THEMA: Eine Reise wird zum Alptraum
16 Mär 2015 20:53 #377631
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Diesen Reisebericht widme ich meinem Toni zur Erinnerung an eine Reise, die für uns beide zum Alptraum wurde.

Mein letzterjähriger Reisebericht “Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania” war noch lange nicht vollendet, als sich bei uns bereits dunkle Wolken am Himmel anbahnten. Einerseits bereitete mir das Weiterschreiben des Berichtes grosse Mühe, da mein Kopf ganz woanders war, andererseits wurde ich durch eure zahlreichen teils unglaublich witzigen Kommentare von unseren Problemen abgelenkt.

Mein Mann Toni wurde nämlich seit Mitte 2014 von grossen Rückenproblemen geplagt. Aufenthalte in zwei verschiedenen Kliniken, Spezialtherapien, alle möglichen Medikamente, Kortisonspritzen usw. bewirkten keine durchschlagenden Erfolge. Die Schmerzen blieben und konnten nur mit sehr starken Medikamenten einigermaßen gelindert werden. Die Ärzte waren irgendwann ratlos und der Dezember, welcher eigentlich jeweils unser Abreisetermin nach Afrika wäre, rückte immer näher. Es war zum Verzweifeln.

Ganz unerträglich wurde es für uns, als ab Mitte September hinter unserem Haus eine riesige Baugrube ausgehoben wurde. Jeden Morgen um sieben Uhr wurden wir brutal aus dem Schlaf gerissen, weil unser Haus erzitterte, das Geschirr im Küchenschrank klapperte und die Bilder an den Wänden bebten :evil: .
Nein, wir wollten nach Afrika, der Rücken konnte uns mal, wir wollten endlich weg von dem unbeschreiblichen Baulärm und dem immer unfreundlicher werdenden Wetter.

Tonis Hausarzt meinte eines Tages so Ende November, dass es nun eigentlich keine grosse Rolle mehr spiele, wo Toni seine Schmerzen ertragen müsse, die Medikamente könne er nämlich auch in Afrika schlucken und zudem würde sich das warme Klima eventuell positiv auf seinen Rücken auswirken.

So, das war der Startschuss für unseren Urlaub. :woohoo:

Schnell die Flugtickets besorgen und ein paar Sachen erledigen. Afrika, wir kommen! :)


Fortsetzung folgt............
Meine Reiseberichte:
1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa
www.namibia-forum.ch...ahren.html?start=120
2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle)
www.namibia-forum.ch...g-war-die-huelle.htm
2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania
www.namibia-forum.ch...n-mal-haesslich.html
2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania
www.namibia-forum.ch...-durch-tansania.html
2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia
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Letzte Änderung: 17 Mär 2015 20:31 von Erika.
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17 Mär 2015 11:38 #377709
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Flug nach Arusha, 12. Dezember 2014
Glücklicherweise hat Toni heute Morgen dank einer leichten Überdosis an Medikamenten keine Rückenschmerzen. Die Koffer sind gepackt und da wir ja pro Person 46 kg mitnehmen dürfen, müssen wir dieselben daheim gar nicht erst wiegen. Den grössten Platz im Gepäck beansprucht eine voluminöse Kartonschachtel voller Medikamente, denen ein ärztliches Begleitschreiben in englischer Sprache beigelegt ist, damit bei einer Kontrolle am Zoll niemand auf die Idee kommen könnte, dass wir in Afrika eine Apotheke zu eröffnen gedenken. :S

Tonis Schwester bringt uns nach Zürich-Kloten zum Flughafen und um 12 Uhr hebt der Airbus 321-200 der Turkish Airlines mit einer halben Stunde Verspätung in Richtung Istanbul ab. Der Flieger mit den schönen schwarz/roten, sehr bequemen Ledersitzen ist recht neu und das Mittagessen schmeckt prima.

Nach einer Flugzeit vom 2,5 Stunden landen wir in Istanbul. Der Flughafen mit den zahlreichen Restaurants und Geschäften ist ganz angenehm und überschaubar. Für Raucher wie mich :blush: gibt’s oben auf dem Dach eine Art Käfig und obwohl es stark regnet und windet und das Thermometer nur neun Grad anzeigt, halten sich hier erstaunlich viele Leute auf. Die 2,5 Stunden Zwischenstopp vergehen wie im Flug und Tonis Rücken hält sich erstaunlich gut.

