THEMA: "Ghostland - Reise ins Land der Geister"als DVD
26 Jun 2018 11:07 #524549
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  • thorx am 26 Jun 2018 11:07
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Für alle Interessierten die auch kein Kino in der Nähe hatten.
"Ghostland - Reise ins Land der Geister" ist seit gestern, als DVD erhältlich. Mit Untertiteln, in deutsch, englisch, französich und spanisch erhältlich !! Du kannst sie im Buchhandel bestellen oder du bekommst sie auch im Handel, Media Markt, Saturn, Phönix Buchhandlung, Müller Drogeriemarkt etc. Und natürlich auch auf alle bekannten Online Plattformen !

Hier noch der direkte link zum Film, falls du amazon magst.
www.amazon.de/Ghostl...ativeASIN=B07C5NSRWH
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30 Aug 2018 12:55 #531062
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  • BikeAfrica am 30 Aug 2018 12:55
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Hallo zusammen,

ich habe mir den Film inzwischen gekauft. War übrigens auch über eine Buchhandlung bestellbar. Es muss ja nicht immer Amazon sein ...

Der Film ist auf der einen Seite sehr interessant, aber andererseits auch extrem traurig und zwar aus zwei Gründen.

Die Kultur der Buschmänner besteht seit 20-25.000 Jahren und hat sich in dieser Zeit kaum verändert und war sehr abgeschieden von westlichen Einflüssen. Das Wissen um die Wirkung von Pflanzen als Nahrung, Heilmittel oder Verwendung als Gift zum Präparieren von Pfeilen für die Jagd wurde über viele Generationen weitergegeben. Die Buschmänner kannten Hunderte von Pflanzen und ihre Verwendungsmöglichkeiten und das Wissen wurde über Tausende von Jahren angesammelt. In nur ein bis zwei Generationen wird der Großteil für immer verloren sein.
Wenn ein Buschmann Fieber hat, geht er nun in die Apotheke. Warum sollte der halbe Clan tagelang durch die Wildnis streifen, um die passenden Pflanzen zu suchen, wenn er in einer halben Stunde 'ne Packung Aspirin (mal als Beispiel) kaufen kann?

Was weitergegeben wird, sind wohl nur ein paar Dinge, die für Touristen spannend sind. Feuer machen mit Holz, Bogenschießen, Schmuck basteln, Tanzen ... das wars. Kaum jemand von den Buschmännern, die heute den Touristen vormachen, wie man mit Pfeil und Bogen jagt, würde wahrscheinlich tatsächlich noch einen Springbock erlegen können oder seine Spuren wirklich lesen können. Warum auch? Es ist ja nutzlos geworden, an den Spuren erkennen zu können, ob das Tier verletzt ist und nur langsam voran kommt und erst zehn Minuten zuvor vorbei kam oder ob das bereits vorgestern war. Man darf das Tier nicht mehr jagen. Es reicht aus, den Touristen eine Illusion zu vermitteln.

Das alles mit dem Verlust von Wissen über die Tiere und Pflanzen ist bei uns auch passiert. Hildegard von Bingen (z.B.) hat auch jede Menge Kräuter und deren Wirkung gekannt. Unsere Urgroßeltern haben noch auf dem Feld Kamille, Brennesseln, Huflattich und Spitzwegerich gesammelt. Heutzutage kann kaum noch jemand unter 30 eine Hummel von einer Biene oder einer Wespe unterscheiden und spätestens eine harmlose Schwebfliege wird dann mit einer Wespe verwechselt und sinnlos mit der Fliegenklatsche erschlagen.

Über unsere Pflanzen kann man immerhin noch etwas nachlesen und unter etlichen Millionen Menschen in Deutschland gibt es auch noch welche, die sich damit auskennen. Das Wissen hierzulande geht langsamer verloren.
Die Buschmänner sind nur wenige Tausend und hier wurde (fast) nichts aufgeschrieben. Deren kollektives Wissen ist schneller verloren, als man "oops" sagen kann.
Und was aufgeschrieben wurde, sind die Dinge, die sich kommerziell vermarkten lassen - Teufelskralle, Moringa und Co.

Der zweite Punkt, der mich sehr traurig gemacht hat, ist die Tatsache, dass die Buschleute quasi als Schauspieler agieren müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Man hört im Film an einigen Stellen, dass sie lieber so leben würden wie ihre Vorfahren, aber der Zug ist bereits abgefahren.
Stattdessen kommen Busladungen von Touristen, die ihnen aus zwei Metern Entfernung die Kamera unter die Nase halten und sie wie Zootiere begaffen.
Auf der einen Seite ist das gut, weil sie dadurch Geld verdienen können, aber auf der anderen Seite ist es teilweise auch ziemlich entwürdigend. Ich möchte mein Geld nicht auf diese Art und Weise verdienen müssen. Und deshalb würde ich ein solches "Schaudorf" auch nicht besuchen und mit einer Gruppe schon mal gleich gar nicht..

Warum ich den Film dennoch interessant fand, war vor allem der zweite Teil. Die Sicht der Buschmänner von ihrer Seite auf unsere Gesellschaft und ihre ehrlichen Kommentare über das, was ihnen nicht gefiel, fand ich sehr gut. Und sie haben erkannt, warum wir Touristen so gerne nach Namibia kommen - weil unser Alltag zu stressig, hektisch und laut ist. Weiß eigentlich auch jeder von uns selbst.
Wäre eigentlich irgendwie mal an der Zeit, an unserem Alltag was zu ändern ...

