THEMA: Leben mit den Maasais
10 Jun 2014 19:54 #340515
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Liebe Foris

wiederum durfte ich kurz bei den Maasais in Enkusero sein. Diesmal mit Kunden. Ich hatte 1 Nacht laenger fuer mich dort geplant, doch ging dank Problemen mit Autovorfuehren, Transport Lizenz bezahlen und bekommen alles drunter und drüber. Montag war Feiertag, da der 1.6. Madaraka Day auf einen Sonntag fiel, dann waren riesige Schlangen bei der Fahrzeugkontrolle. Es wurden 15 Autos an dem Tag kontrolliert! Die Klebernummern stimmten nicht mit den Protokollnumern überein... bei uns hätten sie nur den Speedgoverner genehmigen müssen. Also fuhr Joseph am Mittwochmorgen früh wieder hin – er war um 07.45 dort. Gegen 15.30 Uhr war er durch... doch dann war es zu spät für den Rest. Nun, am Es fehlte ein Dokument, um den Kleber zu bekommen und dieses war in Nairobi bei meinem Buchhalter und musste dort geholt werden. Die Equity Bank führte eine neue Karte ein und Joseph stand von 09.00 bis 13.00 Uhr Schlange. Wenn mal was anfängt zu harzen..... dann gleich richtig. Aber wir schafften alles, fast nach Zeitplan. Freitag 14.30 hatte Joseph den Kleber in der Hand!

Vom Donnerstag bis Samstagmorgen hatten wir unsere Zelte in Enkusero Sampu aufgestellt. Einigen ist das Schutzgebiet südlich der Ngong Hügel, eingebettet in andere Hügel und teilweise toller Sicht in die Weite, schon bekannt. Aber es gibt immer neue Eindrücke! Dieses Mal waren Kunden der Anlass unseres Besuches.
Das Camp bauten wir diesmal auf dem Land von John auf. Er hat das Grundstück eben erst erworben und plant nun auch hier etwas anzubauen. Hinter einem hohen, dornigen Zaun steht Mais bereits gut 1 m hoch. Etwas Wellblech am Baum, das durch den Wind bewegt Lärm macht und ein riechendes, qualmendes Feuer soll zusätzliche helfen die Ellenantilopen fern zu halten, die Mais sehr lieben, aber 2 m hoch springen können.
Das Maisfeld ist hinter dem Baum. Damit wir reinfahren konnten, mussten erst die Dornenzweige säuberlich entfernt werden, damit wir keinen Platten bekommen. Die Erde darunter ist feucht und von Ameisen und Termiten gelockert. Ich erkläre ihnen, das wäre der ideale Platz, um junge Bäume zu pflanzen, zumal auch die Ziegen sich nicht gerne stechen lassen. John hat später Paul gefragt, was für Bäume er pflanzen soll. Es freut mich immer, wenn eine meiner Ideen weiter ausgebaut werden und nicht nur auf taube Ohren treffen.



Während die Kunden mit dem Maasai Joseph einen weiteren Besichtigungsspaziergang unternahmen, organisierte ich im Camp einige Dinge, wie auch Wasser bei der Schule holen und den Besuch in der Schule mit den Lehrern absprechen.



Steinen gebaut ist (Stil Graubünden/Tessin), das Matterhorn, Steinbock, Braunkuh, Schopf für Heu und Geräte. Wie sehr sich die Kinder darüber freuten, sieht man den Gesichtern an. Es ist für sie eine total neue Welt!
Nun die Kinder hatten mir im Februar versprochen, dass jedes 5 Bäume pflanzt. Hmmm wie erwartet, geschah das nicht, denn es hätte ja kein Zaun und die Ziegen würden alles wegfressen. Also blitzschnell die Idee finden. Vor dem Fenster steht eine Acacia nilotica und ich bitte einen der Lehrer mir Samen zu bringen. Nun also praktische Uebung draussen.



Draussen beim schwarzen Wassertank, der mit Wasser von Ngong gefüllt wird, liegt ein Plastiktopf mit einer Schnur dran. Das ist es... ein Knabe füllt es mit Erde und ich hole noch Samen von einer Acacia seyal (Weissdornakazie). Diese kommen nun in die Erde.





