THEMA: Holzkohle aus Namibia
26 Mär 2020 13:03 #584354
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  • Dillinger am 26 Mär 2020 13:03
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Hallo,

gestern habe ich bei Aldi einen Sack Holzkohle gekauft. Zuhause habe ich gesehen, dass er aus Namibia kommt. Sie soll aus einem, für die Natur sehr gutem Projekt stammen und zur Entbuschung beitragen. Da wird behauptet, dass diese Holzkohle eine der ökologischsten Holzkohlen weltweit ist. Kennt ihr solche Projekte und ist es empfehlenswert solch ein Produkt zu kaufen?
Holzkohle aus Afrika für meinen Grill, hat mir doch etwas zu denken gegeben. Ich möchte keinesfalls einen Raubbau an der Natur unterstützen. Ich hoffe es stimmt, dass es richtig ist, die Savannenlandschaft von Buschwerk zu befreien und somit Grundwasser zu schonen und die ursprüngliche Savannenlandschaft für Tier und Natur wider herzustellen.
Wird in Namibia auch darauf geachtet, dass nicht doch der ein oder andere Baum der Holzkohlengewinnung zum Opfer fällt?
Was halten die in Namibia ansässigen von der Holzkohlengewinnung?


Grüße
Markus
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26 Mär 2020 13:10 #584359
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Hallo Markus,
Dillinger schrieb:
gestern habe ich bei Aldi einen Sack Holzkohle gekauft. Zuhause habe ich gesehen, dass er aus Namibia kommt. Sie soll aus einem, für die Natur sehr gutem Projekt stammen und zur Entbuschung beitragen. Da wird behauptet, dass diese Holzkohle eine der ökologischsten Holzkohlen weltweit ist.

das mag für die Herstellung ja vielleicht zutreffen, aber wenn man bedenkt, dass das Zeug danach um die halbe Welt transportiert wird, habe ich meine Zweifel an der Ökologie.
Müsste hier nicht in Deutschland nach den beiden trockenen Sommern so viel Totholz rumgammeln, mit dem man nichts mehr anfangen kann? Oder ist Holzkohle aus unserem Holz nicht geeignet (weiß ich wirklich nicht)?

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
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26 Mär 2020 13:10 #584361
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Hi Markus,

Entbuschung ist hier eines der größten wirtschaftlichen Themen des Landes. Du findest zum Thema (und auch Holzkohle aus NAM) schon Threads hier. Federführend bei der Erstellung von Studien zur Nutzung von "unnützem" Busch ist die GIZ. Ich meine in den alten Threads hatte ich auch die genauen Richtlinien zur Entbuschung (welche Büsche, welche Dichte etc) gepostet.

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
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26 Mär 2020 13:18 #584363
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Holzkohle aus Entbuschungsprojekten ist eigentlich grundsätzlich zu befürworten.

Problem 1: Wer stoppt den Burschen vor Ort, wenn er mehr oder weniger absichtlich neben dem unerwünschten Büschen auch 'wertvollere' Vegetation mit verbrennt und in Holzkohle verwandelt.
(Zumindest in Südamerika ist die Holzkohleproduktion auch ein Nebenprodukte der illegalen Regenwaldrodungen, das dürfte in Namibia weniger der Fall sein.)

Problem 2: wurde schon genannt. Spätestens bei der Bewertung des ökologischen Fußabdrucks eines Sacks Grillkohle müsste Holzkohle aus Namibia wegen der riesigen Transportstrecke gegen die weit verbreitete polnische Holzkohle gnadenlos verlieren.

Christoph
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26 Mär 2020 13:27 #584368
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Hallo Wolfgang, hallo Christian,

ich habe gerade einen Artikel der GIZ zu diesem Thema durchgelesen (Danke Christian). Sehr informativ und nun verstehe ich die Sache etwas besser.
Ja mit der Verschiffung ist das so eine Sache, ökologische Aspekte gegen wirtschaftliche abzuwägen. Ich für meinen Teil unterstütze da lieber die Menschen vor Ort. Ich habe neulich in Hamburg eine Hafenrundfahrt gemacht. Da sind wir an einem der größten Containerschiffen vorbei gefahren. Als Information gab es Angaben zur Menge der transportierten Kleidungsartikel, wie transportiertes Gewicht, Fahrstrecke, Schwerölverbrauch usw. Wenn in Deutschland Hemden und Hosen für 5,- angeboten werden, sollte man sich hier eher Gedanken um die Ökologie machen.

Gruß
Markus
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26 Mär 2020 15:30 #584384
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BikeAfrica schrieb:
Müsste hier nicht in Deutschland nach den beiden trockenen Sommern so viel Totholz rumgammeln, mit dem man nichts mehr anfangen kann? Oder ist Holzkohle aus unserem Holz nicht geeignet (weiß ich wirklich nicht)?

Es gibt genügend Baumarten, die sich für Holzkohle eignen würden: z.B. Eichen und Buchen.
Vor Jahren gab es noch einige Köhlereien im südlichen Westfalen, doch die sind mit den Jahren immer mehr zurückgegangen. Es dauert und ist ein schweres Geschäft, das heutzutage nichts mehr einbringt, einen Meiler aufzubauen und zu betreuen. Die verbliebenen Meiler sind jetzt Touristenattraktionen. Heimische Holzkohle wird inzwischen bis auf Ausnahmen industriell hergestellt und ist viel teurer als solche von weit her, wo Menschen für einen Hungerlohn arbeiten müssen.

LG freshy
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