THEMA: Kenya: Von Löwen, Lämmern, Savanne & Süßigkeiten
01 Mai 2015 13:45 #383632
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5. Etappe: Buschleben pur

Wir haben uns nun entschieden im Buschcamp zu übernachten - das wird bestimmt aufregend und entgehen lassen wollen wir uns die Chance nicht :woohoo: ! Wer bekommt schon die Chance mitten in der Nacht im Busch der Massai Mara zu übernachten? :) :)

Es geht über ziemlich holprige Pfade mit ziemlich spitzen Steinen im Boden – Gut, dass unsere Old Lady so viel Bodenfreiheit hat! Einigermaßen zu fahren ist sie ja, die Kupplung zu treten ist leicht anstrengend – gut, ich bin auch recht klein, wie ich zugeben muss. :blush: Nach ein paar Minuten macht es mir allerdings ziemlich viel Spaß über die Pisten zu fahren – ist doch was aufregender als die gut geteerten, normgerechten deutschen Straßen :lol: ! Klar, Lars behauptet ich hätte sein Leben das ein oder andere Mal vorsätzlich in ernsthafte Gefahr gebracht, aber ich sage, da war immer noch genug Platz zur Uferkante :laugh:.

Auf dem Weg zur Lodge entdecken wir dann doch tatsächlich noch ein Safarimobil! Was macht das denn hier? In letzter Zeit haben die sich doch eher rar gemacht! Die scheinen also was Feines gefunden zu haben!
Wir fahren näher ran und entdecken Löwen – genial! Und so klein! Babylöwen! Dies sind aber keine Jungtiere, sondern noch richtige Babys! Klein wie normale Hauskatzen!




Auch kleine Löwen müssen sich mal strecken - der Bauch ist bestimmt ganz weich! Wie gerne würde ich mal streicheln...


EInmal kurz gewundert "Wer seid denn ihr?"


Auch kuscheln darf nicht zu kurz kommen


Und dann noch ein perfektes Foto für mich, um meine Sammlung von Lieblingsfotos zu vervollständigen! Ich bin sehr verliebt!

Wir müssen uns leider wieder aufmachen, denn auch wenn wir heute innerhalb der Reservatsgrenzen übernachten, dürfen wir trotzdem ab 19 Uhr nicht mehr fahren.
Ich muss durch einen schmalen Flussarm – ganz geheuer ist mir das nicht, denn dort lauern zwei fette Krokodile. Wir stehen rum und beobachten die Tiere. Eins entdecken wir auch nahe bei in einem Flusslauf, der von den anderen abgeschnitten aussieht. In so einem flachen Gewässer hätte ich nie ein so großes Krokodil erwartet!



Leider geht mir langsam die Speicherkapazität aus, weshalb ich von so schönen Kleinigkeiten wie der Flussvegetation keine Fotos mehr machen kann :( Im Nachhinein ist das eine der Sachen, die ich mit am meisten bereue – einfach nicht genügend Datenkapazität mitgebracht zu haben! Natürlich sind Fotos nicht so viel Wert wie Erinnerungen, aber wenn ich mir die Fotos anschaue, dann fallen mir immer wieder kleine Details ein, an die ich mich sonst vielleicht nie mehr erinnere....
Dann muss ich auch noch wirklich durch nen Fluss durch - aber dank Lars`anweisungen schaffe ich auch das, obwohl Frau! Haha! :P


Ich fahre das erstemal selbst durch einen Fluss B) - das hält mich aber nicht davon ab, Lars zu nötigen Fotos zu machen :evil:

Wir kommen zur Lodge, von wo aus wir nur ein Stückchen zu dem Platz fahren müssen, an dem wir heute übernachten werden. Als wir dort endgültig ankommen, wird uns klar: Hier hat wahrscheinlich noch nie irgendjemand gecampt. Wir sind zwar in der Nähe der Lodge, aber nicht im Bereich der Wohnzelte. Ganz weit durch den Busch kann man gerade noch so ein paar Zeltplanen erahnen... Eigentlich sind wir hier ziemlich mitten im Busch, nicht weit von einem Arm des Mara entfernt.