Nachdenkliche Grüße
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Swaziland, Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
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31 Aug 2018 08:08 #531118
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  • tiggi am 31 Aug 2018 08:08
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Liebe Wolfgang,
ich hab den Film gekauft, nachdem ich den Vorbericht von Carsten Möhle hörte. In Carstens Bericht wurde gezeigt, wie aufregend die Begegnung mit Steinen oder dem Meer , der Besuch eines Friedhofes oder der Schweinestall einer Gästefarm war. Diese Teile fehlten auf der DVD. Ich fand das sehr schade, weil es noch einmal verdeutlicht, wie die Menschen ihre Umwelt wahrnehmen und welche Bedeutung es für sie hat und wie sehr ihre Kultur von der "normalen" in Namibia abweicht oder in einigen Bereichen auch ähnlich ist.
Wenn die Buschleute das erste Mal in ihrem Leben einem Seehund begegnen, kein Wort dafür haben und dann ein Wort bilden wie "nasser Hund", lässt dieses eine Menge Rückschlüsse zu.

Ist es sinnvoll, dass wir Weißen uns in alles einmischen müssen? Eine Protagonistin starb mit ihrem Baby nach den Filmaufnahmen, das hat mich sehr traurig gestimmt. Nähere Umstände werden nicht genannt und es wäre bestimmt auch ohne die Filmaufnahmen oder die Reise nach Deutschland dazu gekommen.

Interessant war aber, wie stolz die Buschleute ihr Wissen an die deutschen Schüler weitergeben konnten.
So hat auch dieses Leben und der Film wieder zwei Seiten.
Ich wünsche mir, dass viele Namibiafans darüber nachdenken.

Liebe Grüße
Biggi
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10 Jun 2019 22:18 #558494
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  • tigris am 10 Jun 2019 22:18
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Auch wenn es die DVD schon einige Zeit zu kaufen gibt, hab ich den Film erst gestern gesehen.
Mir ging es wie Euch - faszinierend, aber auch sehr nachdenklich stimmend....

Interessant und sehenswert finde ich auch das Interview mit den Filmemachern:


Die Synchronarbeiten haben fast genau so lange wie der Filmdreh gedauert, da es wohl in ganz Europa niemanden gibt, der die Sprache beherrscht. Zum Übersetzen mussten sie wieder nach Namibia und einer der Protagonisten half weiter.

Es ist wirklich traurig, dass diese Minderheit (im Interview ist von nur noch 6.000 die Rede) in Namibia keine großen Fürsprecher hat.

Viele Grüße, Simone
Historie meiner bisherigen Reisen ins südliche Afrika => 11/2001: NAM die Erste * 12/2003 - 01/2004: Namibia Südtour * 03/2015: ein runder Geburtstag in Windhoek/Tour mit Witti + Landy durch NAM * 12/2007 -01/2008: Namibia Südtour zum 2. mit Familie * 10-11/2008: Kurztrip nach NAM/wieder ein runder Geburtstag * 03/2011: Hochzeit der Schwägerin in Windhoek und kleine Tour * 09-10/2013: 4 Wochen Tanzania/Familienbesuch * 12/2014 - 01/2015: NAM zum ersten Mal mit Dachzelt unterwegs * 07-08/2016: 4 Wochen Südafrika Kap und Gardenroute/Familienbesuch * 05/2018: KTP und mal wieder der Süden von NAM
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11 Jun 2019 11:00 #558520
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  • fidel am 11 Jun 2019 11:00
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Hallo zusammen,

vielen Dank für den Tipp mit dem Film. An dieser Stelle ist vielleicht auch ein Hinweis auf das hervorragende und gut zu lesende Buch "The old Way: A Story of the First People" von Elizabeth Marshall Thomas passend. Sie beschreibt sehr anschaulich und mit vielen Anekdoten das Leben der Buschleute, bei denen sie in den 50er Jahren gemeinsam mit ihrer Familie lebte. Es ist insbesondere deshalb interessant, weil sie die gesamte Entwicklung vom "Erstkontakt" und dem tatsächlich noch funktionierenden, autarken Leben, wie es für viele tausende Jahre Usus war bis hin zum Jetzt-Zustand aus eigener nächster Anschauung beobachten konnte. Bei seiner Lektüre hatte ich beständig diesselben Gedanken wie hier im Thread bereits ausgeführt..

viele Grüße
fidel
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11 Jun 2019 13:53 #558541
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  • loser am 11 Jun 2019 13:53
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@ mehr Lesestoff
E. Marshall Thomas veröffentlichte 1958 „The Harmless People“, eine Mischung von romantischem Erlebnisbericht einer jungen Frau und anthropologischer Betrachtung. Für dieses Bild vom „sanftmütigen, edlen Wilden“ wurde sie dann später von professionellen und studierten Ethnologen und Anthropologen gerüffelt, die in ihren Studien wenig davon vorfanden. Im Epilog der Neuauflage aus 1989 geht sie darauf ein und verarbeitet auch ihre Eindrücke aus Besuchen aus Mitte der 80er Jahre.

Und dann noch:
Rupert Isaacson, "The Healing Land“, 2001, mit vielen Informationen über RSA.
Werner
Letzte Änderung: 11 Jun 2019 14:23 von loser.
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