Auf zwei Rädern ins Kaokoveld

Reisebericht 53 Antworten · 35,8k Aufrufe · gestartet 04. Sept. 2009 von Topobär
272 Beiträge · seit 200806. Nov. 2009 · #21
Danke für die Info. Klingt verlockend!
Gruß Dirk
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200920. Nov. 2009 · #22
8.Tag: Serra Kafema - Khumib River

Wolfgangs Knöchel war so angeschwollen, dass er nicht in die Motorradstiefel passte. Er musste heute in den Autos mitfahren und war als leidenschaftlicher Motorradfahrer davon alles andere als begeistert.

Bevor es dann endgültig losging, durften wir uns noch aus einem Benzinfass der Lodge bedienen. Als erstes galt es dann vom Kunene wieder ins Hartmann-Tal zu gelangen. Den Dünengürtel überwindet man dabei an anderer Stelle, als bei der Hinfahrt, da die steile Dünenabfahrt in dieser Richtung nicht zu bewältigen ist. Aber auch unsere heutige Passage hat wieder eine steile tiefsandige Abfahrt und ist deshalb ebenfalls Einbahnstraße.

Im Hartmann-Tal geht es für einige Kilometer auf der von gestern bekannten Strecke dahin, bevor wir kurz hinter dem Flugfeld nach Westen abbiegen. Hier gibt es eine Lücke in den Bergen, die das Hartmann-Tal von der Skelettküste trennen.



Nach den Bergen öffnet sich die Landschaft. Vor uns erstreckt sich ein riesiges Meer aus Gras. Nur in der Ferne begrenzt; im Osten durch die Berge und im Westen durch die Dünen der Skelettküste.



Die Piste verläuft, leicht zu befahren, auf der Grenze des Skelettküsten Nationalparks entlang. Näher kann man diesem für die Allgemeinheit gesperrten Gebiet nicht kommen.



In der Ferne sehen wir immer wieder Herden von Springböcken und Oryx. Große Aufmerksamkeit erregte bei uns die größte Gruppe Strauße, die ich je gesehen habe. Sie sind aber scheu und lassen uns nicht allzu nah heran.



In einen kleinen Tal steht ein einzelner Baum. Der erste Schattenplatz seit Stunden. Wir nutzen die Gelegenheit zur Mittagspause. Die handbemalten Lunchtüten sind ein letzter Gruß von Serra Kafema. Wir werden noch lange an diese fantastische Unterkunft denken.

Wir verlassen den Nationalpark wieder, die Piste geht Richtung Landesinnere. Die vielen eckigen und unübersichtlichen Kurven sind unschön zu fahren, es kommt einfach kein Fluss zustande.

In der Nähe von Orupembe stoßen wir auf die D3707, die wir gleich hinter der kleinen Siedlung schon wieder verlassen. Hier haben wir erstmals einen Blick auf den Khumib, wo wir heute Nacht zelten werden.



Die letzten 20 km verlaufen dann wieder im Flußbett. Diesmal haben wir nicht nur mit den Tücken des Tiefsandes zu kämpfen, sondern müssen auch noch einigen Fallgruben ausweichen, die plötzlich vor uns auftauchen. Hier haben Tiere nach dem unter dem lockeren Sand noch reichlich vorhandenen Wasser gegraben.



Aber diesmal erreichen alle unversehrt das Camp (bei meiner letzten Tour hatte sich hier ein Teilnehmer einen Bänderriss in der Schulter zugezogen). Zelte und Tisch stehen unter einen riesigen Ahnenbaum, der sich über ca. 50m Breite am Steilufer entlang erstreckt. Wohlgemerkt, ein einziger Baum.



Mit dem einen oder anderen Bierchen und GinTonic läuten wir rechtzeitig den Sundowner ein, der sich dann auch von seiner besten Seite zeigt.



Kurz nach Sonnenuntergang ist aus dem Lagerfeuer dann ein Glutbett geworden auf dem nun unser heutiges Abendessen gegrillt wird. Es gibt Rindersteaks allerbester Güte. Man merkt, dass Namibia Rinderland ist. Solch qualitativ hochwertiges Rindfleich ist in Deutschland einfach nicht zu bekommen.

