THEMA: Neulich in Otjiwarongo
16 Feb 2015 21:23 #373707
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  • peter 08 am 16 Feb 2015 21:23
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Otjiwarongo, 10. Feb.2015
Polizeiwache - Teil 1: 14.00 Uhr

Mrs. Brenda Mbabwa ist gerne Polizistin. Pünktlich um 14.00 Uhr betritt sie die Wache der Polizeistation in Otjiwarongo. Dass sie letztes Jahr - gegen den Widerstand vieler Kollegen - die Bleistifte aus der Behörde verbannte und moderne Kugelschreiber als verbindliches Schreibgerät einführte, wusste man in Windhuk zu danken und übertrug ihr die Leitung der Polizeiwache. Stolz trägt sie ihr dunkelblaues Kostüm mit zahlreichen goldenen Rangabzeichen.

Souverän begrüßt sie die fünf umhersitzenden Beamten und lässt sich berichten. Nachdem die Palaver ein Ende finden, bemerkt Brenda ein weißes Ehepaar auf der Wartebank, etwas verstört und ein wenig blass um die Nasen. Mit einem untrüglichen Gespür für große Aufgaben, zieht sie sich für ein viertel Stündchen in ihr Büro zurück um die nötige Konzentration zu finden.

Wieder im Wachraum, haftet sie ihren Blick auf das Paar und mit einem Wink ihres Zeigefingers bittet sie die beiden an den Tresen.
„Was kann ich für sie tun“
„Wir wurden kurz vor 12.00 Uhr am Parkplatz des Sparmarktes beraubt“
„Oh, bitte erzählen sie mir alles ganz genau“
Den sehr laienhaften Einwand des Mannes, dass er bereits zwei Kollegen den Vorfall vollständig berichtet hat, kann Brenda natürlich nicht gelten lassen. Seit 14.00 Uhr trage sie hier alle Verantwortung und gute Polizeiarbeit ist nur möglich, wenn sie die Information aus erster Hand berichtet bekommt.

„Name, Vorname, Geburtsdatum, Alter, Nationalität, Führerschein……“

In Druckschrift schreibt Brenda das Protokoll, nein sie malt es. Ein Buchstabe schöner als der andere, ihre Berichte sind Kunstwerke.
„Wann haben sie die Polizei verständigt?“
„Um 12.00 Uhr“
„Wann ist die Streife eingetroffen“
„So gegen 12.10 Uhr“
„Welche Farbe hatte der Wagen und wie viele Beamte?“
„Weiß mit zwei Personen“
„Wurden sie von den Beamten freundlich behandelt?“
„Ja“
„Hatten die Beamten die Lage unter Kontrolle?“
„Hm, Ja“
„War das der einzige Streifenwagen?“
„Nein, es kam noch ein zweiter“
„Wann?“
„Kurz danach“
„Geht das etwas genauer, waren es 3, 4 oder 5 Minuten?“
„Es war nach genau zwei Minuten“ wirft die Frau geschickt ein und Brenda notiert sehr zufrieden.

„Welche Farbe hatte der Wagen und wie viele Beamte“
„Elfenbein, es waren zwei Polizisten“
„Wurden sie von den Beamten freundlich behandelt?“
„Ja“
„Hatten die Beamten die Lage unter Kontrolle?“
„Ja, ja“

Jetzt kommt Mrs. Mbwabwa zum Sachverhalt. Die Deutschen haben bereits eine Verlustliste erstellt.
Beim Führerschein wird Brenda stutzig:
„Sie haben also keinen Führerschein“
„Doch, aber der wurde mir gestohlen“

Jahrelange Erfahrung macht Brenda hellhörig. Hier sitzt also ein Deutscher, der ohne Fahrerlaubnis Namibias Straßen unsicher macht. Der Verlustliste zufolge möchte er sich die Urlaubskasse auch noch durch einen geschickten Versicherungsbetrug vergolden. Dazu will sie nicht zum Werkzeug werden.

„Bitte nehmen sie wieder Platz, ich bin sofort wieder da.“

Brenda zieht sich in ihr Büro zurück, ihre weitere Strategie muss auf Anhieb sitzen. Nach einem viertel Stündchen erscheint sie wieder im Wachraum und winkt das Pärchen zu sich.
„Sie wurden also kurz vor 11.00 Uhr im Sparmarkt beraubt, was taten sie danach?“
„Nein, es war kurz vor 12.00 Uhr am Parkplatz davor“
„Ok, fassen wir zusammen. Es war gegen 12.00 Uhr. Was hatten sie bei picknpay alles gekauft?“
Brenda ist am Ziel, der Mann resigniert, knickt ein, den Tränen nahe. Die Frau springt auf und flüchtet.

Brenda weiß, wie man mit Halunken dieser Welt umgeht. Zufrieden zieht sie sich in ihr Büro zurück.
Letzte Änderung: 20 Feb 2015 15:07 von peter 08.
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16 Feb 2015 21:51 #373713
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  • Jambotessy am 16 Feb 2015 21:51
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Hallo Peter,

ich hoffe doch, dass ist nicht wirklich passiert!!!!!!!!!!!!

