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THEMA: REBECCA LOLOSOLI - EINE SACKSTARKE SAMBURU-FRAU
08 Jun 2016 14:19 #433639
  • Mzeekenya
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  • Mzeekenya am 08 Jun 2016 14:19
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Begegnungen mit einer aussergewöhnlichen Frau

Rebecca kann keinem Tanz widerstehen und freut sich, wenn es "ihren" Frauen, die im Umoja Village leben, ähnlich geht.


Rebecca ist, schon äusserlich, eine Respektperson und imponierende Erscheinung. Sie hat ihr "Unternehmen" im Griff und nichts, das nicht sein sollte, entgeht ihren Augen.


Unsere Unterhaltung begann sehr locker

"I am Willi", stellte ich mich vor.

"I am Rebecca, karibuni Willy".

"You look good, Rebecca".

"That's it because I am happy".

Das nächste war eine gegenseitig Umarmung. Ich merkte, dass Rebecca nicht nur mental eine starke Frau ist, sondern auch körperlich.

Und ich merkte schon nach den ersten Worten, dass die Samburufrau trotz ihrer grossen Verdienste um geschlagene und gequälte Frauen, trotz vieler internationaler Auszeichnungen, trotz Einladungen aus der ganzen Welt, wo man sie als Vortragsrednerin schätzt, mit beiden Füssen auf dem steinharten Boden des Umoja Dorfes (das Village befindet sich drei Kilometer ausserhalb von Archer's Post, auf dem Weg in das Samburu Game Reserve) stand und sie in keinster Weise abgehoben war, wie man das bei "einfacheren Geistern" oft findet. Sie war einerseits ganz natürlich, schaute mir in die Augen und war andererseits eine Person, deren Charisma ich mich schon bei der ersten Begegnung nicht entziehen konnte . Und zugleich verspürte ich ihre Souveränität, die sie ihrem Vater, einem sehr einflussreichen Samburu-Chief verdankte und dank der sie inzwischen auch von den alten Männern - ihren grössten Gegnern - wenn nicht geliebt, so zumindest respektiert wird.
Es war für Rebecca ein langer Weg bis heute. Und er ist noch lange nicht zuende. Rebecca kämpft nach wie vor gegen Generationen alte Sitten und Bräuche, die von den Samburu selbst beschönigend als "kulturelle Güter" bezeichnet werden, die man den Ahnen zuliebe nicht aufgeben dürfe. Zu diesen zählt der Umstand, dass eine Frau mit der Heirat zum Eigentum ihres Mannes wird und seinen Launen ausgeliefert ist. Zu diesen gehört eine der schlimmsten Menschenrechts-Verletzungen, die man einer Frau resp. einem Mädchen antun kann: die beschönigend als "Beschneidung" bezeichnete Genital-Verstümmelung. In der Samburu-Welt - und bei vielen anderen Ethnien - sind Frauen absolut rechtlose Wesen - was sage ich, Sachen.


Besucher werden von den Samburufrauen und -mädchen mit Tänzen empfangen. Eintritte in das Umoja Village und der Verkauf von Glasperlen-Schmuck sind die Haupteinahmen der Frauen, mit denen sie ihren Lebensunterhalt bestreiten.




Das Umojadorf ist von einem Dornenwall umgeben; Männer dürfen es nur mit der Einwilligung der Frauen betreten und müssen es spätestens am Abend wieder verlassen.
Letzte Änderung: 01 Jul 2016 17:09 von Mzeekenya.
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08 Jun 2016 15:34 #433642
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Eine wirklich bemerkenswerte Frau. Wo liegt das Umoja Village?

LG freshy
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08 Jun 2016 16:52 #433651
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  • Mzeekenya am 08 Jun 2016 14:19
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Hallo freshy,

