THEMA: Nam, die Elfte
16 Apr 2018 21:37 #518902
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Mittwoch, 24. Januar; Köcherbäume pur

Kurz vor halbsechs wache ich auf, und der Blick aus dem Condor lässt mich schnell rege werden--Kaiserwetter.






Wieder schiesse ich mich in einen Rausch, die Lichtstimmungen vor Sonnenaufgang sind einfach spektakulär.


Viertel nach sechs Uhr geht die Sonne auf, minütlich wechselt die Stimmung.


Die Bäume glühen noch intensiver als am Abend zuvor.




Schnell steigt die Sonne höher, und eine Stunde später ist das schöne Licht vorbei.

Wir treffen uns wieder im "Schweizer Camp" und frühstücken in aller Ruhe genüsslich in der Sonne. Natürlich verquatschen wir uns wieder, eigentlich wollten Sam und Beenie ja gar nicht so spät los, aber so weit ist es auch wieder nicht bis Mata-Mata. Nach einem Gruppenfoto mit Köcherbaum rumpeln die Beiden los und lassen mich zurück auf der somit nur von mir bewohnten Campsite. Ciao, gute Pad, schön war´s.

Mir gefällt es hier so gut, dass ich spontan entschieden habe, eine weitere Nacht hier zu bleiben.
Irgendwie vergeht der Tag ohne grosse Action, schon am Nachmittag will ich mein Abendessen zubereiten, damit ich das schöne Licht um den Sunset wieder für die Bäume übrig habe. Ich befreie ein weiteres Steak aus seinem Plastikgefängnis, den Fleischsaft giesse ich einfach in den Sand. Dann schneide ich Zwiebeln und Knoblauch, koche Nudeln, brate das Steak und setze mich dann an den Tisch mit einer schönen Aussicht auf den Köcherbaumwald. Plötzlich kommt ein mir unbekanntes kleines, schwarzweisses Tier über den Platz gehuscht und schnuppert intensiv an der Stelle, wo ich das Blut entsorgt habe. Bis ich die Kamera aus dem Auto geholt habe, ist der kleine Kerl schon im nächsten Gebüsch verschwunden. Zuhause habe ich dann meinen ersten Streifeniltis identifiziert.







Als ich dann kurz vor der völligen Dunkelheit zurück ins Camp komme, fährt noch ein Auto mit einem Münchner Pärchen auf den Platz.
Ich sitze noch eine Weile mit einem Getränk und starre in den Sternenhimmel, vielleicht entdecke ich ja eine Sternschnuppe. Der Schnuppenfee sollte ich meinen dritten Wunsch nochmals nahebringen, vielleicht hat sie mich vergessen?
Die Nacht ist völlig ruhig, keine Löwen, keine Eulen, schon gar kein Strassenlärm. Einfach nur Stille.


Viele Grüße,
Matthias
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23 Apr 2018 21:07 #519452
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Donnerstag, 25. Januar; mir stinkt´s in Mesosaurus

Gegen halbsechs starte ich wieder die Fotosession, denn heute hat´s zur Abwechslung ein paar Foto-Deko-Wölkchen an den Himmel drapiert. Das sieht recht nett aus.






Ich springe zwischen den Felsen umher wie ein tollwütiger Klippschliefer, um möglichst viele unterschiedliche Positionen zu finden, und doch habe ich permanent das Gefühl, das beste Bild zu verpassen.






Spätestens als die Sonne über die Wolken geklettert ist, sind die schönen Lichtmomente ohnehin Vergangenheit, und ich kehre zurück zum Condor, um in Ruhe zu frühstücken. Der Wind trägt hin und wieder einen widerlichen Geruch heran, so eine üble Mischung aus ekelhaftem Mundgeruch und Pissoir. Ich habe die Klippdachse in Verdacht, denn deren Toiletten sind überall auf den Felsen weissgekalkt und nicht zu übersehen. Ich mache sogar einen Geruchstest, aber die Dassies sind es nicht. Was stinkt hier nur so?

Ein Vogel ruft, den kenne ich. Schon gestern habe ich versucht, mich an den Zwergfalken anzupirschen, leider erfolglos. Heute bleibt der kleine Kerl sitzen. Vorsichtig schleiche ich Meter um Meter näher, und ich schiesse eine ganze Serie von dem Männchen.


Sein anhaltendes Rufen wird erhört, auch das Weibchen setzt sich in die wärmende Sonne.


