THEMA: Reisebericht: Drei Wochen Äthiopien mit dem Rotel
16 Feb 2020 13:54 #580247
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Hallo Friederike,
es stimmt, Rotelreisen sind sehr intensiv. Was die Eindrücke und Erfahrungen angeht, aber auch aufgrund der besonderen Art des Reisens. ;)
Die drei Wochen sind mir subjektiv wirklich wie mindestens 2 Monate vorgekommen. Und ein wenig bin ich immer noch gedanklich unterwegs. Das Verarbeiten all der Eindrücke ist noch längst nicht abgeschlossen.
Und dabei sind wir wirklich nicht zum ersten Mal in Afrika unterwegs gewesen.

Viele Grüße
Ralf
Letzte Änderung: 16 Feb 2020 14:16 von CrocV.
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16 Feb 2020 14:02 #580249
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Fazit 1: Äthiopien als Reiseziel
Nord- und Zentraläthiopien hat uns mit seinen vielfältigen, atemberaubenden Landschaften, den unterschiedlichen Menschen und ihrer kulturellen Vielfalt tief beeindruckt und einfach begeistert.

Die unterschiedlichen Landschaften sind atemberaubend schön. Und dabei sind wir ja gar nicht in der Danakil gewesen und haben die Gheralta-Berge auf unserem Weg nach Axum im Dunkeln nicht sehen können. Und auch die Semien Mountains haben wir nur gestreift. Und, und, und…..

Der Verlauf der Geschichte des Landes ist unglaublich spannend und von einer Unzahl an Kämpfen und kriegerischen Konflikten geprägt. Es gibt hier auch etliche archäologische Stätten. Wir haben bei weitem nicht alle besucht. So habe ich die sog. D`amant-Kultur (Äthio-sabäische Vorläuferkultur von Axum) gar nicht erwähnt, da wir die entsprechenden Fundstätten wie den Tempel in Yeha nicht besichtigt haben. Drei Wochen sind einfach zu kurz für ein Land wie Äthiopien !

Das äthiopische Christentum im Norden war zu allen Zeiten umringt von anderen Religionen. In einer Art Isolation hat es überdauert. Der Bibelkanon der äthiopischen Kirchen umfasst auch einige Texte wie das Buch Henoch, das 3. Buch der Makkabäer und weitere, die in anderen christliche Kirchen im Laufe der Jahrhunderte „aussortiert“ wurden. Für Reisende bietet sich hier die wohl einmalige Gelegenheit, über den „Zaun“ unserer heutigen europäischen Kirchenlehre hinweg auf ein geradezu biblisch anmutendes Christentum zu blicken.

Aber gerade auch der persönliche Kontakt zu den Menschen war tief beeindruckend. Die Menschen leben noch größtenteils vom Ertrag ihrer Felder. Die Landwirtschaft ist nicht mechanisiert, so das tagsüber überall die Menschen auf den Feldern bei der Arbeit sind.
Es war für uns eine Reise zurück in eine Zeit, die wir nur aus den Erzählungen unserer Großeltern kennen: Als auch bei uns noch Pferd und Ochse die „Maschinen“ des Bauern waren. Und das Leben sich nach den kirchlichen Riten orientiert hat.
Äthiopien bietet auf dem Land genau das, was wir Touristen so sehr suchen und erleben wollen: Eine ursprüngliche, traditionell lebende Bevölkerung. Wir werden diese Eindrücke nie vergessen.

Die Menschen sind uns gegenüber nicht immer nur freundlich aufgetreten. Wir waren darauf innerlich vorbereitet. Denn es ist kein Zufall, das Äthiopien als einziges Land in Afrika NIE dauerhaft kolonisiert wurde. Die Menschen sind stolz, unbeugsam und tief mit ihrem Landstrich verwurzelt. Und dies führt wohl zu einem ausgeprägten „Territorialverhalten“. Und einige sind dabei eben der Meinung, wir hätten kein Recht, ihr Gebiet zu betreten.
ABER ! Diese Ablehnung haben wir meist nur im Vorbeifahren zu spüren bekommen.
Sobald wir zu Fuß unterwegs waren, den Menschen in die Augen geschaut und sie mit einem Salam begrüßt haben, sind wir sehr freundlich behandelt worden. Selbst wenn wir allein unterwegs waren, hatten wir nie ein Gefühl der Unsicherheit.

Da die Sicherheitslage in den einzelnen Regionen, ja manchmal sogar in einzelnen Orten sich zur Zeit schnell verändern kann, halte ich unsere Entscheidung eine geführte Reise zu unternehmen für richtig. Unsere deutsche Reiseleiterin und auch unser äthiopischer Guide waren mit Vertrauensleuten vor Ort, anderen Guide und dem Büro der Agentur in Kontakt, um die Lage aktuell einschätzen zu können. Und so haben wir ja auch die Reiseroute entsprechend spontan geändert. Ich hätte keine Bedenken, in dieser Form wieder nach Äthiopien zu Reisen.
Und das Land hat mich so tief bewegt, das ich eine weitere Reise nicht für gänzlich unwahrscheinlich halte.

