THEMA: Nam, die Elfte
11 Jun 2018 22:47 #523366
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Mittwoch, 31. Januar; ein langer Ritt bis Weltevrede

Eigentlich wollte ich zwei Nächte hier auf Koiimasis bleiben. Eigentlich! Aber irgendwie, es fällt mir schwer, das nun sachlich rüberzubringen, fühle ich mich hier nicht wirklich wohl und willkommen. Überall im Gelände verteilt stehen Schilder, was alles bei Strafe verboten ist. Auch wenn es nötig sein mag, weil manche Zeitgenossen glauben, man könne hier überall querfeldein fahren, erzeugen diese Verbotsschilder bei mir eine merkwürdige Stimmung. Dabei ist die Landschaft atemberaubend und der Camping sehr schön angelegt, die Ablutions wirklich sehr stilvoll.
Jedenfalls entscheide ich noch in der Nacht, weiter zu fahren. Wohin weiss ich noch nicht, mal schaun, worauf ich Lust habe.

In aller Frühe fahre ich bis zum Sundownerberg und besteige diesen, um hier den Sonnenaufgang zu erleben.


Der Blick ist grandios, die Landschaft scheint grenzenlos.




Ohne Köcherbaum geht´s einfach nicht.

Gegen acht Uhr steige ich wieder von dem herrlichen Ausguck ab und fahre auf meine Site. Hier frühstücke ich gemütlich, dann packe ich zusammen, und gegen zehn Uhr checke ich aus.
Dann nehme ich wieder die lange Zufahrt nach Westen bis zur D 707 unter die Räder. Auf der bestens präparierten Piste fahre ich weiter nach Norden, nur kurz von dem tiefsandigen Stück in Höhe Kanaan unterbrochen, welches ich mit entsprechender Geschwindigkeit und mittlerer Drehzahl ohne weiteren Hänger passiere.
In den Zäunen rechts und links hängen immer wieder verendete Gemsböcke, so fällt mir positiv auf, dass Kanaan einen Grossteil des Zaunes abgebaut hat.
Langsam steigt die Pad an, es wird bergiger und die Strasse wird deutlich ruppiger.
Punkt Mittag komme ich nach Betta, hier tanke ich. Danach restauriere ich mich selbst, bei den netten Damen vom Grill ordere ich einen Game Burger mit Fritten, danach gönne ich mir noch einen eiskalten Milchshake.
Weiter geht die Fahrt durch die grandiose Landschaft des Namib Rand Natur Reserve bis nach Sesriem. Hier tanke ich erneut. Dann möchte ich im Shop an den ATM, ich brauche wieder Bares. Hier ist ab 16.00 Uhr geschlossen, wegen Inventur. Es ist genau 16.02 Uhr. Nix iss mit TIA, der Shop ist dicht.
Ich fahre durchs Gate, und in der Reception hole ich mir für Übermorgen ein Permit für Mirabib. Hier gibt es keinen ATM, aber man verweist mich auf die grosse Lodge vor dem Tor. Also fahre ich dorthin, und hier kann ich tatsächlich meine Barreserven wieder auffüllen.
In Sesriem möchte ich nicht bleiben, es ist mir viel zu trubelig.
So fahre ich weiter Richtung Solitaire und werde die nächste Campingmöglichkeit, die auf dem Weg liegt, ansteuern, denn es ist brüllheiss, und ich bin schon wieder viel zu lange unterwegs. Ich brauche dringend eine Pause.
Die nächste Gelegenheit kommt in Form der Weltevrede Guestfarm. Für 150.- Nam$ stelle ich mich unter einen grossen Kameldorn mit riesigem Webervogelnest. Ich nehme mir an der Bar ein Kaltgetränk, ein namibisches Radler, das garantiert nicht mein neues Lieblingsgetränk werden wird, und setze mich an den Pool, aber hier ist mir zu viel los. Ich setze mich auf meine Site mit Blick in die Berge, über denen dann ein riesiger Vollmond aufsteigt.