ja, Rebecca ist mehr als eine aussergwöhnliche Frau. Ich werde ihre Geschichte noch auf vielen Seiten zu erzählen haben. Sie hilft ja nicht nur "ausgestossenen" Frauen im Umoja Village, sondern hat auch eine Schule für die 1. bis 8. Klasse aufgebaut, die bei der jährlichen Prämierung der Schulen auch dieses Jahr wieder auf dem 1. Platz ist, mit vielen Schülern, die in den verschiedenen Sparten - u.a. Sprache, Mathematik, Geographie - auf den ersten drei Plätzen unter mehreren hundert Schülern zu finden sind. Sie ist auch in der lokalen Politik tätig, beschäftigt sich mit positiven Fortschrittsgedanken und -tätigkeiten, spricht im Rat der Elders und unternimmt immer wieder Auslandsreisen nach Amerika und Europa.
Ein ganz besonderes Anliegen ist ihr FGM, Femal Genital Mutilation, zu deutsch etwa Genitalverstümmelung junger Frauen und Mädchen, das, was früher als "Beschneidung" bezeichnet wurde. Auch darüber werde ich ausführlich berichten.
Morgen Donnerstag werde ich noch einmal für einige Tage zu ihr hinfahren und ihre Arbeit aus nächster Nähe verfolgen.
Das Umoja Village ist wenige Kilometer von der Ortschaft Archer's Post, an der Sandpiste zum Eingang des Samburu Wildlife Reserves, zu finden. Jeder Parkbesucher sollte unbedingt einen Abstecher zu Rebecca und ihren Frauen machen. Und sich nicht von den Fahrern abspeisen lassen, die behaupten, Umoja village sei sehr weit entfernt (weil sie von Rebecca keine Kommission dafür bekommen, wenn sie Besucher in das Frauendorf bringen). Das Village ist weniger als einen Kilometer von der Piste entfernt, die in den Samburu Park führt.
Gruss WILLI

Uaso Nyiro rund 3 km von Archer's Post entfernt


Abendstimmung am Uaso Nyiro


Ich habe Rebecca gebeten, sich neben das Schild zu stellen (das vor Crocs im Uaso Nyiro warnt), denn sie hat in ihrem Leben unzählige Male Grenzen überschritten, die vor ihr keine andere Afrikanerin überschritten hat.


Rebecca ist immer für einen kleinen Joke zu haben; das Bild betitelte sie mit "lovers"
Anhang:
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14 Jun 2016 14:40 #434296
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Kämpferin für die Rechte der Frauen

Bevor ich mich den Leistungen von Rebecca, die in Afrika noch weit höher einzustufen sind als in Europa, zuwende, will ich einige biografische Daten der Gründerin des Umoja Villages aufführen. Rebecca kam vor gut 50 Jahren in der kleinen Ortschaft Wamba zur Welt. Sie hat mindestens noch zwei Schwestern und drei Brüder. Mindestens darum, weil ihr Vater, der einflussreiche Chief Ditan Lesankurikuri, drei Frauen und von diesen mindestens sechs Kinder hatte. "Es können auch ein paar mehr sein," wie Rebecca in einem Gespräch lächelnd bemerkte. Sie war, wie sie in ihrem Buch "Mama Mutig" schrieb, das Lieblingskind ihres Vaters (das Buch ist im Verlag vergriffen. Der "Freundeskreis Umoja e.V." in Grevenbroich konnte aber dank einer grosszügigen Spende eine Sonderanfertigung drucken lassen, die ausschliesslich über den e.V. bezogen werden kann (fk-umoja.com/)). Obwohl ihr Vater drei Söhne hatte, erzog er seine Tochter im Sinne eines Dorfchiefs, was in der Kultur der Samburus ungewöhnlich ist. So entwickelte Rebecca ein sehr starkes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, die ihr geholfen haben, die Kämpfe, die sie beinahe das Leben gekostet haben, erfolgreich durch zu stehen.