Kurz vor neun Uhr bin ich reisefertig, und ich verlasse den schönen Campsite. Mir hat es hier prächtig gefallen.
Auf dem kurzen Stück bis zur Reception entdecke ich weit oben einen kreisenden Greif, und seine "Positionslichter" verraten ihn schon von Weitem, auch ohne Blick durchs Fernglas.


Solche auffälligen Merkmale hat nur der Booted Eagle, der Zwergadler.


Ja, er ist seeehr weit weg, ich weiss, aber es ist mein zweiter Zwergadler überhaupt.

Giel begrüsst mich und erzählt mir, dass der Stinkbusch blüht, und deshalb, so der Name, es momentan so stinkt. Aha, innerlich entschuldige ich mich bei den Dassies, und ich schaue mir die unscheinbaren , nun mit kleinen gelblich-grünen Blüten besetzten Büsche an.
Giel fragt mich, ob ich an der Tour über die Farm zu den Versteinerungen und ein paar weiteren Punkten teilnehmen möchte, die startet, sobald das Pärchen aus München eingetroffen ist. Da die Beiden gerade eintreffen, sage ich zu.


Giel prescht vor, und wir fahren hinterher. An einigen Stationen halten wir, und Giel zeigt uns die relativ kleinen Saurierversteinerungen, die er gefunden hat, als er die Strasse hier durch die Berge gebaut hat.


Aber es gibt auch neuere Points of Interest, wie dieses Schutztrupplergrab, der hier auf der Farm "Spitzkoppe" sein Leben gegeben hat.

Nach weiteren Erklärungen zur Entstehung der Gesteine hier und der unvermeidlichen Spielprobe zweier Melodien auf der Steinharfe, lässt uns Giel alleine hier zurück, aber es ist mittlerweile brüllheiss, Köcherbäume habe ich zur Genüge fotografiert, und ich muss in Keetmanshoop noch einkaufen, so fahre ich bald zurück und verabschiede mich.

Im Ort irre ich ein paarmal im Karree herum und finde doch nicht die grosse Mall, so klappere ich ein paar Läden ab, bis ich alles Benötigte zusammen habe. Am Bahnhof besuche ich kurz das Lokdenkmal.



Beim Verlassen der Stadt passiere ich natürlich die Mall, hier hätte ich alles praktisch an einem Ort gefunden, blöderweise ist die Mall nirgends ausgeschildert.
Über die B 4 geht es auf Teer zügig Richtung Westen, dann biege ich ab auf die C 645. Beim Naute-Damm biege ich auf eine Stichstrasse, die an den Stausee führt. Hier könnte man eigentlich ganz nett übernachten, und im See schwimmen könnte man auch.
Könnte man! Eigentlich! Aber es ist hier derart vermüllt, dass mir jede Lust zum Hierbleiben vergeht. Es sieht aus, als kommen die Leute gezielt hier her, um ihren Müll abzuladen, in der Hauptsache Burgerverpackungen, Flaschen und Dosen.
So wate ich mit Schuhen ( wegen vermuteter Glasscherben ) bis zu den Oberschenkeln ins angenehm kühle Wasser, registriere den abstreichenden Fish Eagle und verlasse diesen leider überhaupt nicht idyllischen Platz.
Via C 12 geht es weiter in den Süden, am alten gemauerten Ziegelofen bei Holoog vorbei und über die C 37 bis zum Canon Roadhouse.
Hier checke ich für 195.- Nam$ auf dem Camping ein. Ich zahle mit einer 200$-Note, die Kassiererin gibt mir den Beleg und widmet sich wieder ihrem Laptop. Als ich demonstrativ nicht weiche, meint sie, sie hätte mir die 5.-$ Change schon gegeben. Nöö, hat sie nicht. Widerwillig öffnet sie die Kasse und schiebt wortlos einen Fünfer über den Tresen. Netter Empfang.
Nachdem ich mich auf dem Platz eingerichtet habe, besuche ich erstmal den Pool und kühle mich ab.


Der halbe Mond steht hoch am Himmel, und auf dem still gelegten Windmotor sitzen zwei Bergstare und ein Fiscal-Würger.

Als die Sonne nicht mehr so hoch steht, mache ich ein paar Fotos von dem ganzen Deko-Schrott, der hier im Gelände verteilt wurde.


"No-drone-zone".






Diese mobile Drilling-station trägt Schweizer Nummernschilder, die Maschinerie dünkt mich aber eher amerikanisch. Fake News.


