THEMA: Die Eulenmuckels auf Extratour im Okavango-Delta
22 Dez 2019 14:38 #575753
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Tag 0 – 12. Oktober 2018 – Start mit Hindernissen

Dieses Mal mussten wir nicht fast ein ganzes Jahr bis zur nächsten Afrika-Reise warten. Durch eine glückliche Fügung durften wir bereits in den Herbstferien wieder starten. Ein Kollege von Uwe wollte nach mehreren Afrika-Reisen, die er in Lodges verbracht hatte, auch mal eine Campingreise machen und zählte auf uns. Da es zeitlich in den Sommerferien nicht gepasst hatte, waren wir auf den Herbst gekommen, und wir ließen uns auch nicht lange bitten, Helga und Michael zu begleiten. Als wir uns zu einer Routenplanung trafen, hatten wir den beiden zwei Alternativen vorstellen wollen. Doch nachdem wir die Runde nach Botswana und durch den Moremi besprochen hatten, kamen wir gar nicht mehr zum zweiten Vorschlag. Die beiden waren bereits so begeistert, dass die KTP-Tour unerörtert verworfen wurde.
So hatten wir ein Jahr im Voraus begonnen, diesen Urlaub zu planen, und es waren schon lange alle Vorbereitungen erledigt, als drei Wochen vor der Reise der Augenarzt bei Helga eine beginnende Ablösung der Netzhaut am linken Auge feststellte. Sie wurde zwar sofort operiert, musste jedoch zwei Wochen auf einer Seite liegen und sich möglichst wenig bewegen. Ob sie kurz danach bereits eine längere Flugreise antreten könne, war sehr unsicher. Wir drückten alle Daumen und hofften auf einen positiven Ausgang. Zum Glück gab der Arzt am Montag grünes Licht für unseren Abflug am Freitag.
Am Freitagmorgen brannte ein Wagen des ICE zwischen Köln und Frankfurt. Die gesamte Bahnstrecke und sogar die A3 wurden am Vormittag streckenweise gesperrt. Unseren Zug am Nachmittag von Siegburg nach Frankfurt konnten wir vergessen. So suchten wir kurzfristig nach einer Alternative. Schließlich fuhren Helga und Michael linksrheinisch mit einem anderen Zug ab Köln, und wir wurden von Uwes Eltern mit dem Auto zum Flughafen gebracht. Auf der A3 herrschte dichter Verkehr, und einmal mussten wir bei einer Vollbremsung die Luft anhalten. Zum Glück passierte nichts, und wir erreichten Frankfurt sehr früh.
Beim Check-In trafen wir unsere Reisepartner und setzten uns bis zum Boarding in die Lounge. Dort gab es dann auch etwas zu essen, und die Anspannung fiel langsam von uns ab. Bei der Handgepäckkontrolle wurden wir durch den Mann vor uns aufgehalten, dem nach und nach mehrere Bierflaschen und Flachmänner aus dem Rucksack gezogen wurden. Als wir uns vor dem Einsteigen ins Flugzeug zwischen den Wartenden umsahen, entdeckten wir unseren Schulfreund Michael, der mit seinem Sohn zusammen nach Namibia flog. Er war sehr überrascht, uns zu dieser Jahreszeit auf dem Weg nach Afrika anzutreffen.
Der Flug war recht ereignislos: Das Essen war essbar, das Sitzen einigermaßen erträglich.
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22 Dez 2019 19:29 #575772
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Tag 1 – 13. Oktober 2018 – Windhoek bei Wärme

Casa Piccolo, Windhoek

Morgens kämpfte Ruth ziemlich lange mit einer Kontaktlinse. Sie hatte die Idee gehabt, die bisherigen Monatslinsen am Abend wegzuwerfen und morgens zwei neue zu nutzen. Aber eine davon hatte wohl einen Produktionsfehler und kratzte am Auge. So oft Ruth die Linse auch wieder herausnahm, untersuchte und reinigte, sie wollte nicht besser passen. Schließlich entsorgte sie auch diese und hoffte für später auf die Ersatzlinsen aus der Reisetasche. Das Lesen der Erfolgsmeldungen über den BVB gelang aber auch ohne.