Weit und breit keine Freier
Als Rebecca ins heiratsfähige Alter kam, - das bei den Samburus schon bei 12 oder 13 beginnt, obwohl die kenianischen Gesetze ein Mindestalter von 18 vorschreiben; Nairobi ist weit, die Politiker interessiert es nicht und die Polizei nimmt am liebsten keine Anzeigen auf, das würde ja Arbeit bedeuten und, anders als bei den Strassenkontrollen, kein Geld einbringen - standen die Bewerber nicht Schlange, obwohl der Vater ein sehr reicher und angesehener Mann war. Die Männer waren zwar auf den Reichtum der Familie scharf, aber nicht auf die kratzbürstige Braut. Rebecca konnte deshalb zwar einer frühen Heirat auch dank ihrer Mutter entgehen - aber mit 13 nicht der rituellen Beschneidung, die sie, durch Blutverlust, beinahe das Leben kostete.
Schon als junges Mädchen und erst recht als junge Frau wehrte sie sich gegen überlieferte Konventionen und es verwundert deshalb nicht, dass kein Mann um ihre Hand anhalten wollte. Als sich ein alter Mann um sie bewarb, wurde er sowohl von Rebecca wie von der Mutter, in der sie eine starke Stütze hatte, abgelehnt. Einige Zeit danach meldet sich ein neuer Interessent, Fabian Lolosoli, ein gleichaltriger Bankangestellter, und es kommt zu einer Heirat, die von Anfang an unter einem schlechten Stern steht. Die Schwiegereltern, vor allem der Vater ihres Mannes, lehnt sie ab und nach einer Widerrede prügelt er sie mit einem Stock. Rebecca entreisst ihm den Stock und droht ihm seinerseits Haue an - etwas, das es wahrscheinlich in der ganzen Geschichte der Samburus noch nie gegeben hat! Streitigkeiten sind vorprogrammiert. Ihr Mann steht ihr aus Angst vor seinem Vater nicht bei...
Als auch er anfängt, seine Frau zu verprügeln, packt Rebecca ein paar Kleider ein und verlässt das Haus. Ohne Mittel, ausgestossen und ohne Kinder steht sie vor dem Nichts. Aber mit der ihr eigenen Kraft und inneren Stärke baut sie in Archer's Post ein eigenes, florierendes Geschäft auf, das bald zum Mittelpunkt für ebenfalls ausgestossene, geschlagene, misshandelte und mittellose Frauen wird. Damit macht sich Rebecca vor allem unter den Männern keine Freunde. Sie wird bedroht und eines nachts überfallen und übel zurichtet.

Das erste Frauendorf Afrikas
Rebecca entschliesst sich, für all diese rechtlosen und verzweifelten Frauen ein eigenes Dorf zu errichten, das sie Umoja (vereint) nennt und zum ersten Frauendorf Afrikas wird. Bald hat sie rund 40 Frauen mit ihren Kindern um sich versammelt. Die Frauen errichten auf einem kargen Stück Land, das Rebecca gehört - das ihr Mann aber mit der Begründung beansprucht, dass ihm als Besitzer seiner Frau auch ihr Land gehöre - eine kleine Siedlung, die aus traditionellen Hütten besteht. Sehr viel später erreicht Rebecca durch ein Gerichtsurteil, dass ihr das Land zugesprochen und sie die rechtmässige Besitzerin wird. Auch das ist in der Geschichte der Samburus einzigartig und lässt die Männer um ihre Privilegien fürchten. Rebecca wird erneut bedroht und eines Tages stürmt ihr Mann mit einem Gewehr bewaffnet ins Umoja Village und will sie umbringen. Zum Glück ist sie gerade nicht im Dorf, wird von anderen Frauen gewarnt und flieht nach Nairobi, wo sie sich in billigen Absteigen Monate lang verstecken muss und letzten Endes in Kibera landet, einem der grössten Slums Afrikas.

Rebeccas Haus im Umoja Village


Zusammen mit zwei Frauen aus dem Umoja Village geht Rebecca in Archer's Post einkaufen. Die Frauen achten darauf, dass sie nie allein irgendwohin gehen, denn noch immer kann es zu Übergriffen auf sie kommen.


Kurz vor Sonnenuntergang geht Rebecca gern zu den Ufern des Uaso Nyiros und geniesst die friedliche Stimmung und die letzten Sonnenstrahlen.


1000 Vergewaltigungen!
Jahrzehnte lang - das Dorf wurde vor 25 Jahren von ihr und ihrer Freundin Nagusi, auch sie von ihrem Mann verstossen, gegründet - arbeiteten die Frauen hart, um überleben zu können. Rebecca machte sich einen Namen als Frauenrechtlerin, obwohl sie nicht einmal wusste, was das ist... Ein besonders düsteres Kapitel hängt mit der britischen Armee zusammen, die bis zum heutigen Tag nördlich von Isiolo bis nach Archer's Post mehrere Ausbildungs- und Trainingslager hat. Soldaten überfielen in den 80er und 90er Jahren immer wieder Samburufrauen und vergewaltigten sie! Rebecca schätzt, dass mindestens 1 000 von ihnen von den Briten Gewalt angetan wurden. Dutzende von Mischlingskindern wurden gezeugt und meistens gleich nach der Geburt umgebracht. Es wurde versucht, gegen die Soldaten Verfahren zu eröffnen, aber sowohl die britische Armeeführung wie die kenianischen Politiker würgten diese Verfahren immer wieder ab und bis zum heutigen Tag wurde weder eine Schuld anerkannt noch eine Entschädigung bezahlt.
Schande über diese "Männer", die man nur als Feiglinge bezeichnen kann.