Einerseits scheint es ja völlig normal zu sein Buschcamps zu errichten und mit Gästen im Busch zu picknicken, andererseits kommt mir das Ganze komisch vor. Aber alle um uns herum tun so, als wäre das hier vollkommen normal. Okay, wir sind in Afrika, was weiß ich, was hier normal ist? :silly:

Unser Guard für heute Nacht hat bereits Holz organisiert und zündet das Feuer an. Neben dem Feuer breiten wir ein Massai Tuch zum sitzen aus. So sitzen wir mitten im Busch unter einem grünen Blätterdach und genießen die Nacht :) Wir wickeln Süßkartoffeln in Alufolie ein und genießen sie mit zerlaufener Butter. Unser Guard hat sowas noch nie gegessen, probiert es aber tapfer und findet es gar nicht so schlecht! :) Leider dürfen wir nur in einem bestimmten Bereich umher wandern. Für eine kurze Nachtwanderung zum Mara-River verlangt der Guard leider 50 $. Da hat er wohl was hoch gepokert... Denn der Fluss liegt wirklich nah. (Im Nachhinein denke ich wir hätten mit ihm handeln sollen – es wäre hundertprozentig ein Erlebnis wert gewesen so nachts durch die Mara zu schleichen..... :( :dry: andererseits auch ziemlich gefährlich :ohmy: )

Durch die Vegetation können wir die Flussarme erahnen und auch die Hippos hören wir lachen. Der Guard hängt Petroleumlampen in den Ästen auf und wir haben es richtig gemütlich hier im Busch. Der Wind rauscht durch die Äste und das Feuer knarzt.


Das Lagerfeuer als einziges Licht in der Dunkelheit drumherum...

In meinen Träumereien kommt jeden Moment ein Leopard vorsichtig angeschlichen – aber das bleiben leider Träumereien. So finden wir uns also nachts mitten im Busch der Massai Mara wieder – damit hatten wir nicht gerechnet. Ohne unser Feuer und die Petroleumlampen, die in den Ästen schaukeln, wäre es hier stockdunkel! Auch wenn ich mir am Anfang nicht sicher war, ob es so ganz legal ist, uns hier im Busch campen zu lassen, so bin ich mir doch mittlerweile bewusst, dass wir hier eine ganz besondere Chance bekommen haben. :) Ich bin froh, dass wir uns auf dieses Abenteuer eingelassen haben – auch wenn das nächtliche Brüllen eines Löwen, auf das ich gehofft hatte, leider ausbleibt... :side:


Lars am Lagerfeuer - mittlerweile haben wir auch eine Buschbank aus einem großen Ast! Es gibt auch Bier und für mich Wein - gemüüüüüüüüüüütl
ich!!!


Wir erzählen zu dritt am Lagerfeuer. Unser Guard wird zusammen mit einem Massai die ganze Nacht auf uns aufpassen. Einmal hören wir Geräusche und er erklärt uns, es seien Warzenschweine. Es raschelt zwischendurch im Busch aber es kommen keine Tiere ins Camp. Irgendwann müssen wir dann trotz der schönen Atmosphäre schlafen, denn müde sind wir. Und der kommende Morgen wird der letzte in der Mara sein... Gute Nacht!

Fortsetzung folgt...
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01 Mai 2015 17:53 #383659
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17.Tag. 10.10.2015: Massai Mara National Reserve - Nairobi

Am nächsten Morgen wird rasch gefrühstückt. Sogar der Manager kommt zu uns und fragt uns, ob alles zu unserer Zufriedenheit wäre. Wir bedanken uns bei ihm und unseren Guards. Trotzdem packen wir relativ schnell zusammen - unser permit ist ja nur bis 9:30 gültig :(.
Kaum fahren wir aus dem Buschwäldchen raus, das die Lodge umgibt, begegnen wir Giraffen und anderen Savannen-Bewohnern. Hui, da waren wir aber nah dran!


Südliche Hornraben, Southern Ground Hornbill oder auch Bucorvus leadbeateri in der wunderschönen Savanne


Schabrackenschakal, Black-Backed Jackal oder Canis mesomelas



Seltsame und vor allem riesige Spinnennetze? Die Spinne können wir allerdings nicht finden...

Dann geht es in Richtung Nairobi. Ursprünglich wollten wir uns in Richtung Osten zum Lake Magadi durchschlagen und dann zum Amboseli, aber als wir uns ein wenig umgehört haben hieß es, dass wir das besser nicht machen... Ein bisschen wehmütig bin ich ja schon, aber so viele schöne Gegenden warten noch auf uns! Also heißt es Abschied nehmen von der Massai Mara.... HOffentlich nicht zum letzen Mal!