Unser “Ziehtopf” wird nun hoch gehängt, wo höchstens Giraffen hinkommen und die kommen hier nicht vor, oder ich habe in der Nähe noch keine gesehen.

Der Lehrer nennt ein Mädchen (Jacqueline), die nun jeden Tag eine halbe Tasse Wasser reingiessen muss. Auch Sonntags, doch die Schule liegt auf dem Weg zur Kirche.



Weitere Themen, die ich im Klassenzimmer ansprach, war das Lernen. Dass sie nämlich nicht für den Lehrer lernen, sondern für die Zukunft. Dass Wissen ihnen im Leben weiterhilft, auch wenn sie mal in Nairobi studieren. Sie sollen sich auch darauf gefasst machen, dass das Leben in Nairobi ganz anders ist. So viele werden versuchen, Vorteile aus deren nicht Wissen zu ziehen. Dies leider ein ständiges Vorkommnis! Auch sollen sie später im Leben wissen, was Landbesitzurkunden sind und wie vorsichtig sie damit umgehen sollen. Die Welt in Enkusero ist noch ziemlich in Ordnung und nur wenige Kilometer entfernt total anders.
Als ich die Mädchen fragte, welchen Beruf sie mal haben möchten, duckten sich alle ganz scheu in die Bänke. Doch ich liess nicht so schnell locker und eine sagte dann, Journalisten. Bei den Knaben war es Arzt, Pilot und Lehrer. Ich sagte vor allem den Mädchen, dass sie lernen sollen, so dass sie mal selbständig sein werden und nicht nur zuhause auf den Mann warten müssen. Der Lehrer, auch ein Maasai, schaute mich komisch an, doch ich übersah das grosszügig. Paul Sadera, mit dem ich mich ja immer abspreche, hatte mich gebeten, dieses Thema aufzunehmen.
Die Zeit verfliegt im Nu und es ist Zeit ins Camp für eine warme Dusche zu spazieren. Die Ziege ist geschlachtet und meine Kunden wollen zuschauen, wie sie nun zerlegt wird. Ich kenne es ja und widme mich dem Duschen. Schon bald ist die Leber gekocht auf dem Tisch – schmeckt einfach herrlich! Ein Hinter- und ein Vorderbein stehen am Feuer.



Die Ziege schmeckt toll! Und auch unsere Gäste mögen das Gericht, dem noch Ugali (Maisbrei) zugefügt wurde. Die Camphunde bekamen natürlich auch etwas ab.
Der Himmel war schon länger wolkig, aber es bliebt trocken. Nun, als die Maasais mit dem Tanz anfangen wollen, kommen ein paar Tropfen und dabei bleibt es. Gut für uns, schlecht für die Vegetation und die Wasserlöcher, die wieder gefüllt werden sollten. Die Dürre beisst und die grösseren Herden sind auch schon seit einiger Zeit mit Hirten unterwegs, um Gras zu finden.
Nachdem sie ums Feuer traditionelle Tänze aufgeführt haben, versuchen wir es auch mal....

Schaut mal den Schmuck an, hier an Daniel.



Keine Bange, ich werde kein Maasai Krieger!



Die ruhige Nacht und schon wieder die letzte im Zelt.
Mein Wecker klingelt um 05.45 und es ist noch recht dunkel. Doch wir müssen früh raus, Frühstücken und alles einpacken, denn die Fahrt für die Kunden wird erst in Samburu für heute zu Ende sein.

Im Busch bleibt nichts essbares liegen... Marmorspätzling, Schuppenköpfchen und Rotbrauner Sperling. Leider hatte ich nicht die geplante Zeit, um auf Vogelsuche zu gehen.