Schon wieder Köcherbäume...




Nach so viel Schrott kommt mir dieser blühende Busch gerade recht, ein Desert Broom, der sich gerade mit kleinen, recht dekorativen Kelchblüten schmückt.

Den Sonnenuntergang geniesse ich auf meinem Platz sitzend, ebenso das Abendessen. Es windet wieder ziemlich stark, und so verzichte ich aufs Zeltaufstellen und schlafe der Macht der Gewohnheit folgend im Condor.

Viele Grüße,
Matthias
Letzte Änderung: 23 Apr 2018 22:05 von fotomatte.
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07 Mai 2018 22:22 #520766
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Freitag, 26. Januar; ein tiefer Blick nach Mittelerde

Ich war zuvor noch nie am Fish River Canyon, aber aus diversen Berichten weiss ich, dass es nicht lohnt, allzu früh dort zu sein, denn dann liegt der Canyon noch in tiefem Schatten, also frühstücke ich ganz gemütlich auf meiner Site in der Sonne sitzend.
Nachdem dann wieder Alles verstaut ist, fahre ich das kurze Stück bis nach Hobas, wo ich den fälligen Obulus entrichte.
Weiter geht es über eine öde Schotterpläne, einzig ein paar Springböcke und einige Strausse unterbrechen die Monotonie.
Die Strasse führt nun sanft ansteigend an den Schluchtrand bis zum Main viewpoint. Ich stelle den Condor vor das stattliche Aussichtdeck und setze mich an die Hangkante, um die Szenerie auf mich wirken zu lassen.




Ich muss sagen, der Canyon ist schon beeindruckend, und mit dem Fernglas glase ich alle Flussschleifen ab. Es gibt einige tiefe Gumpen, die noch Wasser haben, aber fliessen tut hier seit geraumer Zeit nichts mehr.


Von Osten her treiben wieder einige Dekowölkchen heran, und da nun eine Gruppe deutscher Senioren eingetroffen ist, die bald Richtung Beginn der Fischflusswanderung marschieren, schlage ich die entgegen gesetzte Richtung ein und fahre den nächsten Viewpoint in südlicher Richtung an.




Ohne Köcherbaum geht´s einfach nicht.


Dann fahre ich zurück Richtung Norden zum Aussichtspunkt beim Trailhead. Die Gruppe begibt sich gerade zurück zu ihrem Bus, und so habe ich den Flecken für mich alleine. Ich setze mich wieder an den Schluchtrand und folge mit dem Fernglas dem Trail in den Talboden. Meine Neffen sind hier schon abgestiegen und haben die fünftägige Wanderung bis nach Ai-Ais gemacht.


Als Nächstes fahre ich den Aussichtspunkt bei den Sulphur Springs an. Die Sonne ist höher gestiegen und heizt nun mächtig ein, nur der stetig blasende Wind sorgt für etwas Kühlung. Die Wölkchen zaubern ein paar Schatten in die Landschaft und geben dem Bild ein bisschen plastische Tiefe.


Die Kandelaber-Wolfsmilch macht sich recht fotogen vor der Schlucht.

Ich fahre eine weitere, nochmals ein paar Kilometer südlich liegende Aussicht an. Hierher kommen offensichtlich nicht mehr viele Leute. Ich geniesse die Stille und glase wieder den Talboden ab.


Und dabei entdecke ich Leben. Keine kleinen Kriechtiere, sondern veritable Säuger.


Ganz gemächlich trotten zwei Pferde durch das Rivier. Wo kommen die denn her, wem gehören sie wohl? Oder sind das versprengte Tiere von den Garub-Pferden?


Ein letzter Blick in den tiefen Canyon.

Mittlerweile ist High Noon, ich habe nun dreieinhalb Stunden hier vertrödelt, langsam wird es Zeit, aus der Sonne raus zu kommen und weiter in den Süden zu fahren.

Über die C 37 fahre ich durch grandiose Landschaften.



In Aussenkehr steuere ich das Norotshama Resort an, das man nach einer kilometerlangen Fahrt durch nicht enden wollende Rebplantagen erreicht. Für 170.- Nam$ kann ich mir einen schattigen Stellplatz aussuchen. In den Büschen turnen Orange River White-eyes umher, die habe ich noch nie gesehen. Leider gelingt mir genau so wenig ein Foto wie von dem hier im Sand rumstochernden Wiedehopf. Im nahen Schilf singen Rohrsänger.
Nachdem ich das Auto im Schatten geparkt habe und den Kühlschrank an den Strom angeschlossen habe, inspiziere ich den Platz. Ein Radfahrer aus Deutschland, unübersehbar, da komplett mit Wolfspfoten-Ausrüstung versehen, residiert noch hier, und ich unterhalte mich recht nett mit ihm. Wir verabreden uns für später zum gemeinsamen Abendessen, und ich gehe etwas runter zum Orange River, der erschreckend wenig Wasser führt.