Irgendwann kommen wir wieder auf die schreckliche Piste in Richtung Narok. Und nun hält Lars es nicht lange aus langsam zu fahren. Wir kommen ganz gut voran. Aber es passiert, was auf dieser Strecke passieren musste: Wir haben einen Platten. Also steigen wir aus, um den Reifen zu wechseln. Ein kleiner Junge von einer Farm kommt zögerlich herüber. Lars zeigt ihm, was wir machen und der Kleine versucht ihm zu helfen, obwohl er kaum ein Wort englisch spricht. Lars gibt ihm eine Cola. Als wir dann weiterfahren schaut er mit großen Kinderaugen auf Tiger - meinen Stofftierlöwen, den ich zum Geburtstag bekommen hatte und mitgebracht habe. Gerne würde ich ihm ein Stofftier oder Spielzeug schenken, aber meinen Tiger bekommt er nicht. So kann ich ihm nichts Anderes anbieten. Der Kleine ist trotzdem happy und läuft wieder zur kleinen Farm zurück. Nach Sweets werden wir tatsächlich diesmal nicht gefragt :).

Der Highway in Nairobi lässt sich gut befahren, wir treffen allerdings wieder völlig verrückte Matatus und überladene Busse:





Nein, dieser Bus ist noch nicht voll! Was ist denn eigentlich, wenn jemand seine Sachen ganz aus der Mitte des verknoteten Etwas braucht?!

Als die Straßen sich wieder etwas höher schlängeln wird es immer voller. Die Straßen sind schmal, rechts geht’s den Abhang runter, gedrängelt, überholt und gehupt wird trotzdem wir verrückt.... An den Hängen, an denen die Fahrzeuge dank der wirklich alten und klapprigen LKWs kaum vorankommen, haben sich Maiskolben-Bratereien strategisch klug positioniert.
In Nairobi wollen wir wieder im Wildebeest übernachten, dieses Mal aber im Dachzelt. Dort fällt mir ein, dass meine beste Freundin gestern Geburtstag hatte – oh Nein! :( Ich bin völlig fertig mit den Nerven. Schreibe tausend Nachrichten und lösche sie wieder, versuche anzurufen und fühle mich furchtbar. Ich beschließe, dass ich wohl ein wirklich schönes Souvenir mitbringen muss und fühle mich elend.
Abends essen wir am Buffet mit einer anderen Gruppe Reisender zusammen – leider ist das Buffet wieder (genau wie an den ersten zwei Tagen) etwas knapp. Meine Stimmung ist wieder etwas besser, da ich meine Freundin erreichen konnte. Ein schlechtes Gewissen habe ich aber immer noch...

Nun geht’s ab ins Dachzelt, morgen können wir zwar etwas länger schlafen, aber viel vor haben wir trotzdem!
Gute Nacht!
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01 Mai 2015 18:49 #383669
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18.Tag. 11.10.2015: Nairobi – Nirgendwo nahe der tansanischen Grenze

Heute frühstücken wir im Wildebeest und besuchen dann den David Sheldrick Wildlife Trust: Die Stiftung, gegründet von Dr. Dame Daphne Sheldrick, widmet sich der Bewahrung, Erhaltung und dem Schutz von Wildtieren in Ostafrika, sowie der Rettung und Aufzucht von wilden Elefanten- und Nashornweisen (und anderen Spezies). Einmal am Tag darf man die Elefantenweise für eine Stunde besuchen und bei ihrer Fütterung mit Milch dabei sein. Der Trust stellt jeden einzelnen Weisen vor, seine Geschichte, wieso er zu einem Weisen wurde (z.B. Wilderei der Mutter) und die Arbeit des Trustes und seine Prämissen. Wer hier hin möchte, sollte sich allerdings nicht chic anziehen – die kleinen Elefanten lieben roten Erdschlamm :laugh:
Es sind ziemlich viele Besucher hier, vielleicht weil Samstag ist. Es sind wirklich kleine Elefanten dabei, die gerade mal drei Monate alt sind und um die es mir wirklich leid tut – so wenig haben sie bis jetzt von ihren wilden Familien lernen können – das müssen nun die Pfleger übernehmen.