Spät abends besuchte uns dann noch eine Braune Hyäne im Camp. Sie scheint hier ihr Revier zu haben, denn vor 3 Jahren kam sie ebenfalls zu Besuch.
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zuletzt bearbeitet 17. Juli 2013
6'152 Beiträge · seit 200620. Nov. 2009 · #23
Hallo Topobär,

schön, dass Du wieder Zeit hat weiter zu schreiben.
Sehr interessant.
Lieben Gruss Hanne
8 x Südafrika,1x Zimbabwe, 22x Namibia, 4x Botswana, 1x Lesotho, 1 x Swasiland
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200920. Nov. 2009 · #24
Danke. Es motiviert immer sehr, wenn man sieht, dass es Euch gefällt.
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4'129 Beiträge · seit 200821. Nov. 2009 · #25
Hallo, Topobär!

Haben fleißig gelesen, vielen Dank für Deinen interessanten Bericht. Auch wenn wir weder Motorrad fahren noch mit einer Gruppe unterwegs sein mögen kommt bei den Fotos Wehmut auf.
Unser Reisebericht aus der Gegend (auf vier Rädern!) ist immer noch in Arbeit.
Eines Tages isser fertig …

Grüße lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
140 Beiträge · seit 200921. Nov. 2009 · #26
also ich bin begeistert !
Fahre 1. sehr gerne Enduro (bisher nur N-Afrika) und 2. ist diese Strecke super. Wir wollen davon einiges im kommenden Sommer mit 4x4 versuchen.
Wie weit darf man dann als "Privater" auf der Strecke Hartmansberge Richtung Sera Cafema fahren?
Danke jedenfalls für die "Vorfreude-verstärkendenn" Bilder!
Martin
Namibia ist wunderbar - wir kommen sicher wieder www.stonestours.at
447 Beiträge · seit 200822. Nov. 2009 · #27
Hallo Topobär,

auch wir lesen noch eifrig mit und freuen uns schon auf die Fortseztung! Wirklich klasse, man ist fast mit dabei. Weiter so!

Viele Grüße,
Kathrin und Olli Manchmal wollen die Goetter, dass etwas nicht gelingt, damit die Menschen die Demut bewahren. Reisebericht Botswana Apr/Mai 08: http://www.namibia-forum.ch/download/olliboe08.pdf Reisebericht Botswana Jun 09: Feuertaufe im Regenwasser Norwegen 2010
1'247 Beiträge · seit 200925. Nov. 2009 · #28
Hallo Topobär

der Trip ist doch noch nicht zu Ende, oder? Geht's gelegentlich weiter?

Erwartungsvolle Grüsse
Thomas
Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht (Fritz Grünbaum) Reisebericht: 50 Tage NamBots (PDF ganz am Ende)
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200925. Nov. 2009 · #29
Deinem Wunsch wird umgehend Folge geleistet.

9.Tag: Khumib River - Palmwag

Wenn man in einem Flußbett übernachtet hat, ist das natürlich landschaftlich ein Traum. Am nächsten Morgen bedeutet es aber, dass man vom ersten Meter an fit sein muss und keine Möglichkeit hat, sich warm zu fahren.

Wir sind zunächst wieder einige Kilometer auf den gestrigen Spuren zurückgefahren und haben das Flußbett dann Richtung "Haifischzahn" verlassen.



Diese schon von weitem gut erkennbare Landmarke überragt den Pass, über den man vom Khumib zum Hoarusib gelangt. Oben angekommen breitet sich das Tal des Hoarusib weit vor einem aus.



Auf kürzestem Wege fahren wir hinunter und durchqueren das hier trockene Flußbett um auf die Ostseite zu gelangen. Dort gibt es einen, den Hoarusib überragenden Hügel, unser nächstes Ziel. Und hier haben wir das große Los gezogen. Direkt unter uns befindet sich eine große Herde Wüstenelefanten, die wir von unserem Aussichtspunkt aus nächster Nähe und doch sicher beobachten können.