Viele Grüße,
Matthias
Letzte Änderung: 11 Jun 2018 22:52 von fotomatte.
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12 Jun 2018 23:09 #523461
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Donnerstag, 01. Februar; ohne Camp Gecko geht es einfach nicht.

Ich habe herrlich geschlafen, es ist wunderbar ruhig hier. Wieso eigentlich? Ich stehe doch bei dem Baum mit dem riesigen Webervogelnest. Dieses ist aber verlassen, zumindest von den Siedelwebern. Dafür haben sich eine ganze Horde Untermieter eingefunden, diese schlafen aber länger als die Weber. Es sind einige Paare Lovebirds, die erst zu quietschen anfangen, als die Sonne schon über die Berge geklettert ist.






Zuerst sind die Vögel ziemlich scheu, aber nach einer Weile akzeptieren sie meine Anwesenheit, und ich kann einige Bilder aus nächster Nähe machen. Die Vögel machen ihrem Namen alle Ehre, sie schnäbeln miteinander und putzen sich gegenseitig das Gefieder.

Da die gestrige Tour ungewollt viel länger war als eigentlich vorgesehen, will ich heute nur ein kurzes Stück fahren. Über Solitaire ein paar Kilometer Richtung Spreetshoogte Pass bis zum Camp Gecko, mehr nicht.

Nach einer belebenden Dusche fahre ich also via C 19 bis nach Solitaire, und da es kurz vor Mittag ist, beschliesse ich, in der Bakery einen Tee und was Süsses zu nehmen. Der Platz hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert, die Boma ist vergrössert worden, dafür musste der Schattenbaum, der von den Vögeln so geliebt wurde, weichen. Und hinter der Tanke gibt es jetzt ein neues Restaurant, das gab´s letztes Jahr noch nicht.
Wie ich so im Schatten sitze und meinen Tee nippe, kommt ein Hilux-Pickup von der Tanke angefahren, und zwei Ladys steigen aus und marschieren Richtung dem Grab von Moose. Die Damen kommen mir bekannt vor. Es sind die Mutter und die Tante meiner Schwägerin, die gerade von Farmbesuchen aus dem Süden unterwegs sind zurück nach Swakop. Wir setzen uns in den Schatten, trinken was und erzählen uns von unseren Touren, und auf die Art habe ich für übermorgen eine Einladung zum Abendessen in Swakop in der Tasche.
Dann trennen sich unsere Wege, und ich fahre das kurze Stück über die D 1275 bis zum Camp Gecko. Bei Renee checke ich ein, und wieder kann ich meinen geliebten Platz Eagle´s View okkupieren.

Ich setze mich unters Schattendach, glase die Gegend ab, lese ein bisschen, werde müde und lege mich erstmal schlafen. Als das Licht schöner und die Temperaturen erträglicher werden, spaziere ich das Stück den Hügel hinab bis zum grossen Pool. Hier schwimme ich einige Runden, und dann quatsche ich eine ganze Zeit mit Renee über das Leben hier in Namibia. Nebenbei frage ich ihn, ob es stimmt, dass Heidi und er wieder zurück nach Europa wollen. Er ist einigermassen erstaunt, woher ich das weiss, aber ja, es stimmt, sie wollen Camp Gecko verlassen.

Zurück auf der Campsite dokumentiere ich eine Gottesanbeterin, die einzige in dem ganzen Monat der Reise. Normalerweise habe ich sonst immer viel mehr Insekten gefunden, aber es ist einfach viel zu trocken. Hier im Schatten der Rantberge hat es diese Saison noch überhaupt nicht geregnet.



Während ich meinen Sundowner nehme, knipse ich noch die herrlich roten Berge in der untergehenden Sonne.


Da geht sie hin.




Bald geht über den Bergen der fast volle Mond auf, und ich sitze noch lange an meinem Feuer.

