THEMA: Im Südwesten Namibias, März 2009
05 Feb 2010 18:52 #128565
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Mittwoch
Bei Sonnenaufgang los. Unsere Große kann weiterschlafen.
Gut, dass wir so dicht an der Straße geblieben sind, hinter uns geht’s bergab. Fahren an unserer Schlafstelle über kleine, weiß blühende Geranien (Geranium aculeolatum?). Alles ist hier voll davon. Sie verströmen einen wunderbaren Duft, Zitronengeranien-ähnlich, nur noch intensiver, sehr lecker. Meine Nase jubiliert.

Ein Personentransport-Lorry - mit Leuten hinten drin, brettert an uns vorbei, man grüßt sich. Er düst die Road-Closed-Strecke entlang nach Süden. Wir überlegen kurz: Nee, nee. Wer weiß, wo die hinwollen. Die Gegend ist weit …
Im schönen Morgenlicht über den Naute Damm, er ist bis zum Rand gefüllt! Nachts ist das braune Gate wohl geschlossen, da hätten wir heute Nacht vielleicht sowieso gar nicht fahren können? Unten an der T-Kreuzung ein Blick in Richtung Löwenfluss: Er führt Wasser, es fährt gerade ein Fahrzeug durch die Furt …

Weiter nach Süden. Vereinzelt kommen andere Touristenfahrzeuge entgegen.
Vorbei am alten Laster des Canyon Roadhouse. Irgendwann endlich geht es hinunter nach Ai-Ais. Dass es so sehr bergab geht, hatte ich natürlich auch vergessen. Geschafft! - Der ganze lange Weg zum ‚Gelobten Land’ …
Bitte? - Unten in Ai-Ais erleben wir unser blaues Wunder in Form zweier bunter Plastik-Schwimmbecken: Das Gelände ist eine einzige Baustelle. Das ist nicht witzig, das müssen die bei der Buchung aber sagen. NRW hat fully charged! 400 N$: 3P/Nacht/Auto. Ein bisschen unverschämt ist das schon. Wir besichtigen das Gelände: Es wird sicher mal sehr schön, - wenn es fertig ist, … 3 Sterne sind schon jetzt am Hotel … Lediglich die Tankstelle, ein provisorisches Office und ein Ablution-Block sind schon funktionsfähig, einige Bush-Tents zum Übernachten stehen in Reih und Glied, ebenso reihenweise Stuhlgestelle und es gibt, - ich lach mich tot, - die beiden blauen Plastik-Pools, Marke Baumarkt mit - kaltem!!! Wasser. Die heiße Quelle quillt so vor sich hin, müsste es nicht überlaufen? Wo geht denn das Wasser hin? Wo zapfen sie es ab, wieso nehmen sie es nicht für die Pools? Ich fass es nicht. Afrika.

Wir suchen uns etwas abseits einen Picknickplatz, direkt am rauschenden Fish River, natürlich unter der größten und schönsten Akazie des Areals, ein Fever Tree oder Gelbrinden-Akazie. Sie hat diesen von mir so geliebten hellgrünen Stamm, das lässt sie so zart und verwundbar erscheinen. In Elefantengegend wäre sie sicher die Nachspeise ... Vor uns, am Ufer baumeln Webervogelnester (Masked Weaver), über uns füttert ein Bulbul-Pärchen seine beiden Jungen, eine Bachstelze stelzt um uns herum.

Wir genießen einen halben Tag Ruhe, spätes Frühstück, lesen, Mittag essen (die leckeren King Prawns), flirrendes Licht durch die zartgrünen Äste, - irgendwie sind wir ein bisschen müde … Der Fish River ist währenddessen wieder gestiegen, sie scheinen immer wieder Wasser ablassen zu müssen.

Am Nachmittag fahren wir wieder nach Norden, zum Fish River Canyon. Ein erster Blick in den Canyon, unten fließt der Fluss. Er fließt und es ist schön, das zu sehen. Die Vorstellung dass er viel Wasser führt, ist total spannend, - es dann tatsächlich zu sehen, nicht mehr wirklich, denn es ist ja sehr weit nach unten (ca. 2 Kilometer?), bis zum Fish River. Das entfernte braune „Flüsschen“ da unten ist von hier oben irgendwie garnicht imposant. Um so mehr die Canyon-Landschaft im schönsten Abendlicht und leichten Dunst, atemberaubend. Zufrieden genießen wir unseren Sundowner am Canyonrand.