Wir landeten bei Helligkeit und 18 Grad in Windhoek – wie ungewohnt. Die Einreise ging schnell vonstatten, und auch das Gepäck lief uns bald auf dem Band entgegen. Am längsten warteten wir auf unsere große Reisetasche, die aufgrund ihrer Abmessungen wohl einen eigenen Wagen bekommen hatte.
Unser Lieblingsfahrer von Savanna holte uns ab, und nachdem wir noch etwas Bargeld aus den Automaten vor dem Flughafen bekommen hatten, fuhr unsere kleine Reisegruppe in die Hauptstadt. Ruth entdeckte bereits die ersten Tiere im Feld. Bei der Autovermietung waren wir die ersten Kunden des Tages und bekamen zwei fast neue Landcruiser in einer neuen Fahrzeughalle übergeben. Gegenüber den vorigen Modellen waren nochmal ein paar Details verbessert worden. Die Hecktür öffnet sich nun zur Küchenseite hin. Der Spannungswandler ist in der Fahrerkabine angebracht. Und zu guter Letzt erhielten wir einen nagelneuen Kühlschrank. Die Liste der offenen Wünsche an ein perfektes Safarifahrzeug ist wieder kürzer geworden.
Schließlich hatten wir uns alle Details angesehen, die Autos übernommen und unser Gepäck eingeladen. Hintereinander fuhren wir zur Pension. Unsere Zimmer waren noch nicht fertig, und so luden wir lediglich die Taschen aus und steuerten die Maerua Mall an. Unsere Stationen dort hießen Bottle Store, Fruit and Veg und schließlich Superspar.



Wir hatten uns vorab zwar einen Speiseplan und eine passende Einkaufsliste gemacht, kauften aber dennoch mehr ein. Wir sind es einfach gewöhnt, für eine längere Reise zu planen und das Auto zu füllen. Michael und Helga fuhren tapfer mit ihrem Einkaufswagen hinterher und packten Lebensmittel ein. Am Ende waren wir uns sicher, während der nächsten zwei Wochen nicht zu verhungern.
Inzwischen war das Thermometer auf über 30 Grad geklettert, und wir waren ziemlich platt. Solche Temperaturen sind wir in Windhoek nicht gewohnt. Wir fuhren zurück in die Pension und machten eine Pause, saßen im Garten und aßen Brote. Dann räumten wir das Auto ein. Mittlerweile müssen wir uns kaum noch Plätze für alle Sachen im Wagen suchen, sondern kennen schon die für uns optimale Belegung. So dauerte es nicht lange, bis alle Vorräte und Ausrüstungsgegenstände verstaut waren.





Obwohl Helga und Michael zum ersten Mal mit einem Camper unterwegs waren, standen sie uns in nichts nach und hatten ihre Vorräte ebenfalls sehr schnell eingeräumt.
Wieder mal wurden wir von einem Forumsmitglied angesprochen. Namib-Fan hatte uns erkannt, und wir wechselten ein paar Worte.
Schließlich waren die Autos fertig, und wir ruhten uns noch ein wenig aus. Dann duschten wir und fuhren früh mit dem Taxi zu Joe’s Beerhouse. Dort waren wir mit unseren Forumsfreunden Christian, Petra und Nele verabredet. Kurze Zeit herrschte Verwirrung, weil wir weder die Tischreservierung finden, noch unsere Freunde telefonisch erreichen konnten. So erhielten wir zunächst einen anderen, zeitlich begrenzten Tisch. Aber nachdem unsere Freunde eintrafen, wurde etwas umgebaut, und wir bekamen eine größere Tafel für das Abendessen.



Während wir sonst immer im Dunkeln drinnen möglichst in der Nähe eines Heizpilzes im Beerhouse sitzen, war es diesmal für uns eine ganz andere Erfahrung, bei lauen Temperaturen im offenen Innenhof zu essen. Es gab leckere Wildgerichte, Nachtisch und interessante und lustige Gespräche. Während Nele zurzeit zwei Monate in Katutura wohnt, reisten ihre Eltern in den letzten Wochen ohne Auto durch Ruanda und Uganda. Sie erzählten von ihren Erlebnissen bei einer Vulkanbesteigung und bei der abenteuerlichen Personenbeförderung in Afrika (zum Reisebericht). Es war ein schöner Abend. Nachdem wir mit dem Taxi zurück im Casa Piccolo waren, fielen wir todmüde in die Betten. Morgen steht ein langer Fahrtag nach Botswana bevor.
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23 Dez 2019 12:48 #575798
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Tag 2 – 14. Oktober 2018 – Lange Fahretappe