Wir können uns kaum losreißen, haben aber noch eine weite Strecke vor uns. Das Tal wir enger und die Vegetation dichter und unübersichtlicher. Auch hier können Elefanten in der Nähe sein und wir fahren dem entsprechend vorsichtig. Wir wissen nicht, wie Elefanten auf Motorräder reagieren und wollen es auch nicht unbedingt herausbekommen.



Im Flußbett tritt jetzt immer häufiger Wasser an die Oberfläche. Dort wo es als Bach fließt, sind die Probleme gering. Entweder weicht man aus, oder kann es problemlos durchqueren. Es gibt aber auch weite aufgeweichte Sandflächen. Wie tückisch diese Flächen sind, muss Thomas schnell feststellen. Er verläßt die sich durch die Sandflächen schlängelnde Fahrspur um in direkter Linie abzukürzen. Als er dabei einmal kurz von Gas geht, versinkt seine Maschine schnell bis an die Sitzbank. Nur mit gemeinschaftlicher Anstrengung bekommen wir die Maschine wieder frei. Wenn einem das mit dem Auto passiert, kann man erst einmal einen Monat warten, bis der Fluss soweit abgetrocknet ist, dass man den Wagen ausgraben kann.



Bald darauf ist Purros erreicht. Ab hier geht es auf der D3707 Richtung Sesfontein. Dieser Pad ist deutlich stärker von den Regenfällen der letzten Wochen in Mitleidenschaft gezogen worden als die anderen Strecken, die wir bislang gefahren sind.

Auf der Gibris-Fläche machen wir Mittag. Da die Tage zu dieser Jahreszeit kurz sind und die Zeit schon weit fortgeschritten ist, fahren wir weiter auf dem Pad. Der Schlenker durch den Hoanib-Canyon fällt weg. Für Kathrin und mich nicht so dramatisch, da dieser auf jeden Fall Bestandteil unserer Reise im Mai 2010 sein wird.

Ab Sesfontein haben wir eine gute Piste unter den Rädern und geben Gas. Wir wollen rechtzeitig zum Sundowner auf der Terasse der Palmwag-Lodge sitzen. Aber noch immer sind zahlreiche Wasser führende Bäche auf dieser Strecke zu durchqueren. Einer ist tiefer als gedacht und ich wohl auch etwas schneller als gut war. Der Wasserdruck ist jedenfalls so groß, dass es mir die Füße von den Rasten reißt. Glücklicherweise schaffe ich es, auf der Sitzbank zu landen, so dass es noch einmal gut gegangen ist. Das ich komplett nass bin, ist bei den Temperaturen kein Problem, allerdings war der Bach stark veralgt, so dass ich von Kopf bis Fuß grün gesprenkelt war.

Palmwag-Lodge:

Ich sages es gleich vorweg: Ich bin kein großer Fan dieser warscheinlich bekanntesten Lodge Namibias. Sie ist zu groß und zu unpersönlich (So sollte es an der Rezeption bekannt sein, wenn eine Gruppe von 14 Personen erwartet wird und nicht ewig dauern, bis die Buchung gefunden und man eingechekt wird). Auch das Essen hat nicht die Güte, die wir sonst aus Namibia gewohnt sind.

Bei den Unterkünften gibt es Häuser, die mir nicht so gut gefallen haben und Zelte, die aber weit vom Hauptgebäude entfernt sind. Wir hatten Glück und bekamen ein Zelt.

Sehr schön ist die Terasse der Bar, mit herrlichem Sonnenuntergang.



Bei der vorherigen Tour hatten wir auf der Grootberg-Lodge übernachtet. Diese Unterkunft gefiel mir um Längen besser, auch wenn sie einen kleinen Umweg bei der Tour bedeutete.
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zuletzt bearbeitet 17. Juli 2013
1'247 Beiträge · seit 200925. Nov. 2009 · #30
Danke, so war's dann doch nicht gemeint 🙂

Was mir gefallen hätte, wären Bilder vom abgesoffenen Motorrad und vom grüngesprenkelten Bär. Aber die kann man ja auch nachträglich noch einfügen 😉

Gruss Thomas
Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht (Fritz Grünbaum) Reisebericht: 50 Tage NamBots (PDF ganz am Ende)
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200925. Nov. 2009 · #31
Gibt von beiden Episoden leider kein Bild. Bei meiner Dusche war niemand dabei und als wir in Palmwag ankamen war ich schon längst wieder getrocknet und das frische grün schon arg verblaßt.