Um fünf Uhr treffe ich mich mit dem Radler aus Celle ( ich weiss nicht einmal seinen Namen ), wir sitzen im Freien, trinken ein, zwei kalte Biere und erzählen uns Road-Stories. Später bestelle ich ein Beef Sosatie mit Fritten. Es schmeckt fantastisch, aber es ist eine Riesenportion, die ich unmöglich vertilgen kann. Der immer hungrige Radler packt also meine halbe Portion auf sein eigenes Menue obendrauf, er will morgen schliesslich hauptsächlich bergauf bis nach Hobas fahren und dann weiter nach Keetmanshoop, da können ein paar extra Kalorien nicht schaden.

Zufrieden lege ich mich bei geöffneten Fenstern ins Auto zum Schlafen, doch irgendwann wache ich wieder auf. Es sirrt um mich herum-Mossies. Nachdem ich im Dunklen mehr mich selbst geschlagen habe, als dass ich ein paar Quälgeister erledigt hätte, knipse ich das Licht an, und sehe die Bescherung. Am Dachhimmel sitzen bestimmt vierzig, fünfzig Mossies. Na toll.
Schnell stelle ich das Zelt auf, schmeisse Isomatte und Schlafsack rein und flüchte in die mossiefreie Zone. Gute Nacht.


Viele Grüße,
Matthias
Letzte Änderung: 08 Mai 2018 17:37 von fotomatte.
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15 Mai 2018 20:05 #521452
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Samstag, 27. Januar; Durch den "kleinen" Richtersveld-Park.

Etwas gerädert nach der unterbrochenen Nacht stehe ich erst so gegen 6.30 Uhr auf, packe zusammen und verabschiede mich vom Radler. Kurz nach sieben Uhr fahre ich durch die endlosen Reben zurück auf die C 13.


Reben bis direkt an die Berge, im Hintergrund das Township der Arbeiter.


Die Siedlung sieht relativ geordnet aus, hinterm Oranje erheben sich die Berge des südafrikanischen Richtersveld-Nationalparks.


Langsam tuckere ich die Pad Richtung Westen, dabei sinniere ich darüber nach, dass ja eigentlich das Gestein beiderseits des Flusses das Selbe ist, das Klima auch, also sollten ja auch auf namibischer Seite die selben Pflanzenarten vorkommen. Da könnten doch eigentlich auch hier ein paar Sukkulenten zu finden sein, die schon lange auf meiner Wunschliste stehen. Eigentlich sind sie der Grund, warum ich unbedingt mal in den Richtersveld-Park will. Aber ich habe halt keinen dort benötigten Allrad. So scanne ich die Berghänge nach einer verräterischen Silhouette.


So weit muss ich gar nicht fahren, da sehe ich das gesuchte Objekt oben in einem steilen Berghang stehen.
Ich fahre den Condor ganz nach rechts an die Seite, da ist aber der Sand ganz besonders weich. Der Condor sinkt hinten weg, ich stecke fest. Egal! Zuerst will ich mich um die Botanik kümmern, so lange das Licht noch schön ist, das Auto rennt mir nicht davon. :sick:



Endlich gefunden- eine Pachypodium namaquanum, oder Halfmens, oder Halbmensch. Na gut, mag Mancher denken, na und? Ein bedornter Stamm, oben ein Büschel Blätter, das war´s. Die Pflanze ist ein Endemit, den es nur hier im Richtersveld, und eben auch auf der namibischen Seite gibt, was ich aber nicht gewusst, sondern nur vermutet habe. Umso froher bin ich über meinen Fund. Bei den Nama hat diese Pflanze eine mystische Bedeutung.


Der Halbmensch muss sich nun eine Foto-Session von allen Seiten gefallen lassen, ich bin happy.




Nachdem ich diese exotische Pflanze entsprechend gewürdigt habe, klettere ich wieder den Berghang hinab, nicht ohne wieder ein paar Köcherbäume "mitzunehmen".