Casa Piccolo, Windhoek – El Fari, Ghanzi

Bei herrlicher Wärme und Sonnenschein standen wir auf. Von unseren Freunden Sarah und Philipp erfuhren wir, dass es im Unterschied dazu in Johannesburg schon seit 10 Stunden regnete. Noch vor dem Frühstück räumten wir die letzten Sachen ins Auto. Dann setzten wir uns in den Frühstücksraum und ließen uns Toast und Eier schmecken.

Guineataube



Für die nächsten zwei Wochen verabschiedeten wir uns von Claudia und machten uns auf den Weg. Bei einer Tankstelle füllten wir Diesel auf. Dann hielten wir kurz bei Savanna und brachten unsere Kiste zurück. Außerdem ließen wir die Mechaniker nach unserem Blinker schauen, der ungefähr doppelt so schnell schaltete wie üblich. Aber alle Lampen funktionierten, und so blieb es dabei. Michael ließ sich noch ein paar fehlende Unterlegbretter geben, und wir alle vergaßen nachzuschauen, ob wir auch eine Schaufel an Bord hatten. Später stellten wir fest, dass in beiden Autos keine vorhanden war.



Bevor wir die Stadt verließen, hielten wir nochmal am Straßenrand.



Die leuchtenden Jacarandas waren einfach zu schön und noch dazu für uns ein ganz neuer Anblick.





Wir fuhren von Windhoek nach Osten bei immer weniger werdendem Verkehr über die B6. Am Straßenrand sahen wir ein Warzenschwein und einen einzelnen Schakal, der offensichtlich die Staupe hatte. Beim ersten Vorbeifahren erkannten wir das abgemagerte Tier gar nicht und drehten noch einmal um. Dann sahen wir den schlechten Zustand des Schakals.
Vor Gobabis machten wir eine erste Pause. Michael erzählte uns, dass wir eine Schlange überfahren hatten. Die hatte Uwe wohl leider übersehen. Kurz vor der Grenze tankten wir nochmal voll und aßen in der Sonne ein paar Schokomuffins.



An der Grenze waren außer uns kaum andere Ein- und Ausreisende. Eine Reisegruppe machte Pause bei einem Picknick, und so brachten wir die Aus- und Einreiseprozedur sehr schnell hinter uns. Der Polizeibeamte bei der Ausfahrt nach Botswana erschrak etwas vor den beiden Gummischlangen auf unserem Armaturenbrett. Nachdem klar war, dass sie nicht echt waren, lachten wir zusammen.
Hinter der Grenze übernahm Ruth das Steuer. Wenige Kilometer später stand eine Polizistin am Straßenrand, und erst als wir sie passierten, sahen wir das Radargerät. Da wir deutlich langsamer als die gedacht erlaubten 120 km/h gefahren waren, machten wir uns keine Sorgen. Aber Michael und Helga hinter uns wurden angehalten. Erlaubt seien nur 80 km/h, die beiden waren 93 gefahren. Ruth lag mit 89 gerade noch innerhalb der Toleranz. Wir hatten kein entsprechendes Schild gesehen, aber darüber kann man wohl nicht diskutieren. Schließlich bezahlten die beiden 300 Pula Strafe.
Dieses Foto steht stellvertretend für einige hundert Kilometer Straße, die wir heute gefahren sind.



Ghanzi





Gegen 17.00 Uhr erreichten wir das El-Fari Camp. Noch waren wir die einzigen Gäste und suchten uns einen schönen Stellplatz, parkten die Autos und stellten die Zelte auf. Es waren immer noch über 30 Grad. In den Bäumen saßen Mahaliweber, und Frankoline zeterten durch das Gebüsch und plusterten sich auf.



Als die Sonne unterging, machten wir Feuer, und Ruth bereitete Salat zu. Da das Holz sehr lange brannte, gingen wir vor dem Grillen noch duschen. Dann ließen wir uns Springbock mit Folienkartoffeln und gemischten Salat schmecken.