Bei der Motorradbergung waren wir alle so damit beschäftigt, die Maschine aus dem Schlamm zu ziehen, dass niemand ans fotografieren gedacht hat. Hinterher haben wir uns dann alle darüber geärgert.

Aber ich denke viele von Euch kennen solche Situationen, wo man voll bei einer Sache ist und sich hinterher ärgert, das fotographieren vergessen zu haben.

Aber das ist halt der Unterschied zwischen Profis und Amateuren. Die Amateure fotografieren, wenn sie grad nichts anderes zu tun haben. Die Profis fotografieren erst und schauen dann, was es sonst noch zu erledigen gibt.
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122 Beiträge · seit 200625. Nov. 2009 · #32
Lieber Topobär, was für ein wunderbarer Reisebericht! Vielen Dank dafür! Ich hatte auch schon gewartet, wann und wie es weiter geht und bin sehr auf die Fortsetzung gespannt. Ich kann mir schon vorstellen, daß Andi Euch gut versorgt hat. Wir sind in etwa Eure Tour 2004 mit ihm gefahren, mit seinem roten Hilux, und es war wunderbar.
Herzliche Grüße
Kathy
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200903. Dez. 2009 · #33
10. Tag: Palmwag - Zebra Canyon

Das es auch heute wieder früh losging war klar. Die Tage im Mai sind kurz, die Etappen aber genauso lang wie im Oktober. Da gilt es, jede Stunde Tageslicht zu nutzen.

Der Tag begann zunächst locker mit 70km guter Gravel Pad. Erst auf der C43 nach Süden und dann auf der C39 Richtung Meer. Der Abzweig von der C39 ist sehr schlecht zu sehen und so trafen wir uns noch einmal alle, damit niemand vorbeifährt.

Jetzt wurde es anstrengend. Die folgenden 70km bis zum Huab besteht der Weg fast durchgehend aus mindestens faustgroßen kantigen Felsbrocken. Das fordert Kondition und rüttelt einen ordentlich durch.

In Namibia gibt es nicht nur die bekannte Mondlandschaft in der Nähe von Swakopmund; es gibt auch eine Marslandschaft. Wuchs zu Beginn der Strecke noch reichlich Gras, erstreckt sich nach erreichen des ersten Passes eine rote Felswüste vor uns.



Nächster geplanter Treffpunkt der Gruppe war ein Aussichtspunkt, von dem aus man einen ersten Blick auf das grüne Band des Huab hat. Einen Kilometer vorher fordert die rauhe Strecke ihren Tribut - ich habe einen Platten am Vorderrad. Das Ziel vor Augen ignoriere ich ihn und fahre vorsichtig, um die Felge nicht zu beschädigen, bis zum Treffpunkt weiter. Als Ralf ankommt, dauert es keine 10 Minuten, bis der Reifen geflickt ist.

Kurze Zeit später sind wir am Huab. Welch ein Kontrast. Der Fluss führt noch Wasser und alles ist saftig grün. Die Furt ist nicht allzu tief und lässt sich leicht durchqueren.



Weiter geht es nach Gai-As. Hier stehen in der Nähe einer permanenten Quelle einige aus grobem Stein aufgeschichtete Hütten. Zur Entstehungsgeschichte dieser Hütten habe ich schon mehrere Versionen gehört. Die einen sagen, sie wären von Schiffbrüchigen errichtet worden, die sich von der Skelettküste bis hierher retten konnten. Die anderen Sagen, dass es sich um eine alte, verlassene Buschmann-Siedlung handelt. Weiss hier jemand was genaues?



An der Wasserstelle selbst sehen wir zwar unzähliche Tierspuren, von deren Verursachern ist aber leider nichts zu sehen.