Alles ist um 08.30 eingeladen und nun heisst es Abschied nehmen! Es war wiederum eine tolle Zeit hier.
Nochmals lasse ich meine Augen über die tolle Landschaft hier schweifen, bevor wir die Ngong Hills überqueren und in Kiserian sind. Nun fangen die Staustücke an.... Ongata Rongai ist immer überfüllt und das Tempo liegt leicht über Schrittempo. Dann etwas zügiger bis in die Nähe des lokalen Flughafen und wieder Stau.... Joseph sucht sich seinen Weg zur neuen Umfahrung, doch Laster blockieren gelegentlich. Erst kurz vor 11 sind wir bei mir zuhause, laden aus und essen kurz, was wir im Supermarkt um die Ecke gekauft haben. Dann fahren die beiden mit Joseph weiter nach Samburu. Ich treffe sie am Freitag wieder, wenn wir gemeinsam nach Tansania fahre und ich einen Tag mit ihnen im Arusha Nationalpark verbringen werde.

Warum erzähle ich immer mal wieder von den Maasai und deren Schutzgebiet. 70% der Wildtiere leben ausserhalb von Schutzgebieten. Wenn den Maasais und anderen Pastoralisten nicht die Möglichkeit und Motivation gegeben wird, die Natur zu schützen und dadurch Geld zu bekommen, dann verkaufen sie das Land, kaufen mehr Nutztiere und die Ueberweidung wird noch schlimmer, da nun mehr Tiere auf weniger Land sind. Dies schadet auch den Wildtieren. Auch lernen sie durch den Kontakt mit anderen Kulturen, die Augen zu öffnen. Die Pastoralisten, vor allem in der Nähe von Nairobi, werden verdrängt und es gibt keine freien Orte mehr, wo sie hinkönnen. Da deren Ausbildung oft mangelhaft ist, ist auch deren Chance, gute Arbeitsstellen zu bekommen, gering. Einige haben sich zu wirklich guten Safariguides hochgearbeitet, andere arbeiten als Nachtwächter, andere als Köche oder Campangestellte. Doch diese Chance haben oft auch nur diejenigen, die in der Nähe von Schutzgebieten leben. Der Maasai Joseph macht sich schon ganz gut und nimmt mir viele Arbeiten in der Küche ab. Er spricht Englisch und will auch lernen. Die meisten in Enkusero Sampu sind tolerant den Wildtieren gegenüber. Auch Grosskatzen werden nicht getötet, wenn sie mal Nutztiere reissen. Dadurch, dass ich gelegentlich dort bin, schauen sie sich auch schon anders in der Natur um. Meine Liebe zur Natur/Tieren ist ansteckend..... sie beobachten mich auch, wie ich mit den Hunden umgehe und der eine kam immer sofort gerannt, wenn er mich sah und hat sogar angefangen zu spielen. Etwas, das sie halt gar nicht kennen! Auch für mich sind die Besuche dort immer horizonterweiternd, da sie mir immer wieder aufzeigen, wie schwierig es sein kann, mit Wildtieren zu leben, wie viele Ideen man haben muss, damit man seine Tiere und Pflanzungen nicht verliert – es ist eine Herausforderung! Doch genau diese Ideen sind notwendig, damit wir auf Safaris nach wie vor Wildtiere erleben und uns an deren Anblick freuen können. Drum, wir kämpfen für den Erhalt der Wildtiere, gegen die Wilderei, gegen die Zerstörung der Natur – nicht leicht, aber auch nicht hoffnungslos.

Einige Gebiet, wie z.B. Lewa Downs lassen die einheimische Bevölkerung am Einkommen durch die Touristen profitieren. Somit ist auch die Haltung der Leute ganz anders. Der Mensch ist ja leider so, dass er oft nur an dem ein Interesse hat, von dem er profitieren kann und hier, wo die Leute wirklich wenig haben, zählt jeder Rappen/Pfennig.

Ich plane bald wieder in Enkusero Sampu zu sein und weitere Projekte anzuziehen und Ratschläge sowie Motivation zu bringen. Denn der Anruf vom Maasai Joseph hat mich total aufgestellt – die Leute hätten am Tag darauf an Bäumen Samen gesammelt!

Ende August werde ich eine 3-wöchige Safari in den Tsavo West Nationalpark, Lewa Downs und Masai Mara leiten. Dann bekommt Ihr sicherlich wieder ganz viele Wildtier- und Vogelbilder.....