Die Hobas Campsite ist vollkommen von Kasuarinen, Akazien und Palmen bestanden. Angenehme Atmosphäre, schlicht und gepflegt, sie ist gut besucht und ganz nach unserem Geschmack.
Wir haben viel zu erledigen, die Neuzeit fordert ihr Opfer: Runterladen, sichern, formatieren. Das Programm muckt mit der neuen Kamera, so’n Stress… Abendessen.

Geraume Zeit beobachten wir, wie ein jungen Blondschopf, etwas verstört im Zick-Zack auf der Campsite herumläuft, irgendwann spricht sie uns an: - Sie findet ihr Auto nicht (ihr weißer Sedan steht 10 Meter hinter uns, auf der Nachbar-Site …). Schwedin, aus Kapstadt, 2 Monate Reisezeit, will mit ihrem Freund und Freunden nach Mozambique, Malawi, usw. Auto mit Freund in der Werkstatt. Währenddessen macht sie mit ihren Freundinnen Sightseeing. - Wo denn eigentlich der Canyon sei … - Oh, so weit? - Hmm. Niedliches Mädel. Wir hoffen für sie, dass die Jungens einen etwas besseren Orientierungssinn haben, sonst kommen sie in Malawi nie an …

Wir sind ziemlich alle und fallen bald ins Bett.
Letzte Änderung: 22 Apr 2016 10:58 von lilytrotter.
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07 Feb 2010 22:09 #128866
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Donnerstag
Bei Sonnenaufgang fahren wir wieder zum Canyon, den Canyonrand entlang nach Süden, Abzweig auf die 4x4 Strecke kurz vor ‚SulfurSpring’. Nette Strecke. An ihrem Ende: Schöne „Schichtlandschaft“ im Dunst.







Auf dem Rückweg bergauf sogar die Untersetzung benutzt, dann schnüffelt der Cruiser ganz fein nach oben, ohne mit Steinchen zu schmeißen... Noch die Schwefelquelle gesucht, finden sie aber nicht, dafür aber eine Pflanze, deren Blätter nach Zitronen-Salbei riechen und eine kleine Eidechse. Zurück auf halber Strecke unser Frühstücksplatz: Einer von den Plätzen, wie wir sie lieben, weshalb wir so gerne so reisen, wie wir reisen. Ein spätes ausgedehntes Frühstück, unter uns eine Flussschleife des Fish River. Cappuccino und getoastete Brötchen, Ei, Smoked Beef, Feigenmarmelade. So ein exklusives Plätzchen. Wunderbar, das ist der Lohn für die anstrengende Fahrerei und zu wenig Schlaf.


Anschließend, kleines Räumen. Reifenkontrolle, die walken ganz schön im steinigen Gelände, - ein bisschen aufpumpen und dabei den kleinen Kompressor killen.
Auf dem Rückweg noch kurz auf der netten Campsite gehalten. Kurze Erfrischung im kleinen Pool, die Baumkronen bilden ein Schattendach und verbreiten ein zauberhaftes Licht.

Weiterfahrt nach Grünau, unser Diesel ist knapp. Kürzester Weg, die Hauptverbindung vom Canyon nach Osten, Gravel Pad ist gut. Schöne Gegend. Toll im Abendlicht. Grüne Graslandschaften, so viele unterschiedliche Gräser! Wollsackverwitterungen in der Art des Erongo Gebirges um Ameib. Kontrastreich: Das Zusammenspiel aus klassischer Gras-Savanne und gelb blühender Blumenwiesen mit aberMillionen Daisies vor kugeligen Granitfelsen. Ganz Namibia ist grün, so grün, wie man es sich gar nicht vorstellen kann, wenn man es nicht selbst gesehen hat, denn es ist ein so enormer Unterschied zu den sonstigen Namibia-Bildern in der Trockenzeit.


Grünau, Tankstelle, 17.30 Uhr: Wir tanken die letzten paar Lieter Diesel. Während bei uns noch Fenster geputzt werden stehen schon mehrere Fahrzeuge an der Zapfsäule und gucken in die Röhre. Der Diesel ist tatsächlich alle! Das hätte uns noch gefehlt, dass wir hier hängen bleiben.