Um 18 Uhr Ortszeit startet die Boeing 737-900 in Richtung Kilimanjaro Airport, Arusha. Auch dieses Flugzeug ist sehr neu. Die Ledersitze sind bequem und die Beinfreiheit lässt nichts zu wünschen übrig. Das Essen ist wiederum mehr als in Ordnung und alles wäre bestens, wenn nicht drei Reihen hinter uns ein kleines Mädchen pausenlos in allen erdenklichen Tönen schreien würde. Als es dann nach mehreren Stunden endlich Ruhe gibt, weil es vom Vater rumgetragen wird, fangen die beiden besäuselten Schweizer hinter uns lautstark zu lallen an :evil: . Ich schick ihnen ein paar böse Blicke, aber anstatt Ruhe zu geben, prosten sie mir zu und laden mich zu einem Whisky ein.


Arusha, Tansania, 13. Dezember 2014
Irgendwann ist der Flug überstanden. Begleitet von ohrenbetäubendem Kindergeheul landen wir um 01.45 Uhr nach 7 Std. Flugzeit auf dem Kilimanjaro Airport. Tonis Rücken hat das lange Sitzen erstaunlich gut vertragen, was ja eigentlich die Hauptsache ist.

Nach genau 20 Minuten seit der Landung haben wir bereits unser Visum für Tansania im Pass und unser Gepäck auf dem Wägelchen. Die Ebola-Kontrolle ist noch unbesetzt, oder vielleicht ist noch niemand da, weil der Flieger ja aus Europa kommt. Draussen erwartet uns eine laue Sommernacht. Wir sind endlich in Afrika angekommen. :)

Unser Taxifahrer steht schon da und fährt uns bei sehr wenig Verkehr durchs noch schlafende Arusha zu unseren Gastgebern. Der Nachtwächter öffnet das Farmtor, und der Taxifahrer setzt uns vor unserer Unterkunft ab. Vor dem Gästehäuschen steht bereits unser Fahrzeug. Welch eine Freude! Wir lieben unseren zuverlässigen Freund sehr, denn schließlich haben wir ihm seit 1991 so manche unvergessliche Reise durch zahlreiche afrikanische Länder zu verdanken. Mittlerweile hat er bereits über 654’000 km auf dem Tacho und er läuft und läuft und läuft……….. und säuft.





An unserer Schlafzimmertür hängt ein netter Willkommensgruss. Schön, dass wir das Zimmer links von der Küche beziehen dürfen, welches weiter weg vom Hühnerhof liegt, denn der Gockel hat uns die letzten Male jeweils ab morgens um drei mit seinem pausenlosen blöden und einfältigen Kükerikü geweckt. :sick:

Schnell das Gepäck in die Wohnung gestellt und vor dem Schlafengehen - es ist bereits morgens um vier - mit einem kühlen Bier draußen auf der Veranda auf den Beginn unserer Ferien angestossen. Ist doch bis jetzt alles super gelaufen.
Wir sind total glücklich. :)

Gut erholt stehen wir um 9 Uhr auf. Es scheint so, als ob der alte Gockel ausgewechselt worden ist, denn der neue ist erstens Spätaufsteher und zweitens hat er belegte Stimmbänder, das heisst, er hat eine sehr gedämpfte, fast schon angenehme Stimme. Oder es ist doch noch der Alte und hat vielleicht nur ne Stimmbandentzündung…. oder Ebola…? B)

Da wir von daheim unseren gesamten Kühlschrankinhalt mitgenommen haben, fällt das Frühstück ziemlich üppig aus.

Irgendwann im Laufe des Morgens werden wir von unseren netten Gastgebern herzlich begrüsst. Da wir uns ja ein paar Monate nicht gesehen haben, gibt’s viel zu erzählen.