Rebecca, wie sie leibt und lebt: wie eine kleine Königin schreitet sie ihr Reich, das Umoja Village und den Campingplatz mit den Bandas und dem Restaurant, ab.


Wasserschleppen gehört auch zu den Pflichten der Frauen, während ihre Männer unter schattigen Akazien sitzen oder in der Dorfschänke Bier in sich hinein kippen.


Noch immer sitzen die Frauen bei "Ratsversammlungen" nicht bei den Männern. Sie kennen ihre Rechte nicht und begnügen sich damit, den Männern zu zu hören.


Kurzes Intermezzo - zum Schmunzeln??
Obwohl Rebeccas Ruf als aufmüpfige und widerborstige Frau, die keinem Mann gehorcht, im ganzen Samburuland - das bis nach Wamba und Maralal und noch weiter nördlich reicht - bekannt ist, wird sie immer von Männern umschwärmt. Zum einen, weil sie nach afrikanischem Verständnis eine "Bombenfigur" hat und etwas "hermacht", ausserdem als schön und sexy gilt (wie sie mir grinsend erklärte), zum anderen, weil sie sehr viel Land besitzt, das durch den Bau einer Teerstrasse, die nah an ihrem Land vorbei führt, durch grosse Bautätigkeiten und wahrscheinlich wegen der Errichtung einer Solar Power Anlage enorm im Wert gestiegen ist.
Da würde mancher in den sauren Apfel beissen und die schöne Rebecca zur Frau nehmen, auch wenn er zuhause bereits zwei oder drei Weiber hat (bei den Samburus kann ein Mann soviele Frauen ehelichen, wie er an Brautgeld aufbringen kann - die Frauen müssen dann für sich selber sorgen...). Aber die Rebecca wurde angeblich in den letzten fünf Jahren nie in Begleitung eines Mannes gesehen. Und nun das: drei Tage hinter einander taucht sie bei Versammlungen und Meetings im Busch draussen mit einem Mzungu auf. Lachend erzählt mir Rebecca am Abend, dass sie von mehreren Männern gefragt worden sei, ob jetzt dieser alte Mzungu ihr neuer Boyfriend sei.
Sie habe das mit grossem Vergnügen bejaht und die Vorzüge dieses weissen Mannes hervor gehoben: er sei höflich und halte ihr sogar die Autotür auf. Er schiebe ihr den Stuhl unter den Hintern. Er kaufe ihr ein, zwei, drei Flaschen Bier (Rebecca ist - wie die meisten Kenianer/innen - eine begnadete Bier-Vertilgerin). Nun ging die Geschichte wie ein Lauffeuer durch Archer's Post und die nähere und weitere Umgebung und bei Versammlungen erschienen plötzlich doppelt soviele Menschen wie normal; alle wollten den Glücklichen (der überhaupt nichts von seinem Glück wusste) bestaunen und ihm die Hand schütteln (wäre mein Imunsystem nicht so Spitze, hätte ich inzwischen ein halbes Dutzend Krankheiten aufgelesen).

