschen, es ist herrlich.



Wir fahren zunächst zum äußersten Punkt im Westen des Parks, an der malerischen Lapataia-Bucht parken wir und starten zu einer längeren, einsame Wanderung. Das Wetter spielt wunderbar mit, es ist sonnig, warm und windstill. Was letztlich dazu führt, dass wir immer wieder von den größten Mücken überfallen werden, die wir je gesehen haben. Na toll, unser eigens mitgebrachter Repellent liegt im Hotelzimmer, noch wohlverpackt. Und dabei wird es auch bleiben. Der Nationalpark Tierra del Fuego ist der einzige Ort, an dem wir den Mückenschutz benötigt hätten. :pinch:



Wir genießen die herrliche Natur mit dem vielen Wasser, den knorrigen Bäumen, den üppigen Blumenwiesen und schneebedeckten Bergen. Auch an mehreren Biberdämmen kommen wir vorbei. Die Nager gehören eigentlich nicht hierher, sind einst wegen ihrer Felle eingeschleppt worden. Als sich herausstellte, dass sich das Fell im subarktischen Klima nicht so entwickelt wie gedacht, wurden die Tiere ihrem Schicksal überlassen. Mit fatalen Folgen für die Umwelt. Die Biber haben sich ungebremst vermehrt und sind seit Jahren eine ernste Gefahr für die Baumbestände und das Ökosystem. Und wie uns später ein Guide erzählt, hat niemand eine rechte Idee, wie das Problem gelöst werden kann.





Zurück am Parkplatz stellen wir fest, dass wir längst nicht mehr alleine sind. Kreuzfahrer, Feiertagsausflügler, Touristen, es ist einiges los. Doch schon wenige Meter jenseits der vielen schönen Aussichtspunkte haben wir die Natur weiterhin fast für uns.


Bild oben: Ein kleiner Trampelpfad führt am Ufer des Lago Roca entlang. Thomas hat sich trotz der frühlingshaften Temperaturen vermummt, um sich vor den Attacken der Mücken zu schützen - ohne Erfolg. Sie haben locker durch unserer Tücher durchgestochen und zwei Tage lang sahen wir im Gesicht aus, als hätten wir die Beulenpest.



Unser letzter Stopp des Tages ist das berühmte Postamt in der Bahia Ensenada.



Hier startet der Küstenwanderweg entlang des Beagle-Kanals. Die Natur ist überwältigend, der Ausblick auf die chilenischen Berge jenseits des Wassers spektakulär.







Es ist der Höhepunkt eines grandiosen Tages - und das Wetter hat auch mitgespielt.




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28 Mai 2019 18:49 #557600
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Im Reich der Pinguine

Wir könnten eigentlich ausschlafen an unserem zweiten vollen Tag in Ushuaia, doch noch immer treibt uns der Jetlag mit dem Morgengrauen aus dem Bett. Der erste prüfende Blick aus dem Fenster lohnt sich, für einige Augenblicke ist die gesamte Bucht vor uns wie in Gold und Silber getaucht.



Auf diesen Tag habe ich mich besonders gefreut, denn wir haben einen Ausflug zur Pinguinkolonie auf der Isla Martillo gebucht. Wegen der angeblich höheren Pinguinaktivität am Nachmittag haben wir von zwei möglichen Slots am Tag den späteren gewählt und bis zur Abholung am Mittag viel Zeit.

Den Mietwagen müssen wir erst im Laufe des Vormittags zurückgeben, und so fahren wir nach einem ausgiebigen Frühstück die kurvige Straße hinter unserem Hotel hinauf bis zur wenige Kilometer entfernten Sesselliftstation an den Hängen der Martial Mountains. Der Sessellift endet normalerweise am Marcial Gletscher, von dem aus man bei klarer Sicht einen tollen Blick über Ushuaia und den Beagle-Kanal haben soll. Doch der Lift ist seit Jahren außer Betrieb und es sieht auch nicht so aus, als würde er in nächster Zukunft repariert. Warum, kann uns keiner erklären. Von der Talstation starten aber auch lohnenswerte Wanderungen, wenn auch ohne uns. Wir haben andere Pläne.