Den Rest des Tages verbringen wir mit Umpacken und Sachen sortieren. Unsere Koffer und Taschen bleiben ja hier und auch die Kleider und Schuhe, welche wir erst wieder für den Rückflug brauchen. Wir nehmen’s sehr ruhig und machen immer wieder mal ne Pause. Zwischendurch regnet es kurz, aber sonst ist es sehr angenehm bei 28 Grad.









Allerlei Federvieh

Da wir heute nicht einkaufen waren, schmeissen wir am Abend nur eine Fertig-Rösti in die Pfanne. Dann sitzen wir noch ne ganze Weile auf der Veranda und geniessen es einfach, in Afrika zu sein.
Meine Reiseberichte:
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17 Mär 2015 19:20 #377801
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Arusha, 14. Dezember 2014

Nach fast zwölf Stunden Schönheitsschlaf stehen wir voller Tatendrang auf.

Zuerst fahren wir nach dem Frühstück in die Stadt zum Nakumatt Shopping Areal (ehemals Shoprite). Wir benötigen Geld, eine Telefonkarte, Lebensmittel und was sonst noch dazu gehört. Den ATM der Barclays Bank setzen wir nach drei erfolglosen Versuchen geradewegs außer Gefecht. :dry:
Auch bei der zweiten Bank klappts nicht. Erst beim dritten ATM ist es dann möglich, pro Mal 400’000 TS per EC zu ziehen.

Dann besorgen wir in einem kleinen Laden ein Airtel-Telefonkärtli. Die Verkäuferin, welche unsäglich streng riecht :blink: , wischt andauernd ihre triefende Nase mit der Hand ab und klimpert dann mit ihren Popel-Fingern auf meinen Handy rum, wääää. :sick:

Nachdem wir uns im relativ gut bestückten Nakumatt mit Lebensmitteln und was sonst noch dazu gehört ;) eingedeckt haben, gehen wir eins trinken, tanken Benzin und fahren wieder zurück zu unserer Unterkunft.

Am Nachmittag ersetzt Toni an unserem Fahrzeug die alten, brüchigen Türdichtungen. An einem über dreissigjährigen Auto muss schon ab und zu mal was erneuert werden.









Unsere Unterkunft in Arusha

Zum Abendessen grillen wir Hühnerschenkel, dazu gibt’s einen Gurken/Tomatensalat…. und natürlich ein/zwei Gläschen Wein.



Ein bewusstloser Nachtfalter leistet uns Gesellschaft

Um halb zehn gehen wir in die Heia.


Arusha, 15. Dezember 2014

Wir pennten wieder wie die Murmeltiere. Nachts fällt die Temperatur jeweils auf ca. 20 Grad. Zum Schlafen ist das sehr angenehm.





Toni fährt nach dem Frühstück nebenan zur farmeigenen Werkstatt. Wir hatten von daheim Gummiklötze mitgebracht, welche unter die hinteren Federn montiert werden. Der Wagen steht so hinten etwas höher, als bisher und die Stossdämpfer bzw. Federn werden geschont.






Alle wollen helfen, alle quatschen dazwischen. Man muss viel improvisieren, da die einfachsten Werkzeuge wie Wagenheber usw. unauffindbar sind. Irgendwo sind die Sachen schon, aber wo…. :S
Zum Schluss wird der Wagen noch auf die Grube gefahren und geschmiert. Toni macht das am liebsten selbst, da er genau weiss, wo die Schmiernippel sind. Natürlich ist auch keine brauchbare Fettpresse vorhanden, aber wir haben ja selbst eine. Unser Gastgeber kann es fast nicht fassen, dass da alles irgendwo verlegt wurde, denn das Zeugs ist scheints in mehrfacher Ausführung vorhanden.



Die Gemeinschaftsküche im Gästehäuschen



Veranda

Am späten Nachmittag räumen wir ein wenig die Gemeinschaftsküche auf, da mitten in der Nacht noch Gäste aus der Schweiz erwartet werden.

Heute gibt’s bei uns Buschmann-Fondue (Fondue Bourguignon aus dem Potje) mit Reis und Zutaten. Leider ist das Rindsfilet vom Nakumatt aber etwas zäh. Das nächste Mal holen wir das Fleisch bei Meat King.

Toni ist am Abend hundemüde, da er ja stundenlang in gebückter Haltung gearbeitet hat.