Zumal wir die Kaffeezeremonien mit dem milden äthiopischen Weihrauch wirklich sehr vermissen. :(

Ich hoffe, mit meinem offenen und detaillierten Bericht niemanden abzuschrecken, sondern euch im Gegenteil etwas von meiner großen Begeisterung zu vermitteln.
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16 Feb 2020 14:07 #580250
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Fazit 2: Gruppenreise mit Rotel
Wir hatten wie erhofft eine sehr gute Reiseleiterin, die uns mit Herzblut die äthiopischen Völker und ihre Kultur nahe gebracht hat und dabei auch die aktuellen Entwicklungen im Land immer wieder mit einbrachte. Und dies in einer Tiefe, die nur durch jemanden möglich ist, der das Land wirklich liebt und sich permanent damit beschäftigt. Um so besser für mich, das sie auch noch studierte Archäologin war. Mein Faible für Geschichte und Archäologie ist „vielleicht“ dem einen oder anderen beim Lesen aufgefallen ? :whistle:
Von daher war die Entscheidung mit Rotel zu reisen, für uns richtig. Obwohl dies natürlich einen ordentlichen Komfortverzicht bei den Übernachtungen bedeutet hat. Und uns im Lauf der Reise das eine oder andere mal neidisch auf andere, im Hotel übernachtende Reisende, blicken ließ. :evil:
Die eingangs beschriebene Gemeinschaft hat sich auch bei dieser Reise gebildet.
Erfahrungsgemäß trifft man bei Rotelreisegruppen keine typischen Pauschaltouristen. Sondern meist erfahrene, vom Reisefieber infizierte Vielreisende. Die aufgrund der besonderen Nähe/Enge gerade auch im Gang vor den Kabinen die notwendige Bereitschaft zur Rücksichtnahme und Toleranz mitbringen. Und die auch bereit sind, die unausweichlichen kleineren Beschwerden und Unannehmlichkeiten einer solchen Reise ohne Jammern auf sich zu nehmen, um in entlegene Gegenden der Welt zu gelangen. Ob dies jetzt Staub, Hitze, Kälte oder eben auch mal eine eingeworfene Fensterscheibe ist. Insoweit waren auch die Mitreisenden unserer Reisegruppe alle auf der gleichen Wellenlänge. Einziger kleiner Wermutstropfen war, das unserer Meinung nach mehrere Mitreisende altersbedingt körperlich kaum noch in der Verfassung für solch eine Reise waren. Da wurde unsere Geduld in der Enge des Kabinenganges doch das eine oder andere Mal etwas auf die Probe gestellt, wenn es beim Ankleiden oder Einräumen mal wieder nur sehr langsam vorwärts ging beim Nachbarn. :pinch: Aber ich weiß aus Erzählungen, das dies wohl ein Phänomen unserer alternden Gesellschaft ist, welches auch bei anderen Reiseveranstaltern anzutreffen ist. Und ehrlich: Wir sind auch „reiseinfiziert“ und werden versuchen, bis ins hohe Alter „on the Road“ zu sein ! B)
Für Rotel unüblich wurde fast immer abends im Hotel gegessen anstelle des vom Fahrer in der Küche am Heck des Fahrzeuges zubereiteten „Rotel-Abendessens“. Dies war auch gut so. Etwas Verwöhnprogramm am Abend bei dieser doch recht intensiven Reise tat echt gut. :cheer:
Die oft tagelangen Fahrten waren, natürlich noch verstärkt durch die notwendigen Änderungen der ersten Woche und die blockierte Straße vor Mekele, manchmal etwas zermürbend.
Dennoch haben wir uns bewusst im Vorfeld dafür entschieden. Andere Veranstalter bieten ähnliche Rundreisen durch den Norden mit ein oder sogar zwei Inlandsflugetappen an. Wir wollten aber genau auch das Land „zwischen“ den touristischen Hochburgen sehen und erleben. Wir möchten diese Eindrücke und Erlebnisse auch keinesfalls missen.
Hier wiederum hat der Komfort des Rotel einiges erleichtert im Vergleich zu einem einheimischen Kleinbus. Das Fahrzeug hat mit 570 PS die notwendige Kraft am Berg, durch den LKW-Unterbau von Mercedes Benz die notwendige Geländegängigkeit und durch die Luftdruckfederung dabei den notwendigen Sitzkomfort für uns Fahrgäste. (Unter uns gesagt, sogar soviel Sitzkomfort, das viele Mitreisende oft dem "gefürchteten" Rotelschlaf während der Fahrt "zum Opfer" fallen. Selbst mich hat es 1-2 mal "erwischt" :dry: :huh: :laugh: )
Im Vorfeld einer Reise schauen wir uns immer etliche Reiseanbieter an, die unser Reiseziel im Programm haben. Je nach Reiseroute wählen wir dann den unseren Vorstellungen und Wünschen an nächsten kommenden Veranstalter aus. Und daher waren wir schon mit einigen Veranstaltern/Agenturen unterwegs. Und genießen dann zur Abwechslung gerne auch Lodge- und Hotelübernachtungen :laugh: B)
In Fall Äthiopien kam die Reisebeschreibung von Rotel unseren Vorstellungen am nächsten.
Und unsere Erwartungen wurden voll erfüllt.
Letzte Änderung: 16 Feb 2020 14:11 von CrocV.
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17 Feb 2020 20:11 #580361
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Hallo freshy,
ich hätte mir tatsächlich in Axum einen weiteren Tag gewünscht. Aber da ich schon seit meiner Jugend mal nach Äthiopien wollte, gab es einfach soooo viele Dinge die mich brennend interessiert haben, das ich bewusst diese Reise ausgewählt habe.
Und auch wenn wir jeweils nur kurz an den einzelnen Orten waren, verweile ich immer wieder dort. :cheer:
Erst beim Schreiben des Reisetagebuchs, dann beim Lesen mehrerer Bücher zur Vertiefung des dort Gesehenen und Gehörten.
Und jetzt Reisen wir bald wieder an all die von uns besuchten Orte: Wenn wir endlich mal die vielen Bilder aussortieren, um unser Reisefotoalbum zu machen. :cheer:

Aber ich verstehe dich gut. Auch ich würde in ein paar Jahren (wenn ich alle meine anderen Traumziele besucht habe) gerne nochmal nach Äthiopien reisen. Und dann gerne mehr Zeit an einzelnen Orten wie den Simien oder den Gheraltabergen verbringen. Wanderungen unternehmen, lokale Märkte besuchen etc..

Aber ich kenne mich eben. Bei unserer ersten Reise in Äthiopien wäre das nichts für mich gewesen. Zu Wissen, das da in der Nähe noch viel mehr ist, das mich brennend interessiert.....
Letzte Änderung: 17 Feb 2020 20:20 von CrocV.
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18 Feb 2020 10:49 #580416
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Hallo Ralf,

vielen Dank für diesen sehr lehrreichen Reisebericht über ein interessantes Land.

Alles Gute
Thomas
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18 Feb 2020 13:08 #580423
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CrocV schrieb:
Hallo freshy,
ich hätte mir tatsächlich in Axum einen weiteren Tag gewünscht. Aber da ich schon seit meiner Jugend mal nach Äthiopien wollte, gab es einfach soooo viele Dinge die mich brennend interessiert haben, das ich bewusst diese Reise ausgewählt habe.
Und auch wenn wir jeweils nur kurz an den einzelnen Orten waren, verweile ich immer wieder dort. :cheer:
Erst beim Schreiben des Reisetagebuchs, dann beim Lesen mehrerer Bücher zur Vertiefung des dort Gesehenen und Gehörten.
Und jetzt Reisen wir bald wieder an all die von uns besuchten Orte: Wenn wir endlich mal die vielen Bilder aussortieren, um unser Reisefotoalbum zu machen. :cheer:

Aber ich verstehe dich gut. Auch ich würde in ein paar Jahren (wenn ich alle meine anderen Traumziele besucht habe) gerne nochmal nach Äthiopien reisen. Und dann gerne mehr Zeit an einzelnen Orten wie den Simien oder den Gheraltabergen verbringen. Wanderungen unternehmen, lokale Märkte besuchen etc..

Aber ich kenne mich eben. Bei unserer ersten Reise in Äthiopien wäre das nichts für mich gewesen. Zu Wissen, das da in der Nähe noch viel mehr ist, das mich brennend interessiert.....

Hi Ralf,
meinst du WIRKLICH meinen Post? Egal, ich antworte maL auf diesen Abschnitt, in dem ich mich ein bisschen selbst sehe: "Erst beim Schreiben des Reisetagebuchs, dann beim Lesen mehrerer Bücher zur Vertiefung des dort Gesehenen und Gehörten. Und jetzt Reisen wir bald wieder an all die von uns besuchten Orte: Wenn wir endlich mal die vielen Bilder aussortieren, um unser Reisefotoalbum zu machen. "
Ich fühle mit dir, denn so sind auch meine Nachbereitungen unserer Reisen. Das Tagebuch ist überarbeitet, zusätzliche Infos habe ich eingeholt, sogar das zweiteilige Fotobuch mit höchstens 20% der Fotos liegt vor:) . Nun habe ich genügend Material gesammelt, um zu unserer Veranstaltung über die Sambiareise die Moderation zusammenzustellen. Ich bin also immer noch "in" Sambia zugange, obwohl es durchaus nicht die schönste unserer Reisen war, aber die erlebnisreichste.

Nu denn plan' mal schön deine nächste Reise, ich hoffe auf einen weiteren Bericht ;) .

Beste Grüße
freshy
Letzte Änderung: 18 Feb 2020 13:10 von freshy.
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