Wir fahren erst einmal hinunter in den Ort und müssen ein bisschen suchen, bis wir das Haus unseres Autovermieters gefunden haben. In seinem kleinen Hof und auf der Straße stehen jede Menge mehr oder minder funktionstüchtige Wagen herum, er ist wohl ein begnadeter Bastler. Wir übergeben ihm Auto und Schlüssel, beteuern auf Nachfrage, dass alles "muy bien" gewesen sei, noch ein feuchter Händedruck, schon heißt es "adios". Wenn's nur immer so einfach wäre. Im Ortszentrum tauschen wir in einer Wechselstube ebenfalls unkompliziert noch etwas Geld und machen uns dann ein wenig kurzatmig auf den steilen Rückweg.

Am Mittag werden wir abgeholt und mit einer kleinen Gruppe zur Estancia (=Farm) Haberton gefahren. Zum riesigen Gelände der ersten Estancia auf Feuerland gehören viele kleine Inseln, eine davon haben Pinguine vollständig mit Beschlag belegt. Zu dieser Jahreszeit ist die Kolonie der Magellan-Pinguine vollständig hier, brütet und zieht ihren Nachwuchs groß. Ich weiß nicht mehr, warum wir diese Tour nicht mit einer Bootsfahrt auf dem Beagle-Kanal verbunden haben, die Möglichkeit besteht aber. 90 Kilometer sind es von Ushuaia bis zur Estancia, und die Fahrt führt durch Südbuchenwälder und später eine herrliche offene Landschaft.



Warme und winddichte Klamotten waren uns im Vorfeld empfohlen worden, beides brauchen wir an diesem Tag nur bedingt. Die Wolken hängen tief, doch es bleibt trocken. Die Bootsfahrt hinüber zur Isla Martillo führt durch eine tolle Schärenlandschaft und ist bedauerlich schnell vorbei.

Kaum habe ich einen Fuß auf die Insel gesetzt, bin ich von den Eindrücken völlig erschlagen. Ich weiß kaum, wo ich zuerst hinschauen soll, die Pinguine sind überall.











Einige watscheln neugierig auf uns zu, als wir da so zweckfrei auf ihrem Strand herumstehen, die meisten scheren sich aber keinen Deut um uns.





Erst auf den zweiten Blick registriere ich auch die viel größeren Eselspinguine (die so heißen, weil sie so klingen), alle zusammen veranstalten sie ein ohrenbetäubendes Spektakel.







Ich bin begeistert - und sogar regelrecht geplättet, als mich Thomas auf zwei Königspinguine aufmerksam macht. Diese Pinguine brüten hier zwar nicht, tauchen aber immer mal wieder unversehens auf. Auch sie machen ihrem Namen alle Ehre: Ich finde sie wirklich ziemlich majestätisch und elegant.







Interessanterweise halten sich die beiden Königspinguine vor allem in der Nähe oder sogar inmitten der Eselspinguine auf. Die krakeelenden, wuseligen Magellan-Pinguine scheinen als Nachbarn nicht allzu beliebt zu sein.



Während bei Esels und Königs daheim das reinste Familienidyll herrscht, ...







... wird bei Magellans geworben, gerangelt und jede Menge diskutiert.











Eine Stunde haben wir für die Tour über die kleine, schmale Insel Zeit. Genug, um die Tiere in aller Ruhe zu beobachten. Aber ich könnte hier auch problemlos den ganzen Tag verbringen.









Die gesamte Insel ist mit vielen kleinen Höhlen übersät, von denen sich auch einige mitten auf dem Weg befinden. Die Guides - einer an der Spitze, einer am Ende der Gruppe - achten aufmerksam darauf, dass niemand versehentlich auf eine dieser Höhlen tritt und die Nistplätze zum Einsturz bringt.









Aus Kanada eingeschleppte Bisamratten (Danke, Leona!) rennen auf der Insel herum, es deutet aber nichts darauf hin, dass sie den Pinguinen irgendwie das Leben schwer machen. Die Guides sind gerade nicht direkt in meiner Nähe und später vergesse ich leider zu fragen.