Jetzt gilt es die Einfahrt in den Zebra-Canyon zu finden, in Zeiten von GPS aber kein allzu großes Problem mehr. Nur mit Roadbook und Karte/Kompass war das vor 3 Jahren noch erheblich schwieriger.

Der Zebra Canyon ist vor allem für seine gefalteten Felswände bekannt. Hier kann man die Kräfte erahnen, die diese Landschaft formten.



Seinen Namen erhielt der Canyon da die Gesteinsschichten nicht nur schön gefaltet sind, sondern auch ein sehr auffälliges schwarzweiss Muster aufweisen.



Unser Camp hatte Andi diesmal unter einer dieser Felswände aufgebaut.



Die Sonne verschwand dann in dem engen Canyon leider recht schnell, aber das Lagerfeuer brannte schon, so dass wir uns dort wärmen konnten. Das im Potje darüber geschmorte Oryx-Filet, stellte dann alle bisherigen Leckereien von Andi noch einmal in den Schatten.

Ob Vegetarier wissen, was sie im Leben schönes verpassen? 😊
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zuletzt bearbeitet 17. Juli 2013
447 Beiträge · seit 200803. Dez. 2009 · #34
Zu den Hütten bei Gai-Ais kann ich leider nix sagen, aber die Frage kann ich beantworten:
Ob Vegetarier wissen, was sie im Leben schönes verpassen?
Ja, weiß ich, da ich nicht immer Vegetarier war - und es fehlt mir kein bisschen 😛

By the way, kann es sein, dass ich einen Reisebericht von Dir (von Kenia nach Namibia) im LC8 Forum gesehen hab?

Danke für den Bericht und weiter so!

Viele Grüße,

Kathrin
Kathrin und Olli Manchmal wollen die Goetter, dass etwas nicht gelingt, damit die Menschen die Demut bewahren. Reisebericht Botswana Apr/Mai 08: http://www.namibia-forum.ch/download/olliboe08.pdf Reisebericht Botswana Jun 09: Feuertaufe im Regenwasser Norwegen 2010
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200903. Dez. 2009 · #35
Kann nicht sein. Ich fahre eine LC4 Rallye.

Hatte eine vergleichbare Tour aber auch schon mal in der Planung, bis mir mein Arbeitgeber leider einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. 🙁

Kannst Du mir mal den Link zu dem Bericht schicken? Hört sich interessant an.
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zuletzt bearbeitet 03. Dez. 2009
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200908. Jan. 2010 · #37
11.Tag: Zebra Canyon - KoboKobo Mountain Camp

Eigentlich wollten wir heute den Zebra Canyon weiter bis zum Ugab fahren, diesem dann einige Kilometer Richtung Westen folgen, um dann über einen kleinen Track die D2303 zu erreichen. Da der Ugab nach den ausgiebiegen Regenfällen der vergangenen Wochen in diesem Bereich noch nicht wieder befahrbar war, mussten wir umdisponieren.

Mich störte das nicht, kannte ich die geplante Strecke doch schon von unserer letzten Tour und hatte somit jetzt die Gelegenheit, eine neue Strecke kennenzulernen.

Wir fuhren also durch den Zebra Canyon zurück auf die Hochfläche und vorbei an bizarren Sandsteinformationen Richtung Osten, wo wir in einen anderen Canyon abbogen, der ebenfalls zum Ugab führt. Dieser ist deutlich enger und steiniger als der Zebra Canyon.



Direkt am "Save the Rhino Camp" in Brandberg West erreichten wir den Ugab, den wir hier problemlos durchqueren konnten. Ab hier ist nur noch einfache Pad zu befahren, weshalb auch Wolfgang sein Motorrad abladen lies. Endlich wieder Gelegenheit für Ihn, trotz verstauchten Knöchel Motorrad zu fahren.

Je Näher wir dem Atlantik kamen umso kälter wurde es. Als der Seenebel in Sicht kam, wurde es Zeit, sich umzuziehen. Aufgrund meiner Erfahrung von der letzten Tour hatte ich alle meine warmen und winddichten Klamotten im Rucksack, die jetzt zum Einsatz kamen. Danach sah ich aus wie ein Michelin-Männchen.