Grüße
Jambotessy
Nur im Vorwärtsgehen gelangt man ans Ende der Reise.
(Sprichwort der Ovambo)

1x Togo+Benin (mit TUI), 1x Ruanda+Zaire ( mit Explorer Reisen), 3x Kenia (in Eigenregie mit dem Bodenzelt), 17 x südl. Afrika (in Eigenregie Namibia, Botswana, Zimbabwe,Sambia, Südafrika mit dem Dachzelt)
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16 Feb 2015 21:56 #373714
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Otjiwarongo, 10. Feb.2015
Polizeiwache - Teil 2 gegen 15.30 Uhr

Mrs. Mbabwa betritt den Wachraum. Zu ihrem Erstaunen ist die Deutsche wieder reuemütig zurückgekehrt und tuschelt verdächtig mit ihren Mann. Sie winkt die Beiden an den Tresen. Die Frau schiebt etwas weisses über den Tresen, es ist der Kassenzettel:

- Sparmarkt Otjiwarongo, 11.57 Uhr, 141 N$ -

„Meine Dame, mein Herr, warum haben sie mir dieses Beweismittel vorenthalten?“

Brenda atmet tief durch und holt sich bei einem Kollegen einen neuen Schreibblock. Sie schiebt ihren ersten Bericht zur Seite und fängt wieder ganz oben an:

„Name, Vorname, Geburtsdatum, Alter, Nationalität, Führerschein……“

Dem erstaunten Blick der Beiden begegnet Brenda gelassen. „Das ist eben der Preis für moderne Büroausstattung, Kugelschreiberprotokolle lassen sich nicht mehr korrigieren.“

Mittlerweile willenlos verfolgen die Deutschen Brendas Malkünste.
Nach unzähligen Fragen zur Verlustliste und umfangreichen Schätzungen der Schadenshöhe ( was ist ein 25 Jahre altes Bordcase noch wert…) , kommt Brenda zu einem Ergebnis von 12.050 N$.
Sie bittet die Geschädigten um Gegenzeichnung ihres Berichtes und unterschreibt ihr Kunstwerk.

Der Mann merkt an, dass es die Anforderung eines neuen Führerscheines in Deutschland erleichtern würde, wenn er ein Dokument einer kompetenten Behörde vorlegen kann und bittet um die Kopie des Polizeiberichtes.
„Kein Problem, mein Herr, aber es ist jetzt kurz vor 18.00 Uhr. Kommen sie bitte morgen um 9.00 Uhr wieder, dann erhalten sie den notwendigen Bericht.“

Das deutsche Ehepaar zieht sich auf das Camp der Farm Wesrand zurück, wo es durch die Gastgeber ersten Trost findet. Spät am Abend stoßen noch zwei junge Holländer dazu, einer wurde kürzlich in Kapstadt bis auf die Unterhose beraubt.
Letzte Änderung: 20 Feb 2015 15:12 von peter 08.
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16 Feb 2015 21:57 #373715
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Jambotessy schrieb:
ich hoffe doch, dass ist nicht wirklich passiert!!!!!!!!!!!!
... keine Sorge.
Die haben noch keine Kugelschreiber. ;-)

SCNR
Wolfgang

PS: Begegnungen mit der Polizei in Afrika sind häufig spannend und überraschend. Im positiven und negativen Sinn.
In Deutschland aber auch ...
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Swaziland, Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Letzte Änderung: 16 Feb 2015 22:24 von BikeAfrica.
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Otjiwarongo, 11. Feb.2015
Polizeiwache - Teil 3: 09.00 Uhr

Durchzechte Nächte können auch heilsam sein.

Nach dem Frühstück geht es wieder zur Polizeiwache. Unterwegs fällt den Deutschen noch ein, dass ja auch der Wagenschlüssel des heimischen Autos im gestohlenen Bordcase lag, wie bringen wir jetzt den Wagen vom Flughafen in FFM nach Hause…..

In der Polizeiwache wird der Mann freundlich von Mrs. Mbwabwa begrüßt.
„Guten Morgen mein Herr, haben sie gut geschlafen?“
„Vielen Dank der Nachfrage, es geht schon wieder. Wir waren ja gestern etwas durcheinander. Gibt es eigentlich schon Neues zum Stand der Ermittlungen?“
„Wir haben es hier mit einer Bande zu tun. Die Leute haben den Code der Funkfernbedienung der Autoschlüssel geknackt und blockieren so das Verschließen des Wagens. Das ist dieses Jahr schon der vierte Raub beim Sparmarkt. Aber solche Dinge passieren überall auf der Welt.“
„Natürlich, nur gut wenn man dann auf eine tüchtige Polizei trifft. Apropos, kann ich die Kopie des Polizeiberichtes mitnehmen?“
„Aber selbstverständlich, mein Herr. Mein Kollege Martin wird sich sofort um sie kümmern.“

Martin saß tatsächlich schon bereit. Mit Kugelschreiber und Block ging es sofort los:

„Name, Vorname, Geburtsdatum, Alter, Nationalität, Führerschein……“

Um es kurz zu machen, Martin schrieb mit 10-facher Geschwindigkeit von Brenda. Geschickt begrenzt der Mann den Verlust auf auf seinen dt. Führerschein und die Kreditkarten. Das Ganze war nach 20 Minuten erledigt, Stempel drauf, fertig. Der Urlaub kann weitergehen.


Ich sitze hier bei strahlendem Sonnenschein am Balkon der Cape Cross Lodge. Unser schönstes Urlaubserlebnis war die Polizeiwache in Otjiwarongo zum Glück nicht, das eindrucksvollste aber zweifellos. :)
Letzte Änderung: 17 Feb 2015 08:39 von peter 08.
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17 Feb 2015 09:07 #373749
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Hallo Peter,

dachte erst das ist ein Scherz :unsure: aber leider wohl nicht.
Da kannst Du ja " froh " sein daß nichts schlimmeres passiert ist!
So ärgerlich das auch ist aber alles materielle läßt sich ersetzten.

Ich hoffe Ihr bleibt von weiteren Ereignissen dieser Art verschont und wünsche noch
einen schönen Resturlaub. B)

Liebe Grüße
Maria
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