Die älteren Elefantenweisen sind teilweise schon 2 Jahre alt. Sind sie in diesem Alter gesund, kommen sie in eine der zwei Stationen im Tsavo Ost. Ihr Pfleger begleitet sie dabei und führt sie wieder in das Leben im Busch ein. Einmal schreit einer der Elefanten ganz furchtbar, ein zweiter hatte ihn runtergedrückt, als der Elefant aus dem Matsch aufstehen wollte Die Pfleger erzählen daraufhin, dass der zweite ziemlich frech und aufmüpfig ist und nun wahrscheinlich in die Gruppe der älteren Elefanten kommt, damit diese ihm Manieren beibringen! Sehr gut


Im Hintergrund sehen wir einen der ganz kleinen Elefanten. Er ist erst wenige Monate alt - also eigentlich noch ein Säugling... Armer Kleiner. Gut, dass er nun hier ist und sich jemand, um ihn kümmert :(






Ein ganz kleiner Elefant kommt zu Lars, sein Rücken ist nicht einmal hüfthoch. Wir können den Kleinen sogar ganz kurz berühren - seine Haut ist ganz trocken und hat ganz feine Häärchen.

Auf Grund der Körpergröße neige ich dazu, die Elefanten schon für Teenager zu halten. Tatsächlich sind sie aber kaum im Kindergartenalter... Kein Wunder, dass sie so viel spielen! Die Einnahmen durch diese Besuchszeiten bleiben übrigens innheralb der Stiftung und werden nur für diese verwendet. Ein toller Besuch, schließlich habe das Buch von Daphne Sheldrick gelesen (auf Empehlung, herzlichen Dank dafür :)) und wollte deshalb unbedingt den Trust besuchen! Und es hat sich wahrlich gelohnt! Der Trust leistet hier wirklich tolle Arbeit!

Als die Besucherzeit vorbei ist, machen wir uns auf in Richtung Amboseli: Im Reiseführer stehen zwei Strecken, wir entscheiden uns ungefähr so zu fahren wie vom Kembu -Camp -Besitzer empfohlen – seine Tipps waren immer gut. Gegen Mittag machen wir uns also auf und nehmen die A104 in Richtung Namanga an der tansanischer Grenze. Die Straßen sind teilweise gut, doch kommen wir zu Abschnitten, die aussehen, als wären sie nach der Vorbereitung der Straße vergessen worden – Teerstraßen werden zu Gravelroads oder zu einer einzigen Ansammlung von Schlaglöchern.
Auf einmal kommt uns ein Esel mitsamt Karren entgegen – aber ohne Besitzer! Wir versuchen den Esel zu stoppen. Der Besitzer kommt uns entgegen gelaufen. Wir schaffen es, den Esel anzuhalten. Der Besitzer bedankt sich, hält das sture Tier aber nicht richtig fest – und was passiert? Der Esel läuft erneut davon! Es hat wohl nicht sein sollen...
Letzte Änderung: 01 Mai 2015 18:53 von Mwotaji.
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01 Mai 2015 19:03 #383673
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Die Straße wird besser und wir können wieder schneller fahren – immerhin wollen wir die gesamte Strecke bis zum Amboseli (was eigentlich nur 230 km sind) heute noch schaffen. Hier ist niemand unterwegs. Trockene leere Ebenen umgeben uns – es sind riesige Viehweiden. Viele Gebäude und Grundstücke stehen zum Verkauf. Große Viehherden sehen wir auch nicht, nur kleine Schafherden ohne Hirten.

Dann läuft ein Schaf von der linken Straßenseite nach rechts und ein kleines Lämmchen läuft hinterher. Lars bremst. :S Ich frage, ob das Lämmchen entkommen ist. :( Lars sagt, er hat es nicht erwischt, es ist noch zu dem Mutterschaf auf die andere Seite gelaufen. Gott sei Dank! :) Armes Babyschaf! Wir haben uns ziemlich erschrocken. Wieder eine Lehre: Passe besser auf freilaufende Tiere an den Straßenseiten auf… :dry:

Keine 10 Minuten später fährt auf einmal ein grüner Jeep mit Blaulicht neben uns :blink: . Wir sollen anhalten. Der Mann sagt er sei Polizist und motzt uns an, warum wir nicht gebremst hätten, das Lämmchen wäre tot. Wir sind erstmal baff. 1. Weil der Typ uns anmotzt. 2. Weil Lars das Schäfchen doch noch weglaufen gesehen hatte… Gut, sagen wir, dann fahren wir zurück und schauen nach, ob das Lämmchen tot ist. Nein, sagt der Polizist, es ist tot und zurück können wir nicht – diese Hirten, dass seien Wilde, die würden uns umbringen :angry: . Tja, heikle Situation. Lars ist erstmal völlig durcheinander. :unsure:

Der Polizist sagt, zwei Einheimische, sozusagen zwei Vertreter seien mitgekommen, um mit uns zu sprechen. Sie sprächen aber kaum englisch, deshalb müsse er übersetzen. Zurückfahren lassen will er uns immer noch nicht – aus Eigenschutz. Wir könnten das entweder hier regeln oder wir müssten mit zur Polizeiwache, sagt er uns. :pinch:
Ich glaube denen ehrlich gesagt kein Wort. Lars hat gesagt, er hat das Schaf nicht erwischt und der Ton, wie der Polizist mit uns redet gefällt mir auch gar nicht. Vielleicht ist er nicht mal Polizist. Ich fürchte allerdings, wenn ich ihn jetzt nach seiner Marke frage, wird er nur noch aggressiver. Lars allerdings ist völlig verzweifelt. Er möchte zurückfahren, um zu schauen, ob das Lämmchen wirklich tot ist. Denn wenn ja, denn täte ihm das furchtbar Leid und er würde versuchen, den Schaden zu begleichen. Denn der Hirte verliert dadurch ja sein Eigentum. :(
Wir reden mit den zwei Einheimischen, bzw. der Polizist spielt Dolmetscher. Wir wissen also nicht mal, ob er uns tatsächlich sagt, was die beiden sagen. Er sagt, es wäre am besten, wenn wir ein wenig weiterfahren und dann die Sache klären. Wir fahren also hinterher. An einer Art sandiger Parkbucht mitten im Nirgendwo halten wir. Es gibt laut Polizist folgende Möglichkeiten: Wir fahren zur nächsten Polizeistation. Wir entschädigen die beiden Einheimischen. Oder wir fahren zurück zu den anderen wütenden Einheimischen, die uns umbringen wollen. :huh:

Jap.

Ganz toll.

Ganz, ganz toll. Das ganze ist doch dubios bis zum geht nicht mehr. Ich überlege, welche Möglichkeit wir haben.
Mit zur Polizeistation?
Bei der kenianischen Verwaltung?
Das würde wahrscheinlich zwei Tage in Anspruch nehmen und wer weiß, ob man sich hier auf die Rechtssprechung verlassen kann – schließlich habe ich doch mit eigenen Augen beobachtet und immer wieder mitbekommen, wie die Beamten sich bestechen lassen. Und dann als Ausländer gegen Einheimische? Da ziehen wir doch auf jeden Fall den Kürzeren. Der Typ ist ja jetzt schon nicht auszustehen. :sick:

Zurückfahren? Das könnte Klarheit bringen. Es hört sich aber nicht an, als wäre es eine kluge Entscheidung und ich glaube auch nicht, dass der Polizist uns lässt. Wenn es dort kein totes Lamm gibt, dann denken die sich doch so oder so was Neues aus…

Entschädigen? Falls das Schäfchen tatsächlich tot ist, haben die Hirten natürlich ein Anrecht auf Entschädigung (gut, in Deutschland könnte man wahrscheinlich auch argumentieren, dass ungehütete Schafe nichts auf der Straße zu suchen haben, aber hier in Kenia ist es ja völlig normal, also hätten wir damit rechnen müssen), weil uns das natürlich auch Leid täte.

Gut, mit den Leuten zu diskutieren macht keinen Sinn. Aufs Polizeirevier fahren macht auch keinen Sinn. Zurückfahren scheinbar auch nicht.
Ich entscheide mich also für die Entschädigung und frage Lars, ob das ok wäre. Der Polizist sagt, ein Schäfchen wäre 5000 KSh wert. Wir haben nur 2500 KSh bar dabei (der Rest ist im Auto versteckt, aber das müssen die ja nicht wissen. Hinterher nehmen die uns unsere kompletten Reserven ab). Die zwei Einheimischen sind sofort einverstanden und bedanken sich jetzt überschwänglich bei uns.... Nun können wir fahren.
Was wir auch tun.
So schnell es geht. :huh:

Wir sitzen allerdings erstmal still im Auto und sagen gar nichts. Lars ist immer noch durch den Wind.