Die Strecke entlang der Küste ist eigentlich nix für Motorradfahrer. Schnurgerade, eben, langweilige Umgebung, kalt und feucht. Harald und ich wollten die Strecke so schnell wie möglich hinter uns bringen, machten uns klein und im Tiefflug ging es mit 160 km/h Richtung Swakopmund.

Was war denn das? Hatte ich da gerade aus dem Augenwinkel ein Schiff am Strand gesehen. Kurz angehalten und umgeschaut. Tatsächlich, da lag ein großer gestrandeter Fischtrawler unweit des Ufers. Den mussten wir uns aus der Nähe ansehen, was aber gar nicht so einfach war. Der tiefe, extrem verspurte und vor allem sehr schwere Sand lies sich schwieriger fahren, als alles was wir in der Wüste hatten.



Bald erreichten wir Swakopmund, wo sich die ganze Gruppe zum Aufwärmen im Brauhaus traf. Nur meine selbst auferlegte Null-Promille-Grenze beim Motorradfahren, konnte mich von einem leckeren Weissbier abhalten.

Von Swakopmund aus ging es wieder ins Landesinnere. Mit jedem Kilometer, den wir uns von der Küste entfernten wurde es wieder wärmer und schon bald war erneuter Klamottenwechsel angesagt. Ansonsten ist auch diese Stracke bekanntermaßen sehr öde und so ging es mal wieder mit Vollgas dahin.



Nachdem wir die Berge erreicht hatten, war es nicht mehr weit. Die letzten 15km Farm-Track boten noch einmal Fahrspaß und dann erreichten wir am frühen Nachmittag das KoboKobo Mountain Camp.

KoboKobo Mountain Camp:

Ein weitgehend unbekanntes Kleinod unter den Lodges in Namibia. Östlich der D1985 in den Bergen gelegen.

Die zentralen Bereiche mit Pool, Bar, und den älteren Unterkünften befindet sich schön in einen Hügel integriert. Hier gibt es auch einen Beobachtungsstand auf das nahe Wasserloch und auch die Malzeiten werden hier an einer Tafel im Freien eingenommen.



Darüber hinaus gibt es noch modernere Chalets im Adobe-Style, die auf dem weitläufigen Gelände verteilt sind.



Alles ist einfach aber sehr sauber und und mit viel Liebe gemacht. Strom gibt es aus solargespeisten Batterien.

Das besondere an KoboKobo aber ist die zauberhafte Gastgeberin Kirsten, die zusammen mit nur zwei Angestellte den ganzen Laden schmeißt. Sie liest den Gästen jeden Wunsch von den Augen ab und kocht ganz ausgezeichnet. Da sie es zum Grundsatz von KoboKobo gemacht hat, immer nur eine Gruppe gleichzeitig zu bewirten (egal ob 2 oder 15 Personen), ist das Ganze sehr familiär.

Wir haben uns hier wieder extrem wohl gefühlt.
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zuletzt bearbeitet 17. Juli 2013
1'247 Beiträge · seit 200908. Jan. 2010 · #38
Topobär schrieb:
Ansonsten ist auch diese Stracke bekanntermaßen sehr öde und so ging es mal wieder mit Vollgas dahin.
Hallo Topobär
einverstanden, was die Strecke betrifft: praktisch alles geradeaus und ziemlich übersichtlich. Aber was mich trotzdem interessieren würde: wenn du auf einer solchen Strecke mit einer Enduro Vollgas fährst, dürften das um die 150kmh sein. Wenn ein Truck entgegenkommt, siehst du die Staubfahne von weitem und kannst vom Gas. Aber was machst du, wenn irgend ein Kleinvieh unter einem Busch hervor über die Strasse springt?

Dass mir der Bericht gefällt und mir nolens, volens meine motorradfahrerischen Limiten aufzeigt, habe ich ja schon früher einmal vermerkt. Daran hat sich nichts geändert 😎

Herzliche Cruisergrüsse aus der Schweiz
Thomas
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Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200908. Jan. 2010 · #39
Die von mir beschriebenen Vollgasstrecken sind so öde, dass es da noch nicht einmal Büsche gibt, hinter denen sich was größeres als ein Kaninchen verstecken kann.