Die Zeit verfliegt, ich kann mich nur schwer trennen und klettere schließlich als letzte wieder an Bord unseres Bootes.





Zurück im schönen Cafe der Estancia stärken wir uns am offenen Kamin mit heißem Tee und Kuchen, danach gibt es noch eine Führung durch ein kleines Naturkundemuseum und ein (sehr übel riechendes) Labor, das der Erforschung von Meeressäugetieren dient. Beides hinterlässt keinen bleibenden Eindruck bei mir - im Gegensatz zu den Pinguinen. Bloß gut, dass wir sie nicht zum letzten Mal auf dieser Reise sehen!


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30 Mai 2019 21:19 #557747
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Schietwetter und eine Schrottkarre

An unserem letzten vollen Tag in Ushuaia hat uns das Wetterglück verlassen. Ein bisschen dürfen wir beim allmorgendlichen Blick vom Balkon noch hoffen, ...



... doch dann öffnet der Himmel unerbittlich seine Schleusen. Wir haben für den Tag einen weiteren Ausflug gebucht, der sich "Lakes Off-Road Tour" nennt. Um 9 Uhr werden wir abgeholt und überqueren eineinhalb Stunden später den Garibaldi Pass, doch die Hoffnung, dass das Wetter auf der anderen Seite der Anden besser ist, zerschlägt sich leider.


Bild oben: Ein häufig vorkommendes Schild. Für die Einheimischen ist glasklar, wem die Falklandinseln gehören. Scherze, Sprüche oder Diskussionen rund um dieses heikle Thema sind unbedingt zu vermeiden, und britische Touristen zählen nicht gerade zu den beliebtesten Gästen ...

Der Defender erklimmt die steilsten, matschigsten Pfade in den tiefsten Wäldern und wühlt sich fast mühelos durch den Kiesstrand am riesigen Fagnano-See. Die Aussicht bei besserem Wetter muss sensationell sein, an diesem Tag wird daraus so gut wie nichts.



Bei einem Stopp gibt es Mate-Tee, das typische Trinkgefäß geht reihum. Für die Argentinier eine wichtige Zeremonie, soll sie doch eine Gemeinschaft - wie unsere, die aus acht Personen besteht - zusammenschweißen. Nicht, dass mir unsere Mitstreiter nicht sympathisch wären. Aber mit anderen aus demselben Becher zu trinken war noch nie mein Fall - und auch mit dem bitteren Nationalgetränk werde ich mich auf dieser Reise nicht anfreunden können. Mehr als ein Anstandsschlückchen ist leider nicht drin.


Magellanspecht

Die Fahrt endet in einem wunderschönen Wald, er wirkt wie verzaubert. Bei Sonnenschein muss es fantastisch sein.





Nach einem halbstündigen Fußmarsch stehen wir vor einer kleinen Blockhütte, idyllisch am Fagnano See gelegen, ein Traum. Eine andere Gruppe ist schon da, und gemeinsam trocknen wir unsere Sache am gemütlichen Ofen, während uns Fahrer und Guides am Grill ein waschechtes "Asado" bereiten. Was für ein Schmaus, auch meine vegetarische Variante schmeckt richtig gut, und so kehren wir am Nachmittag rundum zufrieden von dieser ungewöhnlichen, wenn auch verregneten Tour zurück.









Wir lassen uns im Ortszentrum von Ushuaia absetzen, denn wir haben noch etwas zu erledigen. Um 17 Uhr sollen wir unseren Mietwagen bei Alamo abholen, doch als wir pünktlich vor der Tür der kleinen Filiale stehen, ist keiner da. Wir warten, und schließlich sogar mit Erfolg. Doch es folgt die nächste Hürde. Das Auto, radebrecht der junge Mann, sei noch beim Mechaniker. Er könnte es uns aber am nächsten Tag zum Hotel bringen. Ich winke ab, denn wir wollen am nächsten Morgen ganz früh los in Richtung Punta Arenas. Er ruft also beim Mechaniker an, und der will innerhalb der nächsten halben Stunde mitsamt Wagen auftauchen.