Wir hörten mehrere African Scops Owls rufen, ein paar Nightjars und später auch einen Perlkauz. Es war herrlich, so viele unserer Lieblingsgeräusche gleich am ersten Abend in Botswana zu hören.
Schließlich spülten wir, und Ruth zeichnete ihre ersten Spuren mit der Taschenlampe in die Kamera.





Schließlich gingen wir bei immer noch warmen Temperaturen ins Zelt.

Kilometer: 600
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24 Dez 2019 14:34 #575863
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Tag 3 – 15. Oktober 2018 – Baine’s Babobabs

El Fari, Ghanzi – Baine’s Baobabs

Am Morgen war es kühler als erwartet. Bei 13 Grad lagen wir mehr neben als unter unseren dünnen Schlafsäcken und spürten die morgendliche Kühle. Aber nach dem Aufstehen um kurz nach sechs ging bereits die Sonne auf und wärmte sehr schnell. Wir tranken nur einen Kaffee und aßen ein Nutellabrot bzw. ein Rusk und packten unsere Sachen zusammen. Das übrige Holz packten wir ein.
Während Helga und Michael ihr Zelt einklappten und Michael duschte, pirschte Ruth ein paar Vögeln hinterher. Viele Mahaliweber und Glanzstare sprangen uns zwischen den Beinen umher.

Mahaliweber





Brustbandprinie



Rotstirn-Bartvogel



Als Uwe den Laptop zum Laden während der Fahrt an die im Auto eingebaute Steckdose anschließen wollte, stellte er fest, dass diese keine Spannung führte. Auch in dem anderen Auto war es so, unabhängig davon, ob der Inverter oder die Zündung eingeschaltet waren. Offensichtlich funktioniert diese Steckdose nur dann, wenn der Wagen an eine externe Stromversorgung angeschlossen ist. Also bleibt uns nur der eine Anschluss am Inverter zum Aufladen.
Auf der Hauptstraße A3 fuhren wir Richtung Nordosten. Der Weg nach Maun zog sich lange dahin. Am Straßenrand standen viele Esel, und Kühe und Ziegen kreuzten häufig die Fahrbahn. Auch sahen wir am Morgen viele Steinböckchen. Obwohl wir nicht spät aufgebrochen waren, erreichten wir Maun erst am frühen Nachmittag.





Die Stationen waren: Geldautomat, Supermarkt für Helga und Michael, wo sie sich die im Auto fehlenden Tassen kauften, Tankstelle. Beim Diesel-Nachfüllen fragten wir den Tankwart nach einem Laden, wo wir Schaufeln kaufen könnten. Zuerst verstand er Shower statt Showel und wollte uns in eine Lodge schicken. Aber dann meinte er, dass sie im Tankstellen-Shop sowas hätten, wir aber lieber zu einem Heimwerkermarkt fahren sollten, weil dieser billiger sei. Da wir aber keine Zeit verlieren wollten, liefen Helga und Ruth in den Autozubehör- und Hardware-Laden und kamen mit zwei leuchtend gelben Damen-Spaten wieder heraus. Nun kann der Sand kommen.
Besonders freuten wir uns auf den Besuch bei Hilary’s Coffee Shop mit ihren frisch zubereiteten Speisen. Wir aßen leckere Sandwiches, Quiche und gefüllte Avocado. Anschließend verdrückte Uwe noch ein Stück Pekanusskuchen, und wir tranken selbstgemachte Limonade und Kaffee.





Pappsatt setzten wir uns in die glühend heißen Autos. Das Thermometer zeigte 38 Grad.
Auf schnellstem Weg verließen wir Maun nach Osten. Die Straße durch die Makgadikgadi-Pans war wie vor drei Monaten bereits mit zahllosen Schlaglöchern gesät, und trotz aufmerksamem Slalomfahren mussten wir durch den einen oder anderen Krater hindurch.





Auch die anderen Fahrzeuge, die uns begegneten, fuhren wie die Besoffenen in Schlangenlinien. Dadurch kamen wir wieder nicht besonders zügig voran. Irgendwann erreichten wir das Nationalpark-Gate zu den Nxai Pans. Zwei super freundliche Ranger empfingen uns, und wir hatten eine Menge Spaß mit ihnen.
Wir ließen Luft aus den Reifen uns begaben uns auf die Sandstrecke zu den Baine‘s Baobabs.