Auf allen anderen Strecken mussten wir aber immer mit plötzlichem Wildwechsel rechnen. Da ist man dann automatisch langsamer unterwegs.

Grundsätzlich gilt: Bei allem bis zur Größe eines kleinen Hundes (ca. 10kg), Lenker festhalten (Augen zu) und durch. Bei allem was größer ist, sollte der Fahrer in seinem eigenen Interesse zu einem Ausweichmanöver in der Lage sein. Das Hauptproblem dabei ist für die meisten die einleitende kontrollierte Vollbremsung auf losem Untergrund. Viele haben da Angst, beherzt in die Vorderradbremse zu greifen.
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Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200915. Jan. 2010 · #40
12. + 13. Tag: KoboKobo - Windhoek - Rückflug

Da es von KoboKobo nur 3h Fahrzeit bis Windhoek sind hatten wir es nicht eilig. Wir wollten diese schöne Unterkunft so lange wie möglich genießen und erst mittags die Heimreise antreten.

Geweckt wurde ich heute mal nicht durch den Handywecker oder Ralfs Hupe, sondern vom Gekreisch einer Paviangruppe, die in den steilen Felswänden oberhalb unserer Hütte umherturnte.



Als leidenschaftlicher Kletterer schaute ich ihnen sehnsüchtig zu. In den Felswänden rings um KoboKobo wäre sicherlich Potential für schöne Routen.

Nach einem sehr umfangreichen und gemütlichen Frühstück kraxelte ich noch auf einen in der Nähe liegenden Berg, um mir das Ganze mal aus höherer Warte zu anzuschauen. Hier erschließt sich die schöne Lage der Lodge auf dem Felsen am besten. Fast wie eine kleine Festung, nur eben sehr friedlich.



So schön es auch war, irdendwann hieß es unvermeintlich Abschied zu nehmen. Über den Bosua Pass fuhren wir auf der C28 nach Windhoek. Wieder war es eine tolle Achterbahnfahrt mit ständigem auf und ab sowie unzähliche Kurven durch die schöne Landschaft des Khomas Hochlandes. So schön wie hier kann man nur selten durch die Kurven driften und dass für über 100km. 🤩

Auf der Windhoek Mountain Lodge erwartete uns dann schon eine Stärkung in Form leckerer Salate, damit wir nicht die Zeit bis zum Dinner mit knurrenden Mägen verbringen mußten. Abends gab es dann Buschmann-Fondue, eine Spezialität der Windhoek Mountain Lodge.

Am nächsten Tag machten wir noch einen Ausflung nach Windhoek, wo wir kreuz und quer durch die Innenstadt liefen. Völlig stressfrei. Niemand wollte was von uns.



Den Rest des Tages verbrachten wir auf der Lodge mit Lesen und den dort lebenden Hunden und Katzen.



Ralf fuhr uns dann rechtzeitig zum Flughafen, so dass wir trotz 2h Schlangestehen am Counter noch Zeit für ein Abschiedsbier mit der ganzen Gruppe hatten. Start und Landung waren pünktlich; auch das gibt's bei Air Namibia.

Fazit:

Wieder mal eine sehr schöne Tour durch einsame beeindruckende Landschaften mit sehr schönen Unterkünften, seinem es die Lodges oder die Outdoorcamps.

Beim Vergleich meiner beiden Touren, schneidet aber die Oktober-Tour vor drei Jahren noch einen Tick besser ab. Im Oktober sind die Tage länger und Landschaft wüstenhafter/beeindruckender. Das machen die angenehmeren Temperaturen jetzt im Mai nicht wett.

P.S.: Mit Reiseberichten ist jetzt erst einmal Sendepause, bis ich von unserer Tour im Mai 2010 berichten kann. Jetzt werde ich erst einmal das geballte Wissen des Forums für meine Tourplanung anzapfen.
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zuletzt bearbeitet 17. Juli 2013