In der Nacht werde ich wach, weil wenige Meter neben dem Condor einige Bergzebras stehen und an den spärlichen Grasbüscheln rumzupfen. Im Mondlicht lassen sie sich wunderbar beobachten.


Viele Grüße,
Matthias
Letzte Änderung: 13 Jun 2018 08:14 von fotomatte.
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14 Jun 2018 21:45 #523682
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Freitag, 02. Februar; Up and down bis Mirabib

Die Sonne hat es noch nicht über die Berge geschafft, da habe ich schon die erste "gute" Sichtung. So gegen halbsieben Uhr gewahre ich eine kleine Maus, die genau wie ich sich um ihr Frühstück kümmert. Aber was für eine Maus? Jepp, es ist mal wieder eine Rock Elephant Shrew, oder Elefantenspitzmaus.


Sie sitzt da zwischen den Steinen, zunächst regungslos.


Plötzlich wendet sie sich um und hat im selben Moment etwas erbeutet. Erst nach einer Weile erkenne ich, dass sie eine grössere Schrecke gefangen hat, die sie letztlich zerteilen muss, um sie zu schlucken.


Da die Maus mit der Beute voll beschäftigt ist, gelingt es mir, noch etwas näher ran zu robben. Sobald die Beute vertilgt ist, empfindet die Maus aber den Sicherheitsabstand für deutlich unterschritten und gibt Fersengeld.


Mittlerweile erglühen die hintersten Berge im ersten Sonnenlicht.


Fünf Minuten später erstrahlt die Ebene vor mir im Licht.


Zwei Dusky Sunbird Männchen tragen einen Gesangswettbewerb aus.


Und auch ein Acacia Pied Barbet besucht mich und schaut nach, ob für ihn was abfällt vom Frühstück.

Dann packe ich zusammen, und nach einer herrlich belebenden Freiluftdusche starte ich gegen 9.00 Uhr Richtung Passhöhe.


Eine Stunde später stehe ich oben und geniesse die Aussicht.

Dann fahre ich weiter über Isabis und die D 1265, um dann nach links auf die C 26 abzubiegen, die mich den Gamsberg Pass hinab führt.


Unterwegs mitgenommen: ein Martial Eagle, oder Kampfadler.


Cattle Grid am Gamsberg Pass, von nun an geht´s bergab.


Die Strasse windet sich in zahllosen Kehren an den Berghängen entlang.

Bislang waren die Strassen ausnahmslos, bis auf den nördlichen Teil der D 707, perfekt gegraded, aber das soll nun ein Ende haben. Sobald ich die C 14 erreicht habe, ist übelstes Waschbrett angesagt. So geht es über den Kuiseb Pass, bis ich den Abdreh nach Mirabib erreiche, aber auch diese Piste ist in einem üblen Zustand. Das ist sie wohl schon länger, denn mittlerweile haben sich rechts und links der Strasse neue Fahrspuren gebildet.
Da ich gut in der Zeit liege, kann ich langsam machen, und am frühen Nachmittag erreiche ich den Inselberg Mirabib. Niemand ist hier, und ich stelle mich wie im Vorjahr auf die Nordseite des Berges.


Dann schnappe ich mir Fernglas, Kamera und eine Flasche Wasser und umrunde den Berg. Dabei finden sich ein paar Reptilien, wie diese langschwänzige Echse.


Der Berg ruft, und ich klettere bis nach oben. Die Aussicht ist phantastisch.




So sieht der Berg von unten aus, schön angestrahlt von der abendlichen Sonne.


Namib Day Geckos sind recht häufig hier.


Eine weitere, noch unbestimmte Echse geniesst die letzten Sonnenstrahlen.


Die Schatten werden länger, und ich kehre zurück zu meinem Stellplatz, wo ich mich der Vorbereitung meines Abendessens widme.


Dabei verpasse ich fast den Sonnenuntergang.


Nach meinem Dinner sitze ich wieder am Lagerfeuer, und da der Mond nun schon wieder eine ganze Zeit später aufgeht, mache ich noch ein paar Langzeitbelichtungen.
Ein Paar Schleiereulen fliegt mal vorbei und kreischt, das war´s. Sonst ist es totenstill hier, kein Schakal ruft, kein Bellgecko singt.
Einmal schaut noch kurz ein Kapfuchs vorbei, den ich nur flüchtig im Feuerschein gewahre.
Zufrieden mit mir und der Welt sitze ich am Feuer, dessen Knistern von der Granitwand reflektiert wird.
Später geht der schon nicht mehr ganz runde Mond auf und erhellt die Ebene vor mir. Zeit ins Bett zu gehen.


Viele Grüße,
Matthias
Letzte Änderung: 14 Jun 2018 22:13 von fotomatte.
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19 Jun 2018 20:58 #524068
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Samstag, 03. Februar; back in town.

Im Liegen schiesse ich das erste Foto aus dem Auto raus, denn ein Cape Fox streunert hier mal eben vorbei. Es ist aber noch ziemlich duster, und das Bild ist leider verwackelt.
Zum Sonnenaufgang komme ich deshalb zu spät, ich schaffe es nicht mehr auf den östlichen Vorgipfel.


06.42 Uhr. Haalloo Africaa.


Über dem Gipfel thront der Mond, die Felsen glühen.


In der Ebene hat es überall Gruppen von Bergzebras, die das kaum zu sehende Gras zupfen.


Lustig, genau an der selben Stelle wie letztes Jahr hockt wieder so ein schwarzpuscheliger Rock Rabbit und ist überhaupt nicht scheu. In meinem Säugetier-Führer gibt es nur Hares ( also Hasen ), und es steht sogar drin, es gäbe in Namibia keine Kaninchen. Erst durch eine Briefmarke der NamPost weiss ich, dass dieses Tier existiert und eben Rock Rabbit heisst, und somit ein Karnickel ist. Habe ich bislang aber auch nur hier entdecken können.


Vom Vorgipfel bietet sich nun ein grossartiger Panoramablick auf die Wüste und den herrlich beleuchteten Inselberg Mirabib.

Nachdem ich ausgiebig der Morgensonne gefrönt habe, klettere ich wieder ab und kehre ins Camp zurück. Hier frühstücke ich in aller Ruhe im Schatten, es wird schnell wieder warm. Gegen neun Uhr bin ich reisefertig und fahre weiter in Richtung Forschungsstation Gobabeb.


Links...


... und rechts der Pad, überall Hartmann Bergzebras.


Ein letzter Blick auf Mirabib.


Ab Gobabeb fährt man via D 1983 immer parallel zum Kuiseb Rivier, dieseits die graue Geröllnamib, jenseits die gelbe Sandnamib.

"Hinten rum" über die C 14 fahr ich Richtung Swakop, fahre dann aber das kurze Stück auf der B 2 bis zum Sophia Dale Rest Camp, wo ich einen schattigen Platz beziehe.
Nachmittags fahre ich in die Stadt, wo ich die beiden Damen besuche. Annemarie, die ältere Schwester lebt seit den Fünfzigern in Namibia und hat sich hier zur Ruhe gesetzt. Sie bewohnt eine sehr schöne Wohnung direkt an der Mole, und so sitzen wir auf der Terrasse mit Meerblick, trinken Tee, essen verspätete Weihnachtsbrötle, erzählen uns was und geniessen das Meererauschen.
Draussen, dort wo die raue See anrollt, schwimmt eine Schule Delfine, immer wieder mal springt einer aus dem Wasser.

Später dann gibt es ein lekkeres Abendessen mit Oryxschnitzeln und echt schwäbischem, schlonzigem Kartoffelsalat.

Nach dem Sundowner erzählen wir uns allerlei Geschichten, und es ist schon spät, als ich durch das ausgestorbene Swakop zurück nach Sophia Dale fahre. Gottlob ist das Tor noch auf, und ich kann bald ins Bett kriechen.


Viele Grüße,
Matthias
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10 Jul 2018 20:46 #525746
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Sonntag, 04. Februar; mal wieder Birden in Walvis

Morgens ist es wie gewohnt neblig , und so habe ich keine Eile. In Ruhe frühstücke ich, und dann fahre ich mit mehreren Stopps entlang der Küste nach Walvis Bay und weiter um die Lagune. Wie befürchtet ist ablaufendes Wasser, also stehen die allermeisten Limis draussen im Watt. Zwar scheint mittlerweile die Sonne, das Licht ist aber nicht schön, so verzichte ich komplett aufs fotografieren und nehme mir ausgiebig Zeit, um mir die Viecher per Fernglas ranzuholen.
Ich fahre bis ganz nach hinten auf den kleinen Parkplatz. Ich stelle den Condor ab und mache einen längeren Spaziergang am Strand längs. Wenigstens bekomme ich so einen unausgefärbten Kaptölpel auf die Liste, sonst ist aber weitgehend tote Hose draussen aufm Meer.

Ich muss dringend aus der Sonne raus, hier am Wasser und auf dem hellen Sand wird man von oben und von unten gegrillt, und so fahre ich nach Walvis zurück, wo ich im Anchors @ the Jetty essen gehe. Also, ich würde gerne essen gehen, aber es ist Sonntagmittag, kurz nach Eins, und die Bude ist gerammelt voll. Nach einer Wartezeit bekomme ich einen Tisch zugewiesen, und ich esse ein Beer-battered Hake-Filet mit Fritten, das ausgezeichnet schmeckt. Mit einem Bierchen und einem Kaffee überbrücke ich noch etwas Wartezeit, und dann habe ich endlich auflaufendes Wasser.
Also fahre ich nochmals um die Lagune. Immer mehr Vögel kommen nun ins niedrige Wasser und ans Ufer, leider nun im Gegenlicht. Wieder spare ich mir das Fotografieren.
Die Salzluft hat mich ordentlich gepökelt, und so fahre ich zurück nach Sophia Dale. Jetzt brauche ich nur noch eine Dusche und einen Sundowner, dann darf ich auch schon in die Waagerechte.


Montag, 05. Februar; volles Touriprogramm

Ich war ja nun schon mannigfach in Swakop, aber für viele Tourimagneten habe ich bislang keine Zeit gefunden. Oder hatte ich einfach keine Lust? Nun, da ich quasi bis Freitag, bis ich ein Date habe, nichts konkretes vorhabe, bietet es sich an, mal die typischen Orte abzuklappern.
Doch zunächst versuche ich, ein Internet-Café zu finden. Die, die ich mal kannte, gibt´s nicht mehr. Bei der Touri-Info bekomme ich eine neue Adresse, aber die Bude, angeschlossen an ein Restaurant, hat den ganzen Februar zu. Also nochmals zurück zur Touri-I. Neue Adresse, gleiches Spiel: auch zu. Also gibt´s halt keine Mail nach Hause. Macht nix, ich weiss ja, dass es mir gut geht.

Daraufhin muss ich erst mal dringend ins Village Café zum Restaurieren. Im Innenhof lässt es sich herrlich sitzen, lesen, schreiben, Leute gucken.

Nun bin ich bereit für ein bisschen Action. Zuerst gehe ich in die Kristall-Galerie, danach gleich noch ins Museum, wo mich erwartungsgemäß der zoologische Teil am Meisten fesseln kann. Doch auch der Rest ist wirklich einen Besuch wert.

Nun im schönen Spätnachmittagslicht schlendere ich zu der kleinen Lagune, da, wo der Swakop River münden würde, so er denn fliessen würde. Hier setze ich mich in den Sand, mit perfektem Licht von hinten, und studiere die Vögel, die sich hier tummeln. Neben diversen Limikolen ein paar Seeschwalben, Reiher, Enten, Teichhühner, Möwen, Stelzen.

Den Sonnenuntergang ziehe ich mir dann auf der Jetty rein. Da das Restaurant zu hat, sind auch nicht viele Leute hier. Die Sonne versinkt theatralisch im Meer, dann fahre ich zurück.


Dienstag, 06. Februar; Touriprogramm Teil Zwo

Da montags das Aquarium geschlossen hat, kommt es heute dran. Pünktlich zur Öffnungszeit bin ich da, und ich verbringe einige Zeit im Tunnel unterm Meer. Nach diesem etwas klaustrophobischen Erlebnis brauche ich dringend was zu Kauen. Ich laufe wieder im Village-Café ein. Die Mädels kennen mich bereits. In der Buchhandlung habe ich mir zuvor eine AZ gekauft, und die lese ich nun, während ich meinen Milchkaffe trinke.
Ein paar Einkäufe erledige ich noch, dann besuche ich erneut die kleine Lagune, aber es sind im wesentlichen die selben Arten wie gestern zu sehen.

Bevor ich zurück ins Camp fahre, gehe ich im Fish Deli noch was essen, lekker Fisch mit Fritten, dazu gibt´s einen Salat. Von dem soll ich noch länger was haben. :sick:

Im Camp sind neue Nachbarn eingetroffen. Eine nette, junge Schweizer Familie in einem umgebauten knallroten Feuerwehrauto. Sie haben gerade den Wagen im Hafen in Walvis Bay in Empfang genommen, und starten nun hier ihre einjährige Tour durchs südliche Afrika. Wir verstehen uns auf Anhieb, und Federica und Christoph laden mich direkt ein auf ein Glas Roten. Wayne, ein Swakopmunder Original, sitzt auch hier, und so haben wir einen sehr geselligen, internationalen Abend, der erst spät endet.


Mittwoch, 07. Februar; Spitzkoppe, warum nicht ?

So spät der Abend geendet hat, so früh ist die Nachtruhe für mich vorbei. Montezumas Rache ereilt mich, und jede Verzögerung wäre mehr als blöd. Also hübsch flott raus und ab aufs Klo. Nun ja, jetzt ist es so lange gut gegangen, auf der elften Tour bin ich nun mal dran.
Da ich nun schon auf bin, überlege ich mir, dass es immer noch zweieinhalb Tage hin ist bis zu meinem Date, und die Zeit will ich nicht in Swakop vertrödeln, denn das Städtle geht mir inzwischen etwas auf den Geist. Ich brauch Busch um mich. Also, was machen? Grossartig Autofahren mag ich auch nicht mehr, wird also schwierig. Letztlich bleibt halt mal wieder die Spitzkoppe übrig. Ich war zwar erst letztes Jahr dort, aber das Gelände ist einfach grossartig.

Nach einem zeitlich ausgedehnten, für mich trotzdem spartanischen Frühstück mit Federica und Christoph und ihren beiden Jungs, verabschieden wir uns, und ich fahre über die B 2 auf dem kürzesten Weg zur Spitzkoppe. Gegen Mittag komme ich an, ich checke ein, drücke die aufgerufenen 165.- Dollar ab und darf wie gewohnt meinen Platz frei wählen. Es ist brüllheiss, und ich suche mir einen Überhang bei Nr. 10. Oder war´s Nr.11? Hier schlafe ich eine Runde im Schatten. Mein Magen grummelt.

Spätnachmittags wage ich mich wieder ins Licht, und ich stelle mich auf die Nr.6 mit freiem Blick auf die Spitzkoppe und den Sugarloaf.
Dann klettere ich etwas auf den Felsen rum und besuche die Bridge.


Die Steinbrücke erstrahlt nun im schönsten Abendlicht und gibt den Blick frei auf die Pontoks.


Oder eben auf die Spitzkoppe.


Hinter der Kleinen Spitzkoppe versinkt die Sonne.


Im Osten stehen Gewitterwolken am Himmel.


Während ich hier sitze und den Abendfriede geniesse, also, geniessen will, fliegen zwei Drohnen auf und ab und stören die Idylle. Ein südeuropäischer Pilot entschuldigt sich hinterher immerhin für die Störung.


Später spiele ich mal wieder mit ein paar Langzeitbelichtungen rum. Da ich einfach keine Skorpione finde, gehe ich ins Bett. Der Magen grummelt, deshalb entfällt heute der Alkohol-Anteil vom Schlummertrunk.


Viele Grüße,
Matthias
Letzte Änderung: 24 Jul 2018 08:43 von fotomatte.
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17 Jul 2018 17:34 #526385
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Donnerstag, 08. Februar:

Die Gewitterwolken vom Vorabend haben sich wieder aufgelöst, ein prächtiger Morgen kündigt sich an. Von meinem Stellplatz schiesse ich die ersten Bilder vom rot erstrahlenden Berg.


Kurz nach Sieben glüht der Granit.


Nun "mache" ich wieder den Felsbogen in völliger Ruhe und Einsamkeit, keine Drohne nervt.


Dann beschliesse ich eine Runde bis zum Sugarloaf querfeldein zu gehen, dabei finde ich diesen Bowker´s Sapphire, der noch nicht abflugbereit ist. Leider zeigt er seine schöne blaue Oberseite nicht.

Beim Sugarloaf, der etwas südlich von der Spitzkoppe steht, segelt mal wieder ein Zwergadler, der von zwei Turmfalken heftig attackiert wird.


Meine Aufmerksamkeit gilt aber zwei Felsenadlern, die die einsetzende Thermik vor der Wand nutzen und auf und ab segeln.




Ich beneide die beiden Adler, die völlig mühelos mit nur einigen kurzen Ruckern der Steuerfedern ihre Flugbahnen ziehen und ohne jede Anstrengung auf und ab gleiten auf der Suche nach einem unvorsichtigen Dassie.


Gegen 9 Uhr wird es schon wieder heiss, und ich kehre zurück zu meiner Campsite. Noch reicht der Schatten von den Felsen, um nicht in der Sonne sitzend mein karges Frühstück einnehmen zu müssen.
Gegen halbelf Uhr bin ich reisefertig, und ich nehme die grausame Rüttelpiste D 3716, später die D 1918, zurück zur B 2.


Ein letzter Blick zurück auf den Granitklotz.

Nun muss ich mich beeilen, denn ich bin zum Mittagessen bei Annemarie eingeladen. Natürlich habe ich heute einige Lastwagen mit Marmorblöcken vor mir, trotzdem komme ich nur zwanzig Minuten zu spät in Swakop an.
Das Essen schmeckt sehr gut, aber ich bin immer noch etwas vorsichtig, mein Magen ist noch nicht wieder völlig in Ordnung.
Nach dem Essen sitze ich auf der Terrasse und lese die AZ, immer ein Auge aufs Meer gerichtet. Und so bleiben auch diesmal die Delfine nicht unbemerkt.

Später fahre ich wieder nach Sophia Dale und stelle mich auf "meinen" Platz. Überraschung: Federica und Christoph sind auch noch da, eigentlich wollten sie heute Richtung Namib gestartet sein, aber sie haben entschieden, noch einen weiteren Tag hier zu bleiben.
Nachdem Wayne auch eingetrudelt ist, steht einem weiteren geselligen Abend nichts im Wege. Wir sitzen am Feuer und quatschen über Afrika und die weite Welt. Der Abend geht etwas länger, aber Afrika und die Welt sind ja auch groß. B)


Viele Grüße,
Matthias
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