Die Landschaft verändert sich nun – tatsächlich kommt der Kilimandscharo in Sicht! Meine Laune bessert sich dadurch ein wenig – wir fahren über eine gut geteerte Straße zwischen weiter Buschsavanne hindurch, die sich bis zu den Hängen der niedrigen Berge erstreckt. Die Landschaft ist wirklich herrlich.

Wir reden nochmal über unser Erlebnis – es geht uns ja doch nicht aus dem Kopf. Ich sage, was ich denke, wie es ist:
1.) Die Polizisten haben den Unfall mit dem Schaf beobachtet (denn sie waren ja innerhalb von Minuten da). Die Hirten waren aufgebracht. Die Polizisten haben zwei Vertreter mitgenommen, um mit uns zu sprechen. Das Schaf ist tot und für die Hirten ist das schlimm, schließlich sind Schafe ihre Lebensgrundlage. Als wir die Einheimischen dann entschädigen sind sie furchtbar dankbar, weil der Tod des kleinen Schafes ein finanzieller Rückschlag für sie ist.

2.) Die Polizisten waren nah bei dem (beinahe) Unfall oder haben ihn beobachtet. Die Einheimischen und die Polizisten haben sich gedacht: Die kriegen wir dran und haben sich überlegt, ob sich da nicht ein wenig Kohle holen ließe (egal, ob das Lämmchen nun tot ist oder nicht). Deshalb waren die Polizisten auch so aggressiv und haben behauptet, wenn wir zurückführen würden wir getötet. So konnten sie Druck aufbauen. Dann haben sie das Geld bekommen und haben es den Einheimischen gegeben um es sich dann mit denen zu teilen (oder komplett selbst in die Tasche zu stecken).

Wahrscheinlich haben die Polizisten so oder so einen Anteil bekommen, egal welche Version stimmt. Ich kann es nicht beurteilen, ich weiß nur, dass es für uns und unseren Urlaub so wie wir es gemacht haben eine passable Lösung darstellte. Polizeirevier in Kenia irgendwo im Nirgendwo hätte ich echt nicht haben müssen. Dafür haben wir ja auch mit solchen Situationen einfach zu wenig Erfahrung. Das nächste Mal würde ich wahrscheinlich ruhiger reagieren. Mir direkt die Marken zeigen lassen oder einen Anwalt anrufen. Aber letzteres hilft ja vermutlich irgendwo im Nirgendwo von Afrika auch nicht weiter, außer um seine eigene Position zu stärken.

Tja, da kann man halt nichts machen. So etwas wäre uns wahrscheinlich erspart geblieben, wenn wir nicht alleine unterwegs gewesen wären. Andererseits: Alle Gliedmaßen sind noch dran, die Bargeld-Socke noch im Auto versteckt, mit einer Waffe wurden wir auch nicht bedroht, also ist alles gut gegangen – auch wenn das Ganze ein sehr ärgerliches Ereignis war.
Natürlich könnte ich mich jetzt tierisch über die Leute aufregen, wütend bin ich natürlich auch, über den Polizisten, die Korruptheit, die man hier miterlebt und das Gefühl, dass wirklich jeder einen ausnehmen möchte. Aber ich stecke nicht in den Menschen drin und so belasse ich es dabei, dass alles gut gegangen ist.

Bis zum Amboseli schaffen wir es heute nun auch nicht mehr. Wir müssen uns eine andere Übernachtungsmöglichkeit suchen. Wir entscheiden uns für das Namanga River Hotel, da im Lonely Planet steht, für einen Zwischenstopp biete es sich an. Uns fallen in Namanga selbst erstmals Frauen in Brukas auf. Die Stadt macht einen deutlich muslimisch geprägten Eindruck. Ist aber sonst ein einziges Gewühl von Baustellen und Lehmhütten. Das Hotel selbst hat zwar Hütten und eine Grasfläche auf der wir campen können. Für Camper ist es aber wirklich nicht besonders schön. Man fühlt sich, als stände man im Vorgarten des Hotels. Vorbereitet ist hier auch niemand auf Camper. Wir bekommen trotzdem Feuerholz.