Dann muss ich mich doch um mein Vehikel kümmern. Erstmal lasse ich ordentlich Luft aus den Reifen, dann bocke ich die Karre beidseits auf und packe Steine unter die Räder. Ferner präpariere ich eine Fahrspur mit dem Spaten.
Ein gutes Stück komme ich weiter, dann gräbt sich der Condor wieder ein.
Ich höre Motorengeräusch, ein Auto kommt den Berg herunter gefahren. Auf mein Winken reagiert der Fahrer mit Hupen und fährt weiter.
Also bocke ich erneut auf, packe wieder Steine unter die Räder.
Nun nähert sich aus der anderen Richtung ein Auto. Ein völlig überladener Bakkie hält an, der Fahrer und Familienoberhaupt in Personalunion besieht sich die Lage, öffnet hinten den Bakkie, und vier, fünf Söhne quirlen aus dem Auto. Mit ordentlicher Schubunterstützung bin ich gleich wieder zurück in der Spur auf festem Sand. Sie fragen mich im Gegenzug nach Soft Drinks, da ich so Zeugs aber nicht dabei habe, schenke ich ihnen einen Fünf-Liter-Kanister Wasser. Nachdem alle Jungs wieder im Canopy verschwunden sind, fährt der Bakkie langsam den Berg hoch.
Ich verstaue meine Ausrüstung und fahre dann ebenfalls weiter. Nun sehe ich weitere Halbmenschen in den steilen Bergflanken stehen. Sogar ein paar Exemplare mit Verzweigungen, die nun einer menschlichen Silhouette deutlich ähnlicher sehen, sind dabei. Aber mein Mut, nochmals an die Seite zu fahren, ist aufgebraucht, ausserdem ist das Licht nicht mehr so schön.


Oben auf dem Pass mache ich einen Foto-Stopp, die Landschaft begeistert mich.


Ein segelnder Greif, ganz niedrig. Sofort gestoppt und abgedrückt. Endlich ein Zwergadler auf eine gute Entfernung. Es gefällt mir immer besser hier.


Nachdem ich den Berg wieder herunter gefahren bin, folgt die Strasse nun wieder dem Oranje River. Und hier muss es etwas geregnet haben, denn es gibt Blumen zu bewundern. Hier sind es zwar nur Devil´s thorns, oder Morgensterne, also was ganz Gewöhnliches.


Dafür entdecke ich am Hang eine weitere botanische Rarität: Aloe ramosissima. Gehört zu den Köcherbäumen, wächst aber vieltriebig und strauchartig.


Und weitere Blumen gibt es direkt neben der Pad, deren Namen ich aber nicht weiss.


Ein Korbblütler, aber weiter?




Kurz vor Sendelingsdrif gibt es den letzten Stopp, und dann führt die Strasse weg vom Fluss nach Rosh Pinah.
Dort tanke ich voll, und fahre dann über die ganz frisch geteerte und erst seit drei Monaten öffentlich befahrbare Strasse Richtung Oranjemund. An einem Gate wird der Pass kontrolliert und das Fahrzeug in eine der unvermeidlichen Listen eingetragen, dann kann man in das ehemalige Sperrgebiet einfahren.


Kurze Pause überm Oranje.

Oranjemund empfängt mich mit tiefhängenden Wolken, dazu ist es kalt und windig. Die Stadt fahre ich einmal rauf und runter, es ist Samstagnachmittag, der Ort ist quasi verlassen.
An die Bucht kommt man natürlich nicht, hier ist nach wie vor Sperrgebiet von Namdeb.
Etwas desillusioniert verlasse ich dieses trostlose Kaff, wo ich eigentlich zwei Nächte zubringen wollte, und fahre dann doch, einer Eingebung folgend, beim Golfplatz rechts ab. Fährt man hier ganz nach hinten durch, kommt man an den Strand. Wenn man mehr Sicht hätte, könnte man die Mündung des Oranje in den Atlantik sehen.


Die Einheimischen verbringen den Samstag hier am Strand und vergnügen sich am Wasser, beim Angeln oder beim Braai.




Überaus häufig, die Kelp Gull.


Der Oranje kurz vor der Mündung.


Leider ist es sehr dunkel, ein bisschen mehr Licht hätte den Fotos nicht geschadet. Sieht für mich einem Strandflieder nicht unähnlich aus.




Wiederum eine Sukkulente. Die verschiedenen, wenn auch recht kleinen Blüten in verschiedenen Farben schaffen es dann doch, mich wieder versöhnlicher zu stimmen.