So weit, so gut. Dann also erstmal die Formalitäten. Wir präsentieren unsere Unterlagen, bitteschön, alles geregelt und bezahlt. Zumindest fast, konstatiert unser Gegenüber. Es fehle noch die Einweggebühr. 800 US-Dollar sollen wir dafür berappen, mich trifft fast der Schlag. Wir lesen noch einmal alle Papiere, kreuz und quer, und was soll ich sagen: Der Mann hat recht. Das nicht unwesentliche Detail, dass diese Kosten noch nicht im Endpreis enthalten sind, ist uns entgangen. Autsch, das tut weh!

Zu ändern ist nun allerdings nichts. Wir müssen blechen. Und weiter warten. Denn auch nach einer weiteren Stunde ist von dem Mechaniker nichts zu sehen. Sein Handy hat er vorsorglich ausgeschaltet. Der Autovermieter ist sichtlich genervt, aber ratlos. Noch am Vormittag hatte ich ein Loblied angestimmt, wie reibungslos alles klappt. Damit ist es nun vorbei.

Es wird Abend, und noch einmal versucht der Autovermieter, uns auf den nächsten Tag zu vertrösten. Aber in meiner Seele herrscht finsterste Nacht. Keinesfalls rühre ich mich ohne Auto vom Fleck. Und dann, oh Wunder, springt der Vermieter auf. Der Wagen, er kommt. Ich drehe mich um. Aber wo denn? Na da, in der Einfahrt! Thomas guckt genauso verdattert wie ich: Mit diesem Ding sollen wir mehr als 1.000 Kilometer durch die Gegend gondeln???



Das Auto, versichert der Mechaniker, sei nun einwandfrei. Ich krame in meiner Erinnerung. „VW Golf oder ähnlich“, so war es in unseren Unterlagen vermerkt. Daneben das Foto einer funkelnden, makellosen Karosse. Dieser ramponierte Fiat ist das genaue Gegenteil und in einem beklagenswerten Zustand. Thomas dokumentiert vorsorglich die Mängel, was sich in Anbetracht ihrer Vielzahl als Sisyphos-Arbeit erweist. Mich beeindruckt besonders die Stoßstange, die in mehrere Teile zerbrochen ist und nur noch von Gaffa-Band gehalten wird.

Als ich schließlich meine Sprache wiederfinde, bitte ich darum, uns ein anderes Auto zu geben. Der junge Mann schaut bekümmert, er bedaure. Dieser Wagen verfüge als einziger über die erforderlichen Papiere für die Grenzübertritte. Dem ist nichts hinzuzufügen, notgedrungen fügen wir uns in unser Schicksal. Um 800 Dollar leichter und mit einem fragwürdigen Vehikel unter dem Allerwertesten gurken wir hügelaufwärts zu unserem Hotel. Das kann ja heiter werden!


Bild oben: Gleich zu Beginn habe ich unseren Mietwagen - erst spöttisch, später sogar beinahe liebevoll - "Schrottkarre" genannt. Hier ein einträchtiger Moment im Torres del Paine Nationalpark.

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Unsere Afrika-Reisen: Tansania 2010, Namibia/Südafrika 2012, Madagaskar 2014, Botswana/Simbabwe 2014, Namibia 2015, Tansania 2016, Südafrika 2017, Kenia 2018
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Spektakuläre Fahrt nach Punta Arenas

Ein letztes Mal genießen wir am frühen Morgen den schon zum Ritual gewordenen Blick auf den Beagle-Kanal, dann kehren wir dem "Ende der Welt" und dem "Tor zur Antarktis" endgültig den Rücken. Ein zügiges, wie immer nicht besonders herausragendes Frühstück, dann verstauen wir unser Gepäck so gut es geht im ziemlich klein geratenen Kofferraum unserer "Schrottkarre". Punkt acht Uhr sind unterwegs in Richtung Punta Arenas.