40 km vor Mariental, 22.40 Uhr. Es knallt, der Wagen schlingert etwas. Mein Held hält ihn gut auf Spur und bremst gemäßigt, ein Glück. Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn er das Auto nicht gehalten hätte, denn ich hatte mich gerade abgeschnallt, um eine Wasserflasche aus dem Kühlschrank zu greifen und unsere Tochter schläft hinten quer hinter der Rückbank. Das Reifengummi schlägt bei jeder Umdrehung laut in den Radkasten. Dann stehen wir. Warnblinker. Hänge mich aus dem Fenster: Es raucht und stinkt hinten rechts. Damit es besser abkühlt fahren wir noch langsam einige Umdrehungen.
Da stehen wir nun, wie belämmert, an der B1 mit Schwerlastverkehr. Fahren den Wagen so weit es geht vom Fahrbahnrand, so haben wir immerhin 2 Meter bis zum Asphalt... Stellen in 50 Metern Entfernung das Warndreieck auf und fangen an, stur vor uns hin zu arbeiten. Was könnten wir auch sonst tun, weinen? Ja, ich am liebsten! Den Einfüllstutzen zum Zusatztank hat’s abgerissen, der Radkasten ist zerfetzt. Der Dreckfänger ist natürlich weg. Wer weiß, wo der hingeflogen ist. Den suchen wir später, wenn wir fertig sind, mit Scheinwerferlicht.

Das Arbeiten geht problemlos. Ätzend sind die 30 Tonner, die mit hoher Geschwindigkeit vorbeidonnern, aber sie sind rücksichtsvoll, hupen und gehen immer auf die Fahrbahnmitte. Eigentlich ist es uns hier viel zu gefährlich, aber wir stehen nun mal hier (erkenne ich schon leicht fatalistische Tendenzen?). Am frühen Abend wäre es viel schlimmer, denn dann gäbe es reichlich Gegenverkehr, was ihre Ausweichmanöver auf die Fahrbahnmitte unmöglich machen würde. Nach 30 Minuten ist es geschafft, - der ganze Tüddelkram mit dem Werkzeug verbraucht einfach Zeit, denn es ist ja weit weg gepackt, weil man es selten braucht. - Zum Glück.
Schließlich drehen wir um, fahren ein Stückchen zurück, Warndreieck einsammeln und den ‚Schlappen’ suchen - und tatsächlich, er liegt noch auf der Straße.
Das Adrenalin ist hoch, wir sind nicht mehr müde. Fahren weiter bis Mariental, Tankstelle. Und keinen Meter mehr. Sind ausgepowert, müssten ja morgen früh sowieso hierher zurück und den Ersatzreifen aufziehen lassen. Schlafen an der Tankstelle, direkt an der Kreuzung in Mariental! Ist uns soo egal. Es ist halb Eins. Uns stört nix mehr!

Freitag
Morgens, 7.30 Uhr, neben wochenendlich WIMPY-frühstückenden Farmerfamilien aufgestanden. Wir schlafen zwar im Auto, aber das ist schon ein bisschen strange. Nutzen diesen fragwürdigen Umstand, um die uns alleinig interessierende Frage nach einer Reifenwerkstatt zu stellen: - We have a problem... - I have seen, sagt der Familienvater. Ist ja auch nicht zu übersehen, das zerfledderte Teil hinten am Auto.
Also dann, gleich der freundlichen Beschreibung des Farmers folgend, zu TrenTyre, denn heute gilt der Freitag wie Samstag, weil morgen Feiertag ist. Independence Day! Also nix wie hin. Sind die Ersten, ab- und aufziehen, geht wie geschmiert.
Gute Unterhaltung mit dem Chef-Mechaniker. Wir genießen diese Fachgespräche, sie sind immer sehr wertvoll, kostenlose Weiterbildung. Ratschlag: Lieber mit weniger Druck fahren, das schont das Auto. Besser öfter Reifen wechseln. Denn: Reifen kann man einfacher erneuern, als das Chassis! Gutes Argument. Beeindruckendes Argument. Werden wir uns merken.
Geld ist knapp, zur Bank, da ist gerade Stau, der Automat wird wohl gerade befüllt. Danach zurück zu WIMPY! Ausgiebig frühstücken mit allen Anderen, Schwarzen und Weißen, die hier dasselbe tun, heute am Freitag, der wie ein Samstag ist. Sehr lebendiger Platz. Interessant. Nett. Hätte nicht gedacht, dass ich es mal in so einem Laden nett finden würde.