Bis bald..............
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18 Mär 2015 11:05 #377889
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Arusha, 16. Dezember 2014
Nachts schleichen sich unsere neuen Mitbewohner so lautlos wie möglich in ihr Schlafzimmer. Beim Aufstehen sind wir ebenfalls ganz leise, da sie bestimmt müde sind und nach dem langen Flug ausschlafen möchten.

Während wir auf der Veranda frühstücken, lernen wir die beiden sympathischen Leute kennen. Sie möchten in Etappen zurück in die Schweiz fahren, wissen aber noch nicht genau, welche Route sie nehmen sollen, bzw. können.







Der nicht sehr afrikanisch aussehende Nakumatt-Nikolaus

Am Nachmittag fahren wir nochmals zur Stadt und treffen auf dem Nakumatt-Parkplatz einen alten Bekannten mit zwei Begleitern. Die drei bereiten sich als Tour Guides auf eine mehrwöchige Selbstfahrer-Gruppenreise nach Kapstadt vor. Die Teilnehmer werden in ein paar Tagen von Europa nach Dar Es Salaam fliegen, ihre zuvor verschifften Fahrzeuge aus dem Hafen holen und ihre grosse Abenteuerreise und Expedition beginnen. Das Ganze kostet ein halbes Vermögen, aber es ist wahrscheinlich für viele Teilnehmer die einzige Möglichkeit, wohlbehütet einen lang gehegten Traum zu verwirklichen. Sogar eine Automechanikerin ist mit von der Partie.

Dieser Shoppingcenter-Parkplatz hat’s schon echt in sich. Man trifft immer mal wieder ganz unverhofft auf interessante Leute. Zum Beispiel wurden wir dort schon von Corinne Hofmann (The white Massai) wegen unseren Schweizer Nummernschildern angesprochen (brustaufpluster :cheer: ), das heisst, eigentlich hab ich erst nachdem ich gegoogelt hatte festgestellt, wer die Frau überhaupt war :blush: .
Dann machten wir dort letztes Jahr Bekanntschaft mit den lieben Fomis helliulli und nun kommt noch unser Bekannter als Expeditionsleiter daher.

Ausserdem plauderten wir vor ein paar Jahren mal mit einem deutschen Missionar auf diesem Parkplatz, als mir ein Junge ganz unverschämt an den Hals griff und mir meine Halskette zu entreissen versuchte, worauf ich ihm eine Ohrfeige verpasse (nochmals brustaufpluster :laugh: ), was dem Missionar fast die Sprache verschlug und dem Jüngling glühende Fersen verlieh. Und wisst ihr was? Ich hab genau gespürt, dass der Missionar mit dem Knaben mehr Mitleid hatte, als mit mir, die ich doch fast Opfer eines Entreissdiebstahls geworden wäre. :sick: Aber bevor ihr mich nun wegen der Ohrfeige ausschimpft, muss ich zu meiner Verteidigung erwähnen, dass sich damals meine Hand ganz unbeabsichtigt und reflexartig einfach selbständig gemacht hat. :whistle:













Bilder von Arusha

Nach einer Portion SchniPo in einem Gartenrestaurant fahren wir durch den üblichen chaotischen Stossverkehr zu unserer Unterkunft zurück und verquasseln den Rest des Tages mit unseren Mitbewohnern.
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Letzte Änderung: 18 Mär 2015 11:18 von Erika.
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19 Mär 2015 16:34 #378134
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Arusha - Lake Chala, 17. Dezember 2014
Eigentlich hält uns nun in Arusha nichts mehr. Wir sind soweit, dass wir uns auf unsere Reise begeben können. Der Wagen ist relativ schnell gepackt und der Kühlschrank eingeräumt. Die sechs Paar Schweins-Rauchwürste, die wir wie jedes Jahr von einem befreundeten Metzger als Wegzehrung bekommen (er hat immer Schiss, dass wir in Afrika verhungern :lol: ), werden aus dem Vakuum genommen und zum Trocknen an einer Schnur im Fahrzeuginneren aufgehängt. Sie verströmen einen angenehmen Duft, wir können es kaum erwarten, bis sie etwas angetrocknet und essreif sind. Es ist doch toll, wie sich unsere Freunde um uns sorgen. :kiss:

Bis wir uns endlich von all den lieben Leuten losreissen können, wird es 11 Uhr. Bei Meat King kaufen wir ganz schönes Fleisch, welches man uns vakuumiert und sonst noch einige Delikatessen. Der Verkehr durch Arusha ist wie immer äußerst stockend. Es wird links und rechts überholt. Dazwischen schlängeln sich die Motorradfahrer todesmutig durch jede Lücke. Nimmt uns schon wunder, wie die ihren Führerschein kriegen. Wahrscheinlich haben sie, nachdem sie den Unterschied zwischen Kupplung, Gas und Bremse kennen, die Prüfung bereits bestanden :lol: . Von Verkehrsregeln hat hier niemand eine Ahnung. Auch Geschwindigkeitstafeln werden nicht beachtet, da helfen nur die zahlreichen Huppels, die einem fast das Fahrzeug zusammen schlagen, wenn man zu schnell drüber fährt.

Irgendwo zwischen Arusha und Moshi werden wir an zwei der zahlreichen Polizeikontrollstellen angehalten. Der erste Beamte fragt Toni, ob er einen Führerschein besitze, aber sehen möchte er ihn nicht.
An der zweiten Kontrollstelle ist der Beamte schon etwas klebriger. Er möchte unbedingt ein Geschenk oder Geld, da er seit heute Morgen hier stehe und noch nichts gegessen habe. Wir bleiben hart und sagen ihm, dass wir weder ein Geschenk noch Geld für ihn haben :angry: . Dann erspäht er, wahrscheinlich angelockt durch den angenehmen Duft, unsere aufgehängten Rauchwürstli :dry: . Was denn das sei, das sei doch bestimmt was zum Essen. Toni erwidert während er sich mit angewiderter Miene die Nase zuhält, ob er denn nicht rieche, wie die bereits stinken :S . Ausserdem seien sie aus Schweinefleisch und grunzt dabei wie eine glückliche Muttersau :laugh: . Der Polizist meint darauf, dass er sowas auf gar keinen Fall essen würde und lässt uns weiterfahren :P .

Da wir möglichst keine grossen Tagesetappen fahren wollen, entschliessen wir uns, heute bis zum Lake Chala nahe der kenianischen Grenze zu fahren.
Diesen lauschigen Platz an dem geheimnisvollen, tiefen See mit Aussicht auf den Kilimanjaro mögen wir sehr.






Zufahrt zum Lake Chala

Kurz vor dem kenianischen Zoll biegen wir links auf eine relativ gut ausgebaute Erdpiste ab, welche zum See führt. Kurz vor dem Ziel werden wir durch einen Schlagbaum zum Anhalten gezwungen. Irgendwann kommt ein junger Mann mit einem Heft in der Hand daher gelatscht, derweil sein Kollege ein Stück weit entfernt lässig auf der Motorhaube eines neuen Landcruisers liegt. Da der Jüngling kein Wort Englisch spricht und wir kein Kiswahili, ist die Verständigung etwas kompliziert. Es wird aber schnell klar, dass es um Geld geht. Er blättert in seinem Heft und zeigt auf 100 U$ für irgendwelche Ballon- und Flugzeug-Landegebühren :unsure: . Das kommt natürlich überhaupt nicht in Frage. Nun wird es immer teurer, denn er zeigt nun auf 1’000 U$ :( und dann sogar auf 1’500 U$ :woohoo: . Das beweist uns, dass der Knabe weder lesen, noch schreiben kann und überhaupt keinen Bezug zu Zahlen hat. Sein auf der Motorhaube liegender Kollege winkt uns zu sich, aber das übersehen wir geflissentlich. Soll der gefälligst seinen Arsch heben und zu uns kommen, wenn er was will :evil: . Was ist denn das für ne Art? Wir machen dem jungen Mann per Zeichensprache klar, dass wir nun zur Lodge fahren und dort das Finanzielle abklären werden. Er protestiert zwar während wir elegant den Schlagbaum umfahren, aber so kommen wir ja nicht weiter.