Rund 630 Kilometer beträgt die Strecke, für die Google rund acht Stunden veranschlagt. Zudem wir haben den einen oder anderen Umweg nebst Stopp geplant. Wir haben keine rechte Vorstellung, wie lange wir wohl brauchen werden, und eher großzügig kalkuliert. Wie sind die Straßenverhältnisse, wie schnell geht es an der Grenze, wie verlässlich fahren die Fähren an der Magellanstraße und werden wir dort vielleicht Schlange stehen müssen? Wir wissen es nicht.

Das Wetter ist trüb und regnerisch, wird aber besser, als wir die Berge hinter uns lassen. Die Landschaft verändert sich, die hügeligen Wälder hinter Ushuaia wechseln über in die Steppe Feuerlands. Die Weite fasziniert mich, es sind kaum andere Autos unterwegs und wir fühlen uns auf dieser endlos scheinenden Straße noch mehr ans Ende der Welt versetzt als zuvor in Ushuaia.



An der Grenze zu Chile ist schon deutlich mehr los. In dem Gewimmel finden wir schließlich die richtigen Schlangen und dann geht alles reibungslos seinen behördlichen Gang. Papiere hier, Stempel da, schließlich heißt es für uns "Adios Argentina". Wenn auch nur für ein paar Tage.

Kurz hinter der Grenze bei San Sebastian werden meine schlimmsten Albträume wahr. Die Schotterpiste ist extrem holprig, etwas später zudem schmal und verstopft. Wir sind umzingelt von gigantischen amerikanischen Trucks, die uns kaum wahrzunehmen scheinen. Unser fragiles Vehikel kämpft sich wacker über dicke Steine und durch tiefe Schlaglöcher, doch es leidet - und ich gleich mit. Oh weh, soll das etwa bis Punta Arenas so gehen?

Nach rund 40 Kilometern ist der Horror an einer Abzweigung zum Glück vorbei - es war schlichtweg eine Baustelle, in der wir relativ lange feststeckten. Rechts führt nun eine nagelneue, perfekt asphaltierte Straße nach Punta Arenas. Wir biegen jedoch nach links auf eine gute Schotterstraße ab, über uns kreist der erste Condor am Himmel.



Nur 20 Minuten sind es von hier zum Parque Pinguino Rey, den ich unbedingt besuchen möchte. Ich war deshalb überglücklich, als sich herausstellte, dass wir ohnehin fast daran vorbeifahren. Königspinguine kommen eigentlich nur südlich des Südpolarkreises vor. Und so staunte die Besitzerin des riesigen Geländes an der Bahia Inutil, einer Meeresbucht an der Magellanstraße, nicht schlecht, als vor einigen Jahren Königspinguine bei ihr angeschwommen kamen und auch blieben.



Wir haben vorsorglich am Vortag eine (kostenfreie) Reservierung auf der Homepage vorgenommen. Ich weiß nicht, ob das notwendig ist, aber wir werden tatsächlich danach gefragt. Außer uns sind noch eine Gruppe tapferer Radfahrer und einige Touristen-Paare hier. Es soll zuweilen wetterbedingt schwierig sein, die Bucht zu erreichen. Doch an diesem Tag scheint die Sonne und auch mit den gefürchteten patagonischen Winden haben wir immer noch keine Bekanntschaft gemacht.

Nach einer kurzen Einweisung dürfen wir los und ich bin heilfroh, dass wir diesen Schlenker mit in unsere Tour eingebaut haben. Irgendwie hatte ich mir alles viel schwieriger vorgestellt - ein immer wiederkehrender Gedanke auf dieser Reise.



Wie schon auf der Isla Martillo muss ich mich erst einen kleinen Moment daran gewöhnen, dass die Tiere nicht wie in meiner Vorstellung auf Eis, sondern auf der grünen Wiese stehen.