Weiter nach Norden, 11.00 Uhr. Kaum sind wir aus der Stadt raus bemerken wir, dass der linke Rückspiegel ungewöhnlich vibriert. Ein bisschen gedreht und zack! – isser ab und klirrt auf die Fahrbahn. Reicht’s denn noch nicht? Wir halten an, sammeln den Scheiß von der Straße, pulen unseren alten Rückspiegel raus und fahren nun wieder mit eingeklebter Spiegelscherbe (hatten wir in Etosha schon mal, als ein auf die Piste ragender Ast den Spiegel atomisiert hatte). Ist eben doch nicht dasselbe, Zulieferer-Ersatzteil, China-Billigplastikscheiß. Hatte sich wohl jemand ein bisschen zu doll drangehängt und "schwups" – hinüber, das Teil.

Nun also weiter, bei S 23,5° passieren wir den ‚Tropic of Capricorn’, Wendekreis des Steinbocks. Obligatorischer Fotostopp, dann weiter zum Oanob Damm, Recreation Area. Ausspannen und essen und baden. Ursprünglich wollten wir hier mal übernachten, packen, räumen … Gute Sites, irgendwie ziemlich teuer, See ist randvoll, klares Wasser. Motorboote düsen umher für Wasserski und ‚fun and action’. Wir sind allerdings nicht besonders gut gelaunt. Nach essen und baden müssen wir endgültig das unabänderliche Ende der Reise anpeilen.
Die Strecke nach Windhoek ist landschaftlich reizvoll. Besonders hübsch die rosa blühenden Gräser im abendlichen Gegenlicht!
Im Dunkeln kommen wir an. Ausräumen und packen, duschen und das Auto für die nächsten 3 Monate "lagerfähig" machen. Es dauert ziemlich lange, bis wir alles fertig haben, spät ins Bett, - früh raus am
Samstag
Um 6.30 fahren wir zum Flughafen.
Die Lady, die die Bordkarten abreißt strahlt, als ich ihr „Have a nice Independence Day!“ wünsche. – Bye, bye, Namibia.
Den kleinen Schreihansel mit seiner Mami, der schon auf dem Hinflug allen Fluggästen den Schlaf und die Nerven raubte, haben wir dieses Mal direkt vor uns sitzen. – Grrmpf! – Aber es ist ja zum Glück ein Tagesflug … und ich habe mein Reisetagebuch, das ich noch nachtragen muss …

Und im August sind wir wieder da. Yippiie!
… und müssen dann erstmal den Kotflügel reparieren …

Das wars.

Zuhause angekommen schlafen wir uns erstmal aus.




Und übrigens:
Doris Lessing, Afrikanische Tragödie eignet sich nicht wirklich als Urlaubslektüre. Es beschreibt eine echte Tragödie, sehr deprimierend. Habs erst zu Hause gelesen.
Letzte Änderung: 22 Apr 2016 11:16 von lilytrotter.
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07 Feb 2010 23:06 #128871
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  • Mego am 07 Feb 2010 23:06
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Euer Reisebericht ist schon super. Ich möchte gerne weiter lesen aber es ist schon so spät. Morgen weiter
Am 02.03.20 fahren wir in etwa die gleiche Richtung.
Ich freue mich schon jetzt, hoffe aber auf weniger Regen.

Viele Grüße Mego
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07 Feb 2010 23:24 #128872
  • janet
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  • janet am 07 Feb 2010 23:24
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Danke,

das war mein perfektes Betthupferl für die Nacht :)

Ich freue mich für euch dass ihr so bald schon wieder runter könnt und bin ein bisschen (und das ist untertrieben) neidisch ;)

Liebe Grüsse und danke fürs Mitnehmen auf diese Reise
janet
Reisebericht: 3 Wochen Namibia 2009 - "suchen und finden *g*"

Reisebericht Sao Tomé 2011

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