Rebeccas "neuer Boyfriend"
Nun, eines Abends - nach 22.00 Uhr - tauchte in Rebeccas Restaurant James Lenayara auf, seines Zeichens ein entfernter Cousin meiner "Angebeteten" und unterzog Rebecca einem strengen Verhör - was an der Geschichte wahr sei und was erfunden. Rebecca blieb todernst und bestätigte dem Clanmitglied strahlend, dass der Mzungu genau das sei, was kein Samburu sei - nämlich ein Gentleman. Darauf wurden sehr derbe Spässe auf meine Kosten gemacht. Der Ex-Chief James wollte von Rebecca wissen, wie viele "Runden" denn der Mzungu zustande bringe? Seinem Alter entsprechend dürfte er wohl schon mit der ersten Mühe haben. Dann zeigte mir der "Verhörrichter" anhand seines reich mit Glasperlen verzierten Rungus (Schlagstock) die beeindruckende Grösse seines "privat parts", wie das im Englisch so romantisch heisst. Das löste selbst bei seinen Landsleuten, die mit uns im Restaurant sassen, brüllendes Gelächter aus, das noch anschwoll, als er seinen Daumen auf ein winziges Stück des dünnen Endes seines Rungus legte und behauptete, die Männlichkeit eines Mzungus sei so gut wie unsichtbar und demzufolge völlig untauglich, einer Samburufrau zu imponieren. James Lenayara beliess es allerdings bei Vermutungen und wollte keinen Wahrheitsbeweis begutachten.
Als Rebecca und ich allein waren, lachten wir noch einmal eine Runde hemmungslos.

James Lenayara und sein "Wunderstock"


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Das Samburu Game Reserve vor der Haustür
Das Umoja Village ist nur wenige Kilometer vom Eingang zum Samburu Wildreservat entfernt und Rebecca meinte, nach den drei anstrengenden Versammlungen, auf denen die Errichtung einer 500 acres (1 acre misst 4047 m2) grossen Solar Power Plant diskutiert wurde, die Investoren aus China, Grossbritannien und Kenia errichten wollen und die jeweils 3-4 Stunden dauerten, könnten wir den Samburu besuchen und uns ein paar Elefanten aus der Nähe anschauen. Gesagt, getan. Ich hatte noch allerlei Leckereien wie Serrano Schinken, Milano Salami, Emmentaler und gebratenes Huhn im Kühlschrank (Rebecca bezeichnet zwar Huhn als Kein-Fleisch, das sei etwa das gleiche wie Wasser im Vergleich zu Bier). Gemüse, Salat und dergleichen betrachten wir hingegen beide als Futter für Kaninchen...
Nach einer kurzen Diskussion am Eingang wurden wir durch gewunken; Rebecca genoss mit ihren Gästen VIP-Status. Allerdings wussten auch die Ranger bereits, dass ihr Singeldasein anscheinend zu Ende war und ich hatte den Eindruck, dass mich der eine oder andere Blick etwas neidisch streifte.
Samburu war und ist seit bald 50 Jahren einer meiner Lieblingsparks. Seine semiaride Landschaft ist atemberaubend (wenn man Halb- und Ganzwüsten mag) und meistens ist es der Tierreichtum auch; er wird nur von der Massai Mara übertroffen.
Es dauerte denn auch nicht lange, bis wir die ersten Impalas entdeckten und gleich darauf eine kleine Familie von Grevyzebras, der grössten und schönsten Zebraart. So ging es die nächsten zwei Stunden weiter: Elefanten überall, äsend, Staub aufwirbelnd, zum Uaso Nyiro ziehend und im Wasser plantschend, miteinander spielerisch kämpfen, in einem Morastloch spielen und so weiter und so fort. Dann sahen wir ein halbes Dutzend Geländewagen mit hoher Geschwindigkeit einer Baumgruppe zu fahren. Das konnte sich nur um eine Katzensichtung handeln. Also ebenfalls hinbrausen und wirklich: eine Löwin mit zwei Jungen schlich durch den Busch. Alle drei waren brandmager und die Löwin schaute zu einer Warzenschweinfamilie, die in etwa 300 m Entfernung über eine dürre, fast graslose Fläche trottete. Ihre schwarze Schwanzspitze zitterte nervös. Aber die Warzenschweine schienen einen sechsten Sinn zu haben und flüchteten mit steil aufgerichteten Schwänzen in den Busch. Die Löwin und ihr Nachwuchs trotteten ein Stück weit dem Weg entlang und kamen zu einer grossen Wasserpfütze und mein sechster Sinn hatte mir geraten, genau bei dieser Pfütze auf die Löwen zu warten. Sie kamen und tranken in langen Zügen - keine fünf Meter von uns entfernt.
Am späteren Nachmittag waren wir seh-müde und voller wunderbarer Tiersichtungen. Wir beschlossen, ins Umoja zurück zu fahren und den Tag bei einem - was wohl - kühlen Bier ausklingen zu lassen.




