Viele liebe Grüsse aus dem im Moment etwas feuchteren Juja – Regen ist erwünscht
Elvira
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05 Feb 2015 08:48 #372130
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Maasailand Besuch - Schule, Bäume und Vogel

Es zieht mich einfach immer wieder nach Enkusero Sampu. Die Landschaft, die Ruhe und das Leben der Maasais mit all seinen Problemen faszinieren mich immer wieder neu. Und dennoch sie tun ihr bestes in dem nicht einfachen Umfeld zu leben und sich auch zu verbessern.

Montag, 26.1. Nachdem das Essen nun auch eingeladen ist, fahre ich um 9.00 Uhr los und treffe mich mit meinem Fahrer Joseph entlang des Wayaki Way in Nairobi. Nun mal erst ein paar Bürobesuche, bevor wir entlang der Ngong Hills nach Kiserian fahren. Dort laden wir den Maasai Joseph und “tall man” Daniel ein. Weiter gehts über die Ngong Hills und in Richtung Magadi See. Doch wir biegen nach ein paar Kilometern rechts (westlich) ab und erreichen nach einer Stunde Enkusero Sampu.

Erst das Auto ausladen und Zelte aufbauen. Meines kommt unter eine Akazie. Auch meine private Toilette wird gebastelt, das heisst zwischen Leleshwa Büschen ein Loch mit Sitz drauf. Den Luxus lass ich mir nicht nehmen, auch wenn mein Fahrer mich zuhause komisch ansah. Ich wolle ja zu den Maasais, also soll ich mich auch so benehmen und mich hinter die Büsche hocken. Nein,..... ich will den Komfort. Sobald ich mein Zelt hingestellt habe, fasse ich die Kamera und gehe auf Vogeljad.



Ein Ziel meines Besuches ist es, die Vogelliste zu erweitern. Wenn ich auch noch keine neue Art für hier finde, so gelingt mir wenigstens ein gutes Bild des Diademhaarbärtlings. Dies ein Vogel, den man oft hört, aber sich gerne im Blätterwerk der Bäume versteckt.



Als ich zurückkomme haben es sich die Herren schon mit Tee bequem gemacht.



Die Sonne färbt nun die Gegend golden und ich folge noch dem Ruf eines Ohrenfleckbartvogels bevor ich mich in meinem Zelt wärmer anziehe und die Taschenlampe hole. Es windet heftig und somit wird die Plane, die eigentlich für die Toilette gedacht war, als Windschutz um den Gaskocher aufgebaut. Ansonsten wären unsere vorgekochten Spaghettis nie warm geworden, da der Wind die Flamme ins Weite rausgetragen hätte.



Das Sternbild des Orion steht nun über uns und es ist toll Sterne ohne Streulicht einer Stadt sehen zu dürfen. Schlafen wird nun etwas schwierig, da heftige Windböen am Zelt rütteln, ja, es reisst mir auch immer wieder die dünnen Heringe aus dem sandigen Boden. Was solls, irgendwann schlafe auch ich ein.

27.1. Mit zu wenigen Stunden Schlaf, wache ich kurz nach 6 Uhr auf und wandere zu meiner Toilette. Dies für mich immer etwas herrliches, Toilette mit Fernblick und Vogelstimmen rundrum. Die Kamera ist natürlich mit dabei und so kann ich dann auch gleich den Weissbauchgirlitz aufnehmen, der sich in den Dornenbüschen, die der Abgrenzung dient, einen Samen zum Frühstück geholt hat. Diese Dornbüsche bilden eigene Biotope. Sie halten Feuchtigkeit, lassen Ziegen nicht rein, die alles ratzekahl fressen und ziehen Insekten an. Also ein idealer Ort, um Vögel zu finden.



Weissbauchgirlitz / White-bellied Canary

Gleich nach dem Frühstück tigere ich los und spaziere durch Büsche und unter Akazien vorbei an Wasserlöchern bis runter zum ausgetrockneten Fluss. Dort setze ich mich auf einen Stein und lausche den Stimmen. Grünflecktaube, Schieferwürger, Graubülbul und Schmetterlinge, angezogen von einem blühenden Busch kommen in mein Blickfeld. Obwohl die Dürre wirklich hart ist, schaffen es einige Pflanzen dennoch, Blüten zu produzieren. Als ich weiter durch die Büsche schlich, fliegt was weg - siehe da, ein Afrikanischer Wiedehopf. Dieser ist dunkler als der europäische.



Bei einem der Dämme verweile ich nun ein bisschen und schaue, wer so alles vorbeikommt. Ein paar Vögel, grosse Wespen und durstige Esel. Einen Vogel erwische ich nur von hinten. Da ich aber nur echt miese Bilder lösche, konnte ich zuhause rausdüfteln, dass es ein Steinrötel war, ein Zugvogel aus Eurer Gegend.



Wieder zurück im Camp können wir am gegenüberliegenden Hügel 4 Zebras und eine Ellenantilope ausmachen. Durch starke Fernglas sieht man sie sehr gut. Nun kurz das Mittagessen zubereiten, bevor es heisst, zur Schule zu spazieren, um pünktlich um 14.00 Uhr dort anzukommen. Es sind ja nur 500 m, aber wer weiss denn, welche Vögel mich da aufhalten könnten.

Als ich in der Schule ankam, war grade der Vorsitzende des Elternkommitees sowie der Schulleiter anwesend. Die Diskussion brachte einige der Probleme auf. Der Schulleiter ist selber kein Maasai und sieht natürlich alles von einer anderen Perspektive, was auch gut ist. Die Schule hat wenig Bäume, was ein Resultat vom Feuerholz holen, Esel, Ziegen usw. ist. Die Eltern meinen, dass die Akazien mit ihren Dornen die Fuss- und Volleybälle kaputt machen, was ja auch stimmt. Und klar, die beiden Spielfelder sollten auch zum Spielen frei bleiben. 3 neue Bäume stehen da, doch leider die vor langer Zeit aus Australien eingeführte Silbereiche. Die Schule will auch Bäume, hat aber das Geld für einen Zaun nicht und derzeit auch nicht genügend Wasser, da sie die Wasserrechnung nicht bezahlt haben. Und ohne diese beiden Dinge hat kein junger Baum eine Chance hoch zu kommen, da die Sonne unerbärmlich runterbrennt. Auf dem Weg von Kiserian nach Enkusero hat mich Joseph auf das Problem aufmerksam gemacht, dass Mädchen durch zu frühe und ungeplante Schwangerschaften aus der Schule fallen. Und dieses Thema schneide ich an, als ich im Klassenzimmer stand. Ich habe den Schülern auch erklärt, dass die Stämme früher eine sehr hohe Moral hatten und eine Schwangerschaft ausserhalb verheirateten Paaren Konsequenzen nach sich zog. Der Junge wurde vor den Aelterenrat gezogen und er oder seine Eltern mussten kompensieren, oder das Mädchen aufnehmen. Doch die Moral schwindet und mit ihr das Verantwortungsbewusstsein. Auch sagte ich den Kindern, dass sie sich doch mal mit den Familienplanungsintituten in Verbindung setzen sollen, die in Kenia gratis sind. Ich hoffe, dass ich streng genug redete, um wenigstens diesen Kindern die Augen zu öffnen. Einer der Lehrer hat mit Uebersetzen meinen Worten Nachdruck verleiht und auch betont, dass sie dieses Thema kürzlich auch besprochen hätten und sie es nun von einer anderen Seite nochmals zu hören bekamen.

Auf dem Weg zurück zum Camp entdecke ich einen Steinschmätzer. Ob das der gleiche ist, den ich vor 1 Jahr an der gleichen Stelle fand? Eine Agave ist in voller Blüte und 5 verschiedene Nektarvögel verköstigen sich gleichzeitig mit dem Nektar. Ein Spektakel da diese, aber auch die Männchen von der gleichen Art sich jagen.



Rotbrustnektarvogel / Scarlet-chested Sunbird



Binden-Nektarvogel / Marico Sunbird

Fortsetzung folgt....
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05 Feb 2015 08:49 #372131
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Es ist nun schon zu spät, um weitere Vögel aufzustöbern. Doch der Sonnenuntergang ist toll. Eigentlich sollten die Maasais mit der Ziege kommen. Joseph und ich entscheiden nun, unser mitgebrachtes Essen zu verspeisen. Als wir schon assen, kamen die Maasais, aber ohne Ziege. Das Elternmeeting hat zu lange gedauert. Kein Problem, morgen ist auch noch ein Tag. Also geniessen wir den Abend mit den Sternen und Mond am Himmel.





Als ich zu meinem Zelt kam, waren die Heringe wieder raus. Der Wind ist wirklich stark, hervorgerufen durch die Hitze am Tag und die dann am Abend aus dem Tal steigende Heissluft - Fallwinde. Einschlafen ist wieder nicht ganz einfach....


28.1. 6 Uhr morgens und ich bin hell wach. Ich geniesse die Ruhe und die Vögel, da noch keiner der Männer aus dem Zelt gekrochen ist. Der Taita Würger präsentiert sich toll!





Kenya Kernbeissergirlitz / Southern Grosbeak-Canary - hat nicht allzu haeufig anzutreffender Vogel

Das Licht ist super und etliche Vögel sind auch sehr kooperativ. John, der kleine Maasai, der leider kein Englisch spricht und ich halt irgendwie mit ihm kommuniziere, was dank den Uebersetzern gut klappt, ist daran, die Bäumchen, die ich zu hause gezogen habe, zu Wässern. Diese werden in die Mitte des Dornenzaunes gepflanzt, wo sie geschützt sind und bessere Wachstumsbedingungen haben. Er hat sich so über diese Bäumchen gefreut, dass es eine Freude war, in sein Gesicht zu schauen, wenn er strahlte. Das Wasser muss er aus einem der Dämme herschleppen.



Ein grosser Baum etwa 800 m entfernt sticht mir ins Auge. “Mein” Joseph und ich diskutieren, ob es wirklich eine Newtonia ist. Dies ein sehr wertvoller Hartholzbaum. Also nachdem ich etwas in meinen Magen gefüllt hatte, spazierte ich dorthin und es ist eine Newtonia. Wir sagen den Maasais nun, dass sobald dieser Baum Samen hat, sie welche holen und pflanzen sollen. Wie, das habe ich ja vorgemacht.


Gleich bei der Newtonia ist auch der grösste Damm. Der volle Damm hat eine Fläche von etwas mehr als einem Hektar und die Finanzierung wurde von einer Organisation, die Maasais unterstützt, vorgenommen. Es ist ein Kostenpunkt von etwa Euro 150.000, da ein Bagger dazu herkommen musste. Der Gemeinschaft hier hilft er aber sehr, da die kleineren Dämme schneller leer sind.



Ich spaziere nun zu einem der kleinen Dämme und treffe auf ein paar erwartete Vogelarten.



Weissbrauen-Buschroetel / White-browed Scrub Robin

Total gefunden in 2.5 Tagen: 53 Vogelarten, davon 2 Migranten. Einen Greif konnte ich nicht identifizieren. Er war zu weit und schnell weg.

Als ich ins Camp zurückkam, war die Ziege fürs Mittagessen in voller Preparierung. Erst die Leber und die schmeckt einfach gigantisch gut.



Um 14.00 Uhr bin ich wieder in der Schule und rede über das Thema “Lifestyle”, das die Kinder gestern gewünscht haben. Von einem früheren Besuch ist eine Tafel hier, die die Auswirkungen der Zivilisation aufzeigt - Luft-, Wasserverschmutzung, Lärm, Oelunfälle, Abfall und so weiter. Die Kinder hier kennen das alles nicht, höchstens die Plastiktüten, die aber in Enkusero noch nicht überall rumfliegen. Da die älteren Schüler sich nun etwas an mich gewöhnt haben, stellen sie auch Fragen. Wie werden unsere Kühe gehalten? Was passiert bei einem Oelunfall? Da es hier keinen Strom gibt, funktioniert auch kein Radio und kein Fernseher. Sie leben also mit ganz wenigen Informationen von der Aussenwelt. Mobiltelefone müssen sie in entfernten Gebieten aufladen und die Internetverbindung hier ist schwach. Man fährt also nur ca. 30 km von Kiserian weg und befindet sich in einer total anderen Welt.
John kam am Morgen mit etwelchen Wurzeln, die er säuberte. Eine Kuh hatte ein Kalb geboren, war aber sehr schwach und kam kaum mehr auf die Beine. Mein Rat, plant, dass die Kühe in der Regenzeit gebären, ansonsten besteht das Risiko Kalb und Kuh zu verlieren. Die derzeitige Dürre beisst wirklich und nicht nur die Pastoralisten.
Am Abend haben wir etliche Besucher im Camp. Darunter auch ein Junge von etwa 14 Jahren, der super Englisch spricht. Er kommt von Kajiado Stadt und hatte dort eine Privatschule besucht. Nun verbringt er einige Zeit bei der Grossmutter hier und besucht die hiesige Schule.
Die Ziege wird nun am Feuer geröstet und Ugali dazu wird auf dem Gaskocher zubereitet. Die meine Lieblingsmahlzeit und passt so richtig in die Athmosphäre hier. Leider unsere letzte Nacht...




29.1. Aufwachen um 6.00, Frühstücken und das Camp abbrechen und einladen. Etwas später als geplant fahren wir weg und treffen gegen 10.00 auf Chris und Ibrah von Eseriani Wildlife Association in Kiserian. Nun nehmen wir die lange Strecke nach Kajiado und weiter in südwestlicher Richtung bis fast an die Tansanische Grenze unter die Räder. Das Ziel ist, dass ich einen Damm anschaue und berichte, wie die Situation vor Ort ist. Eseriani hat etwas Geld gesammelt, um einen Damm wieder zu vertiefen, damit auch die Elefanten ihr Wasser bekommen. Nun, die Gegend ist buschig, doch das Abholzen, um Holzkohle herzustellen und zu verkaufen, hat Wunden hinterlassen. Die Ueberweidung ist drastisch. Als wir am Damm ankamen, erwartete uns bereits der Chief und wir konnten beobachten, wie die verschiedenen Herden geordnet Schlange stehen, bis sie an der Reihe sind, um das kostbare Nass zu geniessen. Der Chief zeigt uns in dem kleineren, untiefen und von Algen grün gefärbten Damm daneben Elefantendung und Fussabdrücke. Auch ist ein Baum deutlich der Kratzbaum der Elefanten. Eigentlich haben die Maasais nichts dagegen, das Wasser wie seit anhin mit Elefanten zu teilen, doch da diese sich drin wälzen, wirbeln sie Schlamm auf. Auch spazieren sie nachts von Wasserloch zu Wasserloch und tun das gleiche. Kleinere Dämme werden durch das Gewicht der Dickhäuter beschädigt. Nun startet das Meeting und Chris erklärt das neue Wildtiergesetz, das nun Kompensationen im Falle von Nutztierverlusten durch Wildtiere zulassen sollte. Keiner weiss aber ganz sicher, ob es auch schon voll funtionstüchtig ist. Wichtig auf jeden Fall, innert 48 Stunden mit Fotos melden. Das Meeting ergab, dass unsere Kostenschätzung zu tief war, um die Dämme tiefer auszuheben. Also müssen wir schauen, dass andere finanzkräftige Institutionen mithelfen. Wie wir später via Facebook vernahmen, hat WWF derzeit Projekte in eben der Gegend laufen. Also rausfinden, wie das alles koordiniert werden kann, damit Wildtiere, die nach wie vor zu 70% ausserhalb geschützten Zonen leben, weiterhin mit den Pastoralisten kooexistieren können. Auch sieht es so aus, dass die ganze Zone ein Wildschutzgebiet werden soll, wobei aber die Maasais nicht vertrieben werden, sondern mit Mitteln ausgestattet werden, damit Nutztierverluste reduziert werden.
Auf der Hin- und Rückfahrt konnten wir Grant- und Thomsongazellen, sowie einen Kleinen Kudu entdecken. Es hat also Wild hier!






Kurz nach 14.00 Uhr starten wir die Heimreise und kurz vor 19.00 Uhr bin ich zu hause. Doch ach Schreck, gleich am nächsten Tag schon vor 06.00 Uhr ist der Strom weg und dies bleibt mit Ausnahme von 1 Stunde am Abend für die nächsten 30 Stunden so. Der Transformer war mal wieder defekt und betroffen sind nur 5 Häuser. Dabei wollte ich aufarbeiten......

Liebe Grüsse
Elvira
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