Die Umgebung ist leider auch ziemlich laut und die Angestellten starren mich doch ein wenig zu auffällig an, was ziemlich unangenehm ist. Vielleicht weil ich erstens weiß bin, zweitens eine Frau und drittens blondes, unbedecktes Haar trage. Ich weiß es nicht. Wir sind hier auch irgendwie am Arsch der Welt, deshalb ist es wahrscheinlich auch kein Wunder, dass man uns anstarrt…. :blink: :(
Aus der Moschee in Namanga ertönt nun der abendliche Ruf zum Gebet. Da wir wegen unseres tollen Unfall-mit-Lamm-Erlebnisses total fertig sind, versuchen wir früh zu schlafen und wollen morgen auch nicht allzu früh los (lange bleiben wollen wir hier im Vorgarten aber auch nicht). Leider ist der Gebetsgesang relativ laut und ich geräuschempfindlich, was meinen Schlaf anbelangt. Keine gute Mischung :(. Es ertönt auch Musik aus der Stadt, anscheinend gehen die Menschen in Namanga gerade aus. Gut, dass ich Oropax dabei habe – ich will einfach nur noch schlafen…. :(

Fortsetzung folgt...
Letzte Änderung: 01 Mai 2015 19:04 von Mwotaji.
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Halloechen

eigentlich habt Ihr Glueck gehabt mit dem Lamm. Die Strecke nach Namanga ist diesbezueglich die Hoelle zu fahren. Alles ist ohne Kontrolle auf der Strasse und auch wenn sie einen Auto/Bus kommen sehen, werden die Herden dennoch rueber getrieben....

Denen die KSH 2.500 zu geben, war echt die beste Loesung... zurueckfahren und dann haengenbleiben und sich die ganzen Beschwerden anhoeren, haetten weniger gebracht. Umgebracht haetten sie Euch nicht.

Danke fuer den spannenden Bericht und liebe Gruesse
Elvira
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01 Mai 2015 19:54 #383678
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Zu Deiner Frage, was alles zu den Ueberschwemmungen fuehrt... Abholzung und Ueberweidung.

Narok liegt in einem Tal und genau die Stelle hat ein grosses Wassereinzugsgebiet. Es wurde gesagt, dass waehrend der Kolonialzeit die Maasais den Ort gewaehlt haben, eben weil er gerne ueberflutet wird, in der Hoffnung, dass die Weissen den Ort nicht moegen.

Dann ist Narok rasant gewachsen und da ohne Plan, was ja hier normal ist. Dem Wasser wurden nun durch die illegalen Behausungen, die Wege abgeschnitten und nun konzentriert es sich noch mehr. Wer die Afrikanischen Regen kennt, weiss wie viel Regen in kurzer Zeit runterkommen kann. Es geht dann ganz schnell.....

In den letzten paar Jahren kam es immer mal vor, dass Narok durchgespuehlt wurde, doch Massnahmen wurden nie getroffen. Ob jetzt? Wer weiss.....

Eigentlich bekommen wir nicht mehr Regen als wie es war, als ich 1999 nach Kenia zog. Doch In den Duerrejahren wurde wohl gebaut und vergessen, dass es Regenzeiten gibt.

Es hat nun auch alle Daemme gefuellt, respective ueberfuellt, so dass die Konflikte mit den Elefanten in reduziert wird. Es hatte ein Maasai einen Elefantenbullen erjagen wollen und der Elefant toetete den Mann. Maasais gingen dann auf die Strasse, bis Kenya Wildlife Serice den Elefanten erschoss... oder auf jeden fall einen Bullen.

Die Wetterextreme nehmen zu und nun muessen halt Erfinder etwas in die Welt setzen, die ausgleichend wirken. Wie groessere Daemme bauen, was sehr teuer ist und Futter fuer Nutztiere lagern.

Auf jeden Fall haengen noch immer dicke Wolken rum.... und meine Gegend freut sich riesig ueber das Wasser. Alles blueht und die Voegel brueten.

Uebrigens standen auch Teile in Nairobi unter Wasser. Die Abflusskanaele und -roehren sind zum Teil zu klein und verstopfen durch den achtlos weggeworfenen Muell.

So nun mache ich den kleinen Laptop zu - der Strom ist heute nicht uebertrieben zum 20. Mal weg....

Liebe Gruesse
Elvira
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