Schulbildung: das A und O jeder Nation
Schulbesuch und Bildung sind ein grundlegendes Menschenrecht, dem aber von vielen Staaten - besonders in Afrika - nicht nach gekommen wird. Es gibt z.B. in Kenia eine Schulpflicht zumindest für die Klassen 1 bis 8, sozusagen die Volkschule. Aber die staatlichen Schulstrukturen sind in weiten Teilen des Landes lamentabel.
Eltern, die es vermögen, schicken ihre Kinder deshalb in Privatschulen - und zahlen zum Teil viel Geld dafür. Die Armen hingegen können sich oft nicht einmal die Staatsschulen leisten. Der Unterricht ist zwar gratis, die Uniformen und die Bücher hingegen nicht - und letztere können pro Trimester 5 000 und mehr Ksh. kosten - Beträge, die viele Eltern nicht stemmen können - vor allem, wenn sie mehrere Kinder haben. Umoja hat die Wichtigkeit einer guten Schulbildung früh erkannt und sich darum bemüht, einerseits einen Kindergarten mit zwei bis drei Altersklassen aufzubauen und andererseits Volksschulklassen von 1 bis 8. Im Moment ist Umoja bei Klasse 7 angelangt. Ein Klassenraum für eine 8. Klasse ist zur Zeit im Bau. Seine Fertigstellung hängt ausschliesslich von der Finanzierung ab. Ein deutscher Sponsor, die Mühlbauer-Firma aus Köln, hat zum Start in grosszügiger Weise bisher vier Klassenräume finanziert und zum Teil auch die Gehälter der Lehrer (ein Lehrersalär beträgt zur Zeit pro Jahr rund EU 4 000.00, etwa 450 000 ksh oder etwa 37 000 ksh pro Monat. Die Lehrer der Staatsschulen müssen sich mit rund 28 000 ksh begnügen und viele machen ihre Arbeit mehr schlecht als recht... Die guten suchen eine Anstellung in einer Privatschule.

Die Umoja Muehlbauer Academy trägt den Namen der deutschen Spenderfirma aus Köln


Im Kindergarten wird zu Schulbeginn gesungen und gebetet


Schon die Kleinen lernen Silben auswendig, mit denen sie dann Wörter bilden können.


ki+ji+ko = kijiko = Löffel - zeigt die Lehrerin


Die Schüler sind mit grossem Eifer beim Unterricht. Sie gehören jedes Jahr zu den besten Absolventen innerhalb ihres Schulbezirks Archer's Post.


Die neuen Schulräume für die 8. Klasse sind im Bau. Mangels Finanzierung dauert es bis zu ihrer Fertigstellung noch eine Weile.


Rebecca im Gespräch mit der Schulleiterin der Umoja Schule
Anhang:
Letzte Änderung: 22 Jun 2016 11:28 von Mzeekenya.
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  • Mzeekenya am 08 Jun 2016 14:19
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WEIBLICHE GENITALVERSTÜMMELUNG
Mehrere Tausend Fomis haben meine Story über die weibliche Genitalverstümmelung aufgerufen und zum Teil kommentiert (www.namibia-forum.ch...echtsverletzung.html). Herzlichen Dank für die Anteilnahme.
Der Artikel kann nun um ein Kapitel erweitert werden: Über eine Fundrising-Plattform läuft ein Projekt, dem Umoja village zu einem gebrauchten 4x4 zu verhelfen, mit dem Rebecca auch weiter entfernte Siedlungen und Familien erreichen und "aufklären" kann. Wer sich dafür interessiert, findet über den unten stehenden Link nähere Angaben.
WILLI
wemakeit.com/project...fuer-s-umoja-village

Rebecca inmitten der Bewohnerinnen des Umoja villages, in dem sie ohne Misshandlung durch ihre Männer, Schwiegerväter und Brüder leben können
Letzte Änderung: 26 Aug 2016 11:17 von Mzeekenya.
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26 Aug 2016 12:36 #442507
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  • BMW am 26 Aug 2016 12:36
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BEEINDRUCKEND und CHARISMATISCH..............................!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!.

lg........BMW
Letzte Änderung: 26 Aug 2016 12:42 von BMW.
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