Sehr tief war der Sand jedoch nicht, und so kamen wir wenigstens hier vorwärts. Viele Tiere sahen wir noch nicht. Eine Straußenfamilie mit kleinen Küken, einige Gackeltrappen, die zeternd davonflogen und viele Termitenschmätzer waren neben einer Handvoll Steinböckchen unsere Sichtungsausbeute.







Junger Erdschmätzer?



Rebhuhnfrankolin



Das späte Nachmittagslicht wurde immer schöner. Als wir kurz vor unserem Ziel über eine kleine Pfanne fuhren, entdeckten wir große Löwenspuren, die uns entgegen kamen. Wir blieben immer öfter zum Fotografieren stehen, und auch bei den Baine‘s Baobabs hielten wir und genossen diesen besonderen Ort. Die Einsamkeit, die Exklusivität und das Abendlicht bescherten uns ganz wunderbare Momente.

Weibliche Trappe

















Ein bisschen schade finden wir, dass einige Leute meinen, sich verewigen zu müssen. So sah der Baobab nur fünf Jahre früher noch aus:



Auf unserer Campsite auf der anderen Seite der Pfanne stellten wir uns neben einen weiteren schönen Affenbrotbaum und schlugen unser Lager auf. Helga und Michael waren noch satt vom Essen bei Hilary’s, und so grillten nur wir uns zwei Oryx-Steaks. Zuvor probierten wir die einladende Eimerdusche aus. Leider kamen aus der Brause nur ein paar Tropfen Wasser, und so dauerte das Abseifen ziemlich lange. Ein einzelner Bellgecko rief ein paar Mal aus dem Gras. Sein abendlicher Gesang gehört zu unseren absoluten Lieblingsgeräuschen in Afrika.





Wir saßen zu viert ein wenig am Feuer, waren dann aber auch ziemlich müde nach der langen Autofahrt und durch die Hitze. Wir spülten, programmierten die Fotoapparate für ein paar nächtliche Sternenaufnahmen und krabbelten ins Zelt. Irgendwo auf der Insel rief eine Schleiereule.



Kilometer: 401
Letzte Änderung: 24 Dez 2019 14:37 von Eulenmuckel.
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25 Dez 2019 22:13 #575885
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Tag 4 – 16. Oktober 2018 – Gehen wir heute auf Löwenjagd?

Baine’s Baobabs – Nxai Pan South Camp

Baine’s Baobabs ist für uns ein ganz besonderer Ort. Es ist so einsam und friedlich dort, dass man am liebsten länger bleiben würde. Wir standen mit Sonnenaufgang auf und blickten über die Salzpfanne. Vor dieser einmaligen Kulisse frühstückten wir unter dem Affenbrotbaum. Es gab Müsli mit Maracuja, Nutellabrote und natürlich Kaffee und Tee. Anschließend wurden noch schnell Zähne geputzt und alle Sachen im Auto verstaut.



Da wir etwas schneller waren als unsere Reisepartner, brachen wir schon früher auf und fuhren weiter über die Pfanne, um uns die Campsite Nummer 2 anzuschauen, von der wir bisher nur Fotos gesehen hatten. Sie liegt ebenfalls sehr schön zwischen zwei großen Baobabs.



Wir sahen uns ein wenig um und fuhren dann zurück zu den Baine’s, wo wir unsere Reisepartner wieder trafen.

Danke an Michael für das Foto



Steppenfalke



Denselben Weg, den wir gestern gekommen waren, fuhren wir zurück zur Hauptpiste. In einem großen Bogen führte die Strecke durch ein gelbes Grasmeer mit vereinzelten Büschen, von denen einige in Blüte standen.



Viele Termitenschmätzer flogen auf, und ein paar Steinböckchen sprangen davon.
Ein wenig hofften wir auf eine besondere Sichtung. Aber so viel wir auch schauten, weitere Wildtiere entdeckten wir nicht.

Foto von Michael:





Auf der Cutline bogen wir ab nach Norden und fuhren durch teilweise sandige Passagen. Bald entdeckten wir den ersten Elefanten, ein kräftiger Bulle, der neben dem Weg stand und fraß.



