THEMA: Informationen zu Angola - Kurzbericht
23 Mär 2020 12:59 #583833
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  • pascalha am 23 Mär 2020 12:59
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Ich bin eher passiv hier im Forum unterwegs, möchte aber bezüglich Angola einige Infos teilen. Dies unter anderem, weil entsprechende Informationen eher schwierig zu beschaffen sind und ich auch froh um jede noch so kleine Information war. Hier ein Dank an Olli und Ina aus dem Forum, welche mir einige Fragen beantworten konnten.

Wir sind vom 22. Februar bis 14. März 2020 in Namibia und Angola unterwegs gewesen. Wir hatten Glück und konnten genau im richtigen Moment von Angola und Namibia ausreisen und noch vor dem kompletten Lockdown wegen Corona in die Schweiz fliegen.

Einreise Visum

Wir haben den Visumsantrag über die Seite http://www.smevisa.gov.ao/ beantrag. Dies ging sehr schnell. Das aufwändigste war die Aufbereitung der Dateien an die Anforderungen.

Den Antrag haben wir am Abend online abgeschickt und am anderen Tag am Mittag hatten wir bereits die 'Preautorisierung' fürs Visum. Ging also sehr schnell.

An der Grenze ging zuerst alles sehr effizient und professionell über die Bühne. Alle unsere Unterlagen waren Online verfügbar und das Visum wurde mit den zuvor eingereichten Passbildern gedruckt und in den Pass geklebt.

Der nächste Schritt war dann etwas mühsamer. Wir mussten nun die namibischen Fahrzeuge temporär nach Angola einführen. Wir wurden von 7 «Helfern» belagert, welche uns gesagt haben, was wir alles für Dokumente benötigen. Einiges davon klang sehr absurd und ich kann mir bis heute nicht vorstellen, dass diese Unterlagen wirklich nötig waren. Unter anderem mussten wir eine Passkopie haben mit der Visums- und Stempel Seite. Komisch…vor allem da wir den Stempel ja logischerweise erst an der Grenze erhalten haben. Ebenfalls haben uns die Helfer gesagt, dass wir eine Kopie von dem «Disk»-Papier benötigen…und zwar nicht die Disk, sondern das Papier wo die Disk ausgeschnitten wird. Ebenfalls benötigten wir Fotos von allen vier Fahrzeugseiten und mussten diese ausdrucken. Da ich das den «Helfern» nicht geglaubt hatte, habe ich mit den Zöllnern gesprochen. Da war dann die sprachliche Barriere das Problem und die «Helfer» haben dann irgendetwas mit dem Zöllner besprochen. Am Schluss hat uns der Zöllner gesagt, dass wir diese Papiere alle brauchen. Also mussten wir wieder zu Fuss zurück nach Namibia (illegal, da wir ja bereits ausgereist waren) die Kopien machen. Diese wurden dann akzeptiert vom Zöllner und wir mussten das TIP bezahlen, was ungefähr 6000 Kwanzas gekostet hat. Bezahlen mussten wir dies bei der Bank, welche in einem anderen Gebäude war. Dazu brauchten wir Kwanzas und die «Helfer» wollten Geld wechseln. Wir haben direkt bei der Grenze einen ATM gefunden und haben Geld abgehoben. Anschliessend mussten wir wieder zum Zoll und die Bestätigung, dass wir bezahlt haben, abgeben. Nun konnten wir die Fahrzeuge vom Parkplatz holen und wir wurden durchsucht. Dies ging aber sehr schnell und unsere Fahrzeuge wurden nicht genau angeschaut. Wir konnten Fleisch und alle anderen Lebensmittel aus Namibia einführen.

Wir waren mit meinem eigenen namibischen Fahrzeug und einem Mietwagen von Buschlore unterwegs.