Es gibt bei der Lodge nun nebst einigen anderen baulichen Veränderungen sogar eine Rezeption, welche aber verschlossen ist und als Garage für ein Fahrrad dient :) . Also laufen wir zum neuen, hoch über dem See auf Stelzen gebauten Restaurant.






Aussicht vom Restaurant auf den Lake Chala.

Es dauert nicht lange, bis auch die beiden Beamten mit dem Landcruiser eintreffen um zu kontrollieren, ob nun alles mit rechten Dingen zu und her geht.
Der Barmann oder Manager, oder was immer er jetzt ist kann sich noch gut an uns erinnern und begrüsst uns wie alte Bekannte.
Unter den aufmerksamen Blicken der Kontrolleure erklärt er uns, wie sich neuerdings der Preis zusammensetzt:

Fahrzeug: 5 U$
Abgabe für die Regierung: 25 U$ pro Person = 50 U$
Camping: 10 U$ pro Person = 20 U$ (ursprünglicher Preis)
Das macht für zwei Personen 75 U$ pro Tag.

Das ist ja für einen Campingplatz wirklich happig. Morgen fahren wir gleich wieder weiter. Schade, denn wir wären gerne ein paar Tage geblieben, aber nicht zu diesem Preis.
Der Barmann erzählt uns, dass er nur noch solche unangenehmen Diskussionen mit Touristen führe und viele Safariunternehmen gar nicht mehr kämen, da es ihnen zu teuer geworden sei.







Der Campingplatz beim Lake Chala

Leider zeigt sich der Kili momentan nicht, aber wir geben ihm noch für morgen früh eine Chance.

Nachdem Toni das Dachzelt aufgebaut hat, stellen wir fest, dass wir vergassen, ein neues Spannbettlaken mitzunehmen. Kein Problem, wir helfen uns mit ein paar Badetüchern, die wir über die Matratze legen. Endlich wieder im Dachzelt schlafen!
Der Urlaub hat nun richtig begonnen. B) :silly:

Nach dem Nachtessen sitzen wir noch lange draußen und da wir die einzigen Gäste sind, geniessen wir die absolute Ruhe.
Und was für uns ganz wichtig ist: Seit wir in Afrika sind, haben sich Tonis Rückenprobleme stark vermindert.

Gefahrene Kilometer: 155
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22 Mär 2015 11:55 #378473
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Lake Chala, Tansania - Voi, Kenia, 18. Dezemeber 2014
Wir haben wunderbar geschlafen in unserem Dachzelt und wie wir‘s uns erhofft hatten, steht heute Morgen der Kilimanjaro da. Er ist zwar etwas wolkenumhüllt, aber man sieht ihn doch recht deutlich.










Links der Kilimanjaro und rechts der etwas näher zu uns stehende 5‘148 m hohe Mawenzi

Mit dem Kili als Kulisse und dem gemütlichen Frühstück fängt der Tag für uns optimal an. Aber so schön der Platz beim Lake Chala auch ist, wir packen zusammen und ziehen weiter.

Die Lodge ist wie ausgestorben. Wir fragen uns, ob der ursprüngliche Besitzer überhaupt noch da ist, oder ob nun alles dem Staat gehört. Es wurde ja in letzter Zeit für neue Zelt-Bungalows und den Restaurant-Neubau echt viel Geld investiert. Aber eigentlich schade finden wir, dass nun der See seine Jungfräulichkeit ein wenig verloren hat, zumal ja leider bereits zwei andere Lodge-Ruinen das Ufer zieren.

Wahrscheinlich hatte man ursprünglich mal grosse Pläne mit diesem See, da ja sogar eine Stromleitung bis hier her gezogen wurde.



Flammenbaum in voller Blüte

Um neun Uhr sind wir abreisefertig. Der Weg zurück zur Hauptstrasse ist schnell zurückgelegt. Einige wenige Kilometer später erreichen wir bei Taveta den kleinen Grenzübergang zwischen Tansania und Kenia.

Wie bei der Einreise, werden wir wieder fotografiert und auch Fingerabdrücke werden genommen. Dann wird der Ausreisestempel in den Pass gedrückt. Da unser Fahrzeug während neun Monaten in Tansania stand, sind für diese Zeit pro Monat 20 U$ Strassengebühr = 180 U$ fällig. Wirklich bescheiden ist das nicht, zumal man ja in Tansania andauernd auf Nebenstrecken zusätzlich zur Kasse gebeten wird. Dann wird zum Schluss unser Carnet ausgestempelt.