Weitere Elefanten folgten, und die Sandpad war voll mit ihren Fußspuren. Im South Camp checkten wir im Rangerbüro ein. Der Parkangestellte war sehr forsch und wies uns auf die Einhaltung der Parkregeln hin: Kein Feuerholz sammeln, kein Picknick außerhalb des Camps, leises und umsichtiges Verhalten gegenüber Tieren, kein Off-Road-Fahren, … Das versprachen wir gerne.
Zuerst fuhren wir zum künstlichen Wasserloch, wo wir drei weitere Elefanten, Strauße, ein paar Springböcke, einen Milan und einen Wollkopfgeier sahen. Die Luft flimmerte, und die Bedingungen für gelungene Fotos waren mehr als suboptimal.











Riesentrappe



Rotscheitellerche





Außerdem standen viele Waffenkiebitze am Wasser. Wir blieben nicht lange, entdeckten aber am Fuße eines Termitenhügels vier Löwen. Sie lagen faul im Schatten und waren meist von Gebüsch verdeckt. Es war nicht anzunehmen, dass sie sich in der nächsten Zeit sonderlich viel bewegen würden. Also beschlossen wir, es ihnen gleich zu tun und im Camp eine lange Siesta zu machen.
Auf unserer Campsite Nummer 1 war es trotz des Schattens unter den Bäumen brüllend heiß.
Wir bauten die großen Sonnen-Markisen auf und setzten uns darunter. Nach einem kleinen Picknick mit Wildschinken und Käsebroten waren wir so träge, dass wir uns längere Zeit nicht mehr bewegen konnten. Der gemütliche Hängesack-Campingstuhl, den Ruth extra noch bei der Autovermietung gegen den vorhandenen eingetauscht hatte, erwies sich nun als gar nicht mehr so praktisch. Hier scheiden sich bei uns die Geister. Während man auf dem einen besser am Tisch sitzen und essen kann, sammelt das andere Modell Punkte im Einfach-nur-gemütlich-Abhängen. Was Ruth bis dahin aber noch nicht bedacht hatte, war die Hitze. Man konnte darin zwar wunderbar herumflätzen, hatte aber auch nach kürzester Zeit bereits einen nassen Rücken, da der gespannte Stoff durchgängig war, und so kein ohnehin nicht vorhandenes Lüftchen durchließ. Da half nur eins: sich einfach Uwes Stuhl schnappen.



Uwe war damit erstaunlicher Weise aber gar nicht einverstanden. Er sicherte Fotos, Ruth machte neue von ein paar Vögeln. Ein Gelbschnabeltoko attackierte sein Spiegelbild in unserem Autofenster. Wie wild hieb er mit seinem Schnabel immer wieder auf den vermeintlichen Eindringling, der einfach nicht zurückweichen wollte.



Ähnlich unermüdlich wie der Toko zeigte sich Ruth, die über eine längere Zeit hinweg einem Buntastrild nachstellte. Der kleine, hübsche Vogel hielt keine Sekunde lang still, während er im Boden nach Insekten stocherte.





Es ist schon schön, mit Leuten unterwegs zu sein, die sich bei einem solchen Anblick nicht fragen, aus welcher Anstalt man soeben entlaufen ist. (Zumindest haben sie sich bisher nicht in diese Richtung gehend geäußert.) Uns ist aber doch klar, dass wir hier schon ein wenig speziell sind. Während Helga und Michael sich mit entsprechendem Spott taktvoll zurückhielten, schaute sich dieser Milan Ruths Anstrengungen mit eindeutigem Blick skeptisch von oben herab an.



Elfenastrild



Anschließend gingen wir zum Duschen und Wäschewaschen. Hinter dem Duschhaus stand ein großer Elefant und sog Wasser aus einem unterirdischen Reservoir.



Auch wir schütteten immer weiter Wasser und andere Getränke in uns hinein. Es war einfach unglaublich heiß. Ruth versprach bereits jetzt, sich nie wieder über die Temperaturen im Winter zu beschweren.