Wenn mir Jemand Tipps zu den Pflanzen geben kann, wäre ich sehr dankbar.


Zum Abschluss gibt es noch ein Paar Cape Teals, oder Kapenten.


Das Ende des Grauens, über der Wüste scheint die Sonne.

Dann fahre ich zurück, die ganze Strecke am Oranje entlang nach Rosh Pinah. Dort tanke ich erneut und kaufe auch Wasser nach, dann fahre ich ohne Stopp weiter bis nach Aus.
Das ist jetzt ein verdammt langer Fahrtag geworden, und schon unterwegs habe ich beschlossen, dass ich zwei Nächte auf der Campsite von Klein-Aus bleiben werde, und morgen bleibt die Karre stehen, da wird gelaufen. :P B)
Ich setze mich auf die Veranda vom Desert Horse Inn und geniesse zum Sonnenuntergang einen kalten Milkshake, dann fahre ich auf die Campsite und richte mich für die Nacht ein.

Viele Grüße,
Matthias
Letzte Änderung: 15 Mai 2018 20:56 von fotomatte.
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29 Mai 2018 19:45 #522486
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Sonntag, 28. Januar; Süsses Nix-tun in Klein Aus

Was ich an diesem entspannten Sonntag tatsächlich gemacht habe, ist mir nicht mehr wirklich erinnerlich, auch meine ohnehin bescheidenen Aufzeichnungen helfen hier nicht weiter, und Fotos sind genau ZWEI entstanden.

Noch vor Sonnenaufgang starte ich zu einer kleinen Runde durch die Berge, es gibt hier ja einige markierte Wanderwege.
Zuerst steuere ich einen schönen, mir schon bekannten Aussichtsberg an, wo man einen fantastischen Weitblick in die Wüste hat.


Von unterwegs bietet sich schon ein Panoramablick nach Westen ins Sperrgebiet.


Der Ausblick vom Bergle. Die Sandpad führt zu dem Gangsterauto, das in einer Schlucht steht.

Hier sitze ich eine ganze Weile und stiere in die Weite. Die Sonne steigt höher und heizt mächtig ein, und so drehe ich weiter meinen Rundkurs.
Zurück auf der Campsite stelle ich das Auto unter einen Baum in den Schatten und lege mich direkt nochmals hin.
Zwei Stunden schlafe ich tief und fest, aber gegen Mittag wird es muckelig warm, ausserdem muss ich das Auto wieder nachrücken.
Nun frühstücke ich ausgedehnt, lese etwas und werde direkt wieder schläfrig, also lege ich mich wiederum auf die Matratze.
Nachmittags brate ich mir ein Paar leckere Käsegriller von der KWS, dazu gönne ich mir zwei GinTonic, während langsam die Schatten die Bergwände immer höher empor klettern.
Nach einer erfrischenden Dusche krieche ich wieder in meinen Schlafsack und lese noch etwas, aber bald schon verschwimmen die Zeilen.


Montag, 29. Januar; Garub mal wieder

Ich habe beschlossen, mir den Schlenker nach Lüderitz zu sparen. Vor vier Jahren war ich drei Tage dort, und ich habe die Gegend mit Grosser Bucht und Kolmanskop sowie einer genialen Tour nach Pomona und zum Bogenfels ausgiebig genossen. Ein neuerlicher Besuch könnte nur enttäuschen.
Trotzdem fahre ich zunächst nach einem schnellen Frühstück die geteerte B 4 Richtung Westen.


Die alte Bahnstation Garub hat es mir angetan. Vor vier Jahren fuhren hier Güterzüge mit Schotter, weil die Strecke grundsaniert wurde. Da aber das Problem mit den Wanderdünen nicht gelöst ist, ist die Strecke zwar komplett neu aufgebaut worden, Schienenverkehr gibt es trotzdem keinen. Die Schienen sind rostig, hier fährt schon länger nichts.


Eine Kulisse wie in einem Western.


Der Blick von oben zurück in die Berge um Aus.


Früher zu Zeiten, als hier noch Dampflokomotiven gefahren sind, gab es eine schmalspurige Bahn in die Berge, um von dort das benötigte Wasser für die Maschinen her zu transportieren. Es wurde dann in diese Hochbehälter gepumpt und von hier in die Tender gefüllt.