Als Erstes müssen wir auf der kenianischen Seite zur Ebola-Kontrolle. Der zuständige Beamte winkt uns freundlich zu sich. Hinter seinem Rücken prangert ein grosses Plakat, auf welchem mehrere „Ebola-Verhinderungs-Regeln“ abgebildet sind. Unter Anderem steht da ganz klar, dass man niemandem die Hände schütteln soll. Und genau das tut der Mann nun :blink: ! Er kommt auf uns zu und gibt uns die Hand! Dann plaudert er ein wenig und rät uns, das Plakat mit den Verhaltensregeln gut zu studieren.
Und jetzt kommts: Nun streift er sich ein Paar Wegwerf-Handschuhe über, reicht uns zwei Fragebogen, welche wir ausfüllen müssen, nimmt die ausgefüllten Zettel entgegen, zieht danach die Handschuhe wieder aus, schmeisst sie in einen Abfallbehälter und schüttelt uns anschliessend zum Abschied wieder die Hand. :woohoo: :woohoo: :woohoo:
Afrikanische Logik?

Auch am kenianischen Zoll werden Fingerabdrücke genommen und Fotos gemacht. An der Wand hängt ein Flimmerkasten, wo gerade eine politische Sendung übertragen wird. Die Gemüter Parlamentarier scheinen sehr erhitzt zu sein, einer nach dem anderen steht auf und hält eine leidenschaftliche Rede, was mit viel Applaus und anerkennenden Zwischenrufen quittiert wird. Dann steht wieder einer auf, aber der kommt gar nicht richtig zu Wort, denn nun fangen die anderen Parlamentarier ganz laut zu singen an, sodass der arme Kerl nach einer Weile ganz frustriert seine Rede abbrechen muss, worauf dann auch der Gesang verstummt. Nun spielen sich einige echt tumultartigen Szenen ab, sodass wir fast damit rechnen dürfen, dass die sich noch verklopfen :cheer: . Eigentlich hätten wir diese spannende Sendung gerne noch länger verfolgt, aber in der Zwischenzeit haben wir unser Visum im Pass und wir müssen ja heute noch nach Voi. Vier Kilometer später wird noch das Carnet abgestempelt und dann sind wir nach 1 ¼ Stunden durch.










Piste nach Voi

Nun folgt eine sehr raue Schotterstrasse. Die Chinesen sind aber am Bauen und irgendwann wird diese Strasse ebenfalls geteert sein, was natürlich heisst, dass dann sehr viel mehr Verkehr aufkommen wird.













Die Gegend wird nun immer einsamer und unbewohnter. Bald können wir die ersten Tiere erblicken. Es sind Dromedare, die gemütlich der Strasse entlang ziehen.







Später entdecken wir neben den Bahngeleisen eine ca. vierzigköpfige Elefantenherde. Auch springen hin und wieder verschiedene Huftiere verschreckt durch den Busch.

Ca. 20 Km vor Voi fängt die Teerstrasse an. Plötzlich nimmt auch der Verkehr wieder zu. In Voi tanken wir Benzin und ziehen an einem ATM Kenyan Shillings. Nach einer Stadtrundfahrt begeben wir uns zum Campingplatz der schön ruhig gelegenen Red Elephant Lodge. In der Lodge sind derzeit keine Gäste. Die nächsten werden erst über die Feiertage erwartet. Zum Duschen wird uns ein Häuschen zu Verfügung gestellt und wir dürfen ein Elektrokabel zu unserem Fahrzeug ziehen.

Nachdem wir das Dachzelt aufgebaut und geduscht haben, bereiten wir unser Nachtessen zu. Man hatte uns auch angeboten, für uns zu kochen, aber dann hätten die ja extra für uns die Küche aufmachen müssen, was wir nicht wollten.

Toni ist irgendwie total geschafft und froh, dass er bald ins Bett steigen kann.

Gefahrene Kilometer: 149
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