Wir müssen einigen Abstand halten, ein Zaun, ein markierter Weg sowie ein kleiner Flusslauf sind die Grenzen. Übermäßig viel Aktivität darf man nicht erwarten, Königspinguine sind nicht die temperamentvollsten aller Geschöpfe und üben sich meist in vornehmer Zurückhaltung. Dennoch bin ich fasziniert von dieser Kolonie und freue mich, dass sie offenbar beständig wächst.






Links, zwo, drei, vier...

Man kann die Königspinguine auch mit einer Tagestour von Punta Arenas aus besuchen. Das ist dann schon sehr weit und ich möchte nicht beurteilen, ob der Weg lohnt, denn man wird zwangsläufig zu unterschiedlichen Schlüssen kommen. Ich kann jedoch sagen, dass uns schon allein die wunderschöne Landschaft in dieser Region und ihre Abgeschiedenheit zumindest bei gutem Wetter begeistert hat.



Etwas mehr als eine Stunde verbringen wir bei den Pinguinen, dann machen wir uns wieder auf den Weg. Hinter dem Abzweig ist die Straße in tadellosem Zustand und wir kommen zügig voran.





Trotzdem ist die Fähre über die Magellanstraße, die Feuerland vom Festland trennt, noch immer die große Unbekannte in unserer Zeitrechnung. Wir haben (bei viel Pech) von langen Schlangen und mehrstündigen Wartezeiten gelesen, und als die Bahia Azul in Sicht kommt, sind wir sehr gespannt, was uns erwartet.



Es ist das genaue Gegenteil dessen, womit wir gerechnet hatten: gähnende Leere. Keine Menschen, keine Autos weit und breit. Wir rollen langsam bis zum Ende der Straße vor und sehen, wie die Rampe der Fähre unten am Wasser just geschlossen wird. Hmpf, so ein Pech! Ich will gerade den Rückwärtsgang einlegen, da senkt sich wie von Zauberhand die Klappe und uns wird wild gewunken. Als letztes Auto flutschen wir an Bord - was für ein Dusel!



Wir besorgen uns im Bauch der Fähre Tickets, dann genießen wir während der kurzen Überfahrt den tollen Blick.


Thomas ganz happy. Es läuft wie am Schnürchen!

Hinter uns liegt Feuerland und vor uns Chile in goldenem Licht. Noch 170 Kilometer sind es bis Punta Arenas.









Nur mal so Kilometer abspulen, das funktioniert hier allerdings nicht. Es gibt einfach zu viel zu sehen. Immer wieder Landschaft ...



... und eine Art "Geisterstadt". Die Estancia San Gregorio war einst eine gigantische Ranch, die vornehmlich Wolle produzierte. Wir hatten im Vorfeld nichts von ihr gehört oder gelesen, doch an einem spontanen Stopp führt für uns kein Weg vorbei. Es ist ein kurzer, aber faszinierender Blick in die Vergangenheit.









Sonne und Wolken wechseln sich ab und sorgen für eine einzigartige Gewitterstimmung.





Ich werde am Steuer (weil ich glaube, dass ich es besser kann) ganz unruhig bei all den Farben und Eindrücken und würde am liebsten alle paar Kilometer anhalten. So kommen wir aber natürlich nie ans Ziel und Thomas als Fotograf auf dem Beifahrersitz (weil er es definitiv besser kann) hat alle Hände voll zu tun.





Am frühen Abend erreichen wir schließlich Punta Arenas. Unser Hotel Jose Nogueira liegt nicht nur zentral, sondern ist überdies ein echtes Schmuckstück, und die tüchtige kleine "Schrottkarre" darf im Hof wohlverwahrt übernachten. Wir sind erschöpft, aber glücklich: Es war eine lange, spektakuläre Fahrt, und selten hat das Motto "Der Weg ist das Ziel" für uns so gut gepasst!




Müde ist sie. Es war ein langer, aber auch wunderbarer Tag.

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Unsere Afrika-Reisen: Tansania 2010, Namibia/Südafrika 2012, Madagaskar 2014, Botswana/Simbabwe 2014, Namibia 2015, Tansania 2016, Südafrika 2017, Kenia 2018
Letzte Änderung: 23 Jul 2019 23:58 von Beatnick.
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