Letzte Änderung: 25 Dez 2019 22:17 von Eulenmuckel.
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25 Dez 2019 22:20 #575886
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Kurz nach vier war es mit über 40 Grad zwar noch ziemlich heiß, aber wir machten uns nochmal auf den Weg, denn wir wollten die Löwen vom Vormittag aufsuchen. Im Rangerbüro erfragten wir die genauen Öffnungszeiten. Von 5.30 bis 19.00 Uhr darf man täglich durch den Park fahren. Wir steuerten das Wasserloch an, fanden jedoch von den Löwen keine Spur mehr. Stattdessen war dort eine Familie mit ihrem Mietwagen, den sie aber verlassen hatten. Trotz der anwesenden Elefanten wurde munter herumspaziert und sich lautstark unterhalten. Wir wiesen sie darauf hin, dass wir vor ein paar Stunden an dieser Stelle noch Löwen gesehen hatten und sie doch besser wieder einsteigen sollten. Zum Glück taten sie das auch.
Am Wasserloch waren viele einzelne Elefanten, und es kamen immer neue hinzu.







Sie tranken und bewarfen sich dann mit Schlamm. Eine Schar Perlhühner kam ebenfalls zum Wasser und wuselte den Elefanten um die Beine.





Eine gute halbe Stunde lang beobachteten wir das Treiben der Elefanten, dann beschlossen wir, doch noch mal nach den Löwen zu suchen. Während sich Helga und Michael noch nicht losreißen konnten, fuhren wir ein Stück an der Wasserstelle vorbei und hielten nach den Katzen Ausschau. Hier war jedoch alles wie ausgestorben. Noch nicht einmal ein Springbock oder Waffenkiebitz ließ sich blicken. Wir waren nicht lange gefahren und drehten wieder um. Am Wasserloch hatte sich in der Zwischenzeit nicht viel geändert. Die Elefanten hielten noch immer die Stellung.





Raschen Schrittes trabten zwei Schakale herbei.





Obwohl uns hier durchaus etwas geboten wurde, hatten wir die leise Ahnung, dass das Löwenrudel doch noch in der Nähe sein könnte, und so informierten wir Helga uns Michael, dass wir vor Sonnenuntergang noch eine kleine Runde drehen wollten. Die beiden waren einverstanden, fuhren vor und bogen nach Norden ab. Nach ein paar hundert Metern hielten sie an. Unser Verdacht hatte sich bestätigt. Acht Löwen dösten im Gras neben der Fahrbahn. Das war keine 100 Meter von der Stelle entfernt, an der wir zuvor gedreht hatten. So nah können Glück und Pech für eine besondere Sichtung liegen. Heute Abend hatten wir also doch noch Glück. Zunächst lagen die Löwen noch faul herum, aber bald reckten sie sich, gähnten ausgiebig und standen nacheinander auf.















Eine ältere Löwin machte den Anfang, und alle anderen folgten mit Abstand. Wir überholten sie mehrfach und warteten dann wieder auf das Rudel. Die Tiere ließen sich durch uns nicht stören und spazierten gemütlich entlang der Straße in Richtung Camp.























Wir begleiteten sie bis nach Sonnenuntergang. Als es zu spät und zu dunkel wurde, rissen wir uns los und fuhren zum Camp. Kurz davor stand noch ein großer Elefantenbulle neben der Spur.



Helga machte sich Gedanken, wohin die Löwen wohl unterwegs gewesen seien. Immerhin lag unser Camp genau auf ihrem Kurs. Wir beruhigten sie, dass es doch eher unwahrscheinlich sei, dass sie im Dunkeln genau über unsere Campsite spazieren würden. Wir machten ein großes Feuer und backten Pizza. Ruth stellte ein paar Kerzen auf. Im Dunkeln hörten wir Schakale rufen, und einer huschte in einigem Abstand immer wieder zwischen unseren Autos hindurch. Unser Abendessen wurde vom Gesang einiger Nightjars und einer Schleiereule begleitet. Unsere Löwenfreunde hörten wir jedoch nicht mehr. Wir wussten nicht, ob wir darüber erleichtert oder enttäuscht sein sollten. Gemeinsam liefen wir mit der Taschenlampe bewaffnet noch einmal zu den Ablutions. Es ist doch so, dass Löwen sich bewegende Lichter eher meiden, richtig? Bevor wir uns in unsere Zelte verkrochen, entdeckte Ruth in einem Baumloch einen Bilch, der aus großen schwarzen Knopfaugen neugierig nach Nahrung Ausschau hielt.



Kilometer: 64
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