Natürlich stoppe ich auch bei den "Wildpferden", die hier eine Tränke vorfinden. Etwas weiter hinten liegen auch Heuballen, denn es hat die letzten Jahre gar nicht geregnet, und es gibt keine Weide mehr. Ohne Zufütterung würden auch die letzten Pferde verhungern. Die Rippen kann man auch so ganz gut zählen.


Die Pferde saufen sehr zügig und ziehen schon bald wieder zurück in die kahl gefressene Wüste.

Dann fahre ich zurück nach Aus, hier tanke ich den Condor voll und entlocke dem widerspenstigen ATM nach einigen Anläufen doch die dringend benötigten Dollars.
Nun biege ich auf die C 13 ab und fahre in nördlicher Richtung mit Ziel Farm Tiras.


Direkt neben der Pad finde ich diese Tsamma-Melonen, die Ursprungsform der Wassermelonen.



Ich passiere den Abdreh der D 707, ab hier gehört das Land schon zur Farm Tiras. Ich fahre zum Farmhaus, und Frau Koch begrüsst mich herzlich. Es gibt nur zwei richtige Campsites an einem Berg über der Strasse, die Site oben am Berg wäre schon vergeben, aber die untere ist frei. Ich bezahle die aufgerufenen 180.- Nam$, und Frau Koch sagt noch, dass man frei auf der Farm herum fahren oder gehen dürfe. Auf einer Karte zeigt sie mir noch ein paar schöne Felsformationen. Die Farm liegt zwischen den Tiras- und den Rooirandbergen. Auch hier hat es lange nicht geregnet, und es gibt fast keine Tiere mehr auf der Farm.

Ich fahre das kurze Stück über die Strasse und richte mich unter einem grossen Schattendach ein. Die Ablutions sind in erkennbar deutscher Handarbeit von dem verstorbenen Herrn Koch selbst gebaut worden, sie würden jeder Lodge gut zu Gesichte stehen.
Nach einem Imbiss und einem Power-Nap geht es gegen Abend bei schönstem Licht auf eine Erkundungstour.


Mehrmals treffe ich auf Klippspringer, die mich neugierig von den Felsen herab begutachten.


Das "Osterei".

Ein kurzes Stück wandere ich querfeldein zu einem Wasserfall, der natürlich trocken ist.
Über der Wand segeln zwei Felsenadler.


Im Hintergrund die Rooirandberge, gerade eben ist der fast volle Mond aufgegangen.


Der Name dieser Felsen ist mir entfallen, irgendein Politiker.

Den schönen Abend geniesse ich auf meiner Site. Zu Sonnenuntergang gehe ich noch ein paar Schritte in die Ebene hinaus, und als dann noch ein paar Bellgeckos ihren Gesang anstimmen, ist mein Glück perfekt.


Viele Grüße,
Matthias
Letzte Änderung: 30 Mai 2018 19:09 von fotomatte.
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04 Jun 2018 23:20 #522946
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Dienstag 30. Januar; von Tiras nach Koiimasis

In aller Frühe fahre ich einen grossen Schlenker über die Prairie der Farm Tiras, aber ausser ein paar Springböcken, wenigen Oryx und zwei Löffelhunden, die sich wohl verspätet haben und nun eilig Richtung Bau sprinten, um der mittlerweile aufgegangenen Sonne zu entkommen, lassen sich keine weiteren Tiere blicken.
Ich bin schon wieder auf dem Heimweg, als ich ein Rivier kreuzen muss. Uii, das sieht aber sandig aus. Ich gebe Gas und versuche im zweiten Gang schön das Tempo zu halten. Fast bin ich durch, da sinkt der Condor immer tiefer, und drei Meter vor festem Grund stecke ich wieder fest. Na gut, mittlerweile kenne ich das Prozedere ganz gut, und wo die Schaufel steckt, weiss ich inzwischen auch. Mal wieder Luft aus den Reifen ( einmal mehr bewährt sich mein muckeliges Weihnachtsgeschenk :kiss: von Bele ) gelassen, dann die Kiste abwechselnd seitlich aufgebockt, Steine geschleppt und Strassenbau getrieben, und schon kann´s weiter gehen. Kostet halt eine schlappe Dreiviertelstunde.
Zurück auf meiner Campsite frühstücke ich gemütlich, und bevor ich weiter fahre, suche ich zwischen den Felsen nach Leben.


Das findet sich in Form eines Falters, den ich zuvor noch nie gesehen habe. Es ist ein African Ringlet ( Ypthima granulosa ). Er saugt Nektar an einem Morgenstern.