Für ein andermal würde ich wie folgt vorgehen:

Kopien im Vorfeld anfertigen:
- Kopie von Pass (theoretisch von der Stempel Seite, da dies nicht wirklich möglich ist, ohne diese versuchen)
- Kopie von Führerschein (bei uns nur der schweizerische…Internationaler Führerschein wollten sie an der Grenze nicht)
- Kopie von der Police Clearance
- Kopie von Fahrzeug Registrierungspapier (wenn eigenes namibisches Fahrzeug)
- Kopie von Disc-Papier (Dort wo man die Disk ausgeschnitten hatte)
- Wenn Mietwagen -> Autorisierung der Vermietung für Angola
- Bilder vom Fahrzeug von allen vier Seiten auf einem A4-Blatt

Dann die «Helfer» ignorieren und alles selbst versuchen. Die Hektik ist nur durch diese «Helfer» entstanden.

Diesel

Diesel kostet ca. 0.25 Euro. Wir hatten pro Fahrzeug ca. 200 Liter Diesel getankt und in Ersatzkanistern dabei. Dies vor allem wegen dem Iona Nationalpark. Wir hätten die ganze Route aber im Nachhinein nur mit den eingebauten Zusatztanks machen können.

VISA/MasterCard

Interessanterweise gingen Visa und MasterCard sehr selten zum Bezahlen. MasterCard ging bei uns nie…VISA ab und zu. Maestro ging problemlos zum Geld abheben.

Polizeikontrollen

Waren alle sehr freundlich und korrekt. Korruption haben wir nicht erfahren. An den meisten Kontrollen wurden wir gar nicht erst gestoppt. Lediglich bei der Ausreise meinte der Zöllner, dass es nicht erlaubt sei Diesel in Kanistern von Angola auszuführen. Ich nehme an, der Zöllner wollte von uns ein "Angebot". Wir haben aber einfach gewartet bis weitere Anweisungen von ihm kamen...nach ein paar Minuten meinte er wir sollen gehen.

Menschen

Generell haben wir die Menschen in Angola als sehr interessiert, hilfsbereit und freundlich empfunden. Wir haben uns nie unwohl gefühlt.

Malaria

Wir haben alle Malaria Prophylaxe genommen. Es hatte relativ viele Mücken.

Strassen

Es war sehr schwierig zu planen. Man konnte sich weder auf T4A noch auf Google Maps verlassen. MapsMe hatte die genauesten Zeiten. Besonders die Strasse von Lobito nach Lubango besteht eigentlich nur aus Schlaglöcher. Die Strecken in Iona sind sehr steinig und steil.

Route

Unsere grob geplante Route war wie folgt
• Windhoek
• Onguma
• Santa Clara
• Iona Nationalpark
• Namibe
• Lobito
• Lubango
• Santa Clara
• Onguma
• Windhoek

Den ersten Tag haben wir in Windhoek verbracht. Wir sind angekommen und haben eingekauft und die Fahrzeuge eingerichtet. Wir haben 125 Liter Trinkwasser mitgenommen. Zusätzlich hatten wir pro Fahrzeug 50 Liter Brauchwasser. Da wir mit zwei Fahrzeugen unterwegs waren, haben wir einen Kühlschrank als Gefriertruhe verwendet. Wir hatten bis zum Schluss Fleisch und Gemüse aus Windhoek.

Wir sind anschliessen von Windhoek nach Onguma und dann am nächsten Tag zur Grenze Santa Clara gefahren. Das Mietfahrzeug brauchte noch eine Police Clearance. Diese sollten wir gemäss Bushlore bei der Oshikango Polizeistation besorgen und sei eine Sache von wenigen Minuten. Für mein eigenes namibisches Fahrzeug hatte ich die Clearance bereits im Vorfeld durch Elisenheim organisieren lassen. Wir haben unsere Abfahrt bei Onguma so geplant, dass wir nicht zur Mittagszeit bei der Polizeistation ankamen. Wir kamen um 14.30 bei der Polizeistation an. Leider werden die Police Clearance bei dieser Polizeistation nur bis um 13.00 ausgestellt. Wir haben aber erfahren, dass bei Eenhana eine Polizeistation sei, welche die Police Clearance bis um 17.00 ausstelle. Ca. 1 Stunde Fahrzeit…da es in Oshikango keine Campingmöglichkeiten gab, haben wir uns entschieden dies zu versuchen. In Eenhana angekommen funktionierte das Internet nicht und eine Ausstellung war unmöglich. Da es auch in Eenhana keine Campingmöglichkeit gab durften wir im Innenhof der Polizeistation campieren.



Am Morgen haben wir die Police Clearance erhalten und sind zur Grenze gefahren. Übernachtet haben wir anschliessend auf einer Missionsstation bei Ondjiva. Wir haben sehr freundliche Menschen und interessierte Kinder getroffen.





Wir wollten über Xangongo zu den Ruacana Fällen. Bis Xangongo waren die Strassen perfekt und geteert. Ab Xangongo wurde die Strasse dann schlechter und es gab kein Durchkommen mehr. Die Motorradfahrer, welche uns entgegenkamen, meinten wir sollten unbedingt umdrehen. Wir haben eine Alternative gesucht und sind dann über Cahama Richtung Otchinjau gefahren. Übernachtet haben wir etwas abseits einer Piste. Am Abend und am Morgen bekamen wir Besuch von interessierten Anwohnern. Es hat den ganzen Abend und die ganze Nacht geregnet.







Wegen dem Regen waren die Pisten etwas verschlammt. Trotzdem kamen wir relativ gut und ohne steckenzubleiben weiter. Wegen dem Regen führte ein Trockenfluss ziemlich viel Wasser. Diese Flussquerung war so nicht zu machen. Wir haben dann in der Nähe vom Fluss übernachtet und wollten am Morgen nochmals prüfen ob die Querung möglich ist.







Das Wasser ist auch tatsächlich zurückgegangen und der Fluss konnte am anderen Tag gequert werden. Die Strassen wurden zunehmend schlechter und steinig. Wir hatten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 10km/h. Übernachtet haben wir an einem ruhigen Platz neben der Piste und hatten Besuch von freundlichen Himbas.





Wir kamen weiterhin nur sehr langsam voran und haben uns deshalb entschlossen etwas längere Strecken zu fahren. Wir erreichten den Kunene und im Dorf Monte Negro mussten wir uns bei der Polizei registrieren. Wir haben unseren Weg an den Kunene Mund fortgesetzt und übernachteten in menschenleerem Gebiet auf einer schönen Ebene.











Über Espenhierra sind wir in den Iona Park gefahren. In Espenhierra haben wir die Gebühren bezahlt und konnten unsere Wasserkanister wieder auffüllen. Der letzte eingetragenen Tourist war Ende Dezember im Iona. Übernachtet haben wir an einem traumhaften Platz direkt am Kunene…mit Blick nach Namibia mit gelegentlichem Oryx-Besuch.
















Wir sind zum Kunene Mund gefahren. Und haben den Tag am Meer genossen. Wegen des Windes haben wir uns entschlossen nochmals zu unserem Platz am Kunene zurückzukehren und dort zu übernachten.







Wir wollten versuchen in einem Tag bis zur Flamingo Lodge zu fahren. Die Strecke war teils in sehr gutem…teils in sehr schlechtem Zustand. Übernachtet haben wir in der Nähe von einem Dorf neben der Strasse. Die ganze Nacht war reger Betrieb auf dieser Nebenstrasse. Es hat sich aber niemand für uns interessiert. Geschlafen haben wir alle trotzdem nicht sehr gut. Wir würden deshalb nicht mehr so nah an einem Dorf übernachten.

Über Laogo dos Arcos sind wir dann zur Flamingo Lodge gefahren. Wir haben in der Lodge gegessen und durften mit dem Besitzer zum Angeln mit. Es gab offensichtlich einen Besitzerwechsel. Es wird viel gebaut und renoviert. Freundliche südafrikanische Besitzer. Da wir WIFI hatten haben wir das erste Mal von der Corona Situation in Europa erfahren.











Wir sind anschliessend über Namibe nach Praja do Soba gefahren. In Namibe haben wir in einem sehr gut ausgestatteten Einkaufszentrum eingekauft. In Praja do Soba haben wir auf einem Campingplatz übernachtet und sind zwei Tage geblieben. Traumhafte Bucht und schöner Campingplatz.









Wir haben uns entschieden nach Lobito zu fahren. Die Strasse war eine Katastrophe und wir sind erst relativ spät angekommen. Wir haben bei der Zulu-Bar übernachtet. Man kann entweder für die Übernachtung bezahlen oder man kann im Restaurant essen und trinken…dann ist das Übernachten kostenlos. Auch hier sind wir zwei Tage geblieben.







Lubango war unser nächstes Ziel. Die Strasse war ebenfalls eine Katastrophe. Beim Lebapass gibt es ein Restaurant mit sehr schönem Blick auf den Pass. Dort durften wir im Garten campen. Da es geregnet hat, wurde uns angeboten im Haus zu übernachten. Wir haben das sehr nette Angebot angenommen und in den Zimmern übernachtet. Sie wollten dafür kein Geld und wir waren überwältigt von der Gastfreundschaft dieser Familie.









Abschliessend fuhren wir Richtung Grenze und haben nochmals bei der Missionsstation übernachtet. Wir durften auch an einer Messe Teilnehmen. Auf dem Weg nach Windhoek haben wir wieder in Onguma einen Halt gemacht.







Fazit

Angola ist ein sehr spannendes Reiseland mit freundlichen Menschen und überwältigender Landschaft. Ich werde definitiv nochmals nach Angola reisen.

Im Nachhinein gesehen wollten wir wohl etwas zu viel sehen. Ich würde den Teil Namibe-Lobito-Lubango nicht mehr machen, da dieser sehr ermüdend und anstrengend war. Der Iona Park hat sehr viel Zeit gekostet und wir hätten uns nach dem Iona besser nur auf Namibe, Lubango und Umgebung konzentriert. Bei meiner nächsten Angola Reise werde ich mich etwas mehr auf den Osten und Norden konzentrieren.



Bei Fragen stehe ich euch gerne zur Verfügung

Gruss Pascal
Letzte Änderung: 23 Mär 2020 13:47 von pascalha.
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23 Mär 2020 22:00 #583898
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Hallo Pascal,

Herzlichen Dank für Deinen hilfreichen Bericht und die tollen Fotos!
Das macht ja Lust auf mehr! Angola steht auch noch auf meiner Liste B)
Da hattet Ihr aber wirklich noch Glück mit dem Zeitraum.
Haltet die Erholung und schöne Erlebnisse noch ein wenig fest...
Viele Grüße
Doro
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24 Mär 2020 12:01 #583951
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Guten Tag Pascal

Dein Bericht kommt wie gerufen ;) vielen Dank für den Einblick.
In hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft werde ich mit Fragen kommen :whistle:

Aber vorne weg mal bereits eine ;) Verständigung?
Wie kommt man mit Englisch durch?
Konnte jemand aus eurer Gruppe Portugiesisch? Wie ich dem Bericht entnehme eher nicht. Aber mit Zöllner kann man auch bei "Gleichsprachigkeit" manchmal Verständigungsschwierigkeiten haben :silly:

Liebe Grüsse
René
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24 Mär 2020 22:28 #584086
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  • pascalha am 23 Mär 2020 12:59
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Hallo René

Mit Englisch kommst du selten durch in Angola. In den Städten findest du ab und zu jemanden, welcher etwas Englisch kann.
Wir konnten alle nicht wirklich Portugiesisch. Die Kollegin, welche dabei war, ist ein Sprachgenie und hat mit Smartphone Apps und Bücher einiges auf Portugiesisch hinbekommen. Wir anderen haben einfach ein paar Wörter auf Portugiesisch gelernt und das hat auch schon geholfen. Die Menschen sind aber bemüht sich mit Hand und Fuss zu Verständigen.

Ich denke beim Zoll war wirklich das Portugiesisch das Problem und nicht die generelle Verständigung zwischen Zöllner und Tourist;-)

Viel Spass beim Planen.

Gruss Pascal
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24 Mär 2020 22:29 #584087
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  • pascalha am 23 Mär 2020 12:59
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Hallo Doro

Ja wir hatten wirklich Glück...nur ein paar Tage später und es wäre ganz anders gelaufen.
Ich kann dir Angola nur empfehlen.

Gruss Pascal
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