Weiters finde ich einen Schwarzkäfer, der recht flott unterwegs ist.


Hier habe ich recht lange gerätselt, auch zusammen mit Frau Koch, die sich eigentlich sehr gut auskennt mit der heimischen Flora und Fauna. Da hier auch ab und an Professoren mit ihren Studenten herkommen und Untersuchungen anstellen, hat Frau Koch viele Listen und Übersichten, was sich hier so tummelt, aber dieses Reptil hat sie noch nie gesehen. Letztlich haben wir heraus gefunden, dass es ein Jungtier eines Wüstenrenners Heliobolus lugubris ist. Die Jungen sehen komplett anders aus als die adulten Tiere, vor allem bewegen sie sich recht seltsam. Sie machen einen gekrümmten Buckel und sollen so einem giftigen Käfer ähnlich sehen, um so Fressfeinden zu entgehen.


Hier in typischer Pose, dabei bewegt sich die Echse sehr flink. Entsprechend sind die meisten Fotos unscharf.


Wohl eine Ödlandschrecke, die, wenn sie auffliegt, leuchtend rote Flügel zeigt.

Mittlerweile ist es wieder hübsch heiss geworden, ich packe ein und fahre zum Farmhaus, um den Schlüssel abzugeben. Dann verquatsche ich mich eine gute Zeit mit Frau Koch, um die kleine Echse zu identifizieren.

Es ist schon Mittag durch, als ich das kurze Stück C 13 zurück fahre und dann auf die D 707 abbiege.
Eigentlich wollte ich auf der Farm Tsiras Namtib ( danke, Uwe und Bele, fürs Nachhaken, weiss auch nicht, was ich da gedacht habe ) übernachten, aber hier verkündet ein Schild , dass die Farm bis Freitag geschlossen ist. Schade.
Dass Gunsbewys dauerhaft geschlossen ist, wusste ich bereits, und Frau Koch hatte mir bestätigt, dass Frau Gräbner nicht mehr auf der Farm ist. Als ich die Zufahrt erreiche, ist diese abgesperrt.
Also fahre ich weiter.


D 707--angebliche Traumstrasse Namibias. Schon schön, aber ich kenne Besseres.

Beim Farmtor von Koiimasis biege ich ab und rumple endlos scheinende 23 Kilometer übers Farmgelände bis zur Reception. Hier ist niemand, die Tür ist abgesperrt. Nun, es ist ein Uhr durch, also Farmers Mittag. Ich setze mich in den Schatten und lese etwas.
Irgendwann nach zwei Uhr kommt Frau Itzko, und ich kann für den Campingplatz einchecken. Dafür werden stolze 250.- Nam$ fällig.

Dann fahre ich auf den Platz, und ich stelle mich auf die Nr. 3. Zwar funktioniert hier das Wasser nicht, aber dafür hat es einen sehr schönen Schattenspender. Die Plätze sind sehr schön in die Felsen geschmiegt, auch die Ablutions sind sehr ansprechend.

Im Schatten mache ich mir einen Mittagsimbiß, und gleich wuselt es um mich herum.


Neben zwei Cape Buntings und


einem White-throated Canary


besucht mich auch ein Mountain Wheatear.

Nachdem die Sonne langsam tiefer sinkt, mache ich mich gegen fünf Uhr auf und steige die Schlucht in südlicher Richtung empor, um später über die Felsen wieder abzuklettern. Es tut gut, nach der Autofahrerei auszuschreiten.


Der Blick zurück, links ist die Lodge zu ahnen.

Die Sonne ist schon unter gegangen, als ich wieder am Ausgang der Schlucht bin und heimwärts gehe, da zischt es plötzlich unter mir, und eine kleine Schlange windet sich an einer Felswand längs von mir weg. Ich schneide ihr den Weg ab und mache ein paar Bilder von der hervorragend getarnten Horned Adder.




Da es nun schnell dunkel wird, mache ich ein paar Fotos mit Blitz, und dann lasse ich die kleine Viper in Ruhe.


Mittlerweile ist der Vollmond aufgegangen und spendet ein schönes Licht zwischen den Felsen.
Ich sitze noch eine Weile in der warmen Nacht, trinke ein kaltes Savanna, horche in die geräuschlose Dunkelheit und stiere in den Himmel.
Ach ja, ich könnte mal der Schnuppenfee meinen dritten Wunsch wieder in Erinnerung bringen